EU = Mesopotamien – Wie Boston-Consulting der EU die Euro-Rettung vorschlug

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Eine Studie der Boston Consulting Group aus 2011 weist erstaunliche Ähnlichkeit mit den Euro- Rettungsbemühungen der Europäischen Union auf. Bei der „Rettung“ Zyperns kommen nun erstmals Instrumente zum Einsatz die bereits vor zwei Jahren von Boston Consulting favorisiert wurden. Da jedoch (noch) nicht alle Vorschläge umgesetzt sind, darf man annehmen dass weitere folgen. Ein Blick in die Zukunft gefällig?

Niemand hat eine Kristallkugel und deshalb kann auch kein Experte, Ökonom oder Analyst in die Zukunft sehen. So könnte man meinen. Doch diese Einschätzung ist seit der letzten Woche nicht ganz richtig.

Niemand braucht eine Kristallkugel für die Zukunft, es reicht eine Studie der Boston-Consulting- Group (BCG) auf dem Jahr 2011. Wer das Papier mit dem Titel „Back to Mesopotamia?“ liest wird nicht etwa eine Abhandlung zur Archäologie vorderasiatischer Wüstenstaaten finden, sondern feststellen, dass eine Vielzahl der enthaltenen Vorschläge zur Eurorettung die letzte Woche auf Zypern angewendet wurde.

Ein paar Beispiele gefällig?

1. Privates Vermögen muss „einmalig besteuert“ werden.

Auf Seite 7-8 beschreibt BCG detailliert, dass private Anleger durch eine einmalige Steuer zur Finanzierung der Schuldenrestrukturierung beitragen sollen. Je nach Land soll der Steuersatz zwischen 11 und 30 Prozent betragen.

2. Steuerliche Andersbehandlung von Summen > 100.000 Euro

Auf Seite 8 bringt BCG einen Freitag von 100.000 Euro ins Spiel oberhalb dem eine „einmalige
Korrektur der aktuellen Schuldenstände“ (bzw. Guthabenstände) sinnvoll wäre.

3. Besteuerung “der Reichen” soll öffentliche Unterstützung bringen

Seite 9: Da diese Maßnahmen sicherlich nicht sehr populär seien, könne gerade die Besteuerung „der Reichen“ die öffentliche Unterstützung merklich erhöhen. Im Falle Zyperns waren dies die russischen Oligarchen.

Da die Ideen der Boston Consulting Group aus 2011 stammen, jedoch erst letztes Wochenende erstmals zur Anwendung gekommen sind, lässt dies den Schluss zu, dass einige weitere im Papier enthaltene Vorschläge zukünftig ebenfalls anwendbar werden dürften. So gesehen wirken die Seiten 8 und 9 des BCG-Papiers ähnlich einer Kristallkugel. Ein Blick in die Zukunft gefällig?
Folgende Dinge sind bereits in der Diskussion angelangt oder dürften sich nach der Bundestagswahl – wenn das Volk „gewählt“ hat – zu Themen in Deutschland und der EU entwickeln:

1. Einrichtung einer Fiskalunion (läuft schon)
2. Erhöhung des Renteneintrittsalters (…haben wir nicht schon was von „Rente mit 69“ gehört?)
3. Senkung der Sozialleistungen für Rentner (Das Stichwort hierzu lautet Altersarmut)
4. Besteuerung von Grund- und Immobilienbesitz (geht einfach)
5. Eurobonds (will die SPD)
6. Kontrollmechanismus zur staatlichen Verschuldung (Schuldenbremse)
7. Kontrollmechanismus für private Verschuldung
8. Reduzierung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit durch Anhebung des deutschen
Lohnniveaus bei gleichzeitiger Senkung des Lohnniveaus der Krisenstaaten (Austerität)
9. Senkung des Sparwillens der Deutschen bei gleichzeitiger Ankurbelung der deutschen
Binnennachfrage (Finanzielle Repression)
10. Heranziehung von Sparvermögen >100.000 Euro mittels ca. 30% Sondersteuer zur
Sanierung der Banken (Siehe Zypern)

Ach wie wunderbar einfach ist doch die Welt, wenn man als „Berater“ der Politik die Richtung vorgibt, die diese selbst nicht hat. Doch könnte sich die Studie von BCG als eine der wichtigsten Lektüren der letzten Jahre erweisen, denn sie zeigt auf welchen Weg die EU Politik mit der aller höchsten Wahrscheinlichkeit gehen wird.

Jeder Bürger/Sparer/Steuerpflichtige muss deshalb gewarnt sein und sofort (nein, wirklich SOFORT!)
entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Welche dies sind? Fragen Sie doch Boston Consulting!

The German Perspective


12 Responses to EU = Mesopotamien – Wie Boston-Consulting der EU die Euro-Rettung vorschlug

  1. […] umgesetzt sind, darf man annehmen dass weitere folgen. Ein Blick in die Zukunft gefällig?… weiterlesen (Quelle: Jens Blecker – 28.03.2013 – […]

  2. dieter e. sagt:

    zu 8.
    in den anstehenden Tarifverhandlungen der IG Metall werden 5,5% Lohnerhöhung gefordert.
    http://www.igmetall-bezirk-mitte.de/

  3. Sleeper sagt:

    „Zeit zu handeln!“ ist ein schönes Sprichwort. Wir müssen JETZT handeln! Es droht ein Massenansturm auf die Banken in Zypern und anderen Eurostaaten. Der Mensch als Herdentier wird sich mitreisen lassen. Dies sollten wir genau BEOBACHTEN.

