Schätze der Natur : Berberitze (Sauerdorn)

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Berberitzen sind gut schnittverträglich, dicht verzweigt und mit Dornen bewehrt, kurzum, sie sind eine ideale Heckenpflanze. Dabei kommen heute vor allem die mit der gewöhnlichen Berberitze verwandten Arten, beziehungsweise Züchtungen zum Einsatz. Die frühere kulinarische und wirtschaftliche Bedeutung der Berberitze ist heute dagegen fast vollständig in Vergessenheit geraten ß? nur der im Deutschen ebenfalls noch gebräuchliche Name ß?Sauerdornß? zeugt noch davon:


Bevor Zitronen angebaut bzw. bis nach Mitteleuropa gehandelt wurden verwendete man den sauer schmeckenden und sehr Vitamin C-reichen Saft welcher aus den Berberitzenbeeren gewonnen wurde zum Säuern von Speisen sowie zur Herstellung von Essig. Daher wurde der Strauch früher auch als die ß?Zitrone des Nordensß? bezeichnet.

 

Die Berberitze gehört zur Familie der Berberitzengewächse (Berberidaceae) und kommt in einem Verbreitungsgebiet welches von Südeuropa, dem Balkan, sowie Mitteleuropa bis nach Westasien hinein reicht, vor. Der Strauch ist an kontinentale Klimabedingungen angepasst: er benötigt ein sommerwarmes Klima kann aber auch winterliche Fröste gut überstehen. Längere Trockenperioden schaden der Pflanze nicht. Diese Eigenschaften machen den Strauch heute zum idealen Gehölz für kleine Gärten sowie als Straßenbegleitgrün in trocken-heißen Innenstadt-Lagen.

 

Der Sauerdorn wächst als dicht verzweigter Strauch von 1-2, selten 3 Metern Höhe. Junge Pflanzen wachsen aufrecht,  später bilden sich jedoch stark überhängende Zweige aus, welche sich bei Erdkontakt wieder bewurzeln können. Durch diese Art von vegetativer Vermehrung kann es zur Bildung von ganzen Dickichten und undurchdringlichen Gebüschen kommen, welche dann, genetisch gesehen, aus einer einzigen Pflanze bestehen. Sehr typisch für die Berberitze ist die gelbe Farbe des Holzes. Auch das Wurzelholz ist kräftig gelb gefärbt.

Die Rinde junger Triebe ist kantig gefurcht und mit 1-2 cm langen, dreiteiligen Dornen bewehrt.

Die 2-4 cm großen Blätter stehen wechselständig, haben eine verkehrt eiförmige Form und sind gezähnt. Typisch ist der büschelige Wuchs der Blätter in den Dornachsen, der etwas rötliche Austrieb im Frühjahr sowie die leuchtend orange Herbstfärbung.

Die Blüten der Berberitze erscheinen im Mai. Zahlreiche der kleinen, kräftig gelben und stark duftenden Einzelblüten sind in etwa 2 cm langen, hängenden Trauben zusammengefasst. Aus diesen bilden sich zunächst grüne, länglich geformte, ca. 1 cm lange Beeren, welche im September eine auffallend leuchtende, rote bis dunkelrote Farbe annehmen.

 

In Mitteleuropa kommt die Berberitze im klimatisch kontinentaleren Südosten sowie im Alpenraum häufiger vor als in anderen Regionen. In den Alpen findet man sie bis zu einer Höhe von 1700 Metern.

Die Berberitze liebt sonnige Standorte auf eher kalkigen Böden, kommt mit lichtem Halbschatten noch zu recht wächst aber nie im Schatten. Dem entsprechend findet man sie in Gebüschen und Hecken in sonnigen Lagen, an südexponierten Waldrändern sowie als Unterwuchs in sehr lichten Wäldern.

 

Die Früchte enthalten sehr viel Vitamin C, Carotinoide, reichlich Fruchtsäuren wie Apfelsäure, Zucker, Pektin und Mineralien.

Die Berberitze ist keine klassische Heilpflanze. In der Volksmedizin wird der Verzehr der Beeren und das Trinken des Saftes jedoch bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und Gelbsucht sowie bei chronischen Hauterkrankungen empfohlen.

 

Wie bei allen Früchten, so bilden sich auch bei den Beeren der Berberitze die wertvollsten Inhaltsstoffe erst in der letzten Phase der Reifeperiode. Es ist daher grundsätzlich von Vorteil voll ausgereifte Früchte zu ernten. Im Falle der Berberitzen- Beeren heißt das: bitte warten sie bis die Beeren eine leuchtend dunkelrote Farbe angenommen haben. Die ist in der Regel erst Mitte bis Ende September der Fall. Bei der Ernte selbst ist es sinnvoll, sich durch das Tragen von Arbeitshandschuhen vor den Dornen zu schützen. Wer sich aber durch das Tragen der Handschuhe beim Pflücken eingeschränkt fühlt kann, hier für Rechtshänder erklärt, mit der linken Hand einen Handschuh tragen, um mit dieser Hand die dünnen, im Bogen hängenden Zweige festzuhalten. Auf diese Weise ist es leichter und ungefährlicher mit der rechten, bloßen Hand vorsichtig die in kleinen Büscheln hängenden Beeren abzupflücken.

 

Alle Teile der Berberitze außer den Beeren sind schwach giftig! Die Beeren haben einen säuerlichen, zitronenartigen aber dennoch angenehmen Geschmack.

In alter Literatur wird auf die Verwendung der jungen Blätter als Tee, Suppeneinlage und Würzmittel hingewiesen. Der Geschmack soll dem des Sauerampfers ähnlich sein. Da der Verzehr der Blätter jedoch zu ßbelkeit und Durchfall führen kann soll hier ausschließlich der Genuss der Beeren empfohlen werden. Wie in Band 1 der Reihe Natur&Genuss ß?Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzenß? dargestellt, steht gesundes und bekömmliches grünes Blattgemüse aus der Natur fast ganzjährig in Hülle und Fülle zur Verfügung, so dass keine Notwendigkeit besteht hier ein Risiko einzugehen.

 

 

Rezepte & Ideen

 

Saft

Berberitzen entsaftet man am einfachsten in einem Dampfentsafter. Soll ein Vorrat angelegt werden ist es notwendig den noch kochend heißen Saft sofort in steril gemachte Flaschen abzufüllen und diese umgehend zu verschließen. Dabei ist es ratsam eher kleine Flaschen zu verwenden, da Berberitzensaft später eher als Würzmittel oder mengenmäßig kleine Zutat verwendet werden wird und daher große Flaschen zu lange angebrochen stehen würden.

Ferner ist es nicht ratsam den Saft sofort zu süßen

Steht kein Dampfentsafter zur Verfügung, so kann man die Berberitzenbeeren auch in eine hitzebeständige Glasschüssel geben und diese zugedeckt in einem Wasserbad mit kochend heißem Wasser ziehen lassen bis sich der Saft in der Schüssel absetzt. Dieser Vorgang nimmt einige Stunden in Anspruch.

 

Berberitzen-Gelee

Bevor Sie beginnen das Gelee zuzubereiten sollten ausreichend Schraubdeckelgläser gespült, abgetrocknet und im Bachofen bei 200 Grad steril gemacht werden.

Nun 900 ml Berberitzensaft in einem Topf mit 500 Gramm Gelierzucker (1:3) aus rohem Rohrzucker vermengen und unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Das Saft-Zucker ß? Gemisch sollte mindestens drei Minuten sprudelnd kochen bevor die erste Gelierprobe gemacht werden kann. Nach erfolgreicher Probe die Gläser befüllen und die Deckel fest verschrauben. Die Gläser für einige Minuten auf dem Kopf stellen und dann in normaler Position langsam auskühlen lassen.

 

Heiße Berberitze

Dieses Getränk wärmt an kalten Herbst- und Wintertagen!

In eine Tasse 1-2 EL Berberitzensaft geben und mit heißem Wasser übergießen. Nach Belieben mit 1-2 TL Honig süßen und umrühren. Eine Alternative zur bekannten heißen Zitrone.

 

Berberitzen-Pfirsich-Limonade

Die erfrischende Abkühlung an heißen Sommertagen!

In einer großen Glaskaraffe 4-8 EL Berberitzensaft mit einem Liter reinem Wasser und 0,5 Liter Pfirsichsaft aufgießen. Gekühlt servieren!

Diese Limonade kann auch als Grundrezept für eine Bowle verwendet werden: dazu gibt man der gut gekühlten Limonade zusätzlich ca. 300 Gramm (zwei kleine Früchte, etwa weißfleischige Weinberg-Pfirsiche) klein gewürfelte Pfirsichstückchen bei und gießt diese unmittelbar vor dem Servieren mit einer 0,7 Liter Flasche trockenem Riesling-Sekt auf.

 

Zum Würzen statt Zitrone oder Essig

ßberall wo Zitronensaft zum Würzen von Speisen verwendet wird kann auch der Saft der Berberitze eingesetzt werden. So zum Beispiel auch zum Abschmecken von Suppen, Saucen Linsengerichten sowie Chutneys.

 

Berberitzenbeeren als Trockenfrüchte

Die kleinen roten Beeren lassen sich auch trocknen ß? am einfachsten und effektivsten auf einem Dörrgerät mit Temperaturregler. Die kleinen sauren Früchtchen eignen sich als erfrischender Snack sowie als Beimischung in selbst hergestelltes Studentenfutter oder ins Müsli.

 

 

Viel Freude in Natur und Küche!

 

Markus Strauß

 

Weitere Infos unter: www.simply-wild.de

 

© Simply Wild GmbH, 2012

 

Bildquelle : Wikipedia -Algirdas


2 Responses to Schätze der Natur : Berberitze (Sauerdorn)

  1. EuroTanic sagt:

    Mit Verlaub. Den Titel ß?Zitrone des Nordensß? hatte eigentlich schon der Sandorn geerbt 🙂

  2. Lilly sagt:

    Das ist ein besonders leckeres Gericht:

    Basmati-Reis mit Berberitzen
    Zereshk Polou b? Morgh

    http://www.kochen-mit-poesie.de/basmati-reis-mit-berberitzen-und-huehnerunterkeulen-zereshk-polou-ba-morgh.html

    Rezept auf youtube erklärt:

    http://www.youtube.com/watch?v=cPLqBqnTf_w

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