Schlafwandelnd in die Zensur: Wenn Pornofilter nicht nur Pornos filtern

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Die sogenannte „Pornwall“ des britischen Premierministers David Cameron hat natürlich wieder viel mehr zu bieten, als auf der Verpackung zu lesen steht. Für große Teile der Bevölkerung jedoch ist es mittlerweile eine plausible Erklärung für „Netzfilter“. Auch in Deutschland hatten wir diese Diskussion ja bereits bis zum Erbrechen. Die Netzfilter dürften ein wichtiger Baustein des kommenden „Intranets“ werden, wo das heutige Netz dann als „Darknet der Subkulturen“ abseits der allgemeinen Wahrnehmung existieren wird. Bereits jetzt ist klar, der Filter wird auch bei politischen Webseiten und sogar esoterischen Angeboten sein Werk verrichten.


Ist es nicht absurd, dass man trotz „Tempora“ nicht die Verantwortlichen festmacht, sondern „Sperren“ bei den Internetprovidern einbauen will? Das ist Teil eines wirklich perversen und totalitären Systems. Die Bürgerrechtsorganisation „Open Rights Group“ hat bei einigen Internet Serviceprovidern (ISP) nachgefragt und kommt zu einem völlig anderen Ergebnis, als in der Öffentlichkeit kolportiert.

„Wie wir immer wieder sagten, es geht nicht nur um Hardchore-Pornografie“, steht auf der Webseite zu lesen. Dort sind dann einige Konfigurationen von „Internetsperren“ abgebildet, die „noch“ frei wählbar sind.

Unter anderem:

  • Pornography
  • Gewaltdarstellungen
  • Extremistische und terroristische Inhalte
  • Magersucht und Essstörungen
  • Webseiten zum Thema Selbstmord
  • Alkohol
  • Rauchen
  • Internetforen
  • Esoterisches Material
  • Tools zum Umgehen von Websperren (A.d.R. Anonymisierungsdienste)

Großzügig steht darunter zu lesen: „Sie können die Optionen jederzeit zurücksetzen.“

Die Open Rights Group schreibt dazu:

Was hier klar wird, David Cameron möchte, dass die Menschen schlafwandelnd in die Zensur laufen.
[…]
Die Botschaft lautet, dass Filter gut sind, sogar harmlos, für Jedermann – ob Erwachsener oder Kind. Das ist mit Sicherheit nicht wahr.[1]

Fazit: Ein Webfilter basierend auf den Internet Service Providern dürfte für den Großteil der Menschen nicht zu umgehen sein. Es gehört ein gutes Maß an Kenntnissen dazu, wenn bereits Anonymisierungsdienste geblockt werden. Speziell England mit seinen erheblichen Möglichkeiten der Überwachung wäre im Handumdrehen in der Lage, entsprechende Hintermänner von Webseiten zu fassen. Wer daheim die Kinder schützen möchte, sollte vor allem ein Auge auf die Kinder haben. Es gibt ausreichend Tools, die bereits in die Router/Modems eingebaut sind oder auch für die lokale Installation. Es geht bei weitem nicht darum, Kinder vor Pornografie zu schützen, es ist einer der Schritte, ein neues Internet – eigentlich ein Intranet – zu schaffen. Menschen werden nicht mehr sehen, was sie nicht sehen sollen. 

Carpe diem

[1] https://www.openrightsgroup.org/blog/2013/sleepwalking-into-censorship


2 Responses to Schlafwandelnd in die Zensur: Wenn Pornofilter nicht nur Pornos filtern

  1. Felix sagt:

    auf bild.de: Porno Ring-105 Kinder befreit.
    Seit 2003 sind in den USA 2200 Kinder aus organisiertem Kindermißbrauch gerettet worden.
    Hört man solche Meldungen mal bei uns?
    Wenn man die Zahl auf die Einwohnerzahl von Deutscland runterbricht, dann müssten in D seit 2003 516 Kinder aus organisiertem Kinder-Porno Ringen befreit worden sein.
    Da diese Aktionen nicht gemeldet werden sind diese 516 Kinder rechnerisch in Deutschland gerade noch in den Kerkern und werden laufend mißbraucht. Man lässt sie da einfach.
    http://www.bild.de/news/ausland/kindesmissbrauch/fbi-sprengt-kinderporno-ring-31583170.bild.html

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