Familiendrama : Wenn Schulden tödlich sind

Mädchen mit Teddybär

Immer häufiger kommt es zu absoluten Kurzschlußreaktionen, wo häufig eine ganze Familie ausgelöscht wird. Nicht selten spielt hierbei die wirtschaftlich meist aussichtslose Situation eine wichtige Rolle. Der Druck von allen Seiten nimmt zu, persönlich empfinden sich solche Täter häufig als Versager. Das Leben an sich scheint den Stellenwert verloren zu haben und nur noch die Stellung in der Gesellschaft ist erfüllend. Warum das immer häufiger zur Auslöschung von ganzen Familien führt, ist zwar rein emotional nicht zu verstehen, allerdings rationell nachvollziehbar. Selbsttötung und Mord scheinen hier der letzte Ausweg zu sein. Eine Gesellschaft am Scheideweg.


Erst vor wenigen Tagen drehte ein Vater in Berlin nach Medienangaben durch und tötete seine ganze Familie. Als vermutlicher Grund für die Tötung seiner zwei Kinder (3 und 6) sowie seiner 28 jährigen Frau, werden hohe Schulden vermutet. Was ist das für eine Gesellschaft, in der Menschen in solche Situationen geraten können?

Bereits im zarten Alter von Schulkindern beginnt die Zweiklassengesellschaft, die einen die haben und können und die Anderen die gerne hätten und könnten. Besonders Kinder können in solchen Fällen sehr grausam werden und die so genannten Versager sind sehr schnell erkannt und isoliert. In meiner Kindheit wurde ich selber bis ans Ende der Grundschule Opfer dieser Mobbingattacken, da unsere wirtschaftliche Situation mehr als bescheiden war. Die Kleidung meiner beiden älteren Geschwister aufzutragen oder in die Kleiderkammer zu gehen waren für mich in den meisten Fällen obligatorisch.

Irgendwann begegnete ich den Angriffen auf mich einfach mit stumpfer Gewalt, was dann dazu führte, dass ich aus der reinen Opferrolle heraus kam, jedoch mich selbst zum Täter machte. Anfangs beschränkte sich die Gewalt noch auf die „Angreifer“ später wurde diese für mich zum Tagesgeschäft, was dann zu weiteren großen Problemen führte. Der Druck aus der Gesellschaft machte mich so zum Täter, nur da ich nicht mehr der Versager sein wollte.

Was aber ist das für eine Gesellschaft, die nur fordert? Eine Gesellschaft die deine Persönlichkeit von den Einkommensverhältnissen der Eltern abhängig macht? Eine Gesellschaft, welche die Meßlatte derart hoch hängt, dass alle nur damit beschäftigt sind wenigstens mal auf Augenhöhe mit dieser Latte zu kommen? Es ist eine Wachstumsgesellschaft, die alle Werte aus den Augen verloren hat und in der Menschen die „versagt“ haben, Taten begehen, die durch nichts zu rechtfertigen sind. Getrieben von Werbung und falschen Hoffnungen, das Seelenheil zu finden im neuen Ipad, welches man sich eigentlich nicht leisten kann. Im Leasingwagen, der die ganze Familie in die Schulden treibt.

Warum wird der Konsum über Kredit derart geheiligt und die Menschen damit ins Unglück getrieben? Die Antwort ist Simpel, „Profit“ ist wichtiger als das Leben geworden und dieses ist ein weiteres großes systematisches Problem.

Sieht man sich heute an, was ein banaler Kinobesuch mit ein paar Tüten Popcorn und einer Cola für eine Familie kostet, dann ist die „Normalverdienerschicht“ schon raus und muss es sich entweder eisern vom Munde absparen oder eben das Konto belasten. Alle Notwendigen Dinge wie Energie oder Nahrung explodieren förmlich im Preis, nicht unbedingt der Garten Eden.

