Das wundersame chinesische „Wirtschaftswunder“ – Ein kurzer Blick hinter die Kulissen

yuan

Über Chinas Wirtschaftswunder kann man sich aktuell nur wundern. Kontinuierliche Wachstumsraten jenseits der sieben Prozent, stetig wachsender Wohlstand, wachsender Konsum sind die Grundlage für westliche Wirtschaftsträume. Wenn’s sonst nirgendwo läuft, läuft’s wenigstens in China – könnte man meinen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt welches „Wunder“ die chinesische Wirtschaft aktuell wirklich durchläuft.


311 km/h – mit dieser Geschwindigkeit donnert der Schnellzug in dem der Autor dieser Zeilen gerade sitzt, durch die chinesische Provinz Jiangshu. Die in der Rekordzeit von nur zwei Jahren gebaute Strecke führt über rund 300 km von Shanghai über Wuxi nach Nanjing und damit mitten durchs Herz des chinesischen Wirtschaftswunders. Wäre die chinesische Wirtschaft eine Pyramide, stünde der Großraum Shanghai an deren Spitze.

Infrastruktur, Wachstumsraten, Produktion, Steueraufkommen, Bevölkerungswachstum, Frachtabfertigung, Finanzmarkt – Shanghai ist die chinesische Spitze. Kein anderer Wirtschaftsraum, keine andere Stadt oder Region innerhalb der Volksrepublik kann mit Shanghai mithalten. Lediglich das Perlflussdelta im Süden Chinas an der Grenze zu Hongkong und der Raum Peking zeigten in den letzten Jahren und Jahrzehnten ähnlich dynamische Entwicklungen. Diesen Regionen werden jedoch von den Entscheidern im chinesischen Staatsrat (ja, Staatsrat – klingt wie DDR, ist nur viel erfolgreicher) bei weitem nicht derartig als Prestigeobjekt betrachtet wie Shanghai. T-Shirts mit der
Aufschrift „I ♥ Shanghai“ sind vor Ort gerade der letzte Schrei und sowohl chinesische Staatsratsmitglieder als auch westliche Wirtschaftslenker sollten sich ebenfalls solche Shirts überstreifen…

Shanghai dient westlichen Unternehmen gern als Vorbild für scheinbar unendliches Wachstum. Gerade wenn andere Märkte kollabieren und zusammenbrechen wendet sich der Blick auch der deutschen Wirtschaft nach China. 30 Millionen Einwohner in und um Shanghai und 1,3 Milliarden Einwohner in China brauchen dringend westliche Produkte während westliche Unternehmen dringend Wachstum brauchen.

In den letzten 20 Jahren bin ich immer wieder kreuz und quer durch China gereist, hatte eine Vielzahl von Kontakten mit lokalen Unternehmern und staatlichen wie privaten Unternehmen. In den letzten Jahrzehnten wurde ich so Zeuge einer oftmals dynamischen Wirtschaftsentwicklung und in einigen Regionen Chinas eines tatsächlichen Wirtschaftswunders.

Doch was gerade am Zugfenster vorbeischießt spricht eine gänzlich andere Sprache. Neben endlosen Satellitenstädten, Kraftwerken, Schnellstraßen, Obstfeldern und wilden Müllhalden (alle in direkter Nachbarschaft zueinander – Wer isst gern einen chinesischen Apfel?) finden sich riesige Baustellen für Wohngebäude sowie große Industriegebiete. Bemerkenswert ist, dass eine Vielzahl der Baustellen offenbar stillsteht (keine Arbeiter, kein Licht, keine Bewegung der Kräne oder Baumaschinen, keine Materialtransporte – nichts). Weiterhin bemerkenswert ist die Tatsache, dass sehr viele der Industriehallen offenbar leer stehen oder dort sehr wenig Betrieb ist (leere Parkplätze, kein Licht, keine sichtbaren Maschinen, wenig bis keine LKW Bewegungen auf den Zufahrtsstraßen und anschließenden Schnellstraßen). Zudem in den vom mir unlängst besuchten Häfen von Shanghai, Dalian und Hongkong eine wachsende Flotte von hoch im Wasser liegenden (und damit leer auf Fracht wartenden) Frachtschiffen liegt – ein ähnliches Bild wie bereits 2008 und 2009.

