Cameron: Den EU-Salär bitte nach Großbritannien

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Die Macht des Königreichs ist nach wie vor nicht zu unterschätzen. Mehr Bandagen für Europa gerne, aber nicht für die Briten. Was England eigentlich noch in der EU macht, ist eine berechtigte Frage. Man genießt die Vorzüge, gibt jedoch nicht einen Finger breit nach, wenn es um Zugeständnisse geht. Nun droht Cameron sogar damit, die Pläne der EU zur Schaffung einer enger verbundenen Währungsunion zu blockieren. Großbritannien ist gar kein Euro-Mitglied. Auch beim ESM ist das Land außen vor. Ein Blick auf das eigenartige Verständnis der „ehemaligen“ Kolonialmacht.


Bereits mit dem VK-Ausgleich, so genannter Britenrabatt, waren die Bewohner der Insel schon sehr früh etwas gleicher als der Rest der EG. Im Jahre 1985 eingeführt, sollten von diesem Nettobetrag dem Vereinigten Königreich jeweils zwei Drittel zurückerstattet werden, wegen der im europäischen Vergleich – schlecht ausgebauten – Landwirtschaft. Auch wurde der niedrige Wohlstand der Briten als Argument angeführt. Bereits bei den Verhandlungen 2005 für den Mehrjahreshaushalt wurde die Kritik aus anderen EU-Staaten laut, was aber zu keiner Änderung führte. Aus Wiki zum Britenrabatt:

Der Britenrabatt wurde von der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher ausgehandelt, die in den Jahren zuvor unter Verweis auf die „Britische Budgetfrage“ zahlreiche Entscheidungen der Europäischen Gemeinschaften blockiert und damit zur sogenannten Eurosklerose-Krise beigetragen hatte. Bekannt wurde die Formel “What we are asking for is a very large amount of our own money back!” (deutsch: „Was wir verlangen, ist dass wir einen großen Teil unseres eigenen Geldes zurückbekommen!“), mit der Thatcher ihrem ehrgeizigen Ziel bei den langwierigen Verhandlungen Ausdruck gab.
[…]
Am 17. Dezember 2005 wurde Einigung darüber erzielt, dass der Britenrabatt bis 2013 deutlich reduziert werden soll. Trotz dieser Einigung waren nicht alle EU-Mitglieder komplett mit dieser Regelung einverstanden, da sie immer noch Ungleichheiten beinhaltet.[1]

Geändert hat sich am Britenrabatt nichts, bis heute. Als 2012 die Diskussion neu entbrannte und EU-Partnerländer sich gegen eine Verlängerung der „Extrawurst“ aussprachen, verlor David Cameron eine zwar nicht bindende Abstimmung, aber damit war die Diskussion vom Tisch. Der Spiegel schrieb damals:

Cameron verliert Abstimmung über EU-Haushalt
Der EU-Haushaltsgipfel am 22. November steht vor dem Scheitern. Das britische Unterhaus forderte am Mittwochabend den konservativen Premierminister David Cameron auf, bei dem Spitzentreffen eine Kürzung des siebenjährigen EU-Finanzrahmens durchzusetzen. Das Votum ist nicht bindend, doch Camerons Verhandlungsspielraum ist damit stark eingeschränkt.[2]

Man hatte ja bereits im Vorfeld die Minen ausgelegt und den „Partnern“ unmissverständlich mitgeteilt, entweder auf die höfliche britische, oder eben gar nicht. Einen gemeinsamen Binnenmarkt gerne, Währung, Verantwortung und Kompromissbereitschaft hingegen wurden nach guter alter Tradition mit dem Knüppel durchgesetzt.

