Im Hamsterrad – Wie der Staat uns voll beschäftigt hält

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„Höchste Zeit, dass sich was ändert“ ist das Motto der aktuellen Kampagne der Bundesregierung zur Energiewende. Doch „ändern“ will die Bundesregierung nicht etwa sich selbst oder gar ihr Vorgehen, nein „ändern“ soll sich in diesem Fall – wie fast immer – der Verbraucher und das auf seine eigenen Kosten.
Es soll ja vorkommen, dass es im Winter kalt ist, draußen. Deshalb ziehen viele Deutsche ohne Eskimo-Gene es vor ihre Zeit im Winter drinnen und häufig sogar in geheizten Räumen zu verbringen. Das ist kein Verbrechen, sondern eher Normalität. Doch unsere Regierung will, dass sich daran „was ändert“.

Nach dem anfänglichen Zickzack-Kurs der Regierenden zum Thema Energiewende (Sie erinnern sich sicher – Atomausstieg, plötzlicher Wiedereinstieg und noch viel plötzlicherer Wiederausstieg) hat man nun die Verantwortlichen für den Wandel identifiziert. Man könnte es sich nun einfach machen und denken, dass die Verantwortlichen für die Energiewende vielleicht just bei den Unternehmen zu suchen seien, die mit Kernkraft, Kohle und Gas Energie erzeugen – doch weit gefehlt. So einfach macht es sich unsere Regierung natürlich nicht. Gemäß der „Energie Wende – Made in Germany“ hat man nach reiflicher Überlegung den Bürger als Quell steten Wandels ausgemacht und entsprechende Schritte veranlasst.

Durch die Werbekampagne „Höchste Zeit, dass sich was ändert“ und mittels ganzseitiger Anzeigen in Magazinen, Broschüren, Internetseiten, Informationsveranstaltungen und Infoständen soll der gemeine Bürger (ja „gemein“ darf hier auch als „bösartig“ verstanden werden) auf die Notwendigkeit/die Pflicht/den Zwang hingewiesen werden endlich in die Änderung/die Erneuerung seiner Heizungsanlage, Strom- oder Wasserversorgung zu investieren. Wie der Bürger das macht oder ob der durchschnittliche Bürger sich dies überhaupt leisten kann ist zweitrangig bzw. vernachlässigbar, denn was Pflicht ist, ist Pflicht.

Das Beispiel der Kampagne zur Energiewende des Bundesumweltministeriums zeigt anschaulich, wie unser Staatswesen mit seinen vielen, vielen, sehr vielen Kampagnen, Initiativen, Verordnungen, Bestimmungen, Vorschriften, Steuern, Gebühren und Gesetzen in das Leben der Bürger eingreift, es bestimmt und steuert.

Aktuell wirbt das Bundesumweltministerium deshalb auf seiner Webseite mit 198 verschiedenen kostenlosen (nicht etwa wertlosen) Broschüren für so sinnvolle Projekte wie z.B. Nr. 4001 „Initiative energetische Wohnungssanierung in Lettland“ (Und ich dachte bisher, dass Lettland durch die lettische Regierung regiert würde) oder Nr. 2527 „Die Schöpfung bewahren – Christliche Botschaft und umweltpolitisches Handeln“ (für den christlich geprägten Umweltschützer) sowie Nr. 5103 „Willst Du mit mir gehen?“ (wahrscheinlich ganz speziell zur umweltpolitischen Ansprache pubertierender Jugendlicher). Dass der Druck derartig wichtiger Broschüren viele Ressourcen wie z.B. Papier benötigt, darüber hat im Umweltministerium wohl noch niemand nachgedacht.

Doch gerade das durchaus sinnvolle Thema „Umweltschutz“ kann immer vortrefflich für allerhand staatliches Wirken herangezogen werden. Wobei die „Umwelt“ auch leicht für wirtschaftliche Zwecke instrumentalisiert wird – siehe „Umweltprämie“ (auch Abwrackprämie) zur Stützung der so bedürftigen Autoindustrie im Jahr 2009.

