Der Tod, ein knallhartes Business

In den letzten 3 Wochen hatte ich einiges um die Ohren mit dem Tod meiner Mutter und was einem zum Teil begegnet ist mit Worten kaum zu beschreiben. Knallhartes Business, Kalkül und eines wissen jene die damit Ihr Geld verdienen ganz sicher, die Kunden gehen nicht aus.


In der Zeit der Trauer begegnem einem wirklich eigenartige Dinge, wo einem schnell klar wird, auch im Tot gilt „Business as usual“. Man kann sagen zumindest beim Bestatter hat man noch am ehesten den Eindruck des Mitgefühls, wobei dieses logischerweise auch antrainiert ist, zumindest im größten Teil aller Fälle. Kurz nach der Abholung der Leiche wird man zum Gespräch wegen der Formalitäten geladen. Die Vielfalt der Möglichkeiten und der obligatorischen Gebühren zeigen, es ist und bleibt für diese Menschen ein Geschäft, was auch nachvollziehbar ist, irgendwer muss diesen Job machen und ich könnte es nicht.

Wenn also das erste Mal die Formalitäten geklärt sind, geht es weiter im Maraton. Man beginnt damit in Sissifus-Arbeit das Leben eines geliebten Menschen auseinander zu nehmen. Herausfinden welche Verbindlichkeiten noch offen stehen, welche Abbos noch gekündigt werden müssen und alle Dinge dieser Art. Beginnen wir mit der GEZ, wo ich wirklich dachte ich falle vom Glauben ab.

Natürlich erwarte ich von einem völlig unbekannten Menschen kein Mitgefühl, jedoch zumindest etwas Anstand. Glauben Sie mir wenn ich sage, zumindest die Mitarbeiterin der GEZ welche ich am Telefon hatte, ist nicht im Besitz von selbigem. Nachdem ich ihr mitgeteilt hatte, dass meine Mutter verstorben ist und ich den Anschluss stillegen möchte, wurden penetrante, fast vorwurfsvolle Fragen gestellt. „Und es übernimmt NIEMAND die Wohnung? Erbt denn jemand die Geräte und ist derjenige bereits angemeldet? Wenn nicht, werden die Geräte dann entsorgt?“

Ich hatte das Gefühl mich im völlig falschen Film zu befinden, war jedoch dankbar, nicht im nachhinein noch einen „Entsorgungsnachweis“ für das Gerät erbringen zu müssen. Die Lage wäre jedenfalls mit skuril noch wirklich unpassend beschrieben.

Beim Kopp-Verlag wo meine Mutter den „Kopp-Exklusiv“ abboniert hatte, teilte man mir mit, Sie habe bereits im Vorfeld bezahlt und Geld zurück würde es nicht geben, allerdings könnte ich mir das Abbo an eine andere Adresse senden lassen. Als wenn mich das Geld interessieren würde…..

Kabel Deutschland ließ es sich nach der Zusendung nicht nehmen einen Brief zu schicken, dass die Smartcard innerhalb einer 14 Tagesfrist zurück zu schicken sei, da ansonsten 39 Euro Gebühren fällig werden. Man kann es wirklich nicht fassen, wo die Unternehmen die Prioritäten setzen.

Es gab noch einige Beispiele, die noch heftiger waren, allerdings erspare ich Ihnen und mir diese.

Zu guter Letzt gibt es noch Hinweise im Bekanntenkreis, dass man in der Tschechei – deutlich unter Preis – im Krematorium eingeäschert werden kann und der Transport inclusive ist. Ein Kabinett der Kuriositäten, zumindest für mich.

Ein weiterer Punkt ist die Sterbeanzeige. Auch hier, knallhart kalkuliertes Business. Bei Anrufen in den Zeitungen versuchte ich rauszufinden, wie sich eine solche Anzeige einstellen lässt und wen wundert es, Spalten X Höhenmilimeter der gleiche Preis wie eine Werbeanzeige.

Was ist das Fazit aus diesem Artikel? Wer einen Angehörigen mit dem nötigen Anstand beerdigen möchte, muss ordentlich ins Portmonai greifen können. Wer das nicht kann, darf sich dann mit Einäscherung in einem Tschechischem Krematorium auseinander setzen, wo natürlich in der Nähe auch gleich eine wesentlich preiswertere Grabstätte angeboten werden kann. Tot sein ist also schon fast Luxus, da etliches sich nicht ändern lassen würde selbst wenn man wollte, obligatorisch halt. Mir geht es nicht um die Kosten der Beerdigung meiner Mutter, da es keine Rolle spielt, allerdings finde ich erschreckend, wie knallhart der Tot abgerechnet wird und welcher Art teilweise die Umgangsweise damit ist.
Jeder soll mit seiner Arbeit auch Geld verdienen, das ist legitim, jedoch sollte ein Funken Anstand dabei sein.

Die Kundschaft für diese Gewerbezweige gehen jedenfalls nicht aus und schlecht verdient wird hier mit der Trauer der Angehörigen auch nicht. Business as Usual halt.

Carpe diem


20 Responses to Der Tod, ein knallhartes Business

  1. roush sagt:

    Zum Ableben meiner Großmutter, die der wichtigste Mensch war in meinem Leben, die mich unabdingbar geliebt hat, kann ich sagen, ich bin sehr, sehr traurig.Ihr Todesfall war im Dezember letzten Jahres, kurz vor Weihnachten.
    Sie war die einzige, die die Familie noch zusammenhalten wollte, aber es ist nicht geglückt.
    Keiner wollte ihr das Versprechen geben.
    Das tut sehr weh. Wenn ich jetzt darüber denke und meine Albträume habe, ist das alles nicht gut zu verkraften. Allerdings sind die Tatsachen zu akzeptieren. Es gibt für mich nichts schlimmeres, als einen lieben Menschen zu verlieren.

    Mein herzliches Beileid. Mehr kann ich Dir nicht sagen. Liebe Grüße, roush

  2. Cheffe sagt:

    @ Roush

    Danke. Ich wünsche dir, dass du den Verlust verwindest und deine Familie zur Besinnung kommt. Nicht ohne Grund heisst es Blut ist dicker als Wasser.

    Lies wenn du möchtest mal die folgenden Zeilen aus meinem Artikel von Gestern:

    „Trotz der Trauer und des Verlustes, müssen wir uns um die Lebenden kümmern. Wir sollten jeden Tag wo es möglich ist mit unseren liebsten in Frieden und Harmonie verbringen und Erinnerungen schaffen, die wie in meinem Fall, 30 Jahre erhalten bleiben. Das sind die Dinge die wirklich zählen.

    Ihnen meine lieben Mütter, möchte ich von ganzem Herzen wünschen heute einen solchen Tag erlebt zu haben.“

    http://www.infokriegernews.de/wordpress/2011/05/08/allen-muttern-alles-gute-zum-muttertag/

  3. watching_all sagt:

    Willkommen in der leblosen, materialistischen, corporativen Gesellschaft. Auch dies ist Teil des Erwachens. Da wird dir noch viel Bitterkeit und Zynismus begegnen.

    Lustiger wird es, wenn der Verstorbene vermögend war. Was da nach Testamentsverlesung so alles abgeht, kann man manchmal auch nur als Satire ummünzen. Sei froh, dass dir dies erspart bleibt.

    Gehts dir denn schon besser? Die ersten Tage nach dem Tod des Elternteils sind ja nur reiner Horror. Und wie kommst du damit klar?

  4. Mensch sagt:

    Hallo Cheffe,

    dass deine Mutter nun nicht mehr hier ist, tut mir sehr leid.
    Es gibt nichts schlimmeres, als die, die man liebt, zu verlieren.
    Wobei – doch. Das gibt es. Wenn du merkst, dass nur das Geld eine Rolle spielt, und du dich, anstatt in Ruhe deiner Trauer nachzugehen, mit Konzernen ausseinandersetzen musst, denen es nur ums Geld geht. Sicher kann man (leider eigentlich) nicht verlangen, dass alle Mitleid empfinden – doch zumindest Respekt und Anstand gegenüber dem Menschen und der Situation müssen angebracht sein.
    Ich habe mein Kind begraben müssen – und machte ähnliche ähnliche Erfahrungen mit Behörden.

    Viele Grüße an dich und fühle dich umarmt,
    Bianca.

  5. Habnix sagt:

    Nur ein scherzhafter Gedanke über die GEZ

    „Und ich dachte der Gebühreneitreiber die GEZ übernimmt die Entsorgung“hat sie doch die ganze Zeit fröhlich kassiert ohne für das Produkt verantwortlich zu sein. ­čśÇ

  6. Cheffe sagt:

    Es tut weh und die ersten Tage waren für mich mit einem Gefühl verbunden, was ich mit „Ausgebombt und abgebrannt“ beschreiben könnte.