Kurz vor der Abstimmung der Briten:

Ausstiegsklausel bis 2014: Briten wollen Euro-Abkommen aufkündigen
Die britische Regierung will nach jetzigem Stand aus zahlreichen Abkommen mit europäischen Partnern aussteigen. Das kündigte Innenministerin Theresa May an. Damit würde sich Großbritannien weiter von Europa distanzieren.
[…]
Die Ministerin äußerte sich mit Blick auf einen Katalog aus mehr als 130 Vereinbarungen, darunter der europäische Haftbefehl oder die Zusammenarbeit in grenzüberschreitenden Computer-Fahndungsdateien.
[…]
Großbritannien hatte sich eine Sonderregel unter dem Lissaboner Vertrag ausgehandelt, nach der es bis 2014 eine Ausstiegsklausel hat.[3]

Dieses war nur eine der vielen „Extrawürste“, welche sich das Empire gegönnt hat, auch dem Euro war man abgeneigt. Was die Euro-Rettung betraf, machte man keinen Hehl daraus, dass man sich nicht beteiligen werde. Diese Abneigung zieht sich wie ein Roter Faden durch die Geschichte der EG/EU. Daher sollen diese Beispiele nur exemplarisch sein. Als die Finanztransaktionssteuer auf den Markt kam, wer trat voll auf die Bremse? Sie vermuten richtig, das Empire.

Resteuropa durfte sich sehr wohl an der Rettung der britischen Banken beteiligen, aber das Ganze war eine Einbahnstraße. Bei jeglichen Rettungsschirmen werden Sie die Briten vergeblich in der Liste der Geberländer suchen. Dass die Briten trotz anfänglicher Abwertung des Pfundes keinen Euro wollten, ist in Anbetracht der Tatsache, dass in der City of London die größten Strolche und Köpfe der Finanzwelt herumlaufen, nicht weiter verwunderlich. Jedem mit etwas verstand war klar, diese Blase würde platzen und alle beteiligten Staaten in den Abgrund reißen.

Das Empire hat sich zu keiner Zeit die Zügel aus der Hand nehmen lassen und seinen Einfluss über all die Jahre behalten. Nun, wo Europa kurz vor dem Kollaps steht, denkt man offen über die Einstellung zu einem vereinten Europa nach. So heißt es heute im Spiegel:

Britische Blockadedrohung: Cameron lässt sich von EU-Hassern treiben
Das klang schon fast nach Erpressung: Premier Cameron will die Integration der Euro-Zone blockieren, wenn Großbritannien nicht von einigen europäischen Arbeits- und Sozialgesetzen ausgenommen wird. Der Tory-Chef steht unter Druck, die EU-Hasser in seiner Partei wollen endlich Ergebnisse sehen.
[…]
Die Euro-Skeptiker auf der Insel setzen darauf, dass der Tory-Chef sich endlich als einer der Ihren zu erkennen gibt. Sie wollen in einem Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens abstimmen.
[…]
Es klang ein bisschen nach Erpressung – und so war es wohl auch gemeint. Denn bislang ist Cameron mit seiner Forderung nach einer Kompetenzverlagerung bei den Partnern auf taube Ohren gestoßen. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte im Dezember gesagt, einmal gemachte Zusagen seien in Europa „das ganze Leben gültig“. An Brüssel übertragene Zuständigkeiten hole man nicht einfach zurück.[4]

Fazit: Die Briten haben kein Interesse daran, in der EU integriert zu werden. Man will ein Teil bleiben, aber bitte nur mit den Rosinchen. Von Anfang an wurde ein Scheunentor für den Ausstieg offengehalten, im Gegensatz zum ganzen Rest der EU. Als wir in Oxford das Interview mit Jim Rogers führten, fragten wir danach noch einige Studenten, ob diese sich als Europäer fühlten – wir trafen nicht einen, der ja sagte. Einige lachten und sagten, sind Sie verrückt, wir sind Engländer. Wer also meint, der große Schulterschluss mit dem Königreich würde noch folgen, dem unterstelle ich einen unverbesserlichen Optimismus. Das Königreich wird niemals aufgegeben, das dürfte sicher sein.

Braucht man solche Partner? It´s your choice.

