Kriegsverbrechen und der Qulitätsfaktor von Menschenleben

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Für Kriegsverbrechen gibt es eine relativ detaillierte Definition und das Massaker von Haditha gehört für mich ganz klar zu dieser Kategorie. Im Artikel „Massaker von Haditha : Keine Haft für US-Marines“ bin ich auf die Perversion eingegangen, dieser Artikel soll aufzeigen, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Menschenleben sind abermals Qualitativ und nicht Quantitativ zu bewerten, wie das Beispiel aus Haditha zeigt.


Die unbestrittene Bilanz des Massakers liegt bei 24 Menschen, darunter zehn Frauen und Kinder, in der Realität dürfte die Zahl wahrscheinlich noch deutlich höher sein. Zugegeben wird nur, was man noch unmöglich leugnen kann. Frauen und Kinder als feindliche Terrorkämpfer darzustellen, damit hat selbst das US-Militär ein Problem.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Fall mit den getöteten afghanischen Zivilisten, wo im Nachhinein eine Entschädigung von 1500 Dollar gezahlt wurde. Man dürfe das nicht Quantitativ sehen, so die lapidare Erklärung.

Definieren wir kurz ein Kriegsverbrechen:

Kriegsverbrechen sind Verstöße gegen das Völkerrecht, die bei der Führung eines Krieges von den Krieg führenden Parteien begangen werden oder in engem Zusammenhang mit der Kriegsführung stehen.
[…]
Wichtigste Grundregel des Kriegsrechts war seit Inkrafttreten der Haager Landkriegsordnung die strenge Anweisung, Kriegshandlungen nur gegen militärische Objekte zu richten. Zivilpersonen und deren Eigentum dürfen nicht angegriffen werden. Kommen sie dennoch zu Schaden, werden solche »Kollateralschäden« vom Kriegsrecht nur geduldet, wenn sie als Nebenwirkungen in einem angemessenen Verhältnis zu dem angestrebten militärischen Erfolg stehen. Gezielte Angriffe auf zivile Objekte sind aber in jedem Fall verboten.
[…]
Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Mord, Ausrottung, Versklavung, Deportation oder andere unmenschliche Handlungen, begangen an irgendeiner Zivilbevölkerung vor oder während des Krieges, Verfolgung aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen.[1]

Zuerst möchte ich festhalten, dass wenn eine Handvoll GI´s mit Rachegelüsten Zivilisten nieder metzelt, für mich die Definition eines Kriegsverbrechens erfüllt ist. Nun sind die USA jedoch schlau, und lassen sich im Vorfeld von irgendeiner Oppositionspartei bescheinigen, dass den Soldaten Immunität gewährt wird. Hierzu habe ich in meinem Artikel „USA : Ohne Immunität ß? Abzug aus dem Irak“ einiges geschrieben.

Ist das nicht per-vers? Lesen wir noch einmal die mögliche Höchststrafe für das gezielte Töten der Zivilisten, hier bezeichnet als Verletzung der Dienstpflicht:

Nach der zwischen Anklage und Verteidigung geschlossenen Vereinbarung hatten Wuterich ohnehin nur maximal drei Monate Gefängnis gedroht. Bei der Verkündung des Strafmasses am Dienstag degradierte das Militärgericht den Soldaten zum einfachen Gefreiten. Gehaltseinbussen wurden aber nicht gegen den 31-Jährigen verhängt.[2]

Lassen wir uns das gelesene noch einmal durch den Kopf gehen. Es ist doch unfassbar, nicht wahr? Nicht nur, dass er nicht ins Gefängnis muss, er wird sogar im Marine Corps belassen?!?!? Wer weiß, für was man solche Killermaschinen noch braucht?!? Anklage und Verteidigung sind natürlich beides aus den USA. Wie wäre der Fall wohl gelaufen, wenn es eine Anklage aus Den Haag gewesen wäre? Für US-Soldaten jedoch, kommt das nicht in Frage. Menschenleben muss man Qualitativ sehen und nicht Quantitativ. In diesem Zusammenhang möchte ich einen alten Artikel von mir zitieren, der diesen Wahnsinn auch recht gut beschreibt.

