Das Brüning-Paradigma: Spanien im Todesstrudel

Apocalypse after war abstract skull and birds

Zum Teil ist es schwer bis unmöglich nachzuvollziehen, was in so manchem luftleeren Kopf der Politiker vor sich geht. Nach Griechenland unterwarf sich Spanien den Doktrin der Troika und so nahm der Anfang vom Ende seinen Lauf. Wie solch kardinale Fehler passieren können, wenn bereits Menschen ohne Elite-Uniausbildung sehen, wohin die Reise geht, ist mit rationalem Verstand nicht erklärbar. Eines jedoch ist sicher: Für Spanien wird es eine Reise ohne Wiederkehr und das für einen langen Zeitraum. Spanien steht am Scheitelpunkt zur wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe.


Ab und an muss man auch am Geisteszustand des gemeinen Plebs zweifeln, lassen sich die Bürger doch immer wieder mit leeren Versprechen und Worthülsen auf Kurs bringen, die bereits derart abgegriffen sind, dass es fast lächerlich ist. Stellen sich aber die Politiker vor die Kameras und beten das Mantra der überstandenen Krise herunter, knallen beim einfachen Volk schon wieder die Sektkorken. Wenn die Aussagen nicht stimmen würden, käme das schließlich nicht im Fernsehen. An dieser Stelle wäre eigentlich ein Stöhnen der Verzweiflung angebracht, aber bleiben wir bei den Fakten.

Ob nun im Fall von Griechenland, Portugal oder auch Spanien, es wird sehr gut klar, was eine Exponentialkurve ist. Für alle, die das nicht kennen, kurz eine Grafik:

Quelle: Boerse-go.de

Quelle: Boerse-go.de

Wurde am Anfang der „Griechenlandrettung“ noch ein Betrag von 10 Milliarden Euro in den Ring geworfen, wuchs die Summe sehr schnell und exponentiell auf hunderte Milliarden. Auch in den Fällen HRE oder Portugal etc. verhielt sich das ähnlich.

Was Spanien betrifft, ist es ein Pendant zu Griechenland. Zunächst wurde abgewunken, man bräuchte keinen Rettungsschirm. Etwas später war klar, etwas Hilfe ist wohl doch nötig, da galt die Formel zunächst: „Kapitalbedarf plus zusätzlicher Puffer = 100 Milliarden[1]

Kaum einen Monat später – die selbe Zeitung: „300-Milliarden-Euro-Rettungspaket: Gerüchte über Hilferuf aus Spanien[2]“

Wie hoch die Summe am Ende wirklich ausfallen wird, darüber lässt sich nur spekulieren, aber es dürfte sich im 13-stelligen Bereich abspielen. Wenn man nun die Frage nach Unfähigkeit der Politiker stellt, bin ich durchaus geneigt, dem unumstritten zuzustimmen. Neben Dekadenz, Faulheit und mangelnder Kompetenz treffen noch einige andere Attribute auf den Großteil der meisten „Volksvertreter“ zu, jedoch kann sich der Sachverstand hinzugekauft werden. Manchmal fühlt es sich an wie ein Déjà vu mit BER oder Stuttgart 21. In vielen Fällen ist bereits im Vorfeld klar, die veranschlagten Mittel werden niemals reichen. Würde man die tatsächlichen Kosten jedoch offen legen, gäbe es niemals eine Freigabe und aus genau diesem Grund (neben erheblicher Korruption) wird halt gelogen und schöngerechnet, bis sich die Balken biegen.

Kommen wir zurück auf Spanien. Ein Artikel im Handelsblatt führt bereits bei der Überschrift zu Kopfschütteln. Dort heißt es:

Trotz SparmaßnahmenSpanien ist so hoch verschuldet wie nie
Die Wirtschaft schrumpft, die Schulden wachsen: Spanien rutscht immer weiter ab. Bei mehr als 900 Milliarden Euro liegen die Verbindlichkeiten des Euro-Krisenstaates mittlerweile. Auch bei der Arbeitslosigkeit hakt es.
[…]
Auch das Ziel eines Abbaus der Arbeitslosigkeit werde in dieser Legislaturperiode nicht erreicht, hieß es im April. Für 2013 rechnet die Regierung mit der Rekordhöhe von 27,1 Prozent. 2015 seien 25,8 Prozent zu erwarten, sagte der Minister.

