Gundermann – die Würze von der Wiese

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Der würzige Gundermann wächst in nahezu jedem Garten, unter Hecken und auf Wiesen. Je nach Standort bleiben die Blättchen klein und rund oder werden stattlich groß. Die kleinen violetten Blüten schmücken die auch Gundelrebe genannte Rankenpflanze von März bis in den Sommer hinein und sind bei Nektarsammlern sehr beliebt. Der Gundermann ist Heil- und Würzpflanze in einem. In viele Wildkrautgerichte zaubert er ein ganz besonderes Aroma und hilft gleichzeitig gegen allerlei Zipperlein.


Fast das ganze Jahr über kann man den Gundermann frisch ernten. Selbst unter dem Schnee treibt er frische Blättchen und ist im Frühjahr eines der ersten verfügbaren Wildkräuter. Die leicht gekerbten nieren- oder herzförmigen Blätter sind reich an Vitamin C, Kalium und Kieselsäure. Früher waren sie ein wichtiger Bestandteil der rituellen Neun-Kräuter-Suppe. Auch als Bierwürze war das herbe Kraut bis ins 17. Jahrhundert beliebt.

Weil er als Einzelgemüse zu streng schmeckt, mischt man den Gundermann meist mit anderen Kräutern für Wildspinat, Salate, Kräuterbutter oder Kräuterquark. Mit seinem einzigartigen herb-aromatischen Geschmack gibt er Fleischfüllungen, Eierspeisen, Eintöpfen und Suppen einen besonderen Geschmack. Auch selbst gemachtes Eis, Kräuterbowle, Tee, Wein, Likör und Öl erhalten durch ihn eine ungewöhnliche, aber angenehme Note. Die süßlichen Blüten eignen sich ebenso zum Aromatisieren und sind mit ihrer violetten Farbe auch eine wunderschöne und essbare Deko auf vielen Speisen.

Wildkrautgarten_Gundermann02Laut dem Kräuterexperten Wolf-Dieter Storl ist Gundermann ein wirksames Kraut bei Schnupfen. Seine ätherischen Öle können bei verstopfter Nase helfen. Einfach ein Blättchen zerdrücken, bis es Duft entfaltet und in das verstopfte Nassenloch stecken. Ich habe es selbst ausprobiert, es wirkt. Auch der Tee aus Gundermannblättern ist bei Erkältung und Schnupfen eine Wohltat für die Atemorgane.

Doch nicht nur bei grippalen Infekten hilft der Gundermann, der schon bei den Germanen zu dem wichtigen Heilpflanzen zählte. Durch seinen Gehalt an Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Bitterstoffen wirkt er allgemein entzündungshemmend, schmerzlindernd und anregend auf Blase, Nieren, Galle, Leber und den gesamten Stoffwechsel. Als Schleimlöser soll er zähen Husten, Lungenerkrankungen und Bronchialasthma lindern. Auch als Badezusatz zur Kräftigung von Muskeln und Gelenken und als Mittel gegen Rheuma und Gichtschmerzen fand er Verwendung. Bei Ischias, Neuralgien, Zahnschmerzen und Magenverstimmung soll er mildernd wirken.

Sein deutscher Name weist auf seine wohl größte Stärke hin. Im Altgermanischen stand die Silbe „Gund“ für Eiter oder eiterndes Geschwür. Man behandelte mit dem Gundermann eitrige Wunden und Leiden mit eitrigem Auswurf oder Ausfluss. Noch heute wird er in der Naturheilkunde auf diese Weise angewendet. Immer wenn im Körper durch langwierige Krankheiten Eiter entsteht, dann kann der Gundermann helfen. Die Einnahme von Gundermann als Saft, Tee oder Tinktur soll auch Schwermetalle, vor allem Blei, aus dem Körper leiten.

Wildkrautgarten_Gundermann03In ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Medizin der Erde“ empfiehlt Susanne Fischer den frischen Presssaft zu gleichen Teilen mit Buttermilch vermischt esslöffelweise zur Kräftigung.
Für die äußerliche Anwendung beschreibt Fischer die Herstellung eines wundheilenden Gundermann-Öls mit Hilfe der Sonne. Das Rezept für dieses Wunderblättchenöl verriet ihr ein alter Tiroler. Im Juni oder Juli gesammelte frische, nicht gewaschene Gundermannblätter werden fest in ein Glas gepresst und dieses an einen sonnigen Platz gestellt. Die helle Flüssigkeit, die sich nach einigen Tagen am Boden sammelt, wird vorsichtig abgeseiht und wie die meisten heilkräftigen Tinkturen und Auszüge am besten in einer dunklen Flasche an einem kühlen Ort aufbewahrt. Das so gewonnene Öl soll äußerlich angewendet die Heilung von Wunden, Verbrennungen, Geschwüren und Hauterkrankungen bei Mensch und Tier beschleunigen.

