Medien: Der Kampf um Aufmerksamkeit und Tantiemen

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Die Entwicklung im Medienwesen nimmt ihren Lauf und hier würde ich nicht von einer positiven Entwicklung sprechen. Immer mehr qualitativ hochwertige Webseiten stellen den Betrieb ein, gehen hinter Paywalls oder werden in andere Medien eingegliedert. Die frei verfügbare Vielfalt nimmt stetig ab. Das Artensterben wird nicht spurlos bleiben. Kunst war schon immer ein brotloser Erwerb, da hilft auch kein Hoffen und Bangen. Wenige der Protagonisten sind noch aktiv und viele auch nur noch sporadisch. Wie lange kann sich die Vielfalt noch erhalten und was können Leser tun? 

Als die Zeit der Bürgerjournalisten begann, war es noch verhältnismäßig einfach, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erlangen. Um einen Blog oder eine Webseite zu betreiben, bedurfte es einiger Kenntnisse und Fähigkeiten, sowohl technischer als auch schriftstellerischer Art.

Es war neu und natürlich auch interessant, aus diesem Grund bekamen die Betreiber regen Zufluss und konnten sich – wenn schon nicht finanzieller Anreize – zumindest des Ruhms und der Ehre erfreuen. Seinerzeit war das Internet auch noch nicht zu einem derart sozial und rhetorisch verwahrlostem Ghetto verkommen, im Gegenteil man ging noch recht umsichtig und vorsichtig mit der Ressource Information um.

Das Sterben der Print- und Onlinemedien ist ein Zeugnis für sehr starke Veränderungen. Viele Menschen sind nicht bereit, für diese Form der Dienstleistung zu bezahlen und die Vielfalt macht es im Augenblick ja auch noch einfach, eben schnell den „Kanal“ zu wechseln. Was mir jedoch vermehrt auffällt: Die Vielfalt im Bereich des „Copy&Paste“ oder des Trashens nimmt stetig zu, während die qualitativ hochwertigen und damit sehr arbeitsintensiven Medien stetig abnehmen.

Einige gehen den konsequenten Weg und führen eine Bezahlschranke ein. Dieser Schritt ist nachvollziehbar und nur verständlich. Als Leser ist einem kaum klar, welche Arbeitsintensität zum Teil in wertigen Webseiten steckt. Ist das aber auch ein Modell für die Zukunft? Eher nicht. Solange es einzelne sind, werden sich ein Teil der Leser diesen Luxus noch leisten können. Was aber, wenn auf einmal immer mehr Betreiber und Autoren auf dieses Modell wechseln? Wären Sie in der Lage, tatsächlich auf Ihren 10 Lieblingsseiten jeweils 10,- Euro im Monat zu bezahlen?

Das alles ist nur zu einem gewissen Grad machbar und hier werden natürlich die Ersten die Glücklichen sein. Wer zu spät kommt, den bestraft meist das Leben.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Anfänge dieser Seite, als ich recht früh begann, auch Werbung auf die Seite zu bringen. Das Geschrei war groß, den Grund habe ich nie verstanden. Durch die Einnahmen war ich in der Lage, andere Projekte zu finanzieren oder auch die Kosten für die Technik zu bewerkstelligen. Alleine eine Interviewserie von der Rohstoffmesse war ein Aufwand von ca. 1000,- bis 1500,- Euro, je nach dem. Hat die Werbung irgendwem weh getan? Mussten die Leser dafür bezahlen? Nein!

Es gibt nur sehr wenige Seiten, die überhaupt genügend Besucher haben, um Werbeflächen zu verkaufen. Bei 1000 – 2000 Besuchern, ist das ein fast sinnloses Unterfangen. Die Versuche über Spendenbuttons haben alle Autoren, die ich kenne, enttäuscht. Was dort so zusammenkam, hätte kaum für ein Frühstück bei Mc Donalds gereicht.

Aus diesem Grund eben gehen die guten Seiten auf Bezahlinhalte, 200 x 10 Euro ist immer noch mehr, als 3000 x Nichts. Andere Seiten, wie beispielsweise The Intelligence, stellen den Betrieb ein oder Webseiten wie Wirtschaftsfacts werden in ein bestehendes Payed Content System eingekauft.

Bei IKNews blicke ich durchaus auf eine Community, die bereit ist, auch die Ärmel hochzukrempeln, wenn es was zu tun gibt. Die Umfrage zu einer Beteiligung an einem Bürgerverlag zum Beispiel brachte Zusagen in Höhe von mindestens 60.000 Euro. Natürlich wäre das nur ein Anfang, aber auch der muss erst mal geschafft werden.

Dieses sehe ich als einzigen gangbaren Weg, um dem Artensterben in den alternativen Medien zu begegnen. Es braucht die Aufmerksamkeit der Leser und ausreichender Besuchszahlen, um überhaupt mit Werbung Umsätze zu erzielen. Viele Leser glauben wahrscheinlich auch, wenn Seitenbetreiber die Anzeigen von Google auf der Seite haben, das würde Geld bringen. Fehlanzeige. Nur, wenn es darauf einen Klick gibt, fließt überhaupt ein Betrag.