Sicherlich können dies alles Einzelfälle sein und vielleicht habe ich ja einfach nur einen schlechten Zeitraum für meinen Aufenthalt erwischt. Doch eine Reihe von aussagekräftigen Indikatoren scheinen zu bestätigen, was meine Vorortbetrachtung bereits vermuten lässt: Es existiert ein himmelweiter Unterschied zwischen den offiziellen chinesischen Wachstumsraten und der chinesischen Wirtschaftsleistung. China wächst wohl bei weitem nichtmehr so dynamisch wie gedacht.

Allein wer seinen Blick auf die Kupferimporte oder den Energieverbrauch richtet, wundert sich über China und seine Wirtschaftswachstum – wobei wir beim „Wirtschaftswunder“ wären. Da man jedoch sowohl Strom als auch Kupfer durchaus zwingend in vielen Industrien für Produktionsprozesse benötigt, sprechen diese Indikatoren wohl für sich – und gegen Wachstum in China.

Das wundersame chinesischen Wirtschaftswunder..._page4_image2(Quelle: http://www.usfunds.com/media/images/frank-talk-images/2013_ft/FT_Jan-Jun/copperimports-into-china-2-14-13.gif)

Das wundersame chinesischen Wirtschaftswunder..._page4_image3 (Quelle :
http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user5/imageroot/2013/05/China%20power_0.jpg)

Wer anschließend noch mit offenen Augen durch Peking, Shanghai, Chengdu, Xian oder Wuhan geht, wird eine weitere interessante Entwicklung feststellen. Die Landflucht aus den Westprovinzen in die Ballungszentren und Küstenregierung wird in China zu einem exorbitant wachsenden Problem, dass dies bereits zu Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung geführt hat. Gerade niedrigbezahlte Aufgaben (ja, die gibt es wirklich im Billiglohnland China) wie Taxifahrer, Kellner, Reinigungskräfte, Müllarbeiter werden gern durch schlecht bis nicht ausgebildete Landflüchtlinge erledigt. Dabei tut sich innerhalb Chinas zunehmend ein Wohlstandsgefälle auf. Die traditionell verarmten westlichen Provinzen entvölkern sich zusehends, während die Ballungszentren aufgrund des enormen Zustroms von Menschen zu kollabieren drohen. Wer in Peking auf dem dritten, vierten oder fünften Autobahnring einmal vier Stunden im permanenten Dauerstau stand und anschließend eine Fahrstrecke von lediglich 400 m zurückgelegt hat, weiß dass man besser zu Fuß geht. Dies stellt die chinesische Regierung vor gigantische Probleme, da es gilt den scheinbar unendlichen Strom von Landarbeitern zu kanalisieren ohne, dass es zu Protesten und Ausschreitungen kommt oder sich das Potential an billigen Arbeitskräften erschöpft. Peking ist hier in einer Zwickmühle. Wer sollen also die Chinesen sein, die unsere teuren Autos kaufen? Die ärmliche Putzfrau die von drei Euro an Tag leben muss, oder der Multimillionär der sich den Mercedes zwar leicht leisten kann, ihn aber anschließend im totalen Stau abstellen muss…

Über das chinesische Wirtschaftswunder kann man sich also bei genauer Betrachtung aktuell wirklich nur wundern. Wer dabei glaubt, dass die chinesische Dampflok alle aus der Patsche ziehen wird, wird wohl bald feststellen, dass auch der chinesische Schnellzug im nächsten Bahnhof abbremst.