USA: Collateral Damage ß? 40 % getötete Zivilisten
Alleine die Hervorhebung, dass mehr ß?Extremistenß? getötet wurden als Zivilisten, schlägt bei mir dem Faß den Boden aus.
[…]
Dieses ist bekanntermassen kein Einzelfall und wenn eine Quote von ca 40 % getöteten Zivilisten als Erfolg gilt, dann ist das einfach nur krankhaft. Jeder getötete Zivilist, hatte das Recht auf Leben.[3]

Fazit: Wie können sich die USA das Recht herausnehmen, über Andere zu urteilen, wo auf eigener Seite Verbrechen am laufenden Meter durchgeführt werden? Warum sieht dort niemand hin und warum werden solche Verbrechen nicht geoutet? Warum bekommen US-Soldaten Immunität? Fragen über Fragen und an Antworten mangelt es gänzlich.

Carpe diem

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverbrechen
[2] http://bazonline.ch/ausland/amerika/Keine-Gefaengnis-fuer-USKriegsverbrecher-/story/17665045
[3] http://iknews.de/2010/08/24/usa-collateral-damage-40-getoetete-zivilisten/


17 Responses to Kriegsverbrechen und der Qulitätsfaktor von Menschenleben

  1. Antifeminist sagt:

    ganz einfach: god bless america und alles, was amerika tut, ist schon in Ordnung, durch Gott gesegnet und so.

    es fehlt übrigens ein a im Titel (qulität)

  2. Lucy Sky sagt:

    Schon bei dem Satz „Kommen sie dennoch zu Schaden, werden solche »Kollateralschäden« vom Kriegsrecht nur geduldet, wenn sie als Nebenwirkungen in einem angemessenen Verhältnis zu dem angestrebten militärischen Erfolg stehen.“ stehen mir die Haare zu Berge! Welches ist denn bitte schoen ein angemessenes Verhaeltnis? Aber das gibt es ja nicht nur beim Militaer. Wenn man sich anschaut, unter welchen Bedingungen Arbeiter in Entwicklungs- oder Schwellenlaendern beschaeftigt sind (Kollateralschaeden sind da mit einprogrammiert), kann man sich vorstellen, vieviel der Mensch Wert ist.

  3. Irmonen sagt:

    liebe Lucy
    solche menschenverachtenden Definitionen, Wortmißbräuche wie „Kollateralschäden“, für Mord, Tod Elend, Verstümmelung, Schmerz, Leid kan nur von Empfindungslosen Psychopathen!!! in Umlauf gesetzt werden und auch die Beschreibung wie diese „Kollateralschäden“ dann in kriegerischen Abläufen zu „werten“ sind.

    Ich habe in den letzten Tagen immer wieder versucht über diese Pathologie der Psychotpathen zu posten doch es schein hier niemanden zu interssieren.

    Man kann solche psychischen „Schäden“ sogar mit bildgebenden Verfahren der Gehirnfuntkionen nachweisen.

    Man könnte diese Psychotpathen auch als „Seelisch blind und taub“ bezeichnen. Deshalb dürften sie bestimmte Berufsfunktionen wie z.B. höhere politische ßmter nicht ausüben. Es sollte da einen entwprechenden Gesundheitschek geben wie auch in anderen Berufen.

  4. Kotze sagt:

    Das vorsätzliche Töten, also das Ermorden eines Menschen ist ein Kapitalverbrechen.
    Das Wesen eines Krieges ist das vorsätzliche Töten von Menschen.
    Krieg ist somit ein multipliziertes Kapitalverbrechen.

    Wie kann man da von einem Verbrechen im Verbrechen sprechen?

    Im Krieg wird das vorsätzliche Töten legitimiert.
    DAS ist das eigentliche Verbrechen.
    Der Krieg selbst ist das Verbrechen.

    Das Wort sagt es doch schon: Kriegsverbrechen.
    Es wurde nur erfolgreich in orwellscher Manier verdreht, so dass wir dieses Verbrechen nur allzu schnell hinnehmen.