Zum Abschluss möchte ich feststellen, dass viele der Täter zuvor Opfer waren. Opfer des Profites, der Gier und des unheimlichen gesellschaftlichen Drucks. Vielleicht waren auch Sie oder ich einmal daran beteiligt jemandem einen abwertenden Blick zuzuwerfen, weil er eben nicht zur gehobenen Mittelschicht gehört. Da ich selber aus sehr rudimentären Verhältnissen stamme, kann ich sehr gut nachvollziehen, wie so jemand sich fühlt. Heute jedoch, obwohl meine finanzielle Situation sehr komfortabel ist, beneide ich manche, die glücklich und zufrieden sind mit dem einfachen Leben und sich nicht wie die Hamster im Rad drehen um „dabei sein zu dürfen“.

An dieser Stelle noch ein Zitat, im stillen Gedenken an die Opfer:

„Lebensqualität ist, dass man Sachen kauft die man nicht braucht, mit Geld, das man nicht hat, um Leuten zu imponieren, die man nicht einmal mag.“

Carpe diem


77 Responses to Familiendrama : Wenn Schulden tödlich sind

  1. maedchen07 sagt:

    Zitat:
    Forschungsergebnisse zeigen, dass Misshandlungen und Traumatisierungen im frühen Kindesalter die Entwicklung des Gehirns derart beeinflussen, dass die Störungen im Erwachsenenalter nachzuweisen sind.

    Quelle: http://www.newsatelier.de/html/kind.html

    Zitat:

    Schleppt man seine Depression seit der Kindheit mit sich herum, dann wird es über kurz oder lang eine chronische Depression. Durch den Dauerstressmodus seit der Kindheit über Jahrzehnte hinweg werden die Gehirnzellen soweit beeinträchtigt, dass eine ausreichende Produktion der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin nicht mehr möglich ist. Ist dieser Prozess zu weit fortgeschritten, können selbst moderne Antidepressiva im besten Fall nur noch für eine gewisse Linderung sorgen.

    Quelle: http://dasboesekind.de/die-misshandlungsfolgen/depressionen/

    Zitat:
    These maps revealed that teens who had experienced abuse had more microscopic damage to their white matter than teens who’d never been abused.

    „Just due to maltreatment, the brain can already have this big physical damage to white matter tracts,“ Huang said.

    For the next five years, the researchers followed up with the teenagers every six months. The teens were evaluated on each visit for psychiatric problems. Over the five years, six of them developed depression and five developed substance abuse problems. Five of the depressed participants and one of the substance abusers were from the abused group of kids. The mental health problems also matched up with the brain damage findings.

    http://www.livescience.com/22017-childhood-mistreatment-mental-illness.html

    uvm.

    Liebe/r Tranfunzel,

    es ist schon lange keine Theorie mehr, was Misshandlungen wirklich anrichten.

  2. washingtonmayfair sagt:

    @wobi,
    zu den Verboten. Ich schreib ja, die Kinder waren in der dritten Klasse. Die wussten ganz genau, dass das was sie gemacht haben, absolut nicht in Ordnung war. Das waren solche Spezialisten, die auch andere kleine Mädchen um Süßigkeiten erpresst haben. Nur als diese Schweinereien aufkamen und auch die Eltern das nicht mehr ignoriert haben, dann war der Spuk vorbei.
    Das ist nicht anderes als schlechte Erziehung und Ignoranz der Eltern, die nicht wahrhaben wollen, dass ihre Kinder ein Problem haben. Allerdings sind diese Kinder nun auch anständige junge Erwachsene geworden. Also, in diesem Fall Ende gut.

    Noch mal zu mir, wir wurden von unseren Eltern oft geschlagen (verprügelt), einer meiner Brüder sogar wirklich sehr oft und sehr schlimm. Und wir haben darunter sehr gelitten. Als ich mal meine Mutter fragte, warum sie denn das so gemacht habe, denn es wäre für mich wirklich sehr schlimm gewesen, sagte sie, damit wir gute Menschen werden. Und das konnte ich ihr sogar glauben. Und ihre eigene Erziehung und die ihrer Eltern waren noch stärker von Gewalt geprägt. Allerdings wurde es bei jeder Generation etwas besser.
    Und wir Geschwister, schlagen unsere Kinder nicht. Und zwar überhaupt nicht.

  3. maedchen07 sagt:

    Viele fühlen sich den Eltern verpflichtet, egal was mal passiert ist. Da sind so Aussagen wie:

    – Wegen dir haben wir verzichtet…
    – Vater/Mutter hat sich kaputtmalocht….
    – Was wir alles für dich getan haben….
    – Du bist undankbar….

    Das Einreden von Schuldgefühlen geht ganz schnell.

    ßbrigens: Wut ist auch ein Gefühl.

    Zitat:
    Vielleicht sollte manche auch auf ß?Konfrontationskursß? gehen und das leidige Thema bereinigen.

    Wer soweit ist, hat schon viel gewonnen. Nicht viele schaffen das wirklich. Und selbst wenn, dann heißt das nicht automatisch, alles ist plöztlich in Ordnung. Zur Not muss der Kontakt eingestellt werden, wwenn die Eltern in ihren Mustern hängen bleiben.

    Jahrelange Pein und Scherz lassen sich nicht mal eben mit einem Gespräch klären.

    Jahrelange Pein, besonders im „schutzbedürftigen“ Alter, ist ein verdammt schwerwiegender Prozess, dieses zu verarbeiten. Viele sagen sich, ich mache es besser, und merken leider nicht, das sie das Muster ihrer Kindheit nur in einem anderen Kleid an ihre Kinder weitergeben.

  4. washingtonmayfair sagt:

    Glücklicherweise nicht. In unserer Elterngeneration und in meiner Generation waren Gewalt und Schläge noch relativ normal. (Ich muss es betonen, finde ich absolut nicht gut und habe meine Kinder auch nicht geschlagen) Ich bin Anfang der 60 er Jahre geboren. Ich habe nach all den Jahren und auch nach Aufarbeitung meiner eigenen Geschichte den Eindruck, dass für Kinder noch viel Schlimmer als Schläge, emotionale und körperliche Vernachlässigung ist.

  5. maedchen07 sagt:

    Da gebe ich dir Recht.

    Children Carry Invisible Scars From Psychological Abuse

    Quelle: http://abcnews.go.com/Health/Wellness/children-carry-invisible-scars-psychological-abuse/story?id=16872337#.UDUL4VI-dNS

    Narben auf der Seele sind schrecklich

  6. maedchen07 sagt:

    Ich möchte diese schrecklichen Geschehnisse in keinem Fall entschuldigen, muss aber anführen, dass absolute Versagensängste, gepaart mit kindlichen Prägungen, ggf. Misshandlungen in der Kindheit, Schuldgefühle, weil man es doch anders machen wollte, als die Eltern, Gesellschaftlicher Druck und falsche Scham, Menschen dazu treiben kann, solche Art von Verzweiflungstaten zu begehen.

    Wenn die Männer unter uns mal ehrlich in sich gehen, wird der Ein- oder andere feststellen, nicht immer den Mut zu haben, nach Rat zu fragen. Gesellschaftlich ist es nicht schicklich, wenn der Mann nicht seinen Mann steht. Ist so ähnlich wie „Männer weinen nicht“. Diese Klischees geistern noch immer durch unsere Gesellschaft und sind längst überholt. Viele wissen das – aber Theorie und Praxis sind eben zwei paar Schuhe.

    ßberholt sind viele s.g. Weisheiten, Lebenssprüche und Gedankenkorsetts.

  7. stupido sagt:

    Sowohl aus eigener Erfahrung, als auch aus zahllosen Gesprächen mit Betroffenen und in dem Bereich“praktisch erfahrenen“ kann ich sicher sagen, dass solche Entscheidungen und Ideen SEHR OFT

  8. stupido sagt:

    Sowohl aus eigener Erfahrung, als auch aus zahllosen Gesprächen mit Betroffenen und in dem Bereich“praktisch erfahrenen“ kann ich sicher sagen, dass solche Entscheidungen und Ideen SEHR OFT UNGPLANT und spontan sind – eine „Entscheidung“ von Minuten oder Sekunden…je nach dem, ob zum Beispiel jemand ans Telefon geht oder nicht….

    Und professionelle Hilfe – naja – es gibt gute und schlechte profis in dem Bereich…und meistens schlechte.

    Und es sind eben Profis…unter uns hier sind auch ein zwei aus dem Bereich von denen ich weiss – in meinen schlimmsten TAgen hab ich auch denen geschrieben und es waren die einzigen, DIE GARNICHT GEANTWORTET HABEN!

  9. Irmonen sagt:

    meine Beobachtung:

    gerade jüngere Generationen, bis Mitte 30, sind immer weniger in der Lage, alleine Lebenskrisen zu bewältigen.

    Früher gab es vielleicht ein besseres soziales Netz, auch zum miteinander reden, doch heute kommt noch das gewöhnt sein an die Unselbständigkeit dazu.

    Wer in der aufstrebenden, sozial abgesicherten, bis gepamerten Wohlstandszeit aufgewachsen ist, kennt häufig das auf sich selbst angewiesen sein nicht mehr.

    Die Menschen werden dann sehr instabil, emotional labil, hilflos, hoffnungslos. Früher da war man einfallsreicher einerseits und die gesellschaftlichen Möglichkeiten bunter und unüberwachter andererseits, man war risikofreudiger und aktiver Neues zu wagen.Heute steht an erster Stelle die Sicherheit.

    Dass damit auch die Kurzschlussreaktionen zunehmen verwundert mich nicht, denn auch im besseren Falle steigt die in Anspruchnahme von Hilfe, durch offizielle Einrichtungen (Kliniken, Therapueten, Sozialämter, Beratungstellen etc.) stetig.

  10. maedchen07 sagt:

    @Stupido

    Yup, viele Therapeuten dürften sich gar nicht als solche schimpfen. Sie richten mehr Schaden an als das sie Gutes tun.

    Um wirklich proffesionelle Hilfe zu bekommen, jemand der es verdient, diesen Titel zu tragen, muss man sehr oft lange und hartnäckig suchen.

    Das mit der Blitzentscheidung das stimmt in der Tat. Und ausgerechnet dann, ist niemand zu erreichen, was einen darin bestärkt, es zu tun.

    Hilfen, egal welcher Art, sind entweder eingestellt oder werden es in absehbarer Zeit sein. Hier an meinem Wohnort kann ich mich noch sehr gut an die ein- oder andere Organisation erinnern, die es heute auf Grund von finaziellen Gründen nicht mehr gibt.

    Es ist wirklich erschreckend, was derzeit passiert.

    Aber nicht nur dieser Artikel, auch viele andere Dinge aus dem täglichen Leben lassen einen fassungslos den Kopf schütteln.

  11. Tranfunzel sagt:

    Es gibt sog. Kurzschlußhandlungen. Diese sind aber eher selten. Oft „sammeln“ sich Probleme an. Eine Sorte Menschen ist „zäh“ und beißt sich durch, die andere kann Depressionen entwickeln.
    Meine Kritik geht dahin zu behaupten ein „gestörtes Neurotransmittergleichgewicht“ sei Schuld. Das ist aber nicht die Ursache von Depressionen, sondern meiner Meinung nach die Folge.
    Nun mit Medikamenten ( Antidepressiva) diese Störung zu behandeln, heißt die Symptome zu behandeln und nicht die Ursache.
    Desweiteren kann die Gabe von nicht geeigneten Antidepressiva das Suizidrisiko erhöhen. Depressionen sind gekennzeichnet duch Antriebslosigkeit. Sollte das Medikament diese „Hemmung“ eher nehmen als die getrübte Stimmung, kann es paradoxerweise erst dazu kommen, das ein latenter Suizidplan in die Tat umgesetzt wird. Für einen Patienten überhaupt das „richtige“ Antidepressiva zu finden ist sehr schwierig.
    Ich denke das Bild der Depression als reine „mechanistische, biologische“ Störung ist falsch. Statt Medikamenten sollten eher eine Lösung von Problemen stattfinden. Medikamente können helfen, sind aber von der kommerzialisierten Psychiatrie und dem Pharmalobbyismus Mittel der 1. Wahl. Ist ja auch „billiger“ Menschen mit Psychopharmaka vollzustopfen, anstatt Probleme zu lösen.

  12. Irmonen sagt:

    Jemand meinte mal ß?was 40 Jahre Sozialismusß? in den Köpfen der Menschen angerichtet hat bekommt man nicht mehr hin. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn der Westen hatte sich den gottlosen Virus des Materialismus eingefangen…..

    Ich habe Menschen erlebt, erinnere mich ganz speziell an eine jetzt alte Frau, mit sehr schwerer Kindheit, auch „ßbergriffe“ diverser Art und schwerem Schicksal – und diese Frau war anders!

    Ja was war anders, sie war sozusagen „mit dem Himmel verbunden“, sie hat regelmäßig gebetet, sich innerlich mit ihrem Schicksal versöhnt, war was man als gläubig bezeichnet. Damit erübrigt sich auch die Frage nach dem Sinn des Lebens, diese Frau hat sich diese Frage nie gestellt, sie hat einfach ihr Leben gelebt.

    Mein Bemühen war ihr beizubringen, dass sie sich noch mehr Selbstfürsorge erlauben darf, sich ein bisschen mehr gönnen darf, mehr brauchte es nicht.

  13. Irmonen sagt:

    Meine Kritik geht dahin zu behaupten ein ß?gestörtes Neurotransmittergleichgewichtß? sei Schuld. Das ist aber nicht die Ursache von Depressionen, sondern meiner Meinung nach die Folge….

    Antwort: Ursache und Folge,
    das sind Teufelskreise die sich selbst aufrechterhalten.

    Depression, auch über erleben und denken gefördert, macht Sorffwechselveränderungen, Stoffwechselveränderungen machen depressiv.
    Die Frage ist, wie breche ich den Kreis auf.
    u.a.! durch ENT-WICKLUNG.

  14. Tranfunzel sagt:

    Das ist auch ein Problem. Gäbe es wie früher Famililienstrukturen würden „kränkelnde“ Menschen aufgefangen.
    Genau das gleiche steckt auch hinter dem Gedanken einer „kleinen christlichen Ortsgemeinde“. Das bedeuted die Menschen leben auch so zusammen und helfen einander.
    Diese „Individualgesellschaft“ wird an sich selbst zugrunde gehen. Gerade in Krisenzeiten sollten die Menschen das „Gemeinsame“ mehr kennen lernen. Wollen wir hoffen, das in der Zukunft das zusammen rücken statt findet.
    In südlichen Ländern wie Griechenland sitzen die Menschen auch heute abends oft draußen, oder spielen Boule etc. oder Backgammon und die Kinder miteinander.

  15. Ray sagt:

    Bevor ich zum Artikel selber Bezug nehme, vorab und damit nachträglich meine besten Glückwunsche zur Vermählung! Für mich neu und überraschend: Auch einem Bräutigam steht die Farbe weiß. In diesem Sinne alles Gute dem Brautpaar 🙂

    Zum Artikel: Oh ja, da finde ich mich sehr gut wieder. Nur mit dem Unterschied, dass ich seinerzeit entweder zu naiv oder zu perplex war, um meinerseits zurückzuschlagen.

    Dieser Schleier der „fröhlichen Naivität“ hat sich auch letztlich sehr, sehr spät gelichtet. Im Nachhinein kann ich da vieles – meiner Schulzeit – klarer beurteilen. Etwa, was meine ßberforderung angeht auf dem „Gymnasium“ (wo ich selber garnicht mal hinwollte). Gleichwohl zwar nicht völlig (Ausnahmen etwa zum Teil in Physik oder Deutsch), aber im Gesamtbild. Tja, einerseits die Hohlpflaume, andrerseits aber auch interessantes Bild des unkonventionellen. Aber ja: Schmähattacken und in die Fresse noch und nöcher.

    Bla, bla, selbiges setzt sich auf Uniebene fort. Gleichwohl wurde selbiger „Habitus“ im Sinne des „hinterfragens“ durchaus geschätzt.

    Heute jedoch kochen „Reaktion“ und „Stressimpulse“ umso stärker hoch. Zynisch gesprochen: Gut, dass mich der neue Batman-Film nicht interessiert… Pfui. Pardon.

    Aber interessant und tragisch ist: Die Verachtung seinerzeit findet nun seine Fortsetzung in mir selbst.

    Gleichwohl will ich die Lichtseiten seinerzeit nicht unter den Tisch fallen lassen: Sei es der Deutschlehrer, seien es die Freunde der „neuen“ SChule, etcpp.

    Ich habe Grund zur Dankbarkeit, dennoch: Die Wunden schmerzen und der verletzte Tiger reagiert heuer äußerst bissig.

    Holladiwaldfeee – nun aber Schluss des wehenden Schleiers…

  16. washingtonmayfair sagt:

    @Tranfunzel,
    eine Freundin von mir arbeitet in einem Heim für schwer gestörte junge Mütter.
    Diese Mädchen und jungen Frauen kommen aus ebenfalls schwer gestörten Elternhäusern.
    Was meine Freundin und auch mich so stark berührt hat und auch gerührt hat, dass diese Mädchen ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen, kaum einen einfachen strukturierten Tagesablauf hinbekommen, es ihnen alles schrecklich schwer fällt, und sie trotzdem alles auf sich nehmen, weil sie ihre Kinder so sehr, so sehr lieben und sie diese verlieren würden, wenn sie nicht in der Lage sind, für sie zu sorgen.
    Und das ist eine umfassende Tragödie. Denn es geht nicht immer gut aus.
    Ich bin mir nicht sicher, ob da später Vorwürfe wirklich gerecht den Eltern gegenüber wären.

  17. maedchen07 sagt:

    Eigen Erfahrungen sind nicht immer der Spiegel der Gesellschaft. Nur weil man einmal die Erfahrung gemacht hat, ist das nicht Deutschlandweit repräsentativ.

    Das was du jetzt hier wiedergegen hast, ist genau das, was ich hier auch dokumentiert habe.

    Dank unserer Medien und Kommentare vereinzelter, wird sich an der allgemeinen Meinung kaum etwas ändern.

    Frage:

    Was hast du getan um eventuell zu helfen, anstatt zu lachen und zu lästernß?

    Wir prangern etwas an, ohne dabei selber etwas zu ändern!!!

  18. maedchen07 sagt:

    Ups, war für Tranfunzel

  19. stupido sagt:

    Einige überlesen hier locker Aussagen 😉

    EGAL

    http://www.youtube.com/watch?v=CdBErjb5OzI

  20. fog sagt:

    Seit 12 Jahren arbeite ich bei einem Insolvenzverwalter. In Deutschland ist es relativ einfach, sich von seinen Schulden zu befreien. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Natürlich muss man auf ein Leben auf Pump dann verzichten. Und man muss innerlich dazu bereit sein, denn mit dem Erstellen der Gläubigerliste hat man sein „persönliches Versagen“ schwarz auf weiß.

    Ich habe schon viel sowohl Suizid als Herzinfarkt bei den Schuldner erlebt. Nicht selten brechen die Schuldner im Auskunftsgespräch in Tränen aus und drohen sich etwas anzutun (oder mir). Ich versuche dann immer ihnen zu erklären, dass es doch nun bergauf geht, sie sich nicht schämen müssen weil schon ganz andere Leute wie Anwälte, Steuerberater etc. bei mir waren, die auch pleite sind. Wir haben eine Zeitvorgabe für die Gesprächsführung, die in solchen Fällen nicht einzuhalten ist. Ich muss mir dann die einzelnen Schicksale anhören, damit die Leute sich erklären können. Der psychische Druck ist bei den meisten so enorm groß. Natürlich gibt es auch solche, die eine Restschuldbefreiung nicht verdient haben. Aber meist sind es doch die, die eh schon sehr wenig haben. Halt die armen Schweine.

    Falls jemand hier solche Probleme hat und wissen will, wie eine Insolvenz abläuft, kann er mir gern eine Mail schicken.

    LG fog

  21. Platte sagt:

    Oh GoddeGott,

    natürlich gibts auch weibliche Personen doch 99,9% sind männlich die sowas durch ziehen warum wohl!!

  22. Wormser sagt:

    Ich kann es nachfühlen…

    Der Druck durch das Haus, das Leben, die Arbeit, das Umfeld wird immer grösser, so dass ich letzten Freitag versuchte mir das Leben zu nehmen.
    Meine Frau fand mich, brachte mich im Auto zur Klinik, die lehnten mich ab und schickten mich weg, mit der Begründung, ich hätte eine Überweisung oder den Notarzt gebraucht..

    Wie perfide ist eigentlich diese Dreckswelt geworden?

  23. Jens Blecker sagt:

    Oo das ist wirklich krass. Dann ist es Zeit Dinge zu ändern und nicht sich das Leben zu nehmen. Soetwas hinterlässt einen unglaublichen Schaden bei der Familie und den Freunden. Noch sind wir weit weg von einer Situation, die eine solche Tat rechtfertigen würde. Versuch wirklich mal dich zu fragen, was von all dem brauche ich wirklich und wieder den Sinn im Leben zu finden.
    Kopf hoch und weitermachen, Wege finden die glücklich machen.

  24. Jens Blecker sagt:

    Ich habe Fog eben mal angeschrieben, vielleicht kann man einen Artikel machen, der dem Ganzen ein wenig den Schrecken nimmt. Natürlich müssen die Menschen dann auch Verantwortung übernehmen, aber dieser Gesellschaftliche Knebel muss beseitigt werden. Kein Mensch sollte wegen seiner Schulden in den Freitod gehen.

  25. aduado sagt:

    @ wormser
    ich war auch mal knapp davor.
    beziehung, kind, grössere wohnung, auto, arbeitsverlust, trennung, schulden, boden verloren, selbstmord auf raten.
    alles verloren, nichts mehr da gewesen, selbst meine gesundheit hat schaden genommen.

    als ich ganz unten war, keine wohnung mehr hatte nur mehr das was ich am leib trug, musste ich eingestehen das ich da alleine nicht mehr rauskam.

    ich suchte mir hilfe, war bereit sie anzunehmen denn ohne bereitschaft kann niemand helfen.

    heute sind noch schulden da, wem interressierts.
    es gibt hilfe und möglichkeiten wie man trotzdem ein gutes leben führen kann.

    als ich alles verloren hatte, sah ich erst wie viel man wirklich braucht.
    heute ist alles neu.
    meine urgrossmutter hat mir immer gesagt: geht eine tür zu, geht eine andere auf.

  26. […] Nun will man auch noch den 40 Millionen Arbeitnehmern mit 0,15% vom Bruttogehalt in die Taschen greifen was sich zunächst einmal recht wenig anhört. Bei 8 Millionen Niedriglöhnern jedoch, die jeden Pfennig mehrmals umdrehen müssen kann dies allerdings schon Auswirkungen haben. 8 Millionen Niedriglöhner, die nicht nur der Altersarmut zum Opfer fallen, sondern die, anstatt unsere Kunden zu werden, ein Kaufkraftverlust der Wirtschaft sind. Unsere Volkszertreter sind jedoch unbeeindruckt von derartigen Missständen. Das “Parasitenverhalten” wird immer ausgeprägter in BRD. Es geht soweit, dass Betroffene keinen weiteren Ausweg mehr sehen als den Suizid. So zuletzt geschehen in Berlin wo ein Familienvater keinen anderen Ausweg aus seiner Schuldenfalle w…. […]

  27. Rene sagt:

    guter artikel….
    mein banaler kinobesuch sieht folgender maßen aus.

    popcorn vom aldi
    wasser aus dem hahn
    lümmelsessel in position ,pc an beamer anschliessen und geruhsam meine lieblings kino x seite laufen lassen.

    ich bezahle keine 26 DM mehr für einen kinofilm auch wenn es mir finaziell eigentlich gut geht

    bela e

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