Indizes und die Tulpenmanie: Warum eine gewaltige Korrektur droht

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Es ist erstaunlich, mit welcher Präzision sich die Geschichte immer wiederholt. Eigentlich sollte man meinen das Menschen nach ausreichend Leid lernfähig wären, die Entwicklung an den Märkten zeigt ein völlig anderes Bild. Wer nicht bereit ist aus der Vergangenheit zu lernen, ist dazu verdammt sie zu wiederholen. Begünstigt wird das durch mangelndes Wissen, Gier und die Medien. Bei Letzteren handelt es sich um die Stallburschen der globalen Finanzindustrie. Nie war die Übertreibung größer als Just zur Zeit und die Korrektur wird gewaltige Folgen haben.


An dieser Stelle ist es wichtig, sich mit den Basics zu beschäftigen um die Problematik besser zu verstehen. Was sind eigentlich Aktien und worin besteht der Wert oder wie wird dieser berechnet?

Eine Aktie ist ein Anteil an einer Gesellschaft, also einer Firma. Angenommen jene hat ein Grundkapital von 1.000.0000 Euro und dieses in 1000 Aktien zerlegt, dann ist man mit 100 Aktien zu 10 % an der Firma beteiligt. Bei Aktien gibt es einige Unterscheidungen, beispielsweise nach Nennwert oder Quote, es gibt Stammaktien oder Vorzugsaktien, danach richtet sich zum Beispiel ob man Stimmberechtigt ist oder nicht. Hier wollen wir jedoch nicht zu sehr ins Detail gehen, denn das ist für diesen Artikel nicht so wichtig.

Wie berechnen sich die Aktienkurse?

Eigentlich geschieht das durch den Prozess von Angebot und Nachfrage. Durch etliche Marktinstrumente wie den Leerverkauf, gestaltet sich das mittlerweile nicht mehr ganz so transparent und die manipulativen Einflüsse sind gewaltig. Besonders der Xetra- und High-Frequency-Handel haben einen erheblichen Einfluss gewonnen. Wir wollen es jedoch zunächst nach der grundsätzlichen Definition erklären.

Jemand möchte 100 Aktien eines Unternehmens zu einem Preis von 100 Euro verkaufen, zum besten Preis und auf der Gegenseite sind mehrere Käufer allerdings finden sich nicht ausreichend Käufer für die 100 Aktien. Ein Käufer hat beispielsweise als maximalen Preis 98 Euro angegeben, dann wird in Folge dessen der Kurs der Aktie sinken. Das ist nun sehr vereinfacht dargestellt, aber so ist das Prinzip. Ein Makler sammelt die Kauf- bzw. Verkaufsaufträge in seinem Orderbuch (Maklerskontro) und soll diese nach dem Bestpreisprinzip abwickeln. Eine gute und ausführliche Beschreibung dazu finden Sie hier. <--- Sehr viele Kleinanleger denken immer sie würden die Aktien von der Bank kaufen und diese würde die Aktien auch zurückkaufen, dem ist allerdings nicht so. Genau in diesem Umstand liegt auch die große Gefahr wenn es zu einem massiven Abverkauf kommt. Die großen Player greifen nie in ein fallendes Messer, man wartet bis die Werte auf dem Bottom aufschlagen und fegt dann für kleines Geld zusammen. Die Kleinanleger verlieren bei solchen Abstürzen nicht selten fast den gesamten Wert des eigenen Portfolios.

Die Problematik am Beispiel von Volkswagen

Thomas Steiner

Thomas Steiner

Als 2008 so ziemliche alle Aktienkurse in den Keller rutschten, gab es eine Ausnahme, die VW-Aktie. Dass diese Aktie nicht abstürzte, hatte gute Gründe. Die Gier einiger Zocker war allerdings so groß, dass man sich nicht mit den Fundamentaldaten beschäftigte. Es wurden 12 % der Aktien leer verkauft, allerdings waren so viele überhaupt nicht mehr im freien Handel zu bekommen. Alleine das Land Niedersachsen hält 20% um die Sperrminorität zu behalten. Ein weiterer Posten war bei Porsche mit Optionen gar 74,1 %. Wideking hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass er VW übernehmen wollte und so war das Verhalten der Zocker schon erstaunlich. Das Problem an Leerverkäufen ist, man muss die Aktien irgendwann zurückkaufen, spätestens wenn von der Bank der gefürchtete „Margin-Call“ kommt. Der Industrielle Merckle hatte auf diese Weise eine Milliarde Euro verloren und warf sich in Folge dessen vor einen Zug.

Durch den Shortsqueeze vom 27. und 28. Oktober 2008, wurde VW kurzzeitig das Wertvollste Unternehmen der Welt. Der Aktienkurs explodierte von 200,- Euro auf 1000,- Euro innerhalb von nur zwei Tagen. Dieses Beispiel zeigt wie Kurse zu Stande kommen. Die Leerverkäufer mussten immer höhere Preise anbieten um irgendwie an die Aktien zu kommen. Glattstellen ist Pflicht. Ohne die von Wendelin Wiedeking zur Verfügung gestellten Optionen, wäre das Desaster vermutlich noch viel schlimmer ausgegangen.

Die Mutter aller Blasen der Geschichte

JayHenry - Ein standardisierter Preisindex für Tulpenzwiebelverträge. Es fehlen die Daten zwischen dem 9. Februar 1637 und dem 1. Mai 1637.

JayHenry – Ein standardisierter Preisindex für Tulpenzwiebelverträge. Es fehlen die Daten zwischen dem 9. Februar 1637 und dem 1. Mai 1637.

Die Tulpenmanie ist die erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Geschichte. Die Preise für Tulpenzwiebeln stiegen in so abstrakter Weise, dass sich eigentlich niemand im Nachhinein erklären konnte wie das möglich war. Entsprechend brutal war der Zusammenbruch. Eine der Erklärungen lässt sich sehr gut in die heutige Zeit adaptieren. So heißt es bei Wikipedia zur Tulpenmanie: An Garbers marktrationale Erklärung, basierend auf der Effizienzmarkthypothese, schließt die Überlegung von Douglas French an. Er behauptet, die Tulpenmanie sei auch deshalb möglich geworden, weil die Geldpolitik der Amsterdamer Wechselbank (Wisselbank) und die Kaperung der Spanischen Silberflotte am 17. September 1628 durch Piet Heyn dazu führten, dass mehr Geld verfügbar war, welches spekulativ eingesetzt werden konnte.[1]

KGV/KBV sind wichtige Kennziffern

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis und das Kurs-Buchwert-Verhältnis sind wichtige Kennziffern für den Preis einer Aktie im Vergleich zum Gewinn oder eben dem Buchwert. Zum KGV aus Wiki:
Hierbei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum gegebenen bzw. erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt.

kgv

Der Gewinn pro Aktie kann sich sowohl auf feststehende wie auf erwartete Werte beziehen. Das KGV spielt in der Aktienanalyse eine große Rolle. Dort werden immer Schätzungen für die Zukunft betrachtet.[2]

Merke: Das KGV gibt an, wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat.
Es wäre unsinnig alle Aktien als überbewertet zu betrachten. Es gibt schon viele solide Unternehmen und etliche der Preisanstiege sind auch auf gute Unternehmensführung und die Inflation zurückzuführen. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Unternehmen, wo einem eigentlich die Sprache fehlt. Wir wollen bei zwei bekannten Unternehmen aufzeigen wie das gemeint ist.

Am Beispiel von Facebook

Der einzige wirkliche Wert von Facebook besteht in der so genannten „Big Data“ also ihren persönlichen Geheimnissen, Vorlieben und Kontakten. Ein Portal wie Facebook zu programmieren – wesentlich benutzerfreundlicher und moderner – würde nicht mehr als 1 Million Euro kosten. Der Börsenwert von Facebook liegt allerdings bei 90 Mrd. US Dollar. Damit ließen sich – wertmässig – 100 Unternehmen der Indizes locker pulverisieren.

Wirft man nun mit dem gelesenen einen Blick auf Facebook, wird der Wahnsinn recht schnell offensichtlich. Nach aktuellen Zahlen beträgt das KGV von Facebook 3800, sprich es würde 3800 Jahre dauern bis der Gewinn je Aktie den Wert des Börsenkurses erreicht hat. Selbst die – meiner Meinung nach völlig übertriebenen Schätzungen der Analysten sehen bis 2016 noch immer ein KGV von 29,05 wobei man die Anleger im ungewissen lässt woher diese Gewinne auf einmal sprudeln sollen. Gesunde KGV´s liegen im Bereich um die 12.

Ein weiterer Punkt ist das KBV. Eine kleine Analyse dazu stammt von informunity.de, wobei ich denke das ein großer Teil der Buchwerte, doch eher idieller Art sein dürften.

So haben wir mit dem KBV eine (von mehreren) Kennzahlen um zu prüfen ob ein Unternehmen überteuert an der Börse gehandelt wird.

Kommen wir zurück zu Facebook und dessen Gegenüber, dem Dreigespann aus Daimler, BMW & Lufthansa und sehen uns einmal deren KBV an (Zahlen entnommen von informunity.de):

  • Lufthansa: 0,5
  • Daimler: 1,0
  • BMW: 1,4
  • Facebook: 37,2[3]

Das ist der Stoff aus dem Börsencrash´s gemacht werden. Übertreibungen der Superlative und alle mischen kräftig mit.

Last but not Least wollen wir in diesem Zusammenhang noch kurz einen Blick auf den bevorstehenden Börsengang (IPO) von Twitter werfen. Das KGV müsste dort mit unendlich angegeben werden, denn es gibt kein Geschäftsmodell. Das hingegen scheint niemanden zu stören immerhin wird mit etwa 11 Milliarden Dollar gerechnet die der IPO bringen soll. Tja was den Buchwert angeht, was sind ein paar Leasingkarren, Bürostühle und eine leicht zu kopierende Idee wert? Auch hier ist der Wert der User und seine persönlichen Kontakte. Sie sind also ein Wertgegenstand, passen Sie also auf sich auf 😉

Ich bitte die für mich unübliche Länge des Artikels zu entschuldigen, allerdings war es mir nicht möglich die Problematik kürzer darzustellen ohne dabei wichtige Punkte zu vernachlässigen.

Carpe diem

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenmanie#Marktrationale_Erkl.C3.A4rung
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Kurs-Gewinn-Verh%C3%A4ltnis
[3] http://www.informunity.de/pd/PTID-1921/Kommentar-zu-Facebook-Facebook-%E2%80%93-Fluch-oder-Segen!.htm


15 Responses to Indizes und die Tulpenmanie: Warum eine gewaltige Korrektur droht

  1. michaelbunny sagt:

    Eine simples Beispiel aus dem Data Warehousing. Stellen sie sich vor sie laden Daten 20 min am Tag. Der Einfachheit halber addieren sich die Datenmengen. Jetzt müssen sie löschen und die Daten neu laden.

    Brauchen sie nach 4 Jahren ca. einen ganzen Tag gesammelte Daten nachzuladen. Hört sich gut an. Aber stellen sie sich vor sie können nur 10 Minuten freimachen zusätzlich. Dann brauchen sie 8 Jahre für das nebenher Laden.

    Twitter vom blauen Vögelchen zum Black Swan:) Das sind Marken … Wer wäre ein Vergleich – Compuserve, AOL. Die machen heute auch etwas anderes … die kaufen Unternehmen zusammen – in der Branche kennen sie sich wohl noch aus, sie haben ja selbst mitgestaltet. Im Prinzip sind das ‚Investmentbanken‘ – Finance & Services. Familie der Transaktionsgeschäften.

    Aus der IT kennt man MOM (Infrastrutkur für den Nachrichtenversand), Message Oriented Middleware), die als Basis für Message Broker dient. (Message Broker Archtitecture)

    Message Broker ist nicht Softwareteile die so bezeichnet, die kommen aus dem Massengeschäft. Konvertierung von Nachrichten jeder Form (Address Etiketten in bestimmten Formaten – Millionen). Wenn die Nachrichten dann noch verteilt werden (U.S. Logistikinfrastruktur) dann ist das der Message Broker – das ist ein Businessmodell.

    Es werden bestimmt bald Logos – ‚A Twitter Company‘ auftauchen in ein paar Jahren. Das ist Venture Capital … man könnte sagen eine Art, ‚Fonds‘ wie bei den Reedereien.

  2. EuroTanic sagt:

    Bisher konnte mir noch niemand plausibel herleiten „wie“ Aktienkurse berechnet werden. Nicht formal, sondern real, und technisch. Wer hat die Software dafür geschrieben, wer ist Betreiber der Software, wer stellt die Daten zur Verfügung, wer sitzt da konkret und berechnet, wer bringt die daten an die öffentlichkeit etc. Und wer kontrolliert das Ganze? Ich brauche die Aktien gar nicht kompliziert durch reale Transaktionen manipulieren, ich brauche nur an irgendeiner Stelle der Datentransformationen eingreifen.

  3. Polygon sagt:

    Der Wert von Facebook, Twitter und Co wird durch die Anzahl der User und ihrer Daten gestellt. So weit so logisch!
    Jetzt wäre es schon lustig, wenn eines Tages nach einem Crash ein mahnender Politiker vor die Kamera tritt und sagt. Die User sind schuld weil sie nicht mehr von sich freigegeben haben.

    Somit könnte eine gesteigerte Daten-Sammelwut und schlechtere Privatsspähre ein Indikator für steigende Kurse sein 😀 😀 😀

  4. Foerster003 sagt:

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

    http://pfohlmann.de/image/galerie/1222AZuckerBerg.jpg

  5. Janu sagt:

    Ein prima Artikel!
    Ja, der „Markt“ (mir ist hier der Dax am nächsten, obwohl ich natürlich auch auf Dow und Nasdaq schiele) m u ß jetzt runterkommen – das sagen Erfahrung und auch Logik.
    Anders wäre es allenfalls, wenn diejenigen Recht hätten, die eine Entwertung der Währungen (US$, €) behaupten. Sie verweisen auf das massenweise erzeugte ‚Geld‘ (Stichwort: Helikopter-Ben). Aber diese irrsinnigen Geldmengen „laufen“ ja nicht entsprechend „um“ (wie es die Theorien zu Inflation und Deflation verlangen). Die real existierende Inflation hat jedenfalls nichts mit den in den USA und der EU erzeugten Geldmengen zu tun, da diese praktisch nur in Büchern auftauchen – und nicht bei EDEKA, Karstadt oder Porsche.

    Also ist short-gehen (auf Fallen der ‚Märkte‘ setzen) angesagt. Aber …. Vorsicht!!! Jochen Steffens (dem ich durchaus nicht immer zustimme) zeigt, wie man sich beim Shorten richtig wehtun kann: http://www.de.sharewise.com/finanznachrichten/79048-_-Steffens .

    Es gibt beachtliche Börsenweisheiten (leider verstoße ich oft gegen diese – wie gegen gute Vorsätze).:
    Der erste lautet: „Wenn du short gehen willst – warte noch einen Tag!“
    Der zweite: „Shorte nie einen langweiligen Tag!“

    Hier ein interessanter Bericht: „BILLIONAIRES DUMPING STOCK + RUNNING FROM WALL ST.“ – http://www.youtube.com/watch?v=tNVNL5SV3Yg

  6. michaelbunny sagt:

    🙂 Ich kenne allein den Stand vor 2k. Den Rest muss ich mal vermuten. Selbst damals waren die Rechner welche die Trades machten sau schnell. Die haben damals schon massive schnell Trades abgewickelt.

    Trade:
    In Europa hat immer gegolten, nicht gerade eine Seriennummernverwaltung, aber Wertpapiere waren zumindest auf einen Bestand gebucht. Die U.S. kannten diese Verbindung so nicht. Ich vermute eine Erleichterung aus der Zeit vor schnellen Rechnern, die man sich behalten hat. Sie müssen das Wertpapier gar nicht haben. Möglw. zu Handelsschluss. Unter Tags traden sie Wertpapiere die sie glauben zu haben.

    (*Exkurs*)
    Ich bin mir sicher die Arbeiten auch mit Negativbeständen. Gibt es aber im normalen Handel auch – sie kaufen am Internet und die nächste Lieferung rollt an. Oder im Geschäft heißt es, in einer Wochen können sie die Ware abholen. Solange Computerpreise fielen, haben die Händler oft gewartet und schon niedrige Preise auf Basis von der zu erwartenden Verbilligung angeboten. Jedes System hatte an sich eine fixe Handelsspanne hinterlegt, aber der Zugewinn war auch die Ware günstiger zu erhalten. ‚Hätte ich mir den Rechner vor einem Monat gekauft‘. – 90er Jahre.
    (*Exkurs*)

    Zeit neuer Markt:
    Die Verbuchung der Tades in der Buchhaltung der CSDs (Wertpapierbuchalter – Lagerhäuser) bei denen die Trader, Banken usw… Konten haben – war so bei T (Zeitpunkt des Trades) + 3 Sekunden, aber schon damals (späte 90er) gab es die Forderung nach T + 3 Tausendstel Sekunden. Vermute da ist schon im Millisekunden bereich getradet und gematched worden (Matching kann man sich vorstellen eine Große Tabelle in der Kauf- und Verkaufsorders gegenüberstehen).

    Das war zur Zeit in der Portfolios in der Breite bekannt wurden (Zeit Neuer Markt, DOTCOM Bubble), Thematik qualitative Information laufen ins Risikomodell ein – das kommt aus der Versicherungsbranche. Prominenter Vertreter – Staatsanleihenthematik – Risikomodelle – die sog. binären Entscheidungen – die 15 Jahre später als große Neuheit wurden gepriesen. D.h. was jetzt (im Rahmen der sog. Finanzkrise 2008/09) aufkam ist ein alter alter Hut.

    Hedge war mir bekannt als – Auf den Trend spekulieren und die etwaige Gegenrichtung absichern. Thematik Kontrakte zur Absicherung, Verkaufsignale Stop – Loss.

    2005:
    Später hörte ich dann, dass besonders math. Begabte eigene Modelle haben entworfen auf Basis von Derivaten. Ich denke solche Systme kann man sich als autonome Trading Bots vorstellen.

    Sie können mit einigen wenigen zugekauften Derivaten ganze Bewegungsrichtung von Depots/Portfolios drehen. Derivate können sich aufheben. Vermutlich werden die einfach hinzugefügt. Kontrakte ergänzen einander, ändern die Risken.

    Es gibt bestimmt noch Kauf- und Verkaufsorders. Die technische Abwicklung ist heute eine andere. Die Preisbildung wird auch noch über die Schiene laufen. Die Handelssysteme werden bestimmt noch beschickt auf diese Art. Wobei die Frage ist eher, woher kommen die Orders. Ich vermute die sog. Algorithmen sind Teil der laufenden Anpassungen der Portfolios. Möglw. wird in solchen Systemen Realtime Chart Analyse betrieben. Die Rechner stehen vermutlich direkt im Rechenzentrum der Börsen.

    Das passiert vermutlich in Echzeit. Zumal eine Handelplattform von Transaktionsgebühren lebt, stört das vermutlich niemanden.

