Mitten in Europa : Durch Amut in den Selbstmord

male homeless sleeping in a street

Bari, ein beschaulicher Ort in Süditalien wo die Familie meiner Frau herkommt, wurde zum Ort eines tragischen Schauspiels. Ein verzweifeltes Ehepaar nahm sich nach jahrelangem Kampf gegen die Behörden das Leben. Eine traurige Chronik, welche den aktuellen Zustand der Gesellschaft beispielhaft widerspiegelt.


Dieses Bild ist aus einem Interview (2010), welches das Ehepaar einem lokalen Fernsehsender gab, um nochmal zu versuchen auf die schlimme Situation hinzuweisen.

Salvatore (69) und Antonia (64) De Salvo lebten durch den Verlust von Arbeitsplatz und eigenem Haus in einer „Durchgangsunterkunft“, welche sich leider zu ihrem „Zuhause“ entwickeln sollte. Für den Anspruch auf eine bezahlbare Sozialwohnung, sah man seitens der Behörden keinen Anlass. Immerhin stand dem Ehepaar ja eine „üppige“ Pension von satten 400,- Euro im Monat zu Verfügung. In diesem Zusammenhang ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Italien eine deutlich andere Struktur des Sozialsystems hat.

Kurz einige Zitate aus der BAZ:

Im Sommer 2011 ein letzter Versuch: Im italienischen Magazin «Oggi» wird ein offener Brief mit dem Betreff «Von Berlusconi enttäuschte Wähler» an den damaligen Premier Silvio Berlusconi veröffentlicht. Das Sozialamt von Bari habe entschieden, dass das Ehepaar in einem Altersheim untergebracht werde, «wo wir nach 45 Jahren Ehe, die wir in guten und in schlechten Zeiten durchgestanden haben, in getrennten Zimmern leben sollen». Es sei besser zu sterben, als auf diese Weise weiterzuleben.
Trotzdem geben sich die De Salvos nicht geschlagen, in einem Interview mit einem lokalen Sender (siehe Video oben) machen sie 2010 noch einmal auf ihre Situation aufmerksam. Seit 3 Jahren schon leben sie im provisorischen Wohnheim, «einem muffigen Mausloch», wie es Salvatore De Salvo beschreibt. Und zum ersten Mal kündigt der distinguierte Herr unter Tränen an, dass er und seine Frau nur noch den gemeinsamen Selbstmord als Lösung sähen, wenn sich nicht bald etwas an ihrer Situation ändere.
[…]
Den offenen Brief schliesst das Ehepaar mit «einem letzten Gruss» in Anlehnung an Julius Cäsar: «Ave Silvio, morituri te salutant» ß? «Ave Silvio, die Todgeweihten grüssen».

Am 7. Januar wird das Ehepaar tot aufgefunden. Antonia auf dem Bett im Hotelzimmer, das das Ehepaar gebucht hatte, Salvatore, bei dem die eingenommenen Schlafmittel nicht die gleiche Wirkung erzielten, geht am Strand ins Wasser. Einige Stunden später wird seine Leiche von Fischern aus dem Meer gezogen.[1]

Es ist erschreckend, wie nah all Dies mittlerweile an die „Industrienationen“ herankommt. Mehr und mehr wird offen zugegeben, dass wir eine Systemkrise und keine Finanzkrise haben. Trotzdem glauben noch immer viele Bürger, dass Alles würde sie nicht betreffen und man zeigt etwas Betroffenheit, um dem eigenen Ego Genüge zu tun.

Im Augenblick wird von einer kommenden Rezession in Deutschland getitelt, jedoch wird geflissentlich verschwiegen, dass im Drehkreuz bereits eine Depression mit einhergehender Deflation wartet. Wir alle könnten schneller in der Situation der De Salvo´s landen als uns lieb ist. Somit sollte es höchste Zeit sein, mit der Dekadenz zu brechen und die Augen sperrangelweit aufzureissen. Nur mit steigendem Bewusstsein, kann diesen Ungerechtigkeiten Einhalt geboten werden.

In stiller Trauer um dieses Pärchen möchte ich diesen Artikel schließen.

Carpe diem

[1] http://bazonline.ch/ausland/europa/Chronik-eines-angekuendigten-Selbstmordes/story/17070324


15 Responses to Mitten in Europa : Durch Amut in den Selbstmord

  1. Newsticker2012 sagt:

    ich kenne diese Geschichte und die reaktion auf das geschehnis in den Medien..doch was hat sich geändert ?

  2. tur-kay sagt:

    Es hat sich nichts geändert. Das Geld kennt nur eine Richtung, fließt immer nur von unten nach oben zu den Reichen. Bei dem jetzigen Wirtschaftssystemen fehlen System Komponenten, Ventile welche das Geld von oben nach unten fließen lassen. Etwa wie bei dem von den Medien todgeschwiegene Islamischem Wirtschaftssystem.

  3. Frank H. sagt:

    Weltbank warnt vor einem globalen Kollaps der Wirtschaft.
    Die Banksters erflehen Euch ihnen weiter Tribut zu zahlen in dem ihr ihnen euer Vermögen schenkt.
    http://www.welt.de/wirtschaft/article13820843/Weltbank-warnt-vor-einem-Absturz-der-Weltwirtschaft.html
    Ihr habt die Wahl: Verweigern oder Nachgeben.
    Ihr habt die Wahl: Das Leben herschenken oder sich vom falschen Weg abtrennen.
    Wählet weise, reagiert schlau. Niemand kann Gedanken stehlen!

