Die Wellmann Kolumne: Neurochirurgische Erkenntnisse

Einzelzimmer

Als ich vor fast genau 23 Jahren zum zweiten Mal in die Neurochirurgische Abteilung des Berliner Virchow-Krankenhauses ging, war ich schon ein Profi darin auf Intensivstationen aufzuwachen und mich zu fragen, wie ich dort hingekommen war. Diesmal sollte alles in vollem Bewusstsein und sozusagen freiwillig geschehen, denn ich hatte lange drum kämpfen müssen, die weißen Götter davon zu überzeugen, dass es eine weitere OP benötigte um mein Leben zu retten. Wie immer wollten die alles besser wissen und erst eine weitere Röntgenaufnahme konnte sie überzeugen. Trotzdem hatte ich damals das Gefühl noch als Mensch angesehen zu werden. Als ich letzten Montag wieder auf dem OP Tisch lag, war ich nichts als ein Stück Fleisch, aus dem man Gewinn machen kann.

Gut, wahrscheinlich war es auch vor 23 Jahren nicht anders, aber man merkte es einfach noch nicht so. Das Krankenpersonal war noch nicht ganz so unterbezahlt und komplett überfordert und ich verbrachte noch glatte 14 Tage auf der  Station, bevor ich operiert wurde. Heute kann ich wohl froh sein, dass man mich nicht gleich nach der OP wieder auf die Strasse zurück schob, weil mein Bett schon mit dem nächsten Patienten, der jetzt nur noch Kunde heißt, belegt wurde.

Da es mir zur Zeit noch ziemlich schwer fällt aufzustehen und zu schreiben, möchte ich euch heute eine Geschichte präsentieren, die ich damals, kurz nach meiner Entlassung schrieb. Ich war noch nicht Kabarettist von Beruf, sondern Erzieher, aber trotzdem schon fast 10 Jahre auf der Bühne und wenn ich die folgende Nummer aufführte, hielten es alle noch für eine maßlos übertriebene Angelegenheit, für einen Witz, der mit der Realität nichts zu tun hat. Nur ich wusste, wieviel Wahrheit da wirklich dahinter steckte.

Heute weiß das eigentlich jeder , der mal im Krankenhaus war und so mancher Lacher bleibt im Halse stecken, wenn ich die kleine Geschichte heute erzähle. Deshalb lest sie gaaaanz langsam.

Virchow

Als ich die Augen aufschlug, war es noch dunkel draußen. Im ersten Moment wusste ich nicht, wo ich bin. Doch dann hörte ich die widerwärtigen Geräusche, die man nur mit größter humanitärer Hingabe als Schnarchen bezeichnen konnte und mir wurde klar, Berlin Virchow Krankenhaus, Neurochirurgie, Zimmer 13, belegt mit acht Männern. Die Türe flog auf und Oberschwester Anneliese schleuderte mit der Grazie eines Schützenpanzers durch den Raum. In ihrer ganz eigenen, liebevollen Art begrüßte sie mich: „Morjen Wellmann, heute schon Stuhlgang gehabt?“

Sie riss alle Fenster auf und mir die Bettdecke vom Leib, was mich, angesichts der 5 Grad Minus draußen, nicht nur zu einem krampfartigen Kälteschock, sondern im Geist in meine Kindheit führte, in der meine Mutter dieselbe Aktion jeden Morgen nur noch damit krönte, das Radio volle Granate aufzudrehen. Ich wusste noch nicht genau, wie Oberschwester Anneliese sterben sollte, auf jeden Fall langsam.

Noch 2 Stunden bis zum Frühstück. Manchmal beneidete ich Herrn Breemaier, der neben mir tapfer im Koma lag, darum, dass er künstlich ernährt wurde. Die Bemühungen seiner Mutter, die zwei Zimmer weiter lag, die Stationsleitung davon zu überzeugen, dass ihr Sohn ihr eigentlich nur ein Kofferradio vorbei bringen wollte, schlugen bis jetzt fehl. Doch die Regeln sind streng bei uns und wer außerhalb der Besuchszeit auf dem Gang erwischt wurde, der musste mit Konsequenzen rechnen. Aber dafür musste er auch nicht auf´s Frühstück warten.

Vor Kurzem bin ich auch zum Sprecher unseres Acht Bett Zimmers gewählt worden. Fast einstimmig. Breemaier mussten wir als Enthaltung zählen. Wenn man so im Koma liegt, ist man auch immer irgendwie außen vor. Aber als wir dann abends meine Wahl gefeiert haben, haben wir ihm einen Kurzen mit in die Infusions-Lösung gegeben. So tanzte wenigstens der Pegel der Herz-Lungenmaschine.

Um die Zeit bis zum Frühstück ein wenig zu verkürzen, ging ich in den Fernsehraum, der um diese Zeit schon voll besetzt und so verqualmt war, dass man den Fernseher nur hören konnte. Ich griff mir die Zeitschrift, die die lesbische Schwesternschülerin immer liegen ließ. Ich persönlich fand den Titel „Schwanz ab“ für eine Illustrierte etwas unpassend, obwohl er zumindest für einen gewissen Stil stand.