    Die einzige alternativlose Möglichkeit sehe ich darin, hinweg vom Bargeld! Die Rettung Zyperns und der Eurozone kann nur gelingen, wenn die Massen mitziehen. Das geht nunmal nicht mit einer begrenzten Auszahlung pro Bankkunde, denn jeder würde natürlich alles was er drauf hat abholen, wenn man ihn ließen lassen würde.

    Ganz wichtiger Punkt, nur ein Konto pro Familie. Auch muss geprüft werden, wer in Zukunft ein Konto besitzen darf. Wir müssen die derzeitige Krise nutzen um weitere Gesetze und Maßnahmen zu ergreifen, die das Ende vom Bargeld einleuten. Bargeld bedeutet leider: anarchistische Zustände!

  4. Jens Blecker sagt:

    Wie gut das man dich nicht ernstnehmen braucht 😉

  5. Introvertiert sagt:

    Versteh ich das richtig? Man versucht die deutsche Wirtschaft anzukorbeln, um von dem „Erlös“, die EU, bzw. die Banken zu finanzieren? Oder ist das zu kurz gefasst?

    Ich habe gestern die ARD-Börsennachrichten gesehen. Da erwähnte die Moderatorin, das immer mehr Deutsche aus Angst das ihre Spareinlagen nicht mehr sicher seien, ihr Geld lieber ausgeben, wodurch der Konsum angeregt werde, was sich widerum positiv auf die Wirtschaft auswirken werde. Das würde ja bestättigen, was die „Kristalkugel“ sich für unsere Zukunft wünscht.

  6. plissken sagt:

    wie nicht anders zu erwarten

    BCG has been a strategic partner and key advisor to The Rockefeller Foundation in advancing the global eHealth agenda.

    Dr. Ariel Pablos-Mendez
    Assistant Administrator for Global Health at USAid
    Former Managing director at the Rockefeller Foundation

  7. Perseus44 sagt:

    @Plissken,

    Deine VT zur BCG bezug Rockefeller und Co. kannst dir sparen, die BCG mag alles sein aber damit hat sie wahrlich nichts zu tun. da kannst eher MC Kinsey und KPGM einordnen in diese Schiene aber nicht die BCG. ach nur nebenbei ne Info, Mitt romney war mal bei BCG. 😀

    Gruss
    Perseus

  8. Gutmensch sagt:

    Also ich weiß wirklich nicht, ob es sich bei Sleeper bloß um einen kleinen Schreiberling handelt.
    Ich tippe da schon eher auf einen Profiteur auf mittlerer Ebene.
    Würde man das Bargeld Abschaffen, wäre er möglicherweise einer derjenigen, die von einer Beendigung dieser „Anarchie“ tatsächlich Vorteile hat.
    Einige seiner Kommentare erwecken bei mir jedenfalls so einen Eindruck.
    Das ist nur ein Bauchgefühl aber man sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass er Einblicke in die Welt der Entscheider besitzt und wenn ihm gerade danach ist, plaudert er etwas aus, wohl wissend, dass ihn hier sowieso niemand ernst nimmt.
    Viele dinge die er sagt, spiegeln das wieder, was hier sowieso schon oft vermutet wird, nur eben aus der Sicht der Gegenseite.
    Das Menschenbild, dass er in seinen Posts rüberbringt spricht eindeutig dafür.

  9. Irmonen sagt:

    Rettung des Steuerzahlers: S. Wagenknecht und Dirk Müller
    http://www.youtube.com/watch?v=dRnL6zwyC5o

  10. rumblepad sagt:

    @dieter,
    eine Lohnforderung von 5,5% unterstützt nicht die These 8.
    Aus Erfahrung kann ich sagen da kommen dann 2-2,5% raus.
    Gleichzeitig werden oft zulagen gekürzt. Mehr wie Inflationsausgleich wird da nix bei rauskommen. Wenn in den Medien dann Zahlen wie 3,2% Lohnerhöhung genannt werden, so wird verschwiegen dass dies für zb. 16 Monate gilt.
    Für These 8 bräuchte man eine Lohnerhöhung von 20% in den unteren Lohngruppen, und nix bei den hohen Einkommen.

  11. michaelbunny sagt:

    Die Idee, dass so manche Kraft sich wünscht an die Sparguthaben der Europäer heranzukommen ist nicht abwegig. Die sind fette Beute. Es ist dabei relativ egal, wie man es dir vom ‚Konto‘ lockt. Man kann Geld fast nicht ausgeben als, dass es am Ende des Tages nicht im Säckel der Superreichen außerhalb .de landet.

    Richtig ist aber auch, dass Vorsicht geboten ist – so manche Präsentation dazu die Wirtschaft anzukurbeln. Sonst zahlen sie es wieder über Steuern oder niedrigere Löhne …

    Es wäre etwas kurz gefriffen. Der Schaden ist ja schon entstanden, die Realgüter sind ja schon geliefert… es geht eher darum, dass noch ein Teil bezahlt wird …

  12. roby sagt:

    Hallo Sleeper, ich denke du weisst was ein Troll ist, oder? Sonst schau einfach mal in den Spiegel.

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