Liebe Deinen Feind wie Dich selbst oder warum die Politik jeden Feind liebt

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„Die Krise“ stellt die Politik unserer Tage vor unlösbare Probleme. Die offensichtliche Unfähigkeit die Ursachen zu erkennen oder gar zu beseitigen sorgt dafür, dass altbekannte Wege beschritten werden. Statt Probleme auf schmerzhafte und unpopuläre Weise zu lösen, ist es viel einfacher durch „liebgewonnene Feinde“ von ihnen abzulenken.


Zweifellos hat die Politik in den letzten Jahren alles versucht um „die Krise“ in den Griff zu bekommen. Dabei scheint es völlig irrelevant, welche Politik oder Politiker gemeint sind. Krisen (Finanz-, Wirtschafts-, Schulden-, Währungs- oder Staatskrisen etc.) gibt es überall – in den USA, in Europa, in Deutschland, in Spanien, in Japan, in China, in Brasilien usw. Gleich also, ob der US Kongress, die EU Kommission, der Bundestag, die G20 oder das japanische Parlament, alle haben erfolgreich demonstriert wie unfähig sie sind, wenn es darum geht die entsprechenden Krisen zu verhindern, die Ursachen zu erkennen oder gar Probleme gemeinschaftlich zu lösen.

Die Politik beherrscht die Krise nicht, stattdessen beherrscht die Krise die Politik.

Die Ohnmacht nicht funktionierender Lösungsversuche sowie die daraus folgende Aussichtslosigkeit die Krise irgendwie hinter sich zu lassen (wie man es traditionell immer getan hat) muss eine schockierende Erfahrung für die politische Klasse sein. Die übliche Mischung aus Sonntagsreden, pointierter Meinungsmache, Talkshowbesuchen und routiniertem Lächeln funktioniert nicht mehr.

Gerade für die obrigkeitsgläubigen Deutschen ist die erschreckend offensichtliche Handlungsunfähigkeit, Unkenntnis und Inkompetenz der politischen Akteure eine bittere Erfahrung. Vater Staat weiß weder ein noch aus.

Doch eine Sache beherrscht die Politik weiterhin – den Umgang mit der zur eigenen Wiederwahl notwendigen Humanressource, früher bekannt als „das Volk“. Wer mit dem Volk umgehen, es ablenken und beeinflussen kann, der muss keine Krisen lösen.

Am besten gelingt das durch öffentliche Anschuldigung eines anonymen, nicht greifbaren und doch häufig auftretenden Feindes als Sündenbock für jedwedes Problem. Gut als Feinde geeignet sind deshalb z.B. „die Spekulanten“, „die Rating Agenturen“, „die Reichen“, „die Armen“, „die Schuldner“, „die Terroristen“, „die Banken“, „die Fundamentalisten“, „die Gotteskrieger“ oder – im europäischen Kontext immer wieder gern genommen – „die Deutschen“.

Die breite Auswahl an potentiellen Feinden demonstriert derweil, dass es völlig irrelevant ist, wer der Feind eigentlich ist, solange sich nur irgendeiner finden lässt. Ein Feind ist aus politischer Sicht etwas Wunderbares. Ein Feind polarisiert, ängstigt, konzentriert, beeinflusst, verbindet, macht Zwang und politisch „alternativlose“ Entscheidungen zur Einschränkung der Freiheit möglich.

Wie einfach ist es doch auf einen anderen zu zeigen, ihm alle Schuld anzukreiden und damit vom eigenen Versagen abzulenken. Doch dazu ist es wichtig, dass der Kampf gegen den Feind („War on Terror“, „Krieg gegen die Schwarzarbeit“, „…sagt Spekulanten den Kampf an“, „Krieg in Afghanistan“, „Krieg in Mali“) niemals endet. Ein gemeinsamer Feind einer Gesellschaft sorgt somit für eine gesellschaftliche Stabilisierung – wofür wir unseren Feinden stets dankbar sein sollten…

The German Perspective


9 Responses to Liebe Deinen Feind wie Dich selbst oder warum die Politik jeden Feind liebt

  1. Erasmus sagt:

    Ein Freund ist nur ein Feind der dich noch nicht angegriffen hat!

  2. zeitzeuge sagt:

    Genau so hat es Orwell in „1984“ vorgergesagt!