The German Perspective


12 Responses to Das wundersame chinesische „Wirtschaftswunder“ – Ein kurzer Blick hinter die Kulissen

  1. EuroTanic sagt:

    In unserem Wachtumsdogma System, in West wie Ost gibt es keinen Wohlstand für alle. Denn es ist ein Nullsummenspiel. Keine Gewinner ohne Verlierer. Kein Reichtum ohne Armut. Da kann man die sogenannten Fortschritte oder Erfolge noch so feiern. So wie jetzt gehen immer auf Kosten anderer Menschen, der Flora und Fauna.

  2. Evey sagt:

    Da fragt man sich doch, welches politische System haben die Chinesen zur Zeit wirklich? Das frage ich mich immer wieder, wenn ich Berichte von dort sehe. Das ist kein Sozialismus und schon gar kein Kommunismus. Wohl eher so eine Art kapitalistische Diktatur unter roter Flagge. Warscheinlich probieren die gerade eine Mix aus allem aus. Das das auch keine Zukunft hat, sieht man ja nun.

    Danke für den tollen unzensierten Bericht aus China.

  3. rumblepad sagt:

    50-60% Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland.
    Also ich kann die immerwiederkehrenden Chinakritischen Artikel hier nicht so ganz verstehen. Über 7% Wachstum sind nun mal eine positive Tatsache. Das das bei einem Riesenreich wie China nicht unproblematisch ist erscheint doch klar. Gäbe es nicht interesantere Artikel als alle 3 Monate über eine Blase oder ähnliches in China zu berichten??
    Die Spanier und Griechen jedenfals würden sich freuen.

  4. Tester sagt:

    Das ist mit Abstand der dümmste „Artikel“ der auf dieser Seite jemals veröffentlicht wurde.

  5. Evey sagt:

    Weil?

  6. zeitzeuge sagt:

    Wachstum ist nicht per se positiv.
    Wachstum ist genau das, was uns in die Situation, wie wir sie jetzt erleben, geführt hat.

    In einem System mit beschränkten Ressourcen kann es kein ewiges Wachstum geben.

    Irgendwann basiert Wachstum nur noch auf Verdrängung!

  7. ontherock sagt:

    Wie wäre es mit Substanz!?

    caw

  8. steinmetz sagt:

    Zumal der Artikel sich auf den Import von Kupfer beruft.
    China verfügt selbst über riesige Kupfervorkommen und steht Weltweit an 5. Stelle (2008)
    Bei der Hüttenproduktion sogar an erster Stelle.
    siehe hier :.wikipedia.org/wiki/Kupfer/Tabellen_und_Grafiken

    Gruß Steinmetz

  9. Tester sagt:

    Weil keinerlei echten Inhalt, nur sinnfreie Hetze.

  10. chris321 sagt:

    >> Sicherlich können dies alles Einzelfälle sein und vielleicht habe ich ja einfach nur einen schlechten Zeitraum für meinen Aufenthalt erwischt.

    Also in dem Punkt will ich den Autor in Schutz nehmen, mir ist das auch in China aufgefallen!

    Man kann China schlechtreden wobei ich den Artikel des Autors eher als „ein Überlegen“ bzw. „ein Beobachter“ verstanden habe. Er sieht etwas wie ich auch, ist aber deswegen kein Fachmann der gleich weiss WARUM er das alles so beobachtet. Er versucht sich darauf einen Reim zu machen und das muss keineswegs der Meinung eines Wirtschaftsprofils oder der Meinung des Nachbarn’s entsprechen. Er sagt nur, was er gesehen hat und was er daraus meint heraus zu lesen.

    Aus meiner Sicht, lobenswert! Es ist genau der Mut der vielen hier fehlt mal offen zu sagen: Gestern habe ich dies und das gesehen, das fand ich komisch, ich habe das so und so interpretiert, wie seht Ihr das?

    Warum muss alles perfekt sein, warum muss jeder Autor den ultimativen Beweis vom Beweis oder den ultimativen wissenschaftlichen Hype abliefern? Nein, muss er in den alternativen Medien nicht!!!