So man als Otto Normalbürger versucht ist alle Vorschriften pflichtgemäß zu erfüllen, wird man alsbald feststellen, dass dies buchstäblich zur „Vollzeitbeschäftigung“ führen wird.

Doch überlegen wir genauer stellen wir fest, dass es immer wieder staatliche Vorschriften oder Interventionen sind, die uns zu Neuanschaffungen und andauernden Investitionen in Immobilien, Fahrzeuge oder Konsumgüter verleiten und in den meisten Fällen sogar zwingen. Ein paar Beispiele:

  • – Steigende Kfz-Steuern bei Fahrzeugen mit schlechter Abgasnorm
  • – Verbot der Benutzung der „Umweltzonen“ vieler Innenstädte mit älteren Fahrzeugen
  • – Pflicht zur Erneuerung von Heizungsanlagen
  • – Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien
  • – Pflicht zur Prüfung der Abgaswerte der Heizungsanlage
  • – Pflicht zur Prüfung der Öltanks alter Heizungen
  • – Pflicht zum Anschluss an das öffentliche Fernwärmenetz
  • – Pflicht zur Fassadendämmung
  • – Pflicht zur Abgasmessung an PKW und Gebäudeheizung
  • – Energieklassifizierung von Haushaltsgeräten
  • – Steigende Strompreise durch Umlage der Einspeisevergütung aus dem EEG
  • – Etc.

Bereits diese kurze Reihe an Beispielen zeigt, wie unser Staat es schafft durch seine Eingriffe uns als Bürger zu beschäftigen. „Beschäftigt“ werden wir auf zwei Weisen.

Denn wer z.B. eine Immobilie oder einen PKW besitzt und diese nach vielen Jahren endlich sein schuldenfreies Eigentum nennen darf, ist im Falle staatlicher Intervention im Extremfall bald wieder damit „beschäftigt“ den Kapitaldienst für die Finanzierung der Sanierungsmaßnahme oder den Neuwagen zu leisten. Andererseits werden durch Sanierung und Neuanschaffung auch Handwerker, Planer, Facharbeiter und Unternehmen „beschäftigt“.

Steigende Anforderungen bedeuten in diesem Sinne eben steigende Anstrengungen. Willkommen im nimmer endenen Hamsterrad.

Noch so scheint es, kommen die Deutschen deshalb ihren staatlichen Verpflichtungen stets willentlich nach und können die an sie gestellten Anforderungen erfüllen. Dieses typisch deutsche Verhalten sendet aber ein fatales Signal an unseren Staat, der leichtfertig daraus schließt, dass folglich noch weitaus mehr Regelungen möglich sind. Eine Mäßigung und Hinterfragung staatlicher Regulierung findet gerade in Deutschland deshalb viel zu selten statt.

Es ist doch so schön einfach die Bürger zur Verantwortung zu ziehen. Viel einfacher als sich mit multinationalen, börsennotierten Konzernen und deren Rechtsableitungen, PR Profis und Lobbyisten herumzuschlagen. Bürger haben nur das Wahlrecht, aber keine Lobby.

Doch darf nicht vergessen werden, dass durch die enorme Häufung staatlicher Regelungen bei gleichzeitig real schrumpfenden Einkommen und alternder Bevölkerung die Möglichkeit der Bürger schwindet jeder Anforderung stets nachzukommen. Was nutzt es, wenn unsere Regierung es demnächst soweit treibt, dass ein Rentner aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten sein Haus veräußern muss, um die Sanierung desselben bezahlen zu können.

Spätestens dann ist „Höchste Zeit, dass sich was ändert“.