    Diese Soldaten sind zuvor „angegriffen“ worden.
    Als Vergeltung, also aus Rache, richteten sie das Massaker an.
    Persönlich – von Angesicht zu Angesicht – erschossen sie ihre Opfer, warfen ihnen Granaten unter ihre Betten.
    Wie aber hätten wir dieses Verbrechen gewertet, wenn sie stattdessen einen Luftangriff auf das Dorf per Drohne oder per Bomber angefordert hätten?

    Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen, womöglich gar noch fataler, da zu den Toten noch etliche Schwerstverletzte hinzugekommen wären.

    Die Vermeldung der Tat wäre dann in altbekannter Weise erfolgt, so, wie Meldungen über diese Verbrechen täglich in den Medien zu lesen sind:
    „Tote bei „Zwischenfall“ in sowieso. Soundsoviele Tote auf der einen Seite, soundsoviele Tote auf der anderen“.

    Für mich stellt es keinen Unterschied dar, ob Soldaten – also ausgebildete Mörder – gezielt auf Zivilisten schießen oder von der Ferne und im Anonymen Bomben auf Menschen abwerfen.

    Diese Mörder im Schutze des Unerkannten werden nicht einmal angeklagt und haben dabei weitaus mehr Menschen auf dem Gewissen, als diese zum Teil nun namentlich bekannten Mörder.

    Denkt mal an die beiden Atombombenabwürfe: Mehrere Hunderttausend Menschen, ermordet auf einen Schlag. Allesamt Zivilisten: Kinder, junge und alte Frauen, junge und alte Männer, Greise, Kranke. Ebensolche hilflose und unschuldige Menschen.

    Dieses Massaker von Haditha hat nur ein Mädchen verletzt überlebt, soweit ich weiß. Es ist mittlerweile zumindest physisch genesen, glaube ich. Die anderen Dorfmitglieder waren auf der Stelle tot. Das ist das einzig Erträgliche an diesem grauenvollen Vorfall – dass ihnen lebenslanges Leid erspart blieb.

    Wieviele Hunderttausende litten und leiden grauenvoll – mitunter noch bis heute – an den Folgen des Massenmordes in Hiroshima und Nagasaki?

    Und das ist nur ein Beispiel von unzähligen geplanten und verübten Massenmorden und Massenverstümmelungen in der Geschichte dieser unrühmlichen Nation.

    Alle sind straffrei davongekommen.

    Und wir reden noch immer über „Kriegsverbrechen“, also über besondere Ausnahmen, und indem wir das tun, akzeptieren wir unbewußt Kriege als legitimes Mittel.

  5. Lucy Sky sagt:

    Je hoeher die Position, desto kranker der Mensch, so scheint es mir. Aber leider schafft es der Psychopath leichter bis in die hoechsten Aemter (auch hinter den Kulissen). Liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache. Das kann doch schon auf niedrigerer Ebene beobachten. Je skrupelloser, desto Boss. Und die Schafe senken ihre Koepfe und folgen blind. Die empfindsamen bleiben auf der Strecke. Aber ich denke auch, dass der „gute Mensch“ erst gar nicht so erpicht darauf ist, soviel Macht zu uebernehmen.
    Wenn man diese psychischen Schaeden mit bildgebendem Verfahren nachweisen kann, wuerde mich auch mal interessieren, wie sich die moeglichen Bilder von gehirngewaschenen Soldaten von denen der obersten Elitepsychopathen unterscheiden. Gibt es dazu Infos?

  6. Irmonen sagt:

    systematische Studien fehle. Es ist schon viel dass es überhaupt bereits bekannt ist, dass man emotionale „Defizite“ bildgeben nachweisen kann.

    Aber was nicht ist kann noch werden.
    Man hat ja über Depressionen auch erst in der ßffentlichkeit in den letzten Jahren diskutiert, jetzt ist alles viel Selbstverständlicher.

