Twitter: Einer der eindeutigen Beweise für die Dotcom-Blase 2.0

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Im März 2000 gefror so manchem das Blut in den Adern, als aus der völlig überhitzten Dotcom-Blase die Luft entwich. Zu jener Zeit wurde jeder Börsengang mit mehrfacher Überzeichnung und einhergehenden Kurssprüngen gefeiert, die jenseits von gut und Böse lagen. Sehr schnell waren Unternehmen ohne echtes Geschäftsmodell, Konzept oder Eigenkapital hunderte Millionen Dollar wert, … auf dem Papier. In der Realität standen oft nur zwei Bildschirme und ein geleastes Auto sowie ein gemietetes Büro dahinter. Die Folgen sind hinlänglich bekannt.


Twitter steht kurz vor seinem Börsengang. Man will die Anleger beglücken und ihnen die Möglichkeit geben in dieses innovative und aufstrebende Unternehmen zu investieren. So weit so gut, daran ist noch nichts ungewöhnliches. Wirft man nun allerdings mal einen Blick hinter die Kulissen, es tauchen doch unzählige Fragen auf.

Schon 2009 schrieb beispielsweise die FAZ: Twitter-Chef Evan Williams: Der Zwitscherer ohne Geschäftsmodell

Twitter ist eine Modeerscheinung, die eigentlich niemand wirklich braucht, aber es ist eben hipp und solange die Nutzer mitspielen wird halt getwittert was das Zeug hergibt. Wie man das jedoch zu Geld machen will ohne das die User in scharen davonlaufen, darüber sinniert Evan Williams nun schon viele Jahre. Twitter ist eben nur das was es ist, wegen der unzähligen Nutzer und die wiederum sind nur dabei, weil es eben nichts kostet. Da beißt sich die Katze mal wieder selber in den Schwanz.

Aktuelle Meldungen von Reuters machen da auch wenig Hoffnung. Das Bankenkonsortium welches den IPO begleitet hat Twitter jedoch eine Kreditlinie von 1 Milliarde Dollar eingerichtet. Dort scheint man sich sicher, die Aktien gehen weg wie warme Semmeln. Und dort ist alles vertreten, was von „Rang und Namen“ ist: Deutsche Bank, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan und die Bank of America.

Weiterhin heißt es bei Reuters:

Das Unternehmen, das im dritten Quartal einen Verlust von 64 Millionen Dollar bei Umsätzen von rund 168 Millionen Dollar schrieb, strebt seine Erstnotiz an der Börse Medienberichten zufolge für Mitte November an. Twitters Marktwert wird von Experten auf mehr als zehn Milliarden Dollar geschätzt.[1]

Das einzige Geschäftsmodell wäre Datamining und selbst da steht man Facebook und anderen Diensten um Lichtjahre hinterher. Sollte Evan Williams nicht über Nacht eine Erleuchtung haben, wie er seinen Nutzern oder der Werbeindustrie Geld abpresst ohne das die User weglaufen, dürfte sich auch daran nicht viel ändern.

Die Bewertung von Twitter mit einem Marktwert von 10 Milliarden US$ zeigt den Wahnsinn, der sich an den Börsen bereits wieder voll entfaltet hat. Zum Vergleich, MAN hat mit 58.000 Mitarbeitern eine Marktkapitalisierung von 11 Milliarden Euro und da steht jede Menge Hardware wie Werke dahinter.

Carpe Diem

[1] http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE99M00X20131023


5 Responses to Twitter: Einer der eindeutigen Beweise für die Dotcom-Blase 2.0

  1. jo jens das stimmt so, ipos sind u.a. wirklich einer der guten Kontraindikatoren das ist auch historisch belegbar.

    Doch zuerst muss noch erst noch Oma und Opa davon überzeugt sein, dass se ihre Kohle in Aktien besser angelegt hätten, als auf dem mickrigen Sparbuch. Unsere Bankenlobby macht ja ordentlich Wirbel dafür…..

    Lehminge gibts ohne Ende

  2. EuroTanic sagt:

    Wenn die Blase Platz gilt hier wie immer der passende Märchenspruch:
    „Aber der Kaiser hat ja gar keine Kleider an!“

  3. KPAX sagt:

    Mann das waren Zeiten da konnte man blind zocken und shorten wurde komplett eingestellt.
    Hatte mal durch falsche Kürzeleingabe ein plus von 114 % gemacht mit einer Atie,die ich ursprünglich gar nicht ordern wollte.

  4. KPAX sagt:

    p.s in zwei Tagen.

  5. michaelbunny sagt:

    Twitter – Die neue SMS. Aber die Blase, der stimme ich zu. Wieder sehr gewagte Ideen die da gelauncht werden. Die Finanzierung mag heute besser sein, aber die Inhalte …

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