Griechenland: Der plündernde Mob drängt auf Privatisierung

Druck

Die wirtschaftliche und soziale Lage in Griechenland verschärft sich – wie erwartet – zusehends. Bisher hat sich die Griechische Regierung jedoch nicht ausreichend bewegt, um das Tafelsilber zur Plünderung freizugeben – ganz zum Ärger der Troika. Dem will man nun entgegenwirken und drängt auf eine beschleunigte Privatisierung der staatlichen Immobilien. Ein neuer Vorstoß der Troika sieht vor, die Abwicklung nun durch „Experten“ in Brüssel durchführen zu lassen. 


Immerhin 81.000 Immobilien nennt der griechische Staat sein Eigen, ganze 28 Milliarden Euro soll der Verkauf bringen. Was auf den ersten Blick wie ein vernünftiger Vorschlag klingt, ist bei genauer Betrachtung ein weiteres Ausweiden des ohnehin bereits insolventen Schuldners.

Eigentlich sollte Griechenland bis 2016 insgesamt 50 Milliarden Euro bei Privatisierungen erzielen. Die Marke wurde mittlerweile auf 15 Milliarden Euro gekürzt und erzielt sind bisher 5 Milliarden. Um der schleppenden Privatisierung nun Vorschub zu leisten, wollen die Mitglieder der Troika – bestehend aus IWF, EZB und EU – der griechischen Regierung vorschlagen, die Staatsimmobilien in eine „Agentur“ auszulagern. Diese Firma solle zwar Griechenland gehören, allerdings durch „ausländische Experten“ geführt werden, berichtet Reuters. Das würde zu mehr Vertrauen bei „Investoren“ führen und man könne dadurch höhere Preise erzielen.

Betrachtet man die Situation in Griechenland nüchtern: an einem Staatsbankrott führt kein Weg vorbei. Die Kontraktion der Wirtschaft ist offensichtlich und die Schulden steigen unaufhörlich weiter, die Aussage über einen weiteren Schuldenschnitt ist somit nur konsequent, wenn auch untertrieben. Hier zwei Charts dazu:

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Dieser Chart verdeutlicht das Verpuffen des ersten Schuldenschnitts und er berücksichtigt bei Weitem nicht alle Schulden.

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Wie ein tragfähiger Staat entstehen soll, der alle Einnahmequellen privatisiert und am Ende nur noch auf den Kostenbringern sitzt, das erschließt sich nur einem Winkelökonomen aus der Plünderbande. Offensichtlich hat auch niemand aus der Troika ein Interesse daran, Griechenland zu sanieren, sonst hätte man nicht diese Wege eingeschlagen.

Als letztes Mittel wird der Staatsbankrott kommen müssen, auch wenn es vorher noch einen Schuldenschnitt gibt. 100 Milliarden erlassen, um 200 Milliarden neue Kredite zu vergeben, das kann und wird nicht funktionieren. Woher soll Griechenland Einnahmen erzielen – außer über irrsinnige Steuern – wenn alles Tafelsilber an die „Investoren“ verkauft ist?

Der Niedergang Griechenlands wird weitergehen und sich nach den Privatisierungen weiter beschleunigen. Ohne eine nachhaltige Alimentierung aus Brüssel lässt sich dann die öffentliche Ordnung nicht aufrecht erhalten. Keine rosigen Aussichten für die Zukunft.

Carpe diem


5 Responses to Griechenland: Der plündernde Mob drängt auf Privatisierung

  1. oram sagt:

    81’000 immobilien gehören dem griechischen staat, d.h. dem griechischen volk und das ist ein wertvolles kapital das in den nächsten jahrzehnten dem staat einnahmen garantiert. und nun will man diese verhökern, damit internationale investoren (das ist die globale elite) weitere investionsmöglichkeiten haben und selber profitieren können, die preise nach oben treiben und die armut der unteren schichten fördern, wie auch des staates. wie war das kürzlich : über 60’000 wohnungen aus kommunalen beständen wurden in deutschland and immobilienhaie verkauft ? übel, sehr übel was da global von globalen institutionen organisiert wird. davon wird sich griechenland nicht mehr erholen können.

  2. Jannex sagt:

    …und in god old Germany ist bereits die gesamte Infrastruktur in den Händen der Aasgeier, nur das Wasser müssen sie sich noch durch die Hintertür beschaffen. Eine Refinanzierung ist damit auch bei uns ausgeschlossen.
    (Bahn,Post,Telefon,Strom,usw.)Alles ehemalig gute Einnahmequellen.