Carpe diem

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Britenrabatt
[2] http://www.spiegel.de/politik/ausland/david-cameron-premier-verliert-abstimmung-ueber-eu-haushalt-a-864596.html
[3] http://www.handelsblatt.com/politik/international/ausstiegsklausel-bis-2014-briten-wollen-euro-abkommen-aufkuendigen/7258098.html
[4] http://www.spiegel.de/politik/ausland/euro-krise-cameron-laesst-sich-von-eu-hassern-treiben-a-876034.html
Bildquelle: Wiki – David Levy


14 Responses to Cameron: Den EU-Salär bitte nach Großbritannien

  1. Newsticker2012 sagt:

    @Cheffe
    Und ganz klar, sie bekommen genug Bonbons damit Sie schön drin bleiben, ist auch eine gute Taktik der Briten, muss an denen lassen.
    News

  2. Nver2Much sagt:

    Mein erster Gedanke als ich mich mit all den sogenannten Verschwörungstheorien befasst habe. Cui Bono. Wem nützt es?

    Mein erster Gedanke war, wer ist schon am längsten an der Macht.

    Und da kamen mir sofort zwei Tatter Greise in den Sinn. Wer sollte schon glauben das von der Queen oder dem Papst eine Gefahr ausgeht?

    Es kam dann später noch Rothschild dazu, aber nach jahrelanger Recherche zeigte es mir es sind doch die Tatter Greise.

    Was ich traurig finde, Geld hin, Geld her, wie können sich die restlichen EU Landes Politiker sich zu so etwas hergeben. Schämt Euch und redet bitte nicht mehr im Namen Eures Volkes. Widerruft Euren Eid und steht dazu.

    Lügenpack!

  3. … zum besseren Verständnis bitte mal hier nachlesen.
    http://www.wissensmanufaktur.net/city-of-london

  4. Frank H. sagt:

    Groß-Britannien, die USA, die EU und deren Kirchenfürsten. Gegen anonyme Zusatzsaläre die N.W.O. Propaganda des Second New American Deals mal eben scheinheilig unters Volk gebracht. Ein beachtenswerter Artikel zum Umfeld, der die wirtschaftlichen Vorgänge in der NATO besser zusammenfasst als es ein rein wirtschaftspolitischer Artikel kann. Die Kirchen und das bezahlte Vasallentum der Priesterschaft im Einklang mit der Politik und der Großmagnaten. Das darin empfohlene Buch werde ich mir besorgen.

    http://www.nachrichtenspiegel.de/2013/01/05/die-neue-weltordnung-ihre-zeichen-im-vatikan/

    Beste Grüße.

  5. Nver2Much sagt:

    Wann sind wir ungefähr ins Fische Zeitalter getreten? Bei der angeblichen Geburt Jesu.

    Wenn wir nun ins Wassermannzeitalter übergehen, sollten wir da nicht langsam die Lügen der christlichen Welt hinter uns lassen und zu wahren Christen werden?

    Jesus auferstehen lassen, indem wir den Vatikan die Queen und die Rothschilds in die Wüste schicken.

    Wer zahlt noch Kirchensteuer?

    Warum?

    Wenn wir sie in die Wüste schicken vielleicht werden sie dann erleuchtet und geben uns der Allgemeinheit unsere Reichtümer zurück die sie seit Jahrhunderten horten.

    Wenn nicht können sie auch in der Wüste bleiben, wir sind alt genug um die Dinge gerecht zu verteilen. 🙂

  6. trulli sagt:

    Klopft doch bei einem Herrn Rothschild der die „City of London“(Staat)…sein eigen nennt, an die Türe, der kann mit absoluter sicherheit erklären warum Groß(kotz)britanien einen Sondernweg geht oder eine“Extrawurst“ist?! (und die schmeckt noch nicht einmal!) Jetzt mal Ehrlich Leute… WIESO denn wohl dürfen die Briten ihren Pfund als währung behalten während der Rest (zumindest die 27 Länder) ihre nationalwährung abgegeben haben und dadurch vor die Hunde gehen werden – Das ist doch wie ein Schlag in die Fresse oder nicht?!…Scheiß „Familien“!! Das stinkt doch bis zum zentrum der Galaxis!!