    Wprum es nämlich auch geht ist, das Moralisieren weg zu lassen und Seelische Blind-Taubheit als Dysfuktion, als Störung, Krankheit zu deffinieren.
    Auf dies Weise werden die Psychopathen auf ihrem eigenen (Schlacht)Felde geschlagen, nämlich der nüchternen ßberlegung. Das Emtionale ist ihnen fremd als Gefühl (kann aber geschauspielert werden) und deshalb sind sie jedem der emotional-moralisch reagiert überlegen.

    meine Erfahrung auch im Austausch mit „guten Führungsmenschen“: die da „oben“ sind bis zu 80% narzisstisch gestört und zwar deutlich, aber nicht jeder ist ein Psychopath.

  7. Geschoepf sagt:

    Doch es interessiert mich, diese Thema:

    http://lupocattivoblog.wordpress.com/2010/01/30/pathokratie-wir-leben-in-einem-von-psychopathen-geschaffenen-system/

    Oder: http://allahopp72.files.wordpress.com/2011/06/politische-ponerologie.pdf

    Es ist kein Wunder, dass hier auf erden die „Hölle“ herrscht, wenn man diese Artikel gelesen hat. Die ganzen Königshäuser usw. waren whrscheinlich voll mit Psychopathen, und die die es von Natur aus nicht waren, hat man dann dazu gemacht.
    Dieses Thema muss an die breite ßffentlichkeit. Nur durch wissen und weitverbreitet Verweigerung diesen Psychopathen zu „Diensten“ zu sein, kann den Teufelskreis durchbrechen. Sie richten in ihrem Zerstörungs- und Geltungsdrang die Welt zurgunde.

  8. plissken sagt:

    Ist es eigentlich nicht seltsam dass zB bei der Genforschung genau dieses Thema(Psycho/Söziopathie(wobei letzter als die gefährlichere scheint)irgendwie nie auftaucht.
    Leuchtende Mäuse,resistente dies,Riesen-das,Ursachen für Albinimus usw usw.Die machen jeden Unsinn-aber dass man sich nicht auf der Spur der vermeintlichen Wurzel allen ßbels begibt(den ursachen dieser Geistige fehlfunktion)das mutet komisch an.
    Vielleicht habe ich nur in den letzten Jahren alle Berichte dazu verpasst-oder aber es ist unerwünscht weil man diese Gene(bzw Defekte) in den oberen Hirarchie Schichten durchgehend nachweisen könnte.Und diese Schicht will sich weder öffentlich blossstellen noch sich heilen lassen

  9. plissken sagt:

    in dem Film „Alice“s Restaurant“ gibt es einen sehr treffenden Dialog zu dem Wahnsinn als sich zwei Menschen(ein Verbrecher u ein Deserteur) im Knast begegnen:
    „Warum sitzt du hier“-„ich habe getötet.Und warum sitzt du hier?“ „Ich habe mich geweigert zu töten“

  10. Frank H. sagt:

    Aus einer guten Idee wird, weil ohne Gottes Verstand im Herzen, sondern nur auf der Zunge, immer ein Monster erwachsen. Denn der Schutz für das Herz ist verloren gegangen.

  11. Frank H. sagt:

    Heute Abend läuft auf ARTE der Film Persepolis! Etwas für aufgeweckte Neugierige und echte Aufrechte.

  12. Jens Blecker sagt:

    Ich kann nicht soviel fressen wie ich kotzen möchte. Und es ist noch ein großer Unterschied ob ein paa verpickelte Kids am Bildschirm ohne jegliches Bewusstsein Menschen mittels Drohne töten oder ausgebildete Marines aufgesetztee Kopfschüsse Auge in Auge machen!!!!!!

    Carpe diem

  13. Frank H. sagt:

    Das erste was in der US Army passiert mit einem Neuen. Er wird umgepimpt zu einem entseelten Monster. Und der Militärpfaffe schreit Halleluja Satanas. Wir haben das alles erschaffen, wir alle. Die Kleinen und die Großen.
    Nochmals, ICH BEKENNE MICH SCHULDIG, denn mein Konsum steht gegenüber einer armen Sau in Afrika unter keinem guten Licht. Doch ICH werde meine Strafe annehmen. Lieber im Widerstand tot, als für eine Diktatur arbeiten müssen.
    Ich schäme mich zu Tiefst und fühle mich so hilflos. Hass wäre aber falsch, denn sie lieben den Hass in uns. Soziale Kälte ihre Medizin um uns auszumerzen, denn wir seien ja Schuld das ihre goldene Welt am Ende ist. Wir sind ihnen nicht genug ßkologisch, nicht genug Euthanasierungswillig. Als Arbeitssklaven sind wir überflüssig, das machen Maschienen. Und zur Reproduktion eines idealen Humanoiden benötigt man nur eine Retorte. Zur Arterhaltung der Eliten hat man Genetiker an Bord.

    Jens mach weiter so lange es geht. Danke für den Artikel.

  14. Kotze sagt:

    Ja, plissken, genau so ist es.

    Ich kenne zwar den Film „Alice’s Restaurant“ nicht,
    aber das Zitat bringt es voll auf den Punkt.

    Ebenso, wie es dieser Mann einst brachte – er bestand aus purer Zivilcourage – wir alle hier könnten uns glücklich schätzen, hätten wir nur einen Bruchteil davon:

    http://www.youtube.com/watch?v=hBRVkz1f3HY

    http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammed_Ali#Karriereh.C3.B6hepunkt_und_Titelverlust_.281967.29 (3. Absatz)

    Fünf Jahre Knast, plus 10.000 $ Strafe, plus drei Jahre Berufsverbot.

    Und nur weil er sich weigerte das zu tun, was heute viel zu viele viel zu gerne bereitwillig machen. Weil sie es dürfen.

    Es ist ein Jammer.

  15. Berg sagt:

    das wird am 27.01. um 14:50 uhr wiederholt.

  16. Kotze sagt:

    Jens, vorab: ich respektiere Deine Arbeit und Deine unermüdliche Aufklärung hier sehr. Ich habe Hochachtung davor, dass Du hier in diesen Zeiten, die nicht besser werden, mit Deinem Namen diese Seite geschaffen hast und am Leben hältst.

    Ich habe Dich nicht beleidigt, daher braucht es diese Aufregung nicht. Ich bin bloß in der Beurteilung dieses Massakers gänzlich anderer Meinung. Die solltest Du Deinen Besuchern schon zugestehen, anderweitig hätten wir hier bald eine eindimensionale Landschaft und das Diskutieren wäre obsolet.

    Die Marines hatten zuvor einen ihrer Kameraden verloren.
    Womöglich war dieser sehr beliebt in der Gruppe, er wurde aus dem Hinterhalt, aus dem Dorf heraus getötet, daher wohl die grausame „Revanche“ an den Bewohnern, denen man eine Kollektivschuld verpasste. Der in uniformtragenden Kreisen vorherrschende Korpsgeist, welcher stets die moralische Legitimation für die Taten der Gruppe, also des eigenen Kollektivs liefert, tut das Seinige dazu.

    Es ist ein ganz bestimmter und immer gleicher Typus von Mensch, der gerne rekrutiert wird und sich auf den Schlachtfeldern der Erde wiederfindet, gerade bei einer Freiwilligen-Armee. Ob die nun an Drohnen-Joysticks ihren Dienst verrichten, in Panzern, in Flugzeugen, oder sonstwo, ist letztendlich unerheblich. Ihr Job ist zu killen.
    Und genau dafür erhalten sie einen Freifahrtschein.

    Doch der Boden für die Bereitschaft zum Morden wird an ganz anderer Stelle als der eigentlichen Taten geschaffen: Privilegien, die von einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht anderweitig nicht zu erlangen sind, bietet die US-Amerikanische Armee zuhauf, gerade für die im zivilen Leben besonders im Abseits stehenden. Und es wird ihnen zudem noch eine Gehirnwäsche verpasst, welches ihr schändliches Tun ehrenwert und als gerechtfertigt erscheinen lässt. Auch der zivilen Bevölkerung trichtert man ein, dass die Truppen unbedingt zu unterstützen sind, da ihre Handlungen wertvoll für das gleichgeschaltete Kollektiv und somit patriotisch seien.