  4. tom sagt:

    Lieber Frank,

    Denke der Großteil hier auf IKN hat KEINE Wahl. – Dafür wissen wir zuviel.
    Was haben wir groß zu verlieren ?

    Widerstand ist das Gebot der Stunde. – Wer diesen wie und auf welche Art leistet, bleibt jedem persönlich überlassen.

  5. Frank H. sagt:

    „Denke der Großteil hier auf IKN hat KEINE Wahl“

    Diese Meinung kann ich nicht Teilen. Es bewegt sich was. Komm mit auf die Reise.^^

    Das Abenteuer Leben geht weiter. Loslassen können ist so einfach. (O.K. nach der ßbung ist gut reden – bewegt Euch, dann bewegt es sich)

  6. tom sagt:

    Frank, da hast du mich wohl missverstanden, – ich wollte damit sagen, dass die Meisten hier schon ihre Wahl getroffen haben und nicht mehr VOR der Wahl stehen …

    In deine, meine, unsere Richtung …

  7. Frank H. sagt:

    Aso. War etwas missdeutig formuliert.

    *Es gibt immer neue Neugierige die mit Ideen willkommen zu heissen sind.^^*

  8. Comas sagt:

    Bei Behörden, bei Zahlungen usw. gebe ich mir besonders viel Zeit und tue immer ein auf doof und möchte immer alles schriftlich haben. Das kostet denen Zeit und Zeit ist Geld 😀 wenn das nur alle machen würden 😛

  9. PetraN sagt:

    „Widerstand ist das Gebot der Stunde. ß? Wer diesen wie und auf welche Art leistet, bleibt jedem persönlich überlassen.“

    Aha: Widerstand, jeder nach seinem Gusto – also bleibt, mal wieder, alles beim Alten, richtig?

  10. PetraN sagt:

    „Es bewegt sich was.“

    Klär mich doch bitte auf wo und wie? Geht jemand auf die Straße abseits von „Occupy“? Machen die Linken etwas, um deren eigentlich tolle Vorstellungen umzusetzen?

    Die PdV ist bei uns so gar nicht zu sehen; letztlich keine der Partei.

    Oder tut sich viel über Facebook, wo nicht jedermann drin ist?

  11. Frank H. sagt:

    eine Runde mitleid:
    Goldman Sachs vermeldet 58% Gewinneinbruch. Ach die armen pösen Banskters.
    Könnt ihr die Wahlkämpfe der USA, israels und Europas bald nicht mehr sponsorn?
    geht euch das Kleingeld für Revolutionen aus?
    Na dann, immer wieder gerne.
    http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:jahresbilanz-goldman-meldet-gewinneinbruch-um-58-prozent/60156314.html

  12. Irmonen sagt:

    Energiewald aus WEidenholz noch ein link

    http://www.wald21.com/referenzen/landwirtschaft.html

  13. Irmonen sagt:

    obiger Komm – sorry falsche Rubrik erwischt sollte zu offtopic

  14. dingsbums sagt:

    ARMUT !

  15. Kuestennebel sagt:

    Habe vor einiger Zeit eine Brief an meine Ex-Chef geschrieben und ihm erklärt, wenn sich meine Situation sich nicht verbessert, werde ich verschiedene Artikel schreiben und verbreiten, u. a. „Nieten in Nadelstreifen“, dabei geht es um einen aufgeblasenen Selbstdarsteller, der seine Entscheidungen mangels Hirn mit dem Schwanz trifft. Er predigte seinen Mitarbeitern, das alle austauschbar sind, bis die Firma vor dem Ruin stand und er selbst ausgetauscht werden musste. Seine willkürliche Personalpolitik und der entwürdigende Umgang mit seinen Mitarbeitern, unterstützt von einem korrupten Betriebsrat, beweist seine sadistische Veranlagung und sein überzogenes Geltungsbedürfnis. Ist wohl seine Art, Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden, die durch seine Kleinwüchsigkeit hervorgerufen werden. Wer so skrupellos seine Ziele verfolgt und durchsetzt, könnte jede Firma zum Erfolg führen, wenn er die richtigen Ideen hätte, wenn er allerdings ein Dummkopf ist zerstört er auch die beste Firma. Nichts ist gefährlicher für ein Unternehmen, als ein Chef mit viel Durchsetzungs-+vermögen und mangelnder Weitsicht. Wie sagten schon die alten Chinesen:ß?Es ist das Unglück der Erde, das die Dummen so sicher und die Klugen voller Zweifel sindß?. Die Lebensphilosophie dieser Leute lässt sich in einem kurzen Satz zusammenfassen: Das eigene Arschloch als der Mittelpunkt des Universums. Wissen Sie wen ich meine?

    Heute war der Prozess, habe ich verloren, muss die nächsten (Jahre?) 30,- Euro pro Monat abdrücken. War teuer, aber war es wert, meine Meinung zu sagen.
    War nicht das letzte mal.

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