    Wer das Buch noch nicht kennt, sollte es lesen.

  3. Jens Blecker sagt:

    Und Brave New World bzw Schöne neue Welt

  4. Tranfunzel sagt:

    Da anscheinend niemand „die Krise“ wirklich lösen will oder kann, wird der Ruf nach dem „starken Mann“ wieder kommen.
    Populismus ist so einfach, wenn man es verstanden hat.
    Das bedeudet natürlich nicht, das grundlegende Änderungen nötig sind.
    VG Tranfunzel

  5. multiman sagt:

    Der Feind ist das Schuldgeldsystem mit seinen Profiteuren, weil die Schulden Zinsen bedingen, die Schulden allgemein exponentiell hochtreiben, was dann ein ebensolches Wirtschaftswachstum erfordert, – was schlichtweg nicht mal theoretisch funktionieren kann.
    Verpackt in kreative Buchführung und „wissenschaftliche“ Weisheiten, fallen die Nichteingeweihten auf den Hütchenspielertrick herein, und versuchen ihr Glück weiter im Spiel „Raff‘ was du kannst!“

  6. jamal sagt:

    Hi,

    ich denke es wird wirklich Zeit.

    Wir müssen jetzt was tun.

    Ich selbst habe auch in den letzten Tagen immer öfter an Orwell gedacht und kann meiner Meinung nach nur bestätigen, dass der manipulative Teil erreicht schon längst Realität ist.

    Viele Lügen aus der Gegenwart, sind jetzt schon zu r Wahrheit geworden, und in unseren Geschichtsbüchern sieht es nicht anders aus.

    Und das was Tranfunsel anspricht ist wirklich eine Gefahr.

    Ich hab die letzten Tage, 2 „Club 2“ Sendungen geschaut, wo Christian Felber von Attac Österreich auch dabei war, und man hört nur Lügen von den Schlipsträgern.

    Uns wird eine ganz komische Wirklichkeit verkauft und ein Wohlstand gefeiert, der doch gar nicht da ist, und von uns so gar nicht gefordert wurde.#

    Der Kapitalismus sieht nur Dinge die einen Wert haben, und deshlab muss er verschwinden.

    Wir sind die einzigen auf diesem Planeten, die sich noch mit vollem Magen aufregen können, und das ist unsere Stärke.

    Wir müssen jetzt anfangen, am besten schon gestern.

    Druckt Sticker, Flyer alles mögliche, vll. können wir hier jah einen Reiter für Flugblätter und Aufkleber machen.

    Würd mich auch bereit erklären welche zu machen.

  7. EuroTanic sagt:

    „Unkenntnis und Inkompetenz der politischen Akteure“
    Ich glaube nicht an die Mär der Fehler unserer Politiker. Die Entscheider in der deutschen Politik treiben ihre eigene Bevölkerung bewusst ins Chaos und Elend. Für mich sind sogar Politker ab Kreisebene mit daran schuld, weil diese ihre Aufgaben nicht wahrnehmen. Damit sage ich nicht, dass die Bevölkerung weniger schuld wäre. Aber wenn man auf einem Schiff fährt, das zusehends auf einen Eisberg fährt, sind alle schuld. Aber mit Unkenntnis und Inkompetenz hat das meiner Meinung nach nichts zu tun.

  8. Ephilias sagt:

    Ersetzte Unkenntnis und Inkompetenz durch Korruption und Verrat. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Ich habe nichteinmal Abitur und dennoch sehe ich die Miss- u. Vetternwirtschaft und pervertierte Bürokratie als Bedrohung des Volks. Da kann mir doch niemand erzählen, dass wesendlich besser gebildete Menschen, innerhalb des Parlaments, nur von der Wand bis zur Tapete denken können.
    Leider ist dies die vorherrschende Meinung.

    Für viele ist es Dummheit, für mich ist es nur ein Verbrechen.

  9. Habnix sagt:

    Bei so viel Berater und Anwälte glaube ich schon lange nicht mehr das Politiker Dumm sind, sondern eher das Politiker kriminell sind.

    Ohne Regierungen hätte es nie ein Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki gegeben das ist meine Meinung und für mich der beste Beweis das kein Mensch mehr eine Regierung braucht.

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