The German Perspective

Kostenlose Veröffentlichungen des Bundesumweltministeriums:

https://secure.bmu.de/service/publikationen/broschueren-bestellen/
Bildquelle: http://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Downloads/images/poster_energiewende_03.jpg


10 Responses to Im Hamsterrad – Wie der Staat uns voll beschäftigt hält

  1. fyrtarn sagt:

    Danke für den Bericht
    Diese immer mehr in den Faschismus abdriftende Diktatur
    in Deutschland,findet immer mehr Wege uns auszubeuten.

    Ein aufschlußreicher Beitrag von Andreas Popp,
    findet sich unter folgendem Link

    http://www.youtube.com/watch?v=FyWX5Zfog9A

  2. Habnix sagt:

    “ Das Beispiel der Kampagne zur Energiewende des Bundesumweltministeriums zeigt anschaulich, wie unser Staatswesen mit seinen vielen, vielen, sehr vielen Kampagnen, Initiativen, Verordnungen, Bestimmungen, Vorschriften, Steuern, Gebühren und Gesetzen in das Leben der Bürger eingreift, es bestimmt und steuert. “

    Zum Wohle der Wirtschaft wovon der normal Bürger nichts hat, außer vielleicht ein paar Schulden.Ja und natürlich als willkommener Nebeneffekt das Hamsterrad.

    Fünf Minuten ruhe und dann fassen wir uns doch mal an den Kopf und fragen uns selbst was das ganze soll und sagen dann: „scheiße kein Bock mehr auf Regierung macht euren mist alleine ohne mich“.

  3. Erwin Lindemann sagt:

    Ich nehme mir das Angebot des Umweltschutzministeriums sehr zu Herzen und heize jetzt mit den kostenlosen Broschüren, die man dort bestellen kann. 🙂

  4. dogbert sagt:

    Es ist im Prinzip ganz einfach:

    Wenn die ganzen Maßnahmen wirklich ökonomisch sinnvoll wären, dann müßten sie nicht per Gesetz befohlen werden.

  5. Shisaku_Suru sagt:

    Immer mehr hat man das Gefühl ich lebe in einer riesen Firma. Wachstum auf Teufel komm raus um nur nicht die Aktionäre zu verärgern. Nur kann es halt nicht immer wachstum geben. Mehr und mehr Leute bleiben auf der Strecke.
    Alleine die Masse an gelben Briefen (persönliche Zustellungsaufträge, kurz PZA zum googlen) die ich derzeit austragen darf zeugen von den schlechten Zeiten.

  6. BRD-AKUT sagt:

    Der Grund dafür ist ganz einfach:Wer 24h damit beschäftigt ist,zu (über)leben,hat keine Zeit,sich Gedanken zu machen.Man sollte am besten 8-10h arbeiten,zum abschalten(jeder 10.! Deutsche trinkt nach Feierabend Alkohol,um vom Stress runterzukommen!)noch in die Kneipe.Pünktlich um acht sollte man dann Nachrichten schauen,damit man weiß,was man zu glauben und zu denken hat.Danach noch n bisschen Dschungelcamp oder ähnliches,um sich die Köpfe anderer Leute zu zerbrechen und weiter zu verdummen.Dann geht`s ins Bett,denn morgen geht alles wieder von vorne los.Denn täglich grüßt das Murmeltier.Falls jemand heutzutage am Wochenende noch frei hat,wird halt mit Fußball,Volksfesten usw. vom Denken abgehalten wird.Und immer wieder die Verbindung zum Alkohol.Wie sagt der Volksmund:“Alkohol macht Rübe hohl“!Das wird auch der Hauptgrund für die Cannabisprohibition sein.Der C.-Raucher kann abschalten,ohne besoffen zu werden,also ohne nicht mehr klar denken zu können,ohne aggressiv zu werden,und vor allem kann er sich morgen noch daran erinnern,was gestern war.Alles nicht förderlich,wenn man als politische Klasse seine „Goldesel“ vom eigenständigen denken abhalten möchte.