An dieser Stelle noch ein paar Anregungen für die Selbstständigen. Wenn Sie Webseiten haben, welche Sie gerne lesen und nicht nahe der Armutsgrenze leben, schreiben Sie die Betreiber doch mal an. Buchen sie auch auf kleineren Webseiten mal eine Anzeige. So helfen Sie den Autoren, zumindest etwas Umsatz zu erzielen, zeigen, dass Ihnen die Webseite etwas bedeutet und beteiligen gleichzeitig das Finanzamt an der Erhaltung von wichtigen Informationsquellen.

Die Entwicklungen in den alternativen Medien betrachte ich mit einer gewissen Trauer, auch wenn mir zumindest die Bezahlinhalte auch weiterhin zur Verfügung stehen. Vielen tut es das eben nicht mehr. Die Autoren werden dadurch der verdienten Aufmerksamkeit beraubt, aber mit leerem Magen schreibt es sich eben auch nicht so gut.

Fazit: Wenn auch Sie die Arbeit freier Journalisten und Autoren zu schätzen wissen, zeigen Sie es. Was für einen Abbruch tut es Ihnen, wenn auf einer Seite, die Sie gerne lesen, der Absprung über einen Werbelink von Google gemacht wird, ein Schlussklick sozusagen. Als Werbetreibender können Sie Betreiber unterstützen und zugleich noch Ihr Unternehmen präsentieren. Oder auch einfach mal eine E-Mail mit einem Dank oder Zuspruch an den/die Autoren senden. Ich hoffe, dass aus dem Artikel hervorgeht, wie es gemeint ist und es nicht wie ein Bettelbrief in eigener Sache wirkt, denn das war nicht meine Absicht. 

Auch bedanken möchte ich mich bei den Werbetreibenden auf meiner Webseite, die auf diese Weise meine Arbeit unterstützen und mir helfen, nicht noch Geld für die Arbeit bezahlen zu müssen.

Carpe diem


9 Responses to Medien: Der Kampf um Aufmerksamkeit und Tantiemen

  1. Jens Blecker sagt:

    Inspiriert zu dem Artikel haben mich eine Mail eines Lesers zum Aufkauf von Wirtschaftsfacts, die Schließung von The Intelligence und ein Artikel zur NYTimes. Zu guter Letzt noch ein intensives Gespräch mit Frank M.

    http://www.wirtschaftsfacts.de/2013/01/wirtschaftsfacts-geht-gemeinsam-mit-cashkurs-in-eine-neue-zukunft/

    http://www.theintelligence.de/index.php/sonstiges/46-allgemein/5145-alles-hat-ein-endr.html

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/new-york-times-company-quartalszahlen-q4-2012-a-882086.html

  2. freifrau sagt:

    Das Problem, wie bei vielem Anderem auch, ist die Wert(e)losigkeit der Gesellschaft allgemein. Welchen Wert haben denn gute Informationen für die breite Masse? Richtig – keinen. Das allgemeine Motto „Geiz ist geil!“ kennt keine Grenzen…billiger, billiger,noch billiger.
    Jeder will nur konsumieren, aber es darf halt nichts kosten, höchstens die Seele, ja das ist o.k. Das ging ja in Sachen Fernsehn schon so weit, dass man nun zwangsbesteuert, was allerdings keinesfalls für Qualität sorgt. Traurig! Hier spiegelt sich doch nur unsere Aldi-, Lidl-, Mediamarktgesellschaft wider.

    Kann mich auch noch gut erinnern, was Dir Jens schon so oft in der Vergangenheit alles unterstellt wurde, weil Du z.B. ein Werbebanner von Gold.de auf Deiner Seite hast (grins).Deshalb möchte ich folgendes los werden:

    DANKE!
    Danke Jens für all Deinen Mut, Deine Unbestechlichkeit, Dein Engagement und die viele Arbeit über all die Jahre nun schon!!! Tausendmal Danke!
    Ich durfte mir ein persönliches Bild von Dir machen und finde Dich als Person und das was Du alles tust einfach toll! Bitte kämpfe Du wenigstens weiter – auch hierfür schon mal Danke! Wir BRAUCHEN Menschen wie Dich und hier kann ich nur mich sprechen: Meine auch finanzielle (!) Unterstützung hast Du.

    An dieser Stell auch Dank an AE und alle anderen „Helferlein“ Ihr leistet GRoßartiges – Bitte macht weiter!

  3. Melissa sagt:

    Meine Erfahrung nach fast 10 Jahren Informationsaustausch in Mainstream -und Alernativmedien und blogs.
    Die meisten Informationen beruhen auf Vermutungen und Spekulationen , die meist arrogant und selbstverherrlichend und pessimistisch oder phantasievoll dramatisierend oder religiös missionarisch belehrend vertreten werden.

    Das ist natürlich auch eine Erkenntnis über das Verhalten von Menschen die Recht haben wollen, die wichtigste für mich aber ist….. die richtigen Infos zu haben selbst wenn sie mal wirklich der Wahrheit entsprechen sollten bringen keine Veränderung.