    Ich denke das IT technisch da noch viel wird auf eine Festplatte geschrieben. Da werden Nachrichten vermutlich die in der Queue angeschaut und während der Anlieferung schon abgearbeitet. D.h. diese, bildlich gesprochen, große Tabelle entfällt. Die Tradinglogik wird halt parallel auf eine paar tausend Instanzen laufen …

    Es ist aber bestimmt eine interessante Frage, ob es noch ein Matching gibt auf Ebene der einzelnen Order. Vermute ja. Ich hörte mal dass unzählige Orders im Batch permanent gematched werden. Aber wäre nur dann spannend, wenn sie die Meinung der Menschen im Markt (einzelne Käufer) repräsentieren.

    Früher war ja das alles anders. Wenn sie in den späten 80ern ein Anleihe aus Südamerika kauften, dann machte das ein Mann bei einer Bank in meiner Stadt und alle anderen Banken haben dort bestellt. Heute ist das eines.

    Was uns vermutlich eher weh tut sind nicht erkannte/unterschätzte systematische Risken aus der Kombination von solchen Einzelfaktoren.

    Mich würde es auch interessiern, wie das technisch abläuft… aber ja.

  7. michaelbunny sagt:

    Korrektur:
    Jedes System hatte an sich eine fixe Handelsspanne hinterlegt, aber der Zugewinn war auch die Ware günstiger zu erhalten. ‘Hätte ich mir den Rechner nicht vor einem Monat gekauft’. – 90er Jahre. Bei Lieferverzug fiel das dem Kunden oft auf:)

  8. michaelbunny sagt:

    Systemen Realtime Chart Analyse betrieben – das ist bildlich gemeint. Für den Benutzer sehe es so aus, als ob.

  9. EuroTanic sagt:

    Auf meine eigentliche Frage haben sie nicht geantwortet. WER hat die Software geschrieben, WER speist die Daten ein, WER berechnet das ganze und WER bringt das ganze auf den Bildschirm? WER kontrolliert das ganze?

  10. michaelbunny sagt:

    In 2006/07 haben sich bspw. relative viele MS Manager (vermutlich nicht allein die) von Aktien grad auch des ‚eigenen‘ Unternehmens getrennt, deswegen ist das aufgefallen.

    Der Gates ist grad umgestiegen mit einer doch beachtlichen Einlage bei einem großten Baukonzern der irr große Projekte macht, global.

    Das war bei uns in der Zeitung, da dieser große Konzern zeitweilig der Mutterkonzern der größten Baupleite in Österreich war (heuer).

    Also mit den deflationären Szenarien wäre ich vorsichtig.

  11. Herbert Ludwig sagt:

    Sehr informativ. Aber die Frage muss ja sein: Welche sozialen Auswirkungen haben Eigentums-, Gewinnanteile am Unternehmen und Aktienhandel? Und was muss geändert werden? Es handelt sich ja nicht um Naturtatsachen.
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/10/11/die-sozial-zerstorerische-wirkung-des-aktienrechts/

  12. Frank H. sagt:

    Schlechte Nachrichten an alle Miesepeter in der Runde.
    China hat sich in der EZB eingenistet!!! Raus aus den US Schulden, rein ins nächste Abenteuer.
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1463327/Der-Yuan-kommt-nach-Frankfurt

  13. Janu sagt:

    Mit „Anders wäre es allenfalls, wenn diejenigen Recht hätten, die eine Entwertung der Währungen (US$, €) behaupten“ – damit meinte ich natürlich diejenigen, die behaupten, die Aktien (z. b. im Dax) seien gar nicht gestiegen, vielmehr beruhe die scheinbare)Höherbewertung im wesntlichen auf der Inflation.

  14. Janu sagt:

    @ michaelbunny
    „Also mit den deflationären Szenarien wäre ich vorsichtig“.

