Die Mahonie – Mit Pflanzenpower gegen Schuppenflechte

Wildkrautgarten_Mahonie

Meist als anspruchlose Zierpflanze in Gärten und Parks zu finden, erfreut uns die Mahonie im Frühjahr mit honiggelben, duftenden Blüten und im Herbst mit farbenfrohem Blattwerk und wunderbar blauen leuchtenden Beeren. Die wenigsten wissen jedoch, dass die bei Vögeln beliebten Beeren auch in unserer Küche vielseitig verwendbar sind. In allen anderen Teilen ist das aus Amerika zu uns zurückgekehrte Sauerdorngewächs zwar giftig, aber gerade wegen dieses Giftes ist die Mahonie auch eine wertvolle Heilpflanze insbesondere gegen Akne und Schuppenflechte.


Die blauen, bereiften Beeren, die man vom August bis zum Winter ernten kann, sind genauso attraktiv anzuschauen, wie die sonnengelben, nach Honig duftenden Blütentrauben, die meist schon sehr früh im Jahr hungrige Insekten beglücken. Die Blätter der immergrünen Mahonie bereichern im Herbst die Landschaft mit wunderschönen Rottönen. In der Pflanze enthaltene Alkaloide zeigten in wissenschaftlichen Studien gute Erfolge bei der Behandlung von entzündlichen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder Akne.

So beschreibt der Fachapotheker Ernst-Albert Meyer bereits in der Mai-Ausgabe 1999 der Zeitschrift Naturheilpraxis die positiven Wirkungen einer Salbe auf Mahonien-Basis bei Psoriasis-Patienten. Bereits nach 14 Tagen seien erste Besserungen im Hautbild eingetreten. Nach zweimonatiger Therapie verzeichnet die Studie bei über 70 Prozent der Probanden eine deutlichere Besserung bis hin zur Abheilung. Auch in einer mehrmonatigen Langzeittherapie-Studie zeigte sich laut Meyer ein signifikanter Rückgang der Entzündung und Schuppenbildung bei Verwendung einer Mahonien-Salbe. Der Apotheker kommt zu dem Schluss, dass Mahonien-Salbe eine wirksame und gut verträgliche pflanzliche Alternative für die Langzeittherapie von leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte sei und auch für Risikogruppen wie Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche geeignet wäre.

Wildkrautgarten_Mahonie12Einschlägige Homöopathie-Foren und Webseiten für Betroffene empfehlen den Extrakt aus Rinde und Wurzeln der Mahonie ebenfalls als Mittel gegen den Hautausschlag. Die darin enthaltenen Alkaloide wirken hautpflegend, beruhigend und entzündungshemmend, außerdem hemmen sie nachweislich das Zell- und Gewebewachstum. Salben mit Mahonie gibt es im Handel, man kann sie aber auch leicht selber herstellen. Einfach ein paar Zweige und Wurzeln der Mahonie ernten, die Rinde davon abschaben und diese in einem Topf mit Kokosöl kurz aufkochen lassen. Einen Tag ziehen lassen und dann die Mischung nochmals erwärmen und durch ein Sieb in ein geeignetes Gefäß abseihen. Bei Zimmertemperatur wird die Salbe fest, bei Körpertemperatur wird sie wieder flüssig und lässt sich dann gut auf der Haut verteilen. Zusätzlich zur Mahonien-Rinde können noch weitere entzündungshemmende Kräuter wie beispielsweise Ringelblume oder Gundermann zugefügt werden.

Der Alkaloid-Gehalt in der Wurzelrinde schwankt übrigens im Jahresverlauf. Im Frühjahr ist er am geringsten, im Herbst am höchsten. Oktober und November sind deshalb eine besonders gute Zeit für die Ernte zur Salben-Herstellung.

Laut Wolf-Dieter Storl werden Mahonien-Medikamente schon seit dreitausend Jahren in der Chinesischen Medizin eingesetzt, unter anderem gegen Leberbeschwerden, Diabetes, Pilz- und Wurmbefall und Hauterkrankungen. Die Indianer Nordamerikas nutzten die Mahonie auch als Mittel gegen Brechreiz, Durchfall, zur Stärkung, bei Beschwerden im Bereich der Gallen- und Harnwege und gegen Skorpion-Stiche. Die weißen Siedler übernahmen viele Anwendungen und verschrieben die Mahonie als offizielles Bittertonikum gegen Syphilis, Schuppenflechte und Rheuma. Aufgrund ihrer Giftigkeit wird von der innerlichen Verwendung der Mahonie heutzutage jedoch abgeraten.

Wildkrautgarten_Mahonie1Ausnahme bilden die blauen Beeren, die nur sehr wenig Giftstoffe enthalten und deshalb in kleineren Mengen essbar sind. Sie enthalten sehr viel Vitamin C und schmecken fruchtig-sauer. Ab August bis in den Winter hinein bleiben sie am Strauch und können so über eine lange Zeit geerntet werden. In größeren Mengen gegessen können sie – ähnlich wie der Holunder – Bauchschmerzen und Erbrechen auslösen. Da die braunen Kerne mehr Gifte enthalten als das Fruchtfleisch, sollte man diese nicht mitessen oder beim Verarbeiten aussieben.

Die Beeren eignen sich als Beigabe zu Gelee, Kompott und Marmelade, zu Herstellung von Fruchtsaft und Wein oder als Zitronenersatz. Probieren Sie doch mal Avocadowürfel mit Mahonien- statt Zitronensaft. Das Auspressen des dunkelroten, stark färbenden Saftes aus rohen Beeren ist zwar eine etwas spritzige Angelegenheit, aber Geschmack und Farbe lohnen die Sauerei. Beim Verarbeiten größerer Mengen sollte man den Saft kurz erhitzen oder gleich einen Dampfentsafter nutzen, damit die in geringen Mengen enthaltenen Giftstoffe zerstört werden. Leider wird dabei auch ein Teil des Vitamin C zerstört und der wunderbar saure Geschmack verschwindet. Nach dem Kochen schmeckt Mahonie herb-aromatisch und ähnelt im Geschmack dem Holundersaft.

 

Die Nordamerikaner nutzen den roten Saft der Mahonie zum Aromatisieren und Färben von Joghurt und Quark, Likör und Branntwein oder verarbeiten ihn in Sorbets und pikanten Chutneys. Die Pflanze ist in ihrer Amerikanischen Heimat so beliebt, dass sie zur offiziellen Staatsblume Oregons gekürt wurde. Wegen der an Weintrauben erinnernden Beeren nennt man sie in Amerika auch „Oregon grape“ – also die Weintraube Oregons.

 

Wildkrautgarten_Mahonie4Wer sich die Mahonie in den Garten holen will, wird im Gartenfachhandel schnell fündig. Alternativ kann man sich Stecklinge von Pflanzen in Parks oder Gärten schneiden. Die Pflanze ist anspruchslos und gedeiht sowohl an sonnigen als auch an schattigen Standorten. Die gelben, nach honig duftenden Blüten erscheinen sehr früh im Jahr – immer am zweijährigen Holz. Bei der Berührung durch Insekten schnellen die Staubgefäße zur Blütenmitte und bestäuben den Besucher ausgiebig. Auch mit Zahnstocher oder Pinsel ausgelöst, lässt sich dieser faszