Messanger und E-Mail: NSA greift persönliche Kontakte ab

Young geek hacker stealing password

Die Überwachung ist bereits zur Normalität geworden, die Internetnutzer scheinen vollstes Verständnis für die Sammelwut der Geheimdienste zu haben. Ein Artikel der Washington Post zeigt nun auf, auch aus E-Mail- und Messangeraccounts hat die NSA Kontaktlisten gesaugt. Dort will man in der Lage sein, bei „Verdächtigen“ aus den so gewonnenen Daten Kontaktprofile zu erstellen. Pikant daran ist für die NSA nur eins, es kam raus dass auch US-Bürger im großen Stil abgefischt wurden. Dem Rest der Welt fühlt man sich nicht erklärungsbedürftig.


Zum Glück für die Hightechindustrie, verstehen die Menschen nicht in welchem Umfang tatsächlich überwacht und vor allem gespeichert wird, andernfalls würden nur noch geistige Tiefflieger all die „Goodys“ nutzen. Aus dem Pool der „Big-Data“ lassen sich nicht nur Bewegungs- und Kontaktprofile erstellen, mit entsprechenden Algorithmen lässt sich nahezu Lückenlos die Vergangenheit rekonstruieren und was noch viel schlimmer ist, relativ präzise die Zukunft vorhersagen.

Menschen funktionieren in den meisten Fällen nach gewissen Schematas. Dort spielen das persönliche Umfeld, die Massenpsychologie und einige andere Faktoren eine Rolle. Mit Zufall haben die meisten Entwicklungen jedoch heute nur noch wenig gemeinsam. Die Ansätze daraus eine Verbrechensbekämpfung zu machen, sind bereits jetzt relativ weit Fortgeschritten und bis zu „Minority Report“ und einer damit einhergehenden Pre-Crime – also einer Verurteilung vor dem vermutlichen Verbrechen, schon sehr nahe.

Am 13.10.2013 schrieb die Wirtschaftswoche:

Big Data: Wie uns die eigenen Daten verdächtig machen
Internet, Smartphone, Kreditkarten: Wir produzieren Massen von Daten. Nun beginnen Algorithmen daraus abzuleiten, was wir künftig tun werden. Werden Menschen bald für Dinge bestraft, die sie noch nicht getan haben?[1]

Das mag zunächst ziemlich weit hergeholt klingen, aber wer hätte in den 90ern gedacht, dass man die Bürger in einem solchen Umfang wie heute überwachen würde? Instant-Messangingdienste wie Skype, ICQ oder auch Facebook sind waren Goldgruben für Datensammler. Die Menschen machen sich bis auf die Knochen nackig. Menschen haben den Eindruck niemand würde mitbekommen was sie tun, wenn sie mit dem Display alleine sind, dieser Trugschluss wird einige Menschen in wenigen Jahren Teuer zu stehen kommen.
Der dramatische Verlust und Freiheit und Privatsphäre ist mit Worten kaum zu beschreiben, was sich aus den erbeuteten Daten alles ableiten lässt, ist praktisch das gesamte Leben.

Die heutige Jugend wächst schon mit der Transparenz auf, so dass man dort nicht mehr darauf hoffen sollte, dass diese sich dafür noch einsetzen wird. Die älteren scheinen auch zu satt und dekadent um sich dafür noch zu interessieren. Sehr wahrscheinlich fehlt aber den meisten der Blick für den Umfang und das technische Verständnis um zu begreifen was alles gespeichert und dann auch ausgewertet wird.

Fazit: Was Sie nicht in eine der Datenbanken der Dienste liefern wollen, sollten Sie nicht als Bit und Byte auf den Weg schicken. Nutzen sie alternative Dienste wie Jabber und lassen Sie das Smartphone einfach mal zu Hause. Wer das nicht möchte kann sich auch einfach eine Signalblocker-Tasche kaufen und dort das Telefon reinstecken wenn er einfach mal nicht überwacht werden möchte. Eines aber ist wichtig, bestehen Sie auf Privatsphäre und setzen Sie sich dafür ein. Es wird der Tag kommen, da wird Ihnen keine Anstrengung der Welt, die Freiheit zurückgeben können.

Carpe diem

[1] http://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/big-data-wie-uns-die-eigenen-daten-verdaechtig-machen/8884968.html


5 Responses to Messanger und E-Mail: NSA greift persönliche Kontakte ab

  1. chris321 sagt:

    Manchmal ist es gerade für einen technischen Laien hilfreich sich dem Problem auch mal historisch von einem weiteren Blickwinkel aus anzunähern. Was macht so ein staatliches ID Management jedes Bürgers denn in Zukunft aus? Wie war das damals, wie ist das heute, wie wird das morgen sein? Was waren die Ziele solcher Entwicklungen damals, heute und morgen?

    Ist ja nicht so, dass das was passiert alles „top secret“ passiert, sondern dass es die Mehrheit einfach nicht interessiert. Warum? Sie meinen diese Dinge seien doch nebensächlich, wird nicht in der Schule gelehrt, wird nicht im Alltag gross diskutiert, was hätten solche Veränderungen denn mit ihrem realen Leben zu tun. Das neuere Modell sei doch nichts anderes als eine moderne Variante desselben langweiligen alten Modells usw. Genau letzteres ist eben wegen dieser

    OBERFLÄCHLICHKEIT

    die heute in dieser so schnelllebigen Welt in der man ja GLAUBT nichts verpassen zu dürfen, so attraktiv geworden. Ein BILLIGER FEHLSCHLUSS!

    Unsere Gesellschaft sollte sich gut überlegen, ob sie sich so viel Oberflächlichkeit und „billige Gedankenprodukte Made in Germany“ auf Dauer leisten kann. Wir sollten wieder auf ein qualitativ hochwertigeres Erbe des „Landes der Dichter und Denker“ zurück kommen, eine wie ich schon sagte „res publica literaria“, eine Gelehrtenrepublik in der keineswegs Naturwissenschaft und Technik, sondern die Geisteswissenschaft eine revolutionäre Epoche erleben muss. Ein Ausgleich dieses völligen Übergewichts der anderen Seite ist dringender denn je. Und das sage ausgerechnet ich als „EDV-Mann“, also jemand der beruflich eigentlich genau auf der anderen Seite verortet wird!

    Hier mal eine interessante Lektüre für unsere Offline-Community die demnächst im Buchhandel erhältlich sein wird. Ich denke, dass gerade die ältere Generation hier unter den Lesern über solche konventionellen Publikationen einen Anschluss an solche neuen Themen finden kann. Ich sehe es als wichtig an, dass die ältere Generation in diesem Dialog mit integriert ist, aber nicht in einem fanatischen Bezug nach dem Motto „die USA hat uns von Hitler befreit, deswegen ist die USA und was sie tuen immer und ewig richtig. Der neue Führer USA hat gesprochen, yes we can, also können wir auch. Amen!“ Die ältere Generation muss auch bereit sein solche historischen Blockaden oder vermeintlichen Selbstverständlichkeiten aufzulösen, aktiv mitzudenken und die neue Zeit zu überdenken, die neue Zeit aus ihrem Erfahrungsschatz sogar mit zu prägen.

    >> Vom Staatsdruck zum ID-Systemanbieter – 250 Jahre Identität und Sicherheit

    http://www.bundesdruckerei.de/de/2777-vom-staatsdruck-zum-id-systemanbieter-250-jahre-identitaet-sicherheit

    >> 1763 erhielt Georg Jacob Decker vom preußischen König Friedrich II. das Privileg, sämtliche staatlichen Druckaufträge zu erledigen. Damit wurde der Grundstein für ein Unternehmen gelegt, das für die Produktion von hoheitlichen Identitätsdokumenten, Banknoten und Postwertzeichen steht

    Unter dem Titel „Vom Staatsdruck zum ID-Systemanbieter. 250 Jahre Identität und Sicherheit“ erscheint die rund 180-seitige Jubiläumspublikation im August Dreesbach Verlag und wird noch in diesem Jahr im Buchhandel erhältlich sein.

  2. Schafkritiker sagt:

    Jau, es wird tüchtig mitgelesen. Da sich kaum einer dafür interessiert und dies somit noch ein Weilchen so bleiben wird, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

    1. Alles an elektronischen Kommunikationsgeräten abschaffen und eine schöne Trommel kaufen. 😀

    2. Sich aus der Sammelwut der anderen einen Spaß machen und sich in möglichst vielen Netzgemeinden anmelden – egal ob Kommunisten, Faschisten, Satanisten oder Nudisten. Hauptsache es wird schön widersprüchlich. Gelegentlich in den entsprechenden Foren einen zustimmenden Kommentar und die Software der Späher schön zum Kochen bringen. :p

  3. Arab4Justice sagt:

    Und das mit der Signalblocker-Tasche funktioniert auch wirklich??? Hat das jemand mal getestet? Wenn die Tasche hält was der Hersteller verspricht, werde ich sie mir sofort zulegen. Sowas suche ich schon die ganze Zeit. Als Entwickler von Android-Apps komme ich leider nicht umhin, auf ein Smartphone zu verzichten, da die speziellen Anwendungen sich nicht oder nicht ausschließlich im Emulator testen lassen. Zumindest versuche ich das Smartphone weitestgehend frei von Schnüffelsoftware zu halten. Messenger-Dienste nutze ich so gut wie gar nicht, und erst recht nicht wenn es sich um Google, Microsoft oder Apple Produkte handelt. Für einen gelegentlichen Chat mit meinen Freunden habe ich einen eigenen Openfire XMPP Server am laufen. Das schützt zwar alles nicht vor der Datensammelwut der NSA, aber immerhin tue ich alles, um nicht zu einem wandelnden 24 Stunden-Nachrichtenticker zu werden, wie so manch anderer Zeitgenosse.

  4. Arab4Justice sagt:

    So, habe mir die Tasche jetzt einfach mal bestellt. 6,99€ tun nicht weh und ich wollte mich schon immer mal bei Jens für seinen tollen Blog erkenntlich zeigen 🙂

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