    Menschen die völlig uninformiert sind aber herzlich und positiv zukunftsgestimmt sind hilfreicher als jede noch so beeindruckende intellektuelle und sprachlich wohlformulierte Aussage von „alleswissenden“ Hyperintellektuellen hier und auf andren Blogs.

    Intellektualität ist nicht gleich Intelligenz. Inzwischen würde ich es sogar als umgekehrt proportional einschätzen.

    Ich bin hier nur noch ab und zu auf der Seite weil es mitunter gute Aktionen bezüglich Natur- und Tierschutz gibt und Jens trotz massivem Pessimismus und manchmal haltlosen linkshirnverdrehten Theorien und „Prophezeiungen“ den Humor nie vergisst.

    Mitgefühl eines offenen Herzens, das Aktion nach sich zieht, Humor und dann erst ganz lang nix dann eventuell ein bisschen, Info… mehr brauchts nicht.

    Wie lernt ein Mensch Mitgefühl zu haben oder Humor, der aus Gelassenheit und innerem Frieden entsteht, darauf gibt es viele und irgendwie keine Antwort.

    Jedenfalls ist Mitgefühl ohne Gelassenheit kaum auszuhalten das war und ist wohl meine Lektion, denn sonst würde ich vor Schmerz kaputtgehen.

  4. drlillebror sagt:

    Moin Jens,

    recht hast Du. Zum Thema fiel mir auch der Film „Die Ware Wahrheit“ ein: Ist ja noch nicht sooo alt, aber es ist seither viel Idealismus auf der Strecke geblieben. Bzw. an den (monetären) Realitäten gescheitert. Gar kein Vorwurf, sondern einfach die traurige Feststellung.

    Die Idee Unterstützung durch Werbeschaltung finde ich gut. Ich kontaktiere Dich mal in nächster Zeit wegen der Details.

    Gruß.

  5. kaphorn sagt:

    apropos ny-times, sehr interessantes zeitdokument, ein schelm wer böses denkt…

    http://www.youtube.com/watch?v=Qij_Nur8__s&feature=player_embedded

  6. Lilly sagt:

    Die Sonne bringt es an den Tag.

  7. Janu sagt:

    Ich fände es völlig in Ordnung, wenn dieser Seite Werbeinnahmen hätte.
    Daß bestimmte Werbungen hier keinen Platz finden dürften – z. B. für die Bundeswehr (jedenfalls solange sie diese Kriege führt) – versteht sich von selbst.

    Daß Journalisten nicht einfach erhebliche Teile ihrer Lebenszeit verschenken können, sondern auch von etwas leben müssen, ist doch einleuchtend.
    Besser, als wenn sie unter der Hand für ein ‚Polit placement‘ (ich lehne das mal an das Wort „product placement“ an) Geld nehmen müssen.

    Wenn ich nun gerade google (Eigner von youtube) auch nicht mag, so finde ich z. B. die seit kurze Zeit üblichen Werbevorspanne durchaus erträglich.

    Der Weg mit bezahlter Werbung zu arbeiten wäre mir auch liebe als de Weg über einen Bezahl-blog – wie etwa Wayne Madsen (http://www.waynemadsenreport.com). Dorthin kam ich früher immer mal wieder. Jetzt kann ich da nicht mehr lesen, ohne ein zahlendes Mitglied zu sein.

  8. Andi sagt:

    Da find ich solche Seiten auch sehr gut und hilfreich, welche monatlich alles wirklich Wichtige – zusammengestellt aus vielerlei, breitgefächerten Quellen – in einem Artikel zusammenfassen und gratis online stellen: http://endzeitnews.npage.de/
    Vor allem für Leute, die nicht soviel Zeit haben.

  9. zeitzeuge sagt:

    Wie die freien Journalisten zu Geld kommen sollen ist keine Einfache Frage.
    Ich persönlich würde Info-Flatlines bevorzugen, mit einem Verteilschlüssel nach views. Da wird automatisch die Spreu vom Weizen getrennt. Wer mies recherchiert und nur nachplappert, bleibt sehr schnell auf der Strecke. Echter Journalismus wird davon zwangsläufig profitieren.

    Zur Werbung:

    Persönlich finde ich das keine gute Lösung!

    Ich unternehme sehr viel, um jeglicher Form von Werbung aus dem Weg zu gehen. Im Internet sind bei mir Webblocker aktiv. Die Werbeflut ist ja sonst unerträglich.
    Fernsehen schaue ich so gut, wie nie. da ist es eh offensichtlich, dass dieses zur plazierten Werbeschaltung betrieben wird (zumindest die Privaten).
    Meine Kinder lehre ich von Anfang an, dass Werbung nur dazu dient, den leuten Produkte anzudrehen, die sie sonst nie kaufen wollten.

    Ich bin ein Ausgesprochener Gegner jeglicher Form von Propaganda, sei es politisch oder kommerziell, und stehe auch ganz offen dazu.

    Auch sehr viele Menschen in meinem Umweld haben eine ausgesprochene Abneigung gegen Werbung, denn was steht schon da drauf ??

    –> KONSUMIERE !!

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