US-Justizministerium: Klage gegen Standard & Poor’s

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Eigentlich ist die Welt der Ratingagenturen überschaubar, drei wirklich nennenswerte gibt es. Moody’s, Fitch und S&P. Der lukrative Markt der Wahrsagerei ist ordentlich untereinander aufgeteilt. Bis vor Kurzem noch konnte man eigentlich bewerten, wie man wollte. Bei Fehlern – die für Kunden der bewerteten „Produkte“ zum Teil in einem finanziellen Fiasko endeten – berief man sich darauf, man würde ja keine Kaufempfehlung abgeben. Welchen Sinn solche Agenturen dann jedoch noch haben, diese Frage stellten sich die Wenigsten. Ein gesenkter Daumen der Agenturen hat schon manche Firma oder Volkswirtschaft pulverisiert. Das scheinbar willkürliche Bewerten könnte in Kürze jedoch ein Ende haben.


Der 5. November 2012 war ein Schicksalstag für die Ratingagenturen. Es wurde ein Urteil gefällt, welches zwar vergleichsweise geringe Summen verhängte, aber wie wir bereits damals schrieben, eine Signalwirkung erzielen könnte.

Die australische Richterin Jayne Jagot verurteilte S&P zu einer Strafe und Wiedergutmachung im zweistelligen Millionenbereich. Die Summe selbst hätte S&P kein Stirnrunzeln abgefordert, aber nun gab es einen Präzedenzfall. Seinerzeit schrieb ich dazu:

Präzedenzfall: S&P erstmalig wegen falschem Rating verurteilt
Das Urteil ist zunächst ein Präzedenzfall und wie zu erwarten war, geht S&P in die Berufung. Signalwirkung hat es aber allemal und zumindest bis zum Berufungsverfahren müssen sich die Ratingagenturen ordentlich zusammenreißen und können nicht mehr willkürlich mit völlig abstrakten Ratings arbeiten, welche jeder Sachlichkeit entbehren.

Das Urteil in Australien sind Peanuts für die Agentur, allerdings stehen noch wesentlich höhere Zahlen im Raum. Was im Zuge der Finanzkrise durch unzutreffende Ratings an Kapital vernichtet wurde, beläuft sich im Bereich von hunderten Milliarden oder gar Billionen. Durch dieses Urteil dürfte eine Klagewelle in Gang kommen. Harte Zeiten für Fitch und Co?[1]

Nun scheint der Tag des jüngsten Gerichts näher zu rücken. Im Januar hatte auch der Bundesgerichtshof in Deutschland den Klageweg für Verfahren gegen die Ratingagenturen geebnet. Wie die Agenturen auf die – zum Teil mehr als abenteuerlichen – Ratings kommt, dazu möchte man sich nicht äußern. Als Moody’s beispielsweise der EU ein Rating gab, was per se völliger Unsinn war, verzichtete man lieber auf ein Statement. So richtig konnte auch niemand sagen, wie man zu den Ergebnissen gekommen war.

Es ist natürlich ein einträgliches Geschäft gewesen, Kartonweise hypothekengesicherte Wertpapiere mit der Bestnote zu stempeln, ohne sich mit den fundamentalen Daten auseinander zu setzen. Gab es das begehrte AAA, war es ein erstklassiges Anlageinstrument und alle Fonds und Pensionskassen durften sich drauf stürzen. Jedem dürfte ab einem gewissen Zeitpunkt klar gewesen sein, diese Blase würde platzen – mit einem mächtigen Knall.

Fazit: Die Zeit des „bedingungslosen Grundeinkommens“ für die Ratingagenturen ist vorbei. Sollte die Klage des US-Justizministeriums erfolgreich verlaufen, werden wir die Firmensitze der Agenturen in Kürze auf Jersey oder den Caymans wiederfinden. Was die Agenturen während der letzten Jahre aus den Augen verloren haben: sie wurden obsolet. Früher brauchte es ein AAA-Rating, um das große Rad des Geldbetruges zu drehen, heute sind alle Regeln gebrochen und die Schleusentore bis zum Anschlag geöffnet. Es interessiert eigentlich niemanden mehr, ob AAA+ oder Trash, kann man seine toxischen Papiere doch ohne Umwege direkt in die Notenbanken verklappen. Die Regeln haben sich geändert, das werden nun auch die Agenturen zu spüren bekommen.


14 Responses to US-Justizministerium: Klage gegen Standard & Poor’s

  1. Habnix sagt:

    Aber warum gerade jetzt erst ?

    Regierung manipuliert doch auch gerne Statistiken.

    Hatten wir nicht schon darauf gewartete und geahnt oder gewusst das die Ratingagenturen bald einen Maulkorb bekommen?