  7. Danke für diesen Link, Frank !

    Wirklich eine beachtenswerte Perspektive, die der „Eifelphilosoph“ da entwickelt.

    Echte Leseempfehlung.

    Gartengrüsse 😉

  8. Wahnsinn! So weit habe ich mich mit meinen Annahmen noch nicht vorgetraut.

    Man sollte jetzt prüfen, in wie weit das auch so ist.

  9. Manitou sagt:

    Dänemark und Schweden haben auch noch ihre Währungen…

  10. ja stimmt, den kronen wirds auch bald so ergehen wie den ch-franken

  11. Schwarzblut sagt:

    Zu echten Christen werden…wie erging es noch einmal einst den wahren Christen?…Den Katharer?

    Du glaubst der Vatikan hat die Macht?…Der Vatikan ist selber nur ein Werkzeug. Was nutzt es ein warher Christ zu werden, wenn die Saat des Bösen nicht ein für allemal ausgemerzt wird? Seit 2500 Jahren ca leben wir schon im dunklen Zeitalter und ich sehe beim besten WIllen kein Licht am Ende des Tunnels…da mittlerweile ja unter Strafe verboten wurde, die wahre Brut des Bösen beim Namen ( der Vatikan und die Queen sind es nicht ) zu nennen, dann kommt ratz fatz Artikel 130…

    Japan, USA, Griechenland…alles nur Beispiele die uns zeigen wie mächtig sie mittlerweile geworden sind. Suveräne Staaten sind eine Gefahr für ihre Macht, daher nimmt man ihnen die Suveränität, entweder wie es Deutschland, Lybien und nun Syrien erging/ergeht oder eben durch die Schuldenfalle.
    Scheiß auf den Vatikan und die Queen, sind auch nur Marionetten…

  12. SanJa sagt:

    Gefällt. +1

    Zum Neoliberalismus lesse ich gerade von Noam Chomsky „Profit over people – war against people – Neoliberalismus und globale Weltoardnung, Menschenrechte und Schurkenstatten“

    Find ich sau „geil“

    Gruß

  13. Irmonen sagt:

    Was nutzt es ein warher Christ zu werden, wenn die Saat des Bösen nicht ein für allemal ausgemerzt wird

    leider ist genau das das Problem, das ausmerzen wollen.

    In einer dualen Welt kann man das Böse nicht „ausmerzen“ aber bändigen, zähmen, sich zu Diensten machen.

    Das Böse denkt nämlich es wäre das absolut Gute auch wenn das jetzt schwer nachzuvollziehen ist.

    Alles Faschistische, Fanatische kommt im Namen des Guten daher und will das Andere „ausmerzen“.

  14. Nver2Much sagt:

    „Scheiß auf den Vatikan und die Queen, sind auch nur Marionetten…“

    Du denkst auch dahinter ist eine Macht. Nun gut wenn Du das so siehst. Nur was bringt mich das weiter, wenn ich weiß das hinter dem Vatikan jemand sitzt und ich zahl weiterhin Kirchensteuer? Die ja freiwillig ist. Dieses frenetische Dahinsinken vor den Königshäuseren und stundenlang vor der Glotze sitzen um eine Hochzeit von diesen Adligen anzuschauen das ist auch freiwillig. Geld von einer Bank leihen, das ist auch freiwillig.

    Und solange wir noch nicht mal da sind das wir das aufhören, was interessiert mich eine andere Macht?

    Die Kirche die Königshäuser und die Banken sind deren Werkzeug durch das sie die Macht erlangt haben. Wenn wir deren Werkzeug wegnehmen was für eine Macht haben sie dann noch?

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