    Ich will sagen: Ich bin stolz darauf dass wir uns in diesem Punkt von den sog. QUALITÄTS-Medien (also den gesteuerten Konzern- und Politmedien) unterscheiden, denn Qualität kann auch ausgrenzend sein. Es kann z.B. so Leute wie diesen Autor einfach ausschliessen.

    Und ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Leser hier diesem Qualitäts-Clan angehören wollen. Also, dann steht auch bitte dazu!!!

    Dem Autor kann ich nur sagen: Ich höre mir gerne an was Du so alles vor Ort erlebt hast, denn wir als alternative Medien / Leserschaft leben nicht davon dass wir die Stange weiss Gott wie hoch setzen, sondern dass wir diesen Gefühlen und Eindrücken freien Raum schenken.

    Wenn ich hier jedem sein Wort auf die Waage legen würde, was wäre das dann? Unerträglich! Eigentlich ist doch das tolle an den alternativen Medien dass Ihr NOCH (solange Ihr die Zertifikate verweigert!) frei raus sagen könnt, was Ihr denkt und wie Ihr die Lage seht, jeder für sich kann es „der grossen weiten Welt“ sagen. Es ist da nicht der Diktator im Hintergrund der Dir ständig sagt was Du sagen darfst und was nicht. Das ist doch das tolle und gerade bei IKN besonders hervorzuheben. Jens sperrt eigentlich kaum einen Kommentar aus, da muss man es schon schwer bringen, dass man ausgesperrt wird (meine Meinung!).

  11. Tester sagt:

    Darum geht es doch gar nicht. Dass in China zur Zeit weniger los ist, ist selbsterklärend – der ganze westen ist pleite und kauft immer weniger Zeug. Da muss man keinen Wirtschaftsnobelpreis haben.

    Allerdings arbeiten sie an ganz neuen Märkten (erschließung von Sibirien z.B., wo diverse Verträge bereits stehen) und kaufen gerade halb USA auf. Sogar Sonderwirtschaftszonen sind bereits geplant.

    Ob das alles ausreicht, kann noch keiner sagen, aber der Artikel ist einfach nur lächerlich und völlige Verdrehung von Ursache und Wirkung.

  12. bavaria.charly sagt:

    Die oberflächliche Beobachtung im Artikel ist nicht falsch, doch die daraus gezogenen Schlußfolgerungen völlig und ausnahmslos „daneben“.
    So wie die chinesische Sprache nicht wie bei westlichen Sprachen wörtlich übersetzbar ist, so ist die chinesische Mentalität erst nach längerem Beobachten in China sichtbar und noch viel später nachvollziehbar. Auch das politische wie wirtschaftliche Gefüge ist komplett anders als westliche Systeme und daher sicher nicht „im vorbeifahren“ zu verstehen.
    Ich selbst beschäftige mich seit etwa 30 Jahren mit China, arbeite mit Chinesen und bin oft im Lande.
    Hier noch ein paar kurze direkte Anmerkungen:
    – wichtiger Leitfaden der wirtschaftlichen chinesischen Ziele ist der aktuelle 5-Jahres-Plan, der zwingende Zielvorstellung des Landes ist. Wenn man also wissen will, was China 2011-2015 plant und weiter bis 2020 skizziert, dann bitte dort lesen. Beispiel: China will bis 2020 größter Produzent weltweit von Elektrofahrzeugen sein mit Stückpreisen von etwa 3.000 Euro.
    China zahlt steigende Löhne, sucht den Binnenmarkt zu entwickeln. Bei 1,4 Milliarden immer kaufkräftigeren Chinesen brauchen die immer weniger weitgehend arme 300 Millionen Europäer oder ebensolche 300 Millionen weitgehend arme Amerikaner als Absatzmarkt.
    Um 1,4 Milliarden asiatische Menschen zu führen, muß die Lenkung sehr viel direkter sein als im Westen, diktatorischer. Das ist für uns ungewohnt.
    Dank Frau Merkel haben wir einen fast vergleichbaren Sozialismus-Kommunismus wie in China.

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