    Mittlerweile ist es etwas mehr angekommen und daher beginnt auch die Verarbeitung. Sei wird mir/uns unglaublich fehlen, jedoch kann hier nichts zurück gedreht werden und man muss da einfach durch und sich damit auseinandersetzen. Manchmal in gewissen Augenblicken kommen noch die Tränen, aber ich denke das ist auch gut so, verdrängen dürfte nicht der richtige Weg sein.

    Wir haben die Beerdigung auf Ende nächster Woche gelegt, da meine beiden Geschwister und Familie anreisen müssen und ich vermute da wird nochmal ein heftiger Einschlag kommen. Da ich kein Freund davon bin, jemand anonymen eine Rede über das Leben meiner Mutter führen zu lassen, habe ich mit meinen Geschwistern abgesprochen das ich das gerne selber machen möchte, ich hoffe das ich mir da nicht zu viel vorgenommen habe. Wir werden sehen, was das noch mit sich bringt.

  7. roush sagt:

    Ja Cheffe, ohne Deinen Muttertagsgruß gelesen zu haben, liegst Du sicher richtig, weil Du eine liebende Familie hast. Das ist 100% wert.

    LG roush

  8. Cheffe sagt:

    @ Bianca

    Oh mein Gott. Was ich dir jetzt schreiben würde, könnte ich nicht in die Form bringen, die es verdient. Mein herzlichstes und aufrichtiges Beileid für dich und die Kraft die für einen solchen Schlag notwendig ist. Meine Mutter hat zumindest einen Großteil Ihres Lebens gelebt. Auch dir eine umarmung zurück.

  9. Sarina sagt:

    Bianca

    das ist ein Situation, wo ich mich immer gefragt habe wie ich sie bewältigen würde. Eines meiner Kinder zu verlieren ist so ziemlich das Schlimmste was ich mir vorstellen könnte. Ich danke Dir, dass Du Dich uns hier mitgeteilt hast, denn das ruft mir auch, das wirklich Wichtige wieder ins Gedächnis.

    Grüßle
    Sarina

  10. R2D2 sagt:

    hallo cheffe.
    mein beileid und ich hoffe, du lässt dich nicht von dieser kalten, menschenfeindlichen mentalität der konzerne mit ihren callcentern von dem ablenken, worum es geht. trauer und abschied.
    ich habe viele menschen in ihren letzten stunden begleitet. ich weiss, für diese menschen war es sehr wichtig, mitfühlende menschen in den letzten stunden um sich zu haben, um in frieden gehen zu können. auch wenn sie nur noch dahindämmerten, an ihren augen konnte ich es sehen, wie sie fühlten.

    das ist das entscheidende, also schau nicht auf die knete!! ich kann es verstehen und weiss um diese profitmaschinerie, aber schenk ihr nicht zu viel aufmerksamkeit! bleib bei dir und deinen gefühlen zu deiner verstorbenen mutter.

    ich habe persönlich ähnliche erfahrung mal mit der telekom gemacht. ich hab dann irgendwann einfach die frau am anderen ende direkt angesprochen. ich hab ihr gesagt: hallo, verstehen sie, was ich ihnen gerade erzählt habe, können sie verstehen, wie ich fühleß haben sie schon einmal einen liebenswerten menschen verlorenß das gespräch entwickelte sich danach völlig anders. man muss die menschen dort abholen, wo sie stehen.

  11. roush sagt:

    Ja Cheffe, ohne Deinen Muttertagsgruß gelesen zu haben, liegst Du sicher richtig, weil Du eine liebende Familie hast. Das ist 100% wert.

    Ich fühle mit Dir über Deinen und Euren Verlust.
    Es ist leider eine sehr schwere Zeit für die gesamte Familie und alle Angehörigen.

    Ich empfinde mit Dir und Deinen Angehörigen. Denke bitte immer daran, dass Deine Familie gut an Dich denken soll, weil Du so viel Unternehmungen machst, für die wahrheitsliebenden Menschen. Segen allein wäre nicht genug.
    LG roush

    LG roush

  12. Berg sagt:

    für alle trauernden, im herzen verbunden und in gedanken bei euch zum trost:

    http://youtu.be/655DVPxjyl8

    deutsche übersetzung:

    Ich gehe Heim

    An einem weit entfernten Tagan dem der frühe Morgen dämmerte,
    sagte mit etwas, dass ich heim gehe!