Gut, dass diese heilsame Pflanze so gerne in der Nähe von Menschen wächst. Aber auch für Balkonkästen und Ampeln ist die rankende Pflanze eine dekorative Bepflanzung. Einfach ein paar Triebe sammeln und jeweils mindestens einen Blattansatz mit Erde bedecken. Die Gundelrebe wird ihrem Namen schnell gerecht und treibt bis zu einen Meter lange Ranken, die immer wieder abgeerntet werden können und dann besonders üppig wachsen. Mit etwas Blumendraht gestützt lassen sich die Ranken sogar in Formen binden und bilden so einen ganz besonderen Balkonschmuck. Da der Gundermann mit ein paar Blättern überwintert und im zeitigen Frühjahr wieder austreibt, ist der schmucke Kräutertopf sogar mehrjährig verwendbar.

Beim Sammeln in der freien Natur kann man den Gundermann rein optisch mit der Knoblauchsrauke, der echten Nelkenwurz oder dem Ehrenpreis verwechseln. Die ersten beiden haben im Frühjahr ähnlich geformte Blätter, der Ehrenpreis rankt sich auch am Boden entlang. Obwohl alle essbar sind, bringt eine Geruchsprobe am zerriebenen Blatt schnell Gewissheit, welche Pflanze man vor sich hat. Die weißblühende Knoblauchsrauke riecht nach Knoblauch, Nelkenwurz und Ehrenpreis haben wenig Eigengeruch. Nelkenwurz blüht gelb, Ehrenpreis hellblau. Der Gundermann hat violette Lippen-Blüten, einen vierkantigen, leicht behaarten Stengel und verströmt einen intensiven herb-würzigen Duft, an dem man ihn gut erkennen kann.

Ich wünsche Euch auch eine so innige Beziehung zum Gundermann, wie ich sie habe.
Anbei noch ein paar Rezepte, mit denen Ihr ihn besser kennen lernen könnt. Mehr über Wildkräuter und weitere Rezepte zum Gundermann findet Ihr auf www.wildkrautgarten.de.

Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten

Rezepte mit Gundermann

Exotischer Gundermann-Quark
Eine Handvoll Gundermann und einige Blätter von Schafgarbe, Giersch und Sauerampfer waschen und fein hacken. 250g Magerquark mit 3 EL Milch cremig rühren und mit Salz, Pfeffer und einer Messerspitze Curry abschmecken. Kräuter hinzugeben und durchmischen. Mit ein paar Gundermannblüten dekorieren.

Schokolierte Gundermannblättchen
20-30 mittelgroße Gundermannblättchen mit Stiel waschen und trocken tupfen. 50g Kuvertüre nach Packungsanleitung erwärmen. Blättchen am Stiel anfassen, Kuvertüre mit einem Pinsel auf beide Seiten des Blattes auftragen und zum Trocknen auf Backpapier legen. Anschließend in verschlossenes Gefäß füllen und für mehrere Stunden im Kühlschrank kaltstellen. Zum Naschen oder als hübsche Deko zum Bespiel für einen Gundermannkuchen ( Rezept auf wildkrautgarten.de)

Kräuterlimonade mit Gundermann
15 Stängel Giersch, 2 Stängel Gundermann, 1 Stängel Minze zum Strauß binden und in eine Kanne mit einem Liter Apfelsaft hängen. Für ca. 5-8 Stunden kalt stellen. Vor dem Servieren Kräuter herausnehmen, mit ½ Liter Mineralwasser und dem Saft einer Zitronen auffüllen und mit einer Zitronenscheibe und ein paar Blüten garnieren.

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One Response to Gundermann – die Würze von der Wiese

  1. EuroTanic sagt:

    Wer in der Walpurgisnacht einen Gundelrebenkranz trug (Gundermann oder Gundelrebe ist ein weit verbreitetes Kraut), erkannte angeblich alle Hexen.
    Ich habe am 30. April mit einem Gundelrebenkranz ARD geschaut. Und was soll ich euch sagen. Die Merkel ist aus dem Studio geflogen. 😀

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