Als Rajoy Ende 2011 die Macht übernommen hatte, betrug die Arbeitslosenquote 22,8 Prozent.[3]

Verniedlichung wäre hier noch eine höfliche Ausdrucksweise, um den Artikel zu umschreiben. Heißt es dort „Trotz“ Sparmaßnahmen, obwohl hier die Form des Sparens als logische Konsequenz den Zusammenbruch der Wirtschaft und massiv steigende Arbeitslosigkeit nach sich zieht. Die Formulierung bei der Arbeitslosigkeit hake es, schlägt dem Fass jedoch den Boden aus. Weit über 50% Jugendarbeitslosigkeit und eine Gesamtquote von 27,1 Prozent sind ein Desaster.

Bereits ein einfacher Blick auf die Fakten eröffnet einen freien Blick auf die Symmetrie zu Reichskanzler Brüning, der Deutschland mit seiner Sparpolitik in die echte Krise und damit in den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg hinein sparte.

Sehr gut bringt es Steffen Bogs von Querschuesse.de auf den Punkt. Er schreibt zu den Sparmaßnahmen:

Die getätigten umfangreichen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen des Staates haben weiter ihr Ziel kläglich verfehlt! Die Wirtschaft wurde unnötig prozyklisch abgewürgt und auf der einen Seite kam es zu Einnahmeausfällen des Staates und auf der anderen Seite in Folge immenser Arbeitslosigkeit zu höheren Sozialausgaben und in Folge hoher Kreditausfälle zu Bankenbailouts (Kapitalspritzen) und Garantien für die spanische Bad Bank. Weiterhin schlagen auch die Hilfen für die finanziell maroden autonomen Regionen zu Buche. Der Anstieg des Bruttoschuldenstandes ist nicht identisch mit dem Anstieg des Maastrichtdefizits, nach dem Verfahren bei einem übermäßigen Defizit, wo nur das Finanzierungsdefizit nach ESVG 1995 angezeigt wird und nicht die vom Staat übernommenen bzw. mit staatlichen Garantien versehenen Bankschulden.[4]

Die Dramatik der Entwicklung beim Bruttoschuldenstand zeigen die Charts:

Quelle: www.Querschuesse.de

Quelle: www.Querschuesse.de

Werfen wir an dieser Stelle noch einen Blick auf einen Chart, der auch sehr wichtig ist, die Zementproduktion in Spanien. Neben dem Tourismus war der Bau einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für das Land. Die Entwicklung ist mit dramatisch noch freundlich formuliert.

Quelle: www.Querschuesse.de

Quelle: www.Querschuesse.de

Fazit: Sollte man nicht beim Buddeln in den wirtschaftlich ausgebombten Regionen auf unermessliche Rohstoffreichtümer stoßen, wird sich Spanien aus diesem Strudel nicht mehr befreien können. Die Kosten für die Leistungsträger in der Union werden immens sein und dem Perpetuum Mobile weiteren Schwung verleihen, was am Ende ganz Europa pulverisieren wird. In ganz banalen Worten würde das heißen: „Der Drops ist gelutscht“. Wann Italien und Frankreich offenbaren, dass auch sie am Ende sind, wird sich zeigen. Zumindest im Fall von Italien jedoch gibt es einiges an Vermögen, was noch zu verwerten wäre. Frankreich stellt dort eine Sonderposition dar, die am Ende die letzte Luft von der Kette lässt.

Carpe diem

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Der Trailer: 

[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spanien-unterm-rettungsschirm-die-100-milliarden-beruhigungsspritze-a-837968.html
[2] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/geruechte-spanien-erwaegt-offenbar-antrag-auf-300-milliarden-euro-hilfe-a-846814.html
[3] http://www.handelsblatt.com/politik/international/trotz-sparmassnahmen-spanien-ist-so-hoch-verschuldet-wie-nie/8230594.html
[4] http://www.querschuesse.de/spanien-rekord-bruttostaatsverschuldung-in-q1-2013 (Möglicherweise Payed-Content – Mit freundlicher Genehmigung von Steffen)


10 Responses to Das Brüning-Paradigma: Spanien im Todesstrudel

  1. tom sagt:

    “Der Drops ist gelutscht”. – Mit diesen vier Worten ist alles gesagt.

    Da mag sich der fette Barroso und der schwindsüchtige Van RomBuy noch 1000-te male vor TV- Kameras platzieren und das „Ende der Krise“ verkünden – die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube …

  2. Perseus44 sagt:

    @Tom

    Einfach aber doch gut!! 😀

    Wenn es nur so einfach wäre, seufz!!