    Eine neueSonne schien hell, von dunkeln Feldern
    das Licht , etwas sagte zu mir , dass ich Heim gehe

    Ich gehe Heim, dorthin wo der Sommer anfängt
    und das Mondlicht auf dem Fluss mir sagt wo ich bin

    Leichter sanfter Regen, überzieht den Morgen der Stadt
    Und ich habe das Gefühl, dass ich Heim gehe!

    ßber dem Moorland, hinter den Bergen, über denFlüssen
    neben dem neuen Strom, spüre ich, dass ich Heim gehen werde!

    Ich gehe Heim, dorthin wo der Sommer anfängt
    und das Mondlicht auf dem Fluss mir sagt wo ich bin.

    Ich gehe Heim, dorthin wo der Sommer anfängt
    und das Mondlicht auf dem Fluss mir sagt wo ich bin.

    Als die Züge gerade näher kommen,
    Ah, habe ich das Gefühl gerade dort zu sein,
    und mir wieder etwas das ich Heim gehen werden!

    Die Skyline erreicht meine Augen,
    Ihre Kanten ragen inden Hochland Himmel.
    Ich kann es nicht glauben, dass ich heim gehen werden!

    Ich gehe Heim!

  13. Cheffe sagt:

    @ Berg wirklich schöne Ballade

  14. roush sagt:

    @ #13 Berg
    Das ist schön geschrieben. … merci

  15. Berg sagt:

    gerne doch..

  16. tonsetzer sagt:

    Als Physiotherapeut habe ich viele ältere Patienten betreut, und staunte nicht schlecht, Wievielen schon Jahre vor ihrem Tod die Kosten für die Beerdigung zu schaffen machen. Da werden von ner kleinen Rente noch monatlich xy Euro abgezwackt um die monströsen Kosten selber stemmen zu können und niemanden zur Last zu fallen. Wenn man sich seine eigene Beerdigung vom Mund absparen und dafür auf andere Annehmlichkeiten verzichten muß hat das für mich schon was Perverses.

  17. Alienator sagt:

    Hab in Abstand von 3 Wochen meine Tante und meine Oma verloren. Gerade jetzt letzte Woche meine Oma und davor meine Tante. Ging alles irgendwie superschnell das sie gestorben sind. 2-4 Tage im Krankenhaus und Zack Bumm kam ne Nachricht. Meine Oma hat 10 Kinder und die älteste Tochter zu verlieren hat sie sicher so runtergezogen das sie immer mehr abgebaut hat. Nunja ich sehe das alles aus einem etwas anderen Licht. Die Seelen sind „Save“ und nur der Körper geht. Die nächste Inkarnation wartet schon die man sich Aussuchen kann um das zu lernen was man in diesem Leben noch nicht gelernt hat. Mit diesem Gedanken war ich aber sicher allein bei der Beerdigung bei meiner Tante und habe es zwar traurig mitverfolgt wie meine Onkels und Tanten weinten, aber war selber viel gefasster. Diesen Donnerstag wird dann meine Oma beerdigt und dort wird es auch wieder mächtig Tränen geben. Ich lese sehr viele Dinge auch über den Zustand nach dem Tod und die feinstoffliche Welt um das hier begreifen zu können. So betrachte ich den Tod eines auch geliebten Menschen doch eher mit einer gewissen Zufriedenheit, weil ich weiß das es derjenige nun besser hat und wie schon gesagt seine Seele nicht verloren ist.
    Wünsche dir auch alles Gute Cheffe und bleib stark.

  18. KnowSys sagt:

    Traurig,traurig,money matters.Von der GEZ hätte ich eigentlich auch nix anderes erwartet,als beschrieben wurde,wenn ich ehrlich bin.Nach meinem Tod werde ich meinen Körper der „Wissenschaft“ zur Verfügung stellen,können die mich auseinander nehmen,hat man sich auch ein Krematorium in Tschechien gespart.Denn das irgendwelche Bestatter nach meinem Tod noch an mir verdienen,sehe ich gar nicht ein,wofür bin ich denn tot?Da wirst du noch abgezogen,obwohl du schon gar nicht mehr Herr über deinen Körper bist,ohne mich.

    http://ueberwachungsbuerger.wordpress.com/

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