    ..Auf die Zukunft – Prost Jannex

  3. Evey sagt:

    Der Katastrophen-Kapitalismus der Amis macht auch vor Europa nicht halt.
    Nochmal mein Tipp, für alle, die es noch nicht gelesen haben und die Stategie der USA noch nicht so ganz verstehen.

    „Die Stategie hat System: Ob in Bagdad oder Afganistan nach der Invasion, ob in New Orleans nach `Katrina` oder in Sri Lanka nach dem Tsunami: Während die Menschen noch gelähmt von der Katrastrophe sind, werden sie einer weiteren, diesmal ökonomischen `Schock-Behandlung` unterzogen. Naomi Klein erzählt die Geschichte einer der wirkmächstigsten Ideologien unserer Zeit, Milton Friedmans ökonomischer Doktrin des freien Marktes, und zeigt, wie mit jeder neuen Katastrophe Wirtschaft und Poitik des Westens die Welt neu unter sich aufteilen.“
    Quelle: Buchumschlag des Buches „Die Schockstrategie, Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus“ von Naomi Klein

    Was das mit Griechenland zu tun hat? Wer hat diesem Staat die Kredite gegeben und profitiert jetzt davon?
    Wenn in Griechenland jetzt staatliche Besitztümer auch die Inftastruktur und Versorgungsbetriebe verkauft werden sollen, wer profitiert dann davon? Das ist das immer wieder gleiche Spiel. Sie nutzen Katastrophen aus oder provozieren diese um dann alles privatisieren zu können was geht. Hauptsächlich die wichtigsten Dinge wie Wasserversorgung, Stromnetze, Telefonnetze und natürlich den Abbau von Bodenschätzen, Firmen ect. Wer hat, der kontrolliert nicht nur wer bekommt, sondern zu welchem Preis. Auch die Kriege der USA werden von privaten Firmen geführt und versorgt (Heliburton und Blackwater z.B.) Das ist ein riesiges Geschäft und genau deshalb so nötig.
    Europa ist in einer Krise, der Schock zieht sich langsam durch ganz Europa. Ein Land nach dem anderen wird zahlungsunfähig und alle Krisenländer begehen den selben Fehler: sie verkaufen Staatseigentum an private Unternehmen. Man muss keinen Krieg anstiften um das zu bekommen, was man will. Man kann auch einem Land sehr sehr viel Geld leihen. Zuviel Geld, weil man weiß, man wird somit mehr zurück bekommen, als man verliehen hat. Immerhin hat man eine Sicherheit für die Rückhzahlung namens ESM. Außerdem gibt es dort noch Naturalien zu holen. Wir alle wissen doch, was Griechenland außer Oliven noch feines hat, gell?! Eines Tages werden sie auch diese Schätzchen ausnahmslos verkauft haben. Dann sieht es dort aus wie einem Dritte-Welt-Land. Oder wie im Irak. Die Armen leben in der roten Zone, ausgesperrt und überwacht in den Vorstadtgettos. Die reichen in der grünen Zone im Luxus mit Sicherheitspersonal und RundumdieUhr-Schutz. Die Armen haben kaum Zugang zum Trinkwasser und die Reichen planschen im Pool.
    All das könnte auch unsere Zukunft sein, wenn wir diese Katastrophen-Kapitalisten nicht aufhalten können.

  4. MSBeatz sagt:

    Also mehrere Arbeitskollegen, die in den letzten Tagen in Griechenland Heimaturlaub gemacht haben sind bei der großen diskussion diese woche der meinung gewesen das nix privatisiert wird und alles eigentum des volkes ist und das in griechenland kein mensch einsieht warum irgendetwas an irgendwelche banken verschachert und privatisiert werden sollte.

    dort überlässt man es uns deutschen das ganze land an banken zu verschachern.

  5. oram sagt:

    @MSBeatz
    richtig die leute sehen es nicht ein, aber gewisse regierungsvertreter/veräter werden dem internationalen druck von IWF, Goldmann Sucks, EU-troika nachgeben und wenn du den bericht genau liest, dann wirst du feststellen, dass für 5 milliarden bereits verkauft wurde ? ein guter kollege genügt als quelle leider nicht.

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