Wusste der Bund 2010 bereits das Griechenland nicht zu retten ist?

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Im Jahr 2009 verstaatlichte der Bund den ins Straucheln geratenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Auch der letzte Großanleger wurde seinerzeit mit Nachdruck aus der Bank heraus gedrückt. Bereits zu dieser Zeit konnte man davon ausgehen, dass die Bücher der Bank für die ßffentlichkeit verschlossen bleiben sollten. Nun rücken einige interessante Fakten in den Fokus, die Fragen aufwerfen dürften. War dem Bund bereits nach dem ersten Rettungspaket im April 2010 klar, dass Griechenland nicht zu retten ist?


Im Oktober 2010 begann der „Big Shift“ von so genannten „Vermögenswerten“, in die als Bad Bank bezeichnete FMS Wertmanagement AöR. Die Erklärung hierzu lautet folgendermaßen:

Am 2. Oktober 2010 übertrug die verstaatlichte Bankenholding Hypo Real Estate (HRE) existenzbedrohende Wertpapiere und Kredite von über 12.500 Einzelpositionen in Wert von rund 173 Milliarden Euro in die neugegründete FMS Wertmanagement; etwa 7,4 Milliarden Euro davon waren Schulden von Griechenland (Stand Mai 2011).[1]

Bereits bei der Auslagerung der „existenzbedrohende Wertpapiere und Kredite“ war damals ein Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe verschleiert worden. Von den ursprünglich gewährten 40 Milliarden an Garantien, flossen nur 23,5 Milliarden zurück, was einen Verlust von 16,5 Milliarden impliziert.

Nun kurz einige Zeilen zu einer Aussage im Januar von Hr. Dr. Pleister vor dem Haushaltsausschuss des Bundestags:

Allein bei der Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE), FMS Wertmanagement, werde der Buchverlust durch den Anleihetausch „eher mehr als 6 Mrd. Euro“ betragen, sagten am Wochenende Experten der Koalition der FTD. Für diesen Verlust muss der Bund über den staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin uneingeschränkt haften.
[…]
Allerdings war Pleister noch von einem Forderungsverzicht von 50 Prozent ausgegangen, nicht von den nun vereinbarten 53,5 Prozent. ßber die gesamte Laufzeit der neuen Anleihen, die Griechenland seinen Gläubigern im Tausch gegen Altanleihen anbietet, ergibt sich sogar ein Abschreibungsbedarf von etwa 75 Prozent. Für FMS Wertmanagement, die Ende Juni 2011 noch 9,3 Mrd. Euro an Forderungen gegen Griechenland in der Bilanz hatte, würde dies auf eine Belastung von fast 7 Mrd. Euro hinauslaufen.
Den Bundeshaushalt werde der Verlust vorerst aber nicht tangieren, hieß es in Koalitionskreisen. Vielmehr müsse der Bankenrettungsfonds Soffin die Verluste der Bad Bank ausgleichen, deren Höhe noch nicht feststehe.[2]

Zunächst stellt sich die Frage, wenn der Bund bereits 2010 die griechischen Anleihen in die FMS Wertmanagement ausgelagert hat und es sich der Definition nach um existenzbedrohende „Wertpapiere“ gehandelt hat, musste der Default eigentlich kalkuliert gewesen sein. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man doch die Staatsanleihen wie in einigen anderen Fällen einfach über Credit Default Swaps absichern können, es sei denn, man wusste zu dieser Zeit bereits, dass der Haircut unausweichlich ist und die Swaps niemals zur Auszahlung kommen dürften. Hierzu berichteten wir: Warum Griechenland in Wahrheit nicht fallen darf.

Hierzu ist es interessant sich einen Chart anzusehen, wie sich die Rendite für die Staatsanleihen kurz vor und nach dem ersten „Rettungspaket“ entwickelten.

Wirkt ein wenig wie das „Schweinetreiben“ nicht wahr? Wie so häufig musste die „Alternativlosigkeit“ offen demonstriert werden, wobei bereits an diesem Punkt klar war, diese Kurve bekommt Griechenland nicht. Als Grundlage für diese Erkenntnis diente mir bereits lange vorher eine der ältesten und am besten erforschten Wissenschaften der Welt, die Mathematik.

Heute nun soll der Bundestag nach der Debatte über das zweite Rettungspaket abstimmen und das dritte steht bereits in den Startlöchern.