„Sex schützt vor Grippe“ stand da. Ein Artikel darunter stand aber, dass Grippe vor Krebs schützt und noch einen drunter, das Fahrrad fahren, Männer mittleren Alters impotent machen kann. Ich war verwirrt. Wenn ich also Fahrrad fahre, werde ich impotent, habe keinen Sex, kriege ´ne Grippe, aber keinen Krebs. Wenn ich kein Fahrrad fahre, kann ich Sex haben, sterbe aber vielleicht an Krebs. Und wenn die Forscher sich geirrt haben, werde ich impotent,, habe keinen Sex, kriege eine Grippe, bekomme dann noch Krebs und kann sowieso kein Fahrrad mehr fahren. So langsam verstand ich, warum die Zeitschrift ihren Namen trug.

Vom Fernseher hörte man die Nachrichten. Verspätungen bei der Bahn nehmen drastisch zu. „Selbstmörder beim Warten auf den Schienen eines natürlich Todes gestorben.“ Ich blätterte noch ein wenig in der „Schwanz ab“, als endlich der Frühstückswagen aus dem Fahrstuhl rollte. Wenn das Essen im Krankenhaus dann endlich mal kam, fragte man sich immer, worauf man eigentlich die ganze Zeit gewartet hatte. Und man fragte sich, wie konnte man alles nur soweit kommen lassen.


10 Responses to Die Wellmann Kolumne: Neurochirurgische Erkenntnisse

  1. Irmonen sagt:

    was soll diesser wirklich überflüssige Quatsch hier auf IKN???????

  2. Kuestennebel sagt:

    Arzt zum Patienten: „Sie haben eine schwere, unheilbare Krankheit. Ich werde Ihne ein Moorbad verschreiben.“
    Fragt der Patient: „Hilft das denn?“
    Antwortet der Arzt: „Das nicht, aber Sie können sich schonmal daran gewöhnen, wie sich die feuchte Erde anfühlt.“

  3. fx_borg sagt:

    Stimmt zum lachen gehen wir ab jetzt in den Keller.

    PS:Satzzeichen sind keine Rudeltiere

    MFG
    Borch

  4. Wellmann sagt:

    Bitte vielmals um Verzeihung, eure elitäre Runde mit meinem unsinnigen Quatsch verdorben zu haben. Ich habe meine Kündigung grad abgegeben, so dass eure erlauchten Augen so was nicht mehr sehen müssen. Wie konnte ich auch so dumm sein, mich mitten in der Nacht aus meinem Krankenbett zu erheben und zu glauben, meiner zugesagten Pflicht nachzukommen wäre dabei von Belang. Gleich so unhöflich zu sein, zeugt zwar von einer inneren Erbärmlichkeit, mit der ich sonst Mitleid hätte, aber dazu fehlt mir gerade mal die Kraft.
    Und so Satzzeichenklugs …, oh nein, verzeihung, da kommt, jetzt, wohl mein Herkunft,wie:der hervor.
    Nochmal meine untertänigste Entschuldigung für diesen Angriff auf euer geschultes Gehirn, meine erlauchten Herren und Damen. War nett …

  5. Arne Will sagt:

    Schade, dass einige meinen, alles und jeden zerreden zu müssen. Naja, dann werde ich es eben auf Wellmanns Seite lesen.
    Ein Wort noch an den Oliver Wellmann: Ich fände es schade, wenn du wegen eines schlechten Kommentars hier aufgibst. Der Kommentar von fx_borg war eher zu deiner Verteidigung. Im Speziellen meinte er wohl die vielen Fragezeichen hinter irmonems geistiger Notdurft.

  6. Irmonen sagt:

    …Dünnschiss!(einmal bitte sehr)… bei so viel Dünnbier….

  7. Arne Will sagt:

    Das macht deinen Kommentar oben nicht besser….ach, was rege ich mich überhaupt auf.

  8. Maja sagt:

    Den Humor muss man mögen, haben und verstehen. Ist aber leider nicht jedem gegeben. Freue mich schon auf die Fortsetzung. Wenn ich im Krankenhaus liegen müsste, hätte ich Dich gern in meinem Zimmer 😉 Gute Besserung!

  9. Seb sagt:

    Soviel Dünnhäutigkeit hätte ich einem Glossenschreiber gar nicht zugetraut. Ich würde mich von einem blöden Kommentar nicht runterziehen lassen, dürfte doch nicht das erste Mal sein, dass Du mit einem deiner Texte irgendwelche negativen Reaktionen hervorrufst?!

    Ich persönlich fand/finde deine Kolumnen hier bei IKN zur Auflockerung immer ganz schön, aber wer gleich aus der Küche rennt, nur weil sich ein Gast über vermeintlich lauwarmes Essen beschwert, hätte selbige gar nicht erst betreten sollen.

    Just my 2 cent…

  10. fx_borg sagt:

    „Der Kommentar von fx_borg war eher zu deiner Verteidigung. Im Speziellen meinte er wohl die vielen Fragezeichen hinter irmonems geistiger Notdurft.“

    Genau so war es gemeint 😉

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