    Gruss
    Perseus

  3. Perseus44 sagt:

    @Jens

    Mal was am Rande einer reinen Nettoverschuldung des gesamten Euroraumes nicht nur der Eurozone, von ca 18 Billionen (echten) ohne Versteckte usw. (kämen noch dazu), stehen allein Europa bezogen mindestens 15 mal soviel Derivate, Assets usw. dagegen. Irgendwo muss man das doch kaschieren und zumindest die zinsen decken! 😀
    Sollte nur eine Derviatbombe Platzen und es sieht in Frankreich ziemlich danach aus, dann geht das Ganze hoch wie ein Freudenfeuer.
    Da stellt sich die Frage, ich bin so Frei wie Tom: 😀
    „Wer soll das Bezahlen, wer hat soviel Geld …. 😀 😀

    Gruss
    Perseus

  4. Schwarzblut sagt:

    Geld, Geld, Geld…mal ehrlich, ich kenne nicht einen einzigen Menschen auf dieser Erde, den Geld gesättigt hat…
    Umso eher irgendwo was platzt und das System in den Abgrund reisst, umso besser ist es für uns alle…wir dürfen nur nie wieder danach solch ein System zulassen.

  5. EuroTanic sagt:

    Auch heute hatte wieder ein typisches Michelgespräch:
    „Solange es MIR noch gut geht. Was kümmert mich die Arbeitslosigkeit der anderen. Uns geht es doch noch gut.“
    Solange noch das „Almosen“ Arbeitslohn, Rente oder Hartz IV kommt wird der Kopf in den Sand gesteck.

  6. Wachtraum sagt:

    „Wenn man nun die Frage nach Unfähigkeit der Politiker stellt, bin ich durchaus geneigt dem unumstritten zuzustimmen. Neben Dekadenz, Faulheit und mangelnder Kompetenz treffen noch einige andere Attribute auf den Großteil der meisten “Volksvertreter” zu, jedoch kann sich der Sachverstand hinzugekauft werden.“

    Genau das gegen teil trifft zu.
    Dekadenz ok ja,Faulheit auch noch ok,biß zu einem gewissen grad.Mangelnde Kompetenz?Never!
    Diese Leute wissen ganz genau was sie tun,für was und für wen sie es tun.
    Meiner Meinung nach haben sie in den letzten Jahren eine hervorragende brillante Arbeit geleistet!
    Wenn man von dem Standpunkt ausgeht,ja
    Die Europäische Union und ihre Bevölkerung systematisch zu zerstören ihr Leben so zu erschweren dass sie Abends nicht mehr wissen wo ihnen der Kopf steht.
    Aber der dicke Batzen nach ihren Vorstellungen wird noch kommen.Genau da an dem punkt rechne ich mit dem schlimmsten.
    Die letzte Frage,wieso und wozu das ganze,kann ich mir heute nur teilweise erklären.
    Finanzen und Vielleicht stecken auch noch krankhafte Religiöse Gedanken dahinter unter anderem.
    Wieso meinen die Menschen immer daß die Politiker zu ihrem besten handeln müssen?
    Wieso?
    Würde man die Menschen gewähren lassen ohne Politik,wüßten diese ganz genau wie man gut leben könnte in Frieden,alle zusammen.
    Die Politiker nehmen sich aber das recht uns vorzuschreiben wie wir zu leben haben.
    Und schon hier beginnt die Manipulation die uns in die böse Richtung schickt.
    Wie kommen wir aus dem Schlamassel raus?
    Gar nicht.
    Wir werden alle zusammen unter gehen.Finanziell und Materiell.
    Durch den „Wohlstand“in den letzten Jahrzehnten haben alle Völker Europas vergessen wie man sich gegen solche Terrorregimes wehrt.
    Man hat ihnen in der Schule von klein an in den Kopf ge….
    Das Resultat sieht man heute.

  7. Politicus sagt:

    almosen würde ich das nicht nennen, Schweigegeld ist meiner Meinung nach der richtige Ausdruck.

    Der „Deutsche“ war schon immer ein politischer Krüppel.

  8. Politicus sagt:

    @ Wachtraum

    ihr letzter Satz trifft den Nagel auf den Kopf. Pädagogen sind die Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft und der Politik. Hier sollte der Bürger von unten her gegensteuern. In der Schule wird das Fundament eines zukünftigen Arbeitssklaven gelegt.

    Schlimm auch, wie ein neuer Erdenbürger von seinen Eltern schon verplant und in ein Zwangskorsett gesteckt wird.

    Hier muss ein Gesellschaftlicher Wandel stattfinden.

  9. […] viaDas Brüning-Paradigma: Spanien im Todesstrudel | IKNews. […]

  10. pedrobergerac sagt:

    Spanien ist nur der Anfang:
    Hier kann man nachlesen, was uns wahrscheinlich, nicht nur in europa, bevorsteht.
    http://www.krisen-info-netzwerk.com/downloads/Was_erwartet_uns-Eine_Reise_durch_die_Zeit.pdf

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