Chinas Abwärtsdynamik gewinnt an Schwung

Dark, ominous rain clouds and lightening

Während viele Menschen noch immer denken, China mit seinem Konsumhunger und seinen Währungsreserven würde die Welt schon retten, stellte Peking bereits lange klar, dass man dazu nicht in der Lage ist. China selbst steckt in einer äußerst prekären Lage und die Probleme verschärfen sich zusehends. Die Erdkruste in China knirscht schon verdächtig und sollte es ein wirtschaftliches Beben geben, wird dieser Tsunami große Teile der Industrienationen einfach hinwegspülen. Faule Kredite und eine Stahlindustrie vor dem Zusammenbruch, sind nur die ersten Boten einer drohenden Katastrophe.


Gutmütig und mit einer Eselgeduld, sah China dem Westen dabei zu, wie dieser hemmungslos in die Trickkiste griff um weiter den Konsum auf Pump zu finanzieren. Mit seinen fast 1,4 Milliarden Bürgern stellt die Volksrepublik fast einen Viertel der Weltbevölkerung, wovon ein Großteil an – oder unter – der Armutsgrenze lebt. Der Anteil am Konsum des Weltbruttosozialproduktes hingegen ist marginal im Vergleich zu den westlichen Industrienationen. Im Jahr 2007 gab es einen erleuchtenden Artikel im Spiegel Westwing, wo China scharfe Worte speziell an die USA richtete. Hierzu heißt es in dem Artikel:

Pearl Harbor ohne Krieg
Die Krise des Dollars alarmiert die Weltpolitik. Seit Einführung des Euro hat er 24 Prozent seines Werts verloren, jetzt könnte auch noch China aus der Währung fliehen – die USA müssen sich dringend Sorgen machen.
[…]
Das für Amerika wichtigste Land der Erde heißt nicht England, Deutschland, Saudi-Arabien, Russland oder Irak. Das wichtigste, weil am wenigsten verzichtbare Land für die USA heißt China. Ohne dessen Bereitschaft, nahezu unbegrenzt US-Staatsanleihen zu kaufen, gäbe es kein amerikanisches Konsumwunder.
[…]
Bisher verhält sich Peking wie der gütige Kaufmann, der seinen Kunden anschreiben lässt. Die Amerikaner bekommen Fernseher, Kinderspielzeug und Unterhosen geliefert, ohne dass die Chinesen im gleichen Umfang dafür US-Waren importieren. Die Lücke zwischen Einkaufen und Verkaufen liegt bei rund fünf Milliarden Dollar ß? pro Woche.
[…]
Ein Rückzug der Chinesen aus dem Dollar würde für die USA ein Pearl Harbor ohne Krieg bedeuten.
[…]
Der größte Kreditgeber der Welt ist innerhalb einer Generation zum größten Schuldner der Welt abgestiegen, ohne dass die USA ernsthaft versucht haben, diesen Umstand zu ändern. Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem, heißt es in Washington lapidar.[1]

Die Warnung aus Peking, führte damals zu einer dramatischen Steigerung an den Terminbörsen für Lebensmittel. Mit relativ geringen Summen, konnten die Preise für eines der wichtigsten Importgüter Chinas seinerzeit – die Lebensmittel -, auf dramatische Höhen katapultieren, was zu Hungerrevolten weltweit führte.

Trotz ausreichender Lagerbestände schossen die Preise für alle Lebensmittel durch die Decke. Im Artikel „Hungersnöte 2007 ein Deja-vu?“ gingen wir darauf ein. Doch nun zurück zu den aktuellen Problemen in China.

Die Anzahl der faulen Kredite bei chinesischen Geschäftsbanken steigt stetig an und China ist nicht unbedingt für seine Auskunftsfreude bekannt. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Situation um ein vielfaches schlimmer ist, als zugegeben wird. Erschreckend ist besonders die Tatsache, dass Wenzhou das Zentrum der chinesischen Konsumgüterproduktion, einen der größten Posten an faulen und ausfallgefährdeten Krediten stellt. Hierzu heißt es bei China.org :

Faule Kredite wirken sich auf Bankensektor aus
Die Zahl fauler Kredite nimmt laut Berichten der Banken weiter zu. Neben dem Einbruch der Auslandsnachfrage ist dies hauptsächlich auf unregulierte Kreditvergabe zurückzuführen.
[…]
Sieben der 16 börsennotierten chinesischen Banken verzeichneten in der ersten Hälfte des Jahres 2012 einen Anstieg ihres Anteils notleidender Kredite, sogenannter fauler Kredite.
[…]
Laut einem Zwischenbericht der Ping An Bank stammen etwa 27,6 Prozent der ausstehenden faulen Kredite der Bank von Kreditnehmern aus Wenzhou.
[…]
ß?Die Erfahrungen der Vergangenheit haben uns gelehrt, dass eine Krise durch faule Kredite meistens drei Jahre nach einem abnormalen Anstieg von Krediten erfolgtß?, sagte Wei Guoxiong, leitender Angestellter in der Abteilung Risikomanagement der Commercial Bank of China. ß?Es wird dieses Jahr einen deutlichen Anstieg notleidender Kredite im Bankensektor geben.ß?
Laut den Zwischenberichten verzeichneten die Shanghai Pudong Development Bank, die Minsheng Bank sowie die China Everbright Bank in der ersten Jahreshälfte einen Anstieg überfälliger Kredite von 81,6 Prozent, 63,2 Prozent sowie 62 Prozent.[2]

Im Zusammenhang mit dem BDI und dem Harpex, welche nahe der historischen Tiefstkurse notieren, eine dramatische Warnung an die Weltwirtschaft. Zusätzlich ist noch der angelsächsische Bankensektor zu nennen, welcher die Immobilienblase ausserhalb der chinesischen Kontrolle ordentlich befeuerte.