    http://brdakut.wordpress.com/

  7. Frank H. sagt:

    Ich mach da net mit. Ich kann mir keinen Kredit leisten und bin auch nicht Kreditwürdig. So what.
    Und das die Energiesparhäuser sich als Geldsparbüchsen der Banken erweisen, hat sich ganz langsam schon herumgesprochen. Kenne doch einige Leute die sich ihr „Styroporhaus“ sonst wo hin wünschen, weil sie es nicht abbezahlen können.
    Übrigens in 25 Jahren, wenn der Lack ab ist, ist die Aussenhaut Sondermüll.

  8. BRD-AKUT sagt:

    Diese Sanierungen dienen einzig und allein der Gentrifizierung.So hält sich die „Elite“ das „Gesindel“ vom Hals.Leider.

    http://brdakut.wordpress.com/2013/02/16/arge-eine-frage-nach-dem-warum/

  9. Agincourt sagt:

    Ein stalinistisch sozialisierter Apparatschik -Merkel- wird stets in der Matrix stalnistischer Methoden der am roten (meinetwegen auch braunen), ideologischen Tisch abstrakt geplanten Kommandowirtschaft gefangen sein.

    Umso schlimmer, wenn das ganze noch mit dem hohlen Geschwätz von der „Marktwirtschaft“ angereichert wird,

    Nebenbei ist es, da unproduktiv, auch die Überlebensnotwendigkeit eines jeden Apparatschiks, den schöpferischen Teilen eines Volkes das Blut (= Geld) aus den Venen zu saugen.

    An Angela M. kann man das sehr schön beobachten: Kein Kanzler hat sich mit einem so dreisten Selbstverständnis am Volksvermögen gütlich getan wie die unästhetische Dame mit der trüben DDR-Vergangenheit.

    Ob Learjets der teuersten Sorte gleich im Paket oder ein 1 Mrd.€ Edel-Airbus mit Raketenabwehrsystem für „unsere“ Volkskanzlerin: Es herrschen mittlerweile Zustände feudaler Selbstherrlichkeit in dieser „Demokratie“ wie unter Breschnew, Schiwkow oder Ceaucescu.

    Sammeltransport im heruntergekommnen ÖPNV für das Volk (d.h. die Gleichen), Luxus-Airbusse für die Nomenklatura (d.h. die Gleicheren).

    Der von mir allerdings wenig geschätzte Ex-Bundeskanzler Schmidt, dem man, gemessen am Maßstab jenes ostzonalen Gerdena-Florena-Gerdeen Color Verschnitts, der sich heute als Schmidtsche Nachfolgerin gefällt, nur herausragende Qualitäten bescheinigen kann, begnügte sich noch mit der gewöhnlichen Flugbereitschaft der Luftwaffe,

  10. bernd sagt:

    Fantasie ist/wäre gefragt, man stelle sich vor, alle Rentner, Arbeitslosen, Hatz 4ler, usw. würden sich in der kalten Jahreszeit aufmachen, in den Süden Europas (man darf sich ja schließlich innerhalb der EU frei bewegen:-) und den Winter von Anfang Okt. bis Ende April In Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, usw. verbringen.

    Sich dann noch mit den dort betrogenen Menschen solidarisieren und gut ist.

    Macht mal die Augen zu und stellt es euch vor dem inneren Auge vor, was das alles für Vorteile bringen würde und Nachteile für die Unterdrücker und Ausbeuter.

    Und das es geht weiß ich, ein Bekannter von mir arm und mittellos macht das schon seit Jahren im Sommer in NRW im Frühjahr und Herbst in Frankreich und im Winter in Portugal.

    Bitte jetzt nicht wieder meinen Traum mit aber dann, und aber so, denn aber nei, usw. zerstören.

    Wir hätten unendliche Möglichkeiten machen uns aber selber zu Sklaven und Unterdrückten……….und wofür?????

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