    Ich traue mir da kein fundiertes Urteil zu.
    Allerdings glaube ich doch, daß das ‚Geld haben‘ in nächster Zeit doch wieder deutlich mehr belohnt werden wird (was bei einer Inflation ja gerade nicht der Fall ist). Sollte der Aktienmarkt nach unten rauschen, dürften das die anderen Märkte (z. B. Gold, Edlemetalle, Metalle, Öl, Rohstoffe, Agrarerzeugnisse) ebenfalls zum Einsturz bringen. Denn wegen der enormen Geldmengen sind alle Preise längst ‚verzockt‘ und z. B. Öl oder Gold oder Agrarerzeugnisse folgen nicht mehr ihrem eigenen Rhythmus, wie das früher einmal der Fall war. Wenn die großer Fonds oder Großanleger jetzt am Aktienmarkt verlieren sollten, werden sie ihre Gold- oder Ölanlagen auflösen, um das aufzufangen bzw. um unglücklich laufende Futures („call margin“) zu bedienen. Dadurch fängt dann alles andere auch an zu rutschen.

  15. Frank H. sagt:

    Ex Finanzminister der USA in einem Interview (Auszüge).

    […]Dr. Roberts: „Wir haben es dadurch mit praktisch unlösbaren Problemen zu tun. Wir haben Experten, die die Kosten dieser Kriege mit USD 6 Billionen veranschlagen. Nun, das ist praktisch der überwiegende Teil unseres Schuldenanstiegs. Aber sie sprechen nicht darüber, weil der militärisch-industrielle Komplex einfach zu mächtig ist.

    Aber wenn man die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft absenkt, geht die Wirtschaft zurück, während die Haushaltsdefizite größer werden. Sie stecken also in der Falle. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie da wieder rauskommen. Und ich glaube, der Irrsinn (in Washington) wird dazu führen, dass man sich immer stärker vom US-Dollar distanzieren wird. Die Ausländer werden einfach aufhören, den Dollar zu nutzen. Wir sehen das ja bereits.

    Und das zeigt uns diesen wahnsinnigen Einbruch des amerikanischen Finanzeinflusses. Wir sehen, wie die BRIC-Länder ihren Handel nun ohne die Nutzung des Dollars abwickeln. Ja selbst unser Marionettenstaat Australien begleicht seinen Außenhandel mit China jetzt mit der eigenen Währung und nutzt dafür nicht mehr den US-Dollar. Das heißt, dass die Nachfrage nach Dollars zurückgeht, was wiederum einen niedrigeren Preis für den Dollar bedeutet. Die US-Notenbank kann den lieben langen Tag Geld drucken, um den Wert der Anleihen oben zu halten, aber sie können keine Fremdwährungen drucken, um Dollars zu kaufen.

    Und genau das ist der echte Schwarze Schwan, der nur darauf wartet, einzutreten. Wann bricht der Dollar ein? Wann kann die Fed nicht mehr genügend Fremdwährungskredite auftreiben, um die Dollars zurückzukaufen? Wenn das passiert, ist alles vorbei – sie verlieren die Kontrolle. Die Zinsen explodieren, die Anleihen brechen zusammen, die Aktien brechen zusammen, die Immobilienpreise brechen zusammen und das Haushaltsdefizit wird riesig. Ich meine richtig riesig. Alles fährt zur Hölle! […]

    Wir befinden uns auf dem Weg in Richtung Dollar-Zusammenbruch, und damit wird auch die Macht Amerikas zusammenbrechen. Ein Land ist deshalb eine Supermacht, weil es seine Rechnungen in seiner eigenen Währung bezahlen kann. Das ist die Bedeutung einer Weltreservewährung.

    Wenn man diese Fähigkeit verliert, aber man hat riesige Mengen an Rechnungen – ja wie bezahlt man sie dann? Man kann sie nicht mehr bezahlen. Das ist das Dilemma. Für mich ist es einfach nur unehrlich, dass die Medien die wahren Probleme vor den Menschen verbergen und die politischen Entscheidungsträger die Probleme entweder verstecken oder nicht die geistigen Fähigkeiten haben, sie zu verstehen.[…]

    http://www.propagandafront.de/1185650/paul-craig-roberts-finanzcrash-ist-jetzt-nur-noch-eine-frage-des-wann.html

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