Silber: Kommt bald der Ausbruch?

silber_wiener

Bereits vor einigen Wochen schrieb ich einen Artikel, worin ich auf die Möglichkeit eines Ausbruchs beim Silber hingewiesen habe. Seitdem ist der Preis zwar um fast 20 Prozent gestiegen, aber das ist bei Weitem nicht der Ausbruch, von dem ich sprach. Wirft man den Blick auf einige Hardfacts, ist der Aufwärtsdruck immens. Entscheidend ist die Frage, ob der Ausbruch gelingt oder es bald für die aktuellen Kurse einfach kein Metall mehr zu kaufen gibt. Wir wollen uns einige Daten ansehen und mit der Realität vergleichen.


Ein sehr wichtiger Faktor ist das Gold – Silber Ratio, sprich: wie viele Unzen Silber braucht man für eine Unze Gold. Ein weiterer Faktor sind die Produktionskosten und wir wollen nicht die „all in costs“ als Berechnungsgrundlage nehmen. Bei Gold lässt es sich besser berechnen, da Silber in vielen Bereichen als „Abfallprodukt“ in der Produktion anfällt.

In meinem Artikel „Goldpreis: Wie hoch sind die Produktionskosten?“ bin ich auf die Kosten eingegangen und nach meinen Recherchen ist ein Produktionspreis von etwas unter 1000$ korrekt. Sicher gibt es Minen, die günstiger fördern können aufgrund hoher Konzentrationen je Tonne Gestein, aber es gibt auch einige, die eben teurer fördern.

Nehmen wir nun diese ~ 1000$ als Mittelwert an und vergleichen es mit dem Ratio.

Quelle: AG-Edelmetalle

Quelle: AG-Edelmetalle

Die natürlichen Vorkommen von Silber zu Gold in der Erdkruste wird mit etwa 15/1 angegeben. Dieser Hintergrund erklärt dann auch gut, warum das historische Mittel sich bei einem Ratio von 15 bewegt. Es gab zwischenzeitlich immer Extreme, die sich zwischen 1:10 und 1:100 bewegten. Der aktuelle Wert liegt bei 58, was immerhin in der oberen Hälfte liegt.

Der Schlusskurs von Gold lag gestern bei 1397 $, der von Silber bei 24,04 $. Selbst wenn Gold bis auf die Produktionskosten fallen würde, wäre das Ratio noch bei 41.
Betrachten wir es nun einmal vor dem Hintergrund, dass Silber im Gegensatz zu Gold einem hohen industriellem Verbrauch unterliegt. Würde man das historische Ratio zugrunde legen, müsste der Silberpreis aktuell bei etwa 93$ notieren. Selbst wenn Gold bis auf die Produktionskosten fallen würde, hätte man noch einen Silberpreis bei über 60$. Bis dorthin ist noch reichlich Luft.

Die Explorer hatten mit Absicherungen den Abwärtsdruck noch verschärft, allerdings werden diese Positionen bei steigenden Preisen wieder aufgelöst. Das wird den Aufwärtsdruck abermals in Schwung bringen. An den Terminmärkten gibt es etliche Teilnehmer, die stark gehebelt arbeiten und spätestens wenn der gefürchtete „Margin-Call“ folgt, werden einige die Positionen schließen (müssen).

Wenn es soweit kommt, könnte der Ausbruch fulminant werden und die 50$ Marke im Sprint erklommen werden. Es gibt an den Märkten gewaltige Kräfte, die sich gegen einen Anstieg der Edelmetallpreise stemmen, daher darf man nicht von einer Einbahnstraße ausgehen. Was Gold angeht, muss man allerdings unbedingt China im Auge behalten.

Als die Hong Kong Metal Exchange (HKMEx) bekannt gab, den Terminhandel mit Gold und Silber einzustellen und bestehende Kontrakte mit Cash auszugleichen, war das Erstaunen groß. Etliche Marktbeobachter gehen davon aus, dass China im sehr großen Stil Gold sozusagen OTC kauft, um einen mit Gold gedeckten Yuan einzuführen. Einige Hochrechnungen legen die Möglichkeit nahe, dass China mittlerweile mindestens die zweitgrößten Goldreserven der Welt besitzt. Offiziell sind es nur ~ 1000 Tonnen, an diese Zahl glaubt jedoch niemand so recht.

Was auf der einen Seite eine Art „Sicherheit“ ist, birgt auf der anderen Seite auch die größten Gefahren. Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass direkt, als Edward Snowden in Hong Kong war, der chinesische Interbankenmarkt kollabierte.
In etlichen Artikeln bin ich auf die Verstrickungen der angelsächsischen Banken im chinesischen Kreditsektor eingegangen. Man hat dort jeder Zeit den Finger am Abzug. Sollte der Stöpsel gezogen werden, wäre ein deflationärer Crash von unglaublichem Ausmaß die Folge. Kurz nachdem Snowden nach Russland ausgeflogen war, beruhigte sich der Interbankenmarkt in China wie von Geisterhand. Das alles kann natürlich auch einfach ein Zufall sein.

