Moodys stuft Zypern auf Ramsch: Warum eigentlich?

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Die kleine Mittelmeerinsel Zypern rückt als nächstes in den Fokus der plündernden Horden. Nicht, dass Zypern schon genug damit zu tun hat, sich gegen die Repressalien der Türkei zu wehren, nun steht auch das Großkapital und die EU-Politik auf der Türschwelle, um die Taschen umzukrempeln. Sieht man sich die Fundamentaldaten an, erscheint es nicht schlüssig, warum das Land nun auf hohe Ausfallwahrscheinlichkeit heruntergestuft wurde. Eine große Rolle könnten hierbei die Rohstoffe und der noch immer recht verschwiegene Finanzsektor des Landes sein. Ein Blick auf die Fakten.


Erst im Jahr 1960 erlangte Zypern die Unabhängigkeit und wurde gegen Zugeständnisse als Kronkolonie der Briten entlassen. Grundlage war das Abkommen von Zürich zwischen Großbritannien, Griechenland und der Türkei. Als 1974 der zyprische Präsident mit Hilfe der griechischen Junta gestürzt wurde, besetzte die Türkei das heutige Nordzypern, was noch immer annektiert ist. Die Besetzung wurde seitens der UN als Verstoß gegen das Völkerrecht verurteilt und die Türkei ist die einzige Nation, welche Nordzypern bisher anerkannt hat.

Zunächst einen Blick auf die zyprische Staatsverschuldung:

Aus Sicht der Euro-Wächter könnte man fast von einem Musterschüler sprechen. Mit etwa 75% Staatsverschuldung nicht gerade ein Schwergewicht. Natürlich ist Griechenland mit Zypern relativ eng verflochten, jedoch ist es ein sehr exportschwaches Land. Nur etwa 1,48 Milliarden Euro beträgt das Exportvolumen. Dem gegenüber stehen etwa 6 Milliarden Euro an Importen. Mit einer Arbeitslosenquote von 7,9% ist Zypern noch im Mittelfeld unterwegs. Quelle: CIA-Worldfactbook

Nehmen wir nun einige Headlines der Vergangenheit. So schrieb die Welt:

Rettungsschirm: Berlin hadert mit der „Geldwaschmaschine“ Zypern
Zypern steht kurz vor der Staatspleite. Doch das Land ist für die Euro-Zone nicht systemrelevant. In Berlin wollen viele der „Geldwaschmaschine russischen Kapitals“ den Rettungsschirn verweigern.
[…]
Das hoch verschuldete Land ist zu unbedeutend, um eine Gefahr für den Fortbestand der Euro-Zone darzustellen.
[…]
Koalitionspolitiker fragen sich daher, mit welcher Begründung sie dorthin deutsche Steuergelder verpfänden sollen. Nicht ausgeschlossen wird daher, an dem kleinen Euro-Staat ein Exempel zu statuieren und Härte zu zeigen. Zypern würde dann der Austritt aus der Euro-Zone drohen.[1]

Nun frage man sich, wo fängt hoch verschuldet an und warum sollte Zypern der Austritt drohen? Ein Rauswurf ist ja explizit nicht geplant, daher etwas irreführend das Ganze.
Werfen wir nun einen Blick auf einen Artikel des Spiegel, dort gibt es Interessantes zu lesen:

Bankenkrise: Zypern schlüpft unter Euro-Rettungsschirm
Zuvor hatte die Rating-Agentur Fitch Zyperns Bonität wegen des maroden Bankensystems auf Ramschniveau herabgestuft.
[…]
Zypern leidet unter der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Krisenstaat Griechenland. Vor allem die großen zyprischen Banken sind umfassend dort engagiert und dem Risiko der griechischen Staatsverschuldung daher in besonderem Maße ausgesetzt. Fitch schätzt den Finanzbedarf für den bedrohten Bankensektor in Zypern auf etwa vier Milliarden Euro. Russland hat sich bereits zu einem neuen Kredit über bis zu fünf Milliarden Euro bereiterklärt – dies wird jedoch laut zyprischen Bankenkreisen in Brüssel nicht gern gesehen.[2]

Es geht also um die Rettung Griechenlands, bzw. den dadurch betroffenen Bankensektor in Zypern. Die Russen haben eine Lösung angeboten, aber das wird in Brüssel nicht gerne gesehen!

