Indien startet Konjunkturprogramm: Die Angst vor den hungernden Bürgern

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Nach China ist Indien das Land mit der größten Bevölkerung der Erde. Seit 2003 hat sich das Bruttoinlandsprodukt fast vervierfacht und doch herrscht überwiegend Armut. Mit aktuell geschätzten 2,1 Billionen US$ und einer Bevölkerung von 1,22 Milliarden Menschen eben doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zu marode ist die Infrastruktur, zu wackelig der Aufschwung. Die Regierung hat nun eine Lebensmittelhilfe von 20 Milliarden Dollar beschlossen, um die Preise für die Grundnahrungsmittel zu senken. Immerhin 16 Dollar je Einwohner.


Besonders im Zuge der sich verschärfenden Krise entdeckten viele Indien als intellektuelle Werkbank des Westens. Wer nicht an der Sprachbarriere scheiterte, konnte relativ preiswert auf die Dienstleistungen zurückgreifen. Mittlerweile kommt die Lokomotive jedoch ins Stocken und der Staat greift helfend ein. Neben der Lebensmittelhilfe von 20 Milliarden Dollar wird noch ein Konjunkturprogramm in Höhe von 30 Milliarden gestartet, damit sollen wichtige Projekte der Infrastruktur wiederbelebt werden.

Im Zuge der Rettungsmaßnahmen klingen 50 Milliarden Dollar zunächst nicht viel, für Indien jedoch ist es ein gewaltiger Schritt. Zum Vergleich: Deutschland hatte mit dem Konjunkturpaket II 50 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Die Rupie hat nach der Ankündigung etwas gelitten, was dem importstarken Indien nicht unbedingt gefallen dürfte. Nach den USA (-487 mrd.$) hat Indien immerhin das zweitgrößte Handelsbilanzdefizit der Welt. Letztes Jahr betrug es 80 Milliarden Dollar.

Der Regierung dürfte die Hungerrevolte von 2007 noch recht gut im Gedächtnis liegen, damals waren aufgrund von Nahrungsmittelspekulationen die Preise der Grundnahrungsmittel explodiert. Experten sahen damals den Streit zwischen China und den USA wegen der expansiven Geldpolitik als Grund dafür.

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Ob und wie lange die 20 Milliarden Dollar reichen werden, um die fast 70 % der völlig verarmten Inder mit subventioniertem Reis und Weizen zu versorgen, wird sich zeigen. Zumindest hat die Regierung die drohende Gefahr erkannt und versucht, entgegenzusteuern.

Die strukturellen Probleme in Indien werden sich auch mit den 30 Milliarden des Konjunkturpaketes nicht beseitigen lassen, daher dürfte der Aufschwung in Indien weiter an Fahrt verlieren.

Carpe diem

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