Im Hinblick auf die aktuelle Situation halte ich einen weiteren Ausbruch beim Silber für wahrscheinlich. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte immer ein paar Optionen zur Sicherung des Preises in den Schrank legen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 3-5% des Investments, mit Blick auf die wahrscheinliche Entwicklung also zu vernachlässigen. Wie immer stellt der Artikel nur meine Ansicht dar und keine Kaufempfehlung.

Carpe diem


6 Responses to Silber: Kommt bald der Ausbruch?

  1. Jens Blecker sagt:

    Auch interessant in dem Zusammenhang:

    Historischer Wandel am Goldmarkt im Gange – Gold Miners Weekly

    Backwardation am Futures-Markt

    Beginnen wir unsere Bestandsaufnahme mit dem überaus seltenen Umstand der Gold-Backwardation am Futures-Markt. Backwardation bedeutet schlicht und ergreifend, dass der Spotpreis für physisches Gold höher ausfällt als der Preis des nächsten Futures-Kontraktes. Dies impliziert, dass die Nachfrage nach physischer Auslieferung am gleichen Tag die Nachfrage nach einem Futures-Papierversprechen auf spätere Auslieferung übersteigt.

    Wäre dies nicht der Fall, so würden Marktteilnehmer ihr Gold mit Freude heute zu einem höheren Preis verkaufen, um es sofort wieder zu einem niedrigeren Preis, dafür aber mit zukünftiger Auslieferung, zurückkaufen. Daher ist die Folgerung plausibel, dass Backwardation das Misstrauen gegenüber dem Papierversprechen auf eine zukünftige Auslieferung widerspiegelt.

    In der jüngsten Geschichte befand sich Gold lediglich zweimal in signifikanter Backwardation – im Jahr 1999 und im Jahr 2008. Doch beide Male dauerte der Zustand nur einige wenige Tage an, angesichts des schnellen Gewinns, der durch die Arbitrage-Gelegenheit entstand, die mit der Backwardation einherging.

    Der auf dem Goldmarkt angesehenen Autorität James Turk zufolge rutschte Gold am 8. Juli in Backwardation. Das bedeutet, dass sich Gold seit bemerkenswerten 35 Tagen in diesem seltenen Marktzustand befindet, und dass die Marktteilnehmer es im Moment vorziehen, noch heute physisches Gold zu besitzen, als lediglich ein Versprechen auf dem Papier.

    http://www.goldseiten.de/artikel/180533–RJ-Wilcox~-Historischer-Wandel-am-Goldmarkt-im-Gange—Gold-Miners-Weekly.html

  2. dirk sagt:

    hoffentlich nicht zu bald – Weihnachtsgeld steht erst noch vor der Türe^^

  3. NeueZukunft sagt:

    Auch wenns auf den internationalen Markt wahrscheinlich nur geringen Einfluss nehmen wird:
    Die Mehrwertsteuererhöhung ist ja schon länger geplant gewesen. Aber so wie es ausschaut kommt sie für 2014 dann wirklich für Deutschland.

    http://www.focus.de/finanzen/boerse/steuererhoehung-bei-silbermuenzen-achtung-sparer-jetzt-macht-der-staat-das-silber-teurer_aid_1014901.html

    Ich denk auch, dass da die Nachfrage in 2013 noch steigen wird.

  4. anarruko sagt:

    jens, erklär mir bitte warum vor 10 jahren der goldpreis bei ca.400 usd lag?

    vor 6 jahren bei ca.650 usd lag?
    denkst du wirklich damals war die produktion günstiger?
    oder sind es einfach märchengeschichten von wegen teuer der abbau….

    seit anfang 80er jahre bis 2006 war der goldpreis immer gleich unter 500 usd
    was passiert die letzten 7 jahre, diese ganzen hoch und tief´s, das ist alles ein spiel.
    das ist meine meinung.

    und gold löst sich nicht einfach auf, die menschen tragen es als schmuck, wenn´se geld brauchen verkaufen sie es!

    irgendwas ist faul…..

  5. Jens Blecker sagt:

    Der Gehalt pro Tonne sinkt immer weiter, die Preise für Energie und Treibstoffe, Maschinen etc. steigen. Der Aufwand wird immer höher und damit sind die steigenden Preise durchaus zu erklären.

  6. anarruko sagt:

    ja für den normalsterblichen steigen die energie preise.

    aber für unternehmen in gebieten wo das gold abgebaut wird.
    sind die preise für treibstoffe und maschinen immernoch gleich billig wie vor 20 jahren!

    ob der gehalt pro tonne sinkt kann man streiten.

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