Zur Stahlindustrie in China schreibt China.org folgendes:

Chinesischer Stahlmarkt wegen Preisverfall kurz vor dem Zusammenbruch
Im August stand der ganze chinesische Stahlmarkt bereits kurz vor dem Zusammenbruch ß? weil bei den derzeitigen Preisen jedes Stahlunternehmen Verluste macht. Dies sagte Wu Xichun, Ehrenvorsitzender der China Iron & Steel Association (CISA), am Samstag.
[…]
„Die Stahlpreise im August waren für die Produzenten katastrophal. Im Vergleich zum Anfang des laufenden Jahres sind sie um 1000 Yuan (125 Euro) pro Tonne gesunken. Wie sollen die Stahlunternehmen einen derartigen Preissturz bloß abfangen?“, fragte Wu.
Der Vorsitzende der Chinese Society for Metals (CSM), Xu Kuangdi, sagte, dass ein derartiger Fall in den 30 Jahren seit der Reform und ßffnung bisher nur in den Jahren 1995 und 1996 vorgekommen sei.
[…]
„Aber dieses Mal bin ich wirklich nicht optimistisch. Die Produktionskapazitäten sind einfach zu riesig. Eine Wendung zum Besseren ist nicht in Sicht.“[3]

Die Aussagen sind alarmierend und zeigen deutliche Risiken für die Weltwirtschaft auf. Nach wie vor, muss vor den Risiken eines deflationären Crashs gewarnt werden. Sollte die Abwärtsdynamik weiter anhalten, könnte es zu einem Blitzcrash kommen und wer nicht entsprechend vorbereitet ist, gerät sehr schnell in Seenot.

Carpe diem

[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/west-wing-pearl-harbor-ohne-krieg-a-516765.html
[2] http://german.china.org.cn/business/txt/2012-09/03/content_26414033.htm
[3] http://german.china.org.cn/business/txt/2012-09/04/content_26422261.htm


5 Responses to Chinas Abwärtsdynamik gewinnt an Schwung

  1. tom sagt:

    … und am unglaublichsten … es wird noch getanzt, obwohl das heck des kahns schon mächtig aus dem wasser ragt …

  2. chris321 sagt:

    das mit der chinesischen Stahlindustrie ist bzgl. des deutschen Maschinenbaus und der Automobilindustrie sicher ein heisses Eisen. Ich habe bei Kunden in den letzten Jahren im Automotive Sektor einen starken Umstieg auf China und eine mit den langen Wegen vergrösserter Lagerausbau beobachtet. Sprich: Rohteile die vorher z.B. aus Italien bezogen wurden, kommen jetzt aus China. Ich weiss noch dass sich vor ca. 5 Jahren viele Firmen zu weit aus dem Fenster gelehnt haben in der Meinung man könnte NOCH MEHR nach China auslagern. Die wurden dann durch „kopierte Produkte und den Kontrollverlust über ihre eigene Produktion“ abgestraft und kamen dann schnell auf die Idee es doch besser bei der Rohteil Auslagerung zu belassen. Das ist eben genau der oben erwähnte Stahlbereich. Ich will also nicht wissen was das für Konsequenzen hat, wenn es hier zu massiven Störungen der Lieferkette aus Asien kommt. Ich weiss nicht ob man „die alten Lieferanten“ so schnell wieder mobilisieren kann. Die sind ja letztendlich ausgestiegen weil sie gegen Fernost zu teuer waren. Aussteigen kann man schnell, nur neu einsteigen ist dann schon so eine Sache. Erst recht, wenn es viel zu viel auf einmal wird.

  3. Tranfunzel sagt:

    Die Frage ist aber, warum sinkt auf dem Weltmarkt der Preis für Stahl ß Der Preis sinkt, wenn die Nachfrage geringer wirkt. Also eine Art deflationärer Dämpfer.
    Wer braucht in Deutschland viel Stahlß Walzstahl, diese Coils, benötigt die Autoindustrie.
    Wie sieht es aus mit der Produktion der Stahlwerke in Salzgitter ß
    Ich denke das Ganze ist ein weiteres Indiz für ein Schrumpfen der Weltwirtschaft.
    Auf Querschüsse war auch ein extremes Absinken des BDI Baltic Dry Index zu sehen.
    Dann kommt die Krise von 2008, die eigentlich nie gelöst wurde, sondern nur mit „Geld“ zugekleistert wurde wieder richtig zurück.
    Nur diesmal können die Staaten fast nichts mehr an „Geld“ in die Märkte pumpen.

  4. Tranfunzel sagt:

    die baltic dry index Daten http://www.bloomberg.com/quote/BDIY:IND in einem Jahr -60,17%
    Die Wirtschaft brummt und alles „blüht“…. Welche Drogen nehmen die eigentlich ß

  5. Tranfunzel sagt:

    Hier ist das Ganze noch viel deutlicher zu sehen. !!
    http://www.querschuesse.de/baltic-dry-index-bei-703-punkten/
    Die Frachtraten sind für die Reeder so niedrig, das sie drauf zahlen !! Es werden also keine Schiffe mehr extra benötigt (Werftindustrie braucht keinen Stahl mehr und viele Werften könnten in Konkurs gehen) und andere Schiffe liegen wie schon 2008 gesehen auf Reede.

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