    Das Massaker ist durch nichts zu entschuldigen. Es zeigt nur auf plakative Weise die humane Schieflage, in die in jedem Krieg die Menschen geraten. Auf beiden Seiten. Aber die Ursachen sind an anderer Stelle zu suchen, nämlich dort, wo Menschen wirken, die aus noch niederem Kalkül diese Dinge zu analysieren und zu lenken imstande sind. Und entsprechend ihrer – im Vergleich zu einem „im Affekt“ verübten Massakers – noch niederen Ziele und Absichten zu verfolgen bereit sind, mit allen Konsequenzen. Sie betreiben die wirklich niederträchtige Vorarbeit, mit dem besonderen Unterschied und einer wesentlichen unmoralischeren Qualität, welche diese Planung bewusst vornimmt und die Natur des Menschen als Faktor miteinkalkuliert. Ich erinnere an dieser Stelle beispielhaft an den auf Tonband aufgezeichneten Dialog zwischen Kissinger und Nixon, die kriegsstrategisch darüber beraten, ob man nicht lieber einen Staudamm sprengt, oder besser eine Nuklearwaffe einsetzt. Die einzige Sorge, die die beiden bei ihren Planungen haben, ist die Frage der Außendarstellung ihrer Strategie. Dass dabei beide der diskutierten Optionen Hunderttausenden von Menschen, von Zivilisten das Leben kosten wird – darüber sind sich die beiden von Anfang an völlig bewusst.
    Nixon ermahnt sogar während der ßberlegungen Kissinger, doch im „großen Maßstab“ zu denken, als dieser Bedenken zur Sprengung eines Staudamms äußert, welche 200.000 Menschen das Leben kosten würde.

    Krieg ist ein Ausnahmezustand.
    Ein widernatürlicher Moment, künstlich erschaffen.
    Das Verhalten der Soldaten kann darin nur ‚erklärt‘ werden,
    ohne, dass die Taten dabei relativiert werden.
    Es war ein kaltblütiges Morden in Haditha, zweifelsohne.
    Es war kein abstraktes Morden, wie ihn die „pickeligen Kids“, wie Du sie nennst, tagtäglich ausführen.
    Aber im Prinzip ist es das gleiche Morden: Eine Autorität legitimiert das Handeln – die Autorisierten führen aus. Und ich wiederhole mich: Es können nur die Umstände erklärt werden, unter denen solche Taten möglich sind. Ohne sie dabei gutzuheißen. Die Täter sind auch Opfer, auch wenn es schwer fällt, dies in Betracht zu ziehen. Dein Groll in dieser Sache richtet sich ja auch mehr gegen den Freispuch und gegen jene, die diesen Freispruch zu verantworten haben, als auf die Tat selbst, wenn ich die Aussage Deines Artikels konsequent zu Ende deute, oder? Also nimmst Du ja ebenso die Autoritäten, und somit die wahren Verantwortlichen für diese Zustände stärker in die Pflicht, nicht wahr?

    Und wären die beteiligten Soldaten zu lebenslanger Haft oder gar zum Tode verurteilt worden, wie würde dann Deine Bewertung dieser Angelegenheit aussehen?
    Wäre dann Gerechtigkeit eingekehrt?

    Du regst Dich über Massaker im Krieg auf, wo doch Massaker das Gerüst von Kriegen bilden? Es geht doch im Krieg ums Töten, oder verstehe ich Kriege anders, als Du es tust?
    Kannst Du mir einen einzigen „sauberen Krieg“ nennen, einen Krieg ohne Greueltaten?

    Wie fangen Kriege an? Wie war das damals im Irak, als in das Zentrum von Bagdad die ersten Bomben fielen? Sind da keine Zivilisten ums Leben gekommen? Oder jüngst in Tripolis, wo auch Wohnhäuser Angriffsziele waren. Unzählige Videos, die zerfetzte Säuglinge und Kinder zeigen, abrufbar über YouTube, belegen das. Schockiert Dich das weniger?
    Weil es nicht von Angesicht zu Angesicht geschah?
    Ist es der Umstand, dass hier nur ein Knöpfchen am Joystick betätigt wird, welches diese Taten relativiert? Wer aber gibt dem „Pickeligen“ den Befehl das Knöpfchen zu drücken?
    Wer gab der Bodentruppe grünes Licht, Rache zu üben und das Massaker anzurichten, nachdem einer ihrer Kameraden ‚gefallen‘ war? Der Leiter der Truppe?

    Seit Milgram sollten die Zusammenhänge für diese üblen Realitäten doch klar sein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

    Beiden Arten von Mördern – den Joysticklern und den Bodentrupplern – ist eines gemein: Sie sind von sog. Befehlshabern dazu legitimiert zu Töten. Sind dann Personen mit sehr wenig bis keinem empathischem Potential beteiligt – egal ob pickelige Joystick-Helden oder Bodentruppen – kommt schnell das Dunkle zum Vorschein, welches uns dann dermaßen entsetzt.

    Das Dunkle in jedem Menschen erscheint einem in personifizierter Form leider plakativer, weil das Abstrakte nicht so leicht zu fassen ist.

    Ich bleibe dabei: Die Legitimierung ist das ßbel, nicht die Umsetzung. Egal, wie grausam die Details dabei auch erscheinen mögen. Die Strategen, die eigentlichen Planer, also die weiter oben benannten Psychopathen im sicheren Hintergrund weitab des sichtbaren Geschehens sind härter zu verurteilen. Sie sind es, die mich entsetzen und mir Angst machen. Sie erst erschaffen eine Welt, in der solche entmenschlichten Zustände überhaupt erst möglich werden.

    Eine Welt, in der – im Jahre 2012! – Kriege noch immer eine „Option“ für Friedensnobelpreisträger darstellen.

  17. Tranfunzel sagt:

    Das Ganze wundert mich schon überhaupt nicht mehr. Wenn es nach der Definition von Kriegsverbrechen geht, wie sind dann gezielte Flächenbombardements der USA zu werten. Das fand in Deutschland, Japan, Korea, Vietnam und wer weiß wo noch statt. Ich kann aus militärischer Sicht die gezielte Zerstörung von Munitionsfabriken, Flughäfen etc. nachvollziehen. Aber gezielt Wohngebiete und damit nur Zivilisten zu töten ß Zum anderen. Die Psychopathie, Ponerologie Diskussion hat einen ganz üblen Fehler !! Wenn man nämlich einfach konstatiert, diese Psychopathen seien „krank“, dann kann man sie nicht bestrafen !! „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist eine ganz faule Ausrede !! Ein Kinderschänder ist dann z.B. „psychisch krank“ und kann nicht bestraft werden und kommt(hoffentlich) für immer in die geschlossene forensische Psychiatrie. Ich sehe es einfacher. Jeder von Gott geschaffene und mit Vernunft begabter Mensch, weiß was Unrecht ist. Und auf das Töten und Quälen anderer Menscher steht Strafe. Leider werden im Kriegsfall dann oft die kleinen Soldaten bestraft und nicht die Politiker und Generäle, die das Morden angeordnet haben. Aber kein Soldat/Soldatin kann sich rausreden, wenn getötet wurde. Die „Tat“ mit der besonderen „psychischen Belastung“ in „der Situation“ zu erklären ist billig. Ich könnte meinen Chef auch manchmal in kleine Stücke reißen (oder ähnliches)und tue es nicht. Kontrollverlust ist kein Zeichen von Stärke. Noch einmal, Psychopathen zu verharmlosen und als krank in die Psychiatrie zu schicken bringt nichts. Die Psychiatrie ist hinterher da für die heimgekehrten Soldaten und traumatisierten Kriegsopfer, die z.B. wegen „post dramatic stress disorder“ behandelt werden und wohl nie wieder „gesund“ werden.
    @ Frank.H. super..Und der Militärpfaffe schreit Halleluja Satanas… genau da (und woanders) wird der Unterschied zwischen (z.B. christl.) Religion und Glauben (an einen Gott, der liebt) deutlich.

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