    Auf der einen Seite richtig ja aber wird jetzt der von der Politik auch so gesetzt das Agenturen jetzt realistischer beurteilen ?

  2. Frank H. sagt:

    Zwischenfrage! Passt ganz nett dazu.

    Weis wer warum gestern die Börsen (vorallem DAX) so einen dicken Absacker gemacht hat?
    Gerüchteküche: doch nicht etwa wegen der Klage?

    Besten Dank.

  3. Erasmus sagt:

    EU-Präsident Schulz: »EU ist tödlich bedroht«

    Auserdem ist der Berlusconi und der Dragi in Action.

    Ob die vieleicht a an Actionfilm drahn wolln.

  4. R1D2 sagt:

    Warum jetzt? Schrieb Jens doch: Globaler Betrug geht neuerdings auch ohne Rating-Agenturen. Und wenn man den Bürgern ein bisschen Show und ein paar „Schuldige“ liefert, dann merken die mit etwas Glück nicht, was die Finanzmafia und ihre Handlanger nun ohne die Ratingfuzzis so alles treiben, wie sie es immer getrieben haben.

    Scheint so, als ob McGraw-Hill (Besitzer von S&P, Mediengruppe mit Tochterunternehmen in Raum- und Luftfahrt sowie Militärtechnik, Anteilseigner BANKEN), Investmenthaus Berkshire Hathaway (Moody’s, BANKEN) und die Franzosen zusammen mit der Hearst Corporation (Fitch, BANKEN) bei den Regierungen (Handlanger der BANKEN) bei den systemisch wichtigen Institutionen der Sklavenwirtschaft (den BANKEN) in Ungnade gefallen sind, da die Regierungen (gesteuert von den BANKEN) nun beliebig agieren können.

  5. R1D2 sagt:

    Schau Dir mal die Kurve über einen längeren Zeitraum an – das war nur das periodisch immer wiederkehrende Absahnen und mitnichten ein „Absacker“, lediglich ein recht geringes Oszillieren (relativ zu dem, was nach diesem Höhenflug zwangsläufig kommen WIRD).

    Wieso fragst? Hast denn Aktien oder verdienst Dein Geld mit ehrlicher Arbeit? 😀

  6. Tester sagt:

    Gerade jetzt, weil als nächstes eine Abstufung der USA anstand. Vorbeugende Massnahmen so zu sagen. Die hatten ja auch letztes Jahr als einzige Agentur den Ausblick auf negativ gesetzt, da gab es schon einen Riesenaufschrei. Da Obama nun die Schuldengrenze ausgesetzt hat, wird Geld kreiert dass alles zu spät ist und wir wissen ja was die Folgen sind.

  7. Tester sagt:

    Weil der steile Anstieg davor nur Luft war und jetzt alle wieder in der Realität aufgeschlagen sind.

  8. Tester sagt:

    Jau, Gold ist Geil, kauft alle Gold und werdet reich, amen. Den Stuss kann man echt nicht mehr hören, da geh ich sogar lieber Griechenland retten oder Gehälter der EU-Beamten aufstocken.

    Frage in die Runde, wer von euch ist bisher durch Goldkäufe reich geworden? Irgendjemand?

  9. Newsticker2012 sagt:

    @Tester

    Ich denke Gold kaufen hat nicht den Sinn damit Reich zu werden, dann musst Du schon im Kilo Format kaufen, es geht ja eher darum eine Balance zu schaffen.
    In Krisenzeiten kann man damit schon rumkommen, reich werden, wird man mit ehrlicher Arbeit ^^
    Gruss News

  10. Tester sagt:

    Ich habe mich auf das dumme Verkaufsgeschwätz bei Cashcow bezogen.

    Welche Balance das bringen soll, wenn man die Investitionen der Gold-Großbezitzer stützt und das Überleben der Gold-Dealer subventioniert, erschließt sich mir nach wie vor nicht.

  11. Tester sagt:

    … und: in Krisenzeiten kann man damit höchstens erreichen, ausgeraubt und schlimmstenfalls dabei umgebracht zu werden. Fressen kann man es nicht und verkaufen auch nicht – in Krisenzeiten gilt mehr denn je, Cash rules. Und damit meine ich genau die verpönten „wertlosen Papierfetzen“.

  12. also ich finde den Dax-Müller nicht gerade eine vertrauenserweckend quelle. Gerade weil er so eine kompelhartigkeit hat. (ist ein typ mit dem man gerne in der kneipe quatschen würde) – und genau das macht ihn in seiner art eben so gefährlich. Börsen sind ein gefährliches glücksspiel – und da wird so etwas irgend wann mal fürchterlich abgestraft……

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