Zypern könnte eigentlich all seine Probleme mit dem Rohstoffsektor lösen, hier ist allerdings noch die Türkei im Boot. Völlig unverhohlen hat Erdogan Zypern bedroht, sollten diese nicht die Suche nach Explorationsstätten aufgeben. Dazu schrieb das Handelsblatt 2011:

Rohstoff-Streit: Erdogan droht Zypern mit Marine
Der Streit zwischen der Türkei und Zypern eskaliert: Die Regierung in Ankara hat das EU-Mitglied aufgefordert, Erkundungsarbeiten im Mittelmeer einzustellen, Zypern wies die Forderungen zurück. Experten sind besorgt.
[…]
Die Suche nach Öl und Gas im Mittelmeer hat einen neuen Streit zwischen der Türkei und Zypern ausgelöst. Die Regierung in Ankara forderte das EU-Mitglied Zypern am Montag auf, die Erkundungsarbeiten mit der US-Firma Noble Energy sofort zu stoppen und drohte auch mit dem Einsatz der Marine. Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte, die Türkei habe ihrerseits ein entsprechendes Abkommen mit Nord-Zypern geschlossen. Sein Land könnte noch in dieser Woche mit eigenen Erkundungsarbeiten rund um die Insel beginnen.
[…]
Erkundungsarbeiten rund um die Insel beginnen.

Der türkische Energieminister Taner Yildiz begründete die Forderung nach einem Stopp der zyprischen Sucharbeiten mit einem geplanten Abkommen über die Festsetzung der Seegrenze mit der international nicht anerkannten Regierung des türkisch-sprachigen Nord-Zypern. Der Vertrag würde der türkischen Ölfirma TPAO die Präsenz in den Gewässern vor Nord-Zypern gestatten. Yildiz sagte, die Marine seines Landes könnte türkische Erkundungsschiffe eskortieren. Erdogan kündigte an, die Türkei werde die Region mit Flugzeugen, Fregatten und Torpedobooten überwachen.[3]

Zypern ist einigen Akteuren ein wahrer Dorn im Auge und die Rohstoffe dürfen natürlich nicht in die falschen Hände fallen. Zypern verfügt auch über einen wahren Schatz an Kupfervorkommen, so steht bei Wikipedia zu lesen: Das Kupfervorkommen war so bedeutend, dass das Metall seinen Namen daher hat. Der lateinische Name cuprum für Kupfer ist abgeleitet von aes cyprium („zyprisches Erz“).

Es bleibt spannend, wie sich das Ganze entwickelt. Vielleicht kann Gérard Depardieu ja bald mit seinem neuen Pass als Staatsbürger auf Zypern einziehen, sollte sich das Land aufgrund des Druckes eher Russland zuwenden.

Carpe diem

[1] http://www.welt.de/wirtschaft/article108618854/Berlin-hadert-mit-der-Geldwaschmaschine-Zypern.html
[2] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bankenkrise-zypern-stellt-gesuch-fuer-hilfen-aus-euro-rettungsschirm-a-840872.html
[3] http://www.handelsblatt.com/politik/international/rohstoff-streit-erdogan-droht-zypern-mit-marine/4625156.html


5 Responses to Moodys stuft Zypern auf Ramsch: Warum eigentlich?

  1. Jens Blecker sagt:

    Vergessen das Abstufpamphlet 😉

    Moody’s stuft Zyperns Kreditwürdigkeit herab
    http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE90A00920130111

  2. Jens Blecker sagt:

    Weiterer Artikel zum Thema 😀

    EU-Kommissar Rehn: Schuldenschnitt für Zypern keine Option

    Er betonte zugleich, Zypern müsse nun dazu gebracht werden, die neuen Gesetze gegen Geldwäsche auch anzuwenden.

    http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE90A01R20130111

  3. Newsticker2012 sagt:

    Freitag, 11. Januar 2013
    Machtwort des WährungskommissarsKein Haircut für Zypern

    Zyperns Versuch an internationales Kapital zu kommen, wird von der Ratingagentur Moody’s torpediert. Die Kreditwürdigkeit sinkt deutlich, der Ausblick ist zudem „negativ“. Um damit verbundene Spekulationen über einen Schuldenschnitt für das Land bereits im Keim zu ersticken, spricht EU-Währungskommissar Rehn Klartext – und das vor einem Besuch von Bundeskanlerin Merkel in Zypern.

    http://www.teleboerse.de/nachrichten/Kein-Haircut-fuer-Zypern-article9927506.html

  4. Janu sagt:

    Ein ausgezeichneter und hochinteressanter Artikel.

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