Interessant ist noch die Formulierung : „Den Bundeshaushalt werde der Verlust vorerst aber nicht tangieren, hieß es in Koalitionskreisen. Vielmehr müsse der Bankenrettungsfonds Soffin die Verluste der Bad Bank ausgleichen, deren Höhe noch nicht feststehe.[2]

An dieser Stelle möchte ich die Frage stellen, wer kommt den für die Verluste des SoFFin auf? Klappt da Herr Schäuble sein privates Sparbuch auf? Nein meine Damen und Herren, die SoFFin ist eine weitere Bad Bank, welche 400 Milliarden an Steuergeldern unter den Fittichen hat. An dieser Stelle wird abermals das „linke Tasche, rechte Tasche“ Hütchenspiel befeuert. Alleine der direkte Durchschlag auf die Schulden des Bundes beträgt seit Beginn der Krise mehr als 25% und hier ist noch einiges an „Bilanzierungstricks“ behilflich.

Carpe diem

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Bank
[2] http://www.ftd.de/politik/europa/:beteiligung-von-bad-banks-deutsche-machen-milliarden-miese/60174225.html


8 Responses to Wusste der Bund 2010 bereits das Griechenland nicht zu retten ist?

  1. Jens Blecker sagt:

    Heutige Debatte im bundestag :

    http://www.bundestag.de/dokumente/tagesordnungen/160.html

    160. Sitzung, Montag, 27.02.2012, 15.00 – ca. 17.30 Uhr

    1.a) Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin

    Hier empfehle ich den Politshit-Bingo schein parat zu haben. http://iknews.de/2011/11/09/wettbewerb-polit-shit-bingo/

  2. Jens Blecker sagt:

    Däke kritisierte, es sei „inakzeptabel“, dass die deutschen Steuerzahler inzwischen für bis zu 320 Milliarden Euro hafteten. „Wir brauchen mehr Reformen in den Schuldnerstaaten“, sagte er. „Auch ein Euro-Austritt Griechenlands darf kein Tabu sein.“

    http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE81J03920120222

  3. kaluza klein sagt:

    Gerade gelesen, anbei kurzer Auszug:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817004-2,00.html

    „Der Mann und die Milliarden Bombe“
    „Der entscheidende Hinweis kam von jenem Mann, dessen Unterschrift die D-Mark-Scheine zierte: Der ehemalige Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger machte den Münchener ßkonomen Hans-Werner Sinn auf einen seltsamen Posten in der Bundesbankstatistik aufmerksam: Ende 2010 waren dort Forderungen von mehr als 300 Milliarden Euro an andere Notenbanken des Euro-Systems verbucht. Sinn wunderte sich – und begann zu recherchieren. Was er herausfand, übertraf seine schlimmsten Erwartungen.

    Nach Wochen hatte Sinn ein Bild zusammengefügt, das den Betrachter erschauern lässt: Innerhalb des eigentlich harmlosen Zahlungsystems zwischen den Notenbanken der 17 Euro-Länder haben sich seit Beginn der Finanzkrise 2007 gewaltige Ungleichgewichte aufgebaut: Während die europäischen Krisenstaaten Italien, Spanien, Irland, Portugal und Griechenland Defizite von insgesamt mehr als 600 Milliarden Euro aufweisen, sind die Forderungen der Bundesbank mittlerweile auf 498 Milliarden Euro gestiegen.

    Durch die Forderungen an die anderen Notenbanken sei Deutschland erpressbar geworden. „Jeder weiß jetzt, dass wir den Euro retten müssen – und zwar um fast jeden Preis.“

  4. Esperanza sagt:

    Ich bekomme gleich auch eine Krise.

    Griechenland hat keine Krise, die Gläubiger sind in der Krise.
    Deutsche Unternehmen und Banken (Deutsche Bürger)!!!!

  5. Esperanza sagt:

    Unsere Leben sind in der Krise.

    Kann ich nur empfehlen!!!

    http://unslavedmedia.net/unslavedmedia/watch_video.php?v=UK48B5HSDGUK

  6. kaphorn sagt:

    erinnert mich stark an den versailler vertrag, vor allem wurde der von müller (spd) und bell (zentrum) unterschrieben…da kann sich jetzt jeder denken was er will, der vetrag war völkerrechtlich eine varse…und so auch jetzt wieder mit dem esm, esef und wie sie alle heissen…alles illegal. ach ja: schaut euch doch mal den §795 BGB an…dort wird von staatlicher genehmigung geschrieben (für anleihen etc.). resümee: deutschland ist eine verwaltung und kein staat…so sieht es aus. alles illegal, wir werden wie 1919 wieder einmal in die pfanne gehauen von den zionisten…

  7. Frank H. sagt:

    Achtung anschnallen!
    In der veröffentlichten Bilanz, die man im internet finden kann, der HRE, ist bereits 2010 die gesamte Forderung gegen Griechenland und den anderen Eurostaaten fein säuberlich dokumentiert.
    Die Schuldtitel sind gigantisch.
    Das Dokument hatte ich seinerzeit Kopp Verlag zugespielt. Dort ist ein artikel erschienen samt PDF.
    Bitte unter 2010 mal deren Archiv filzen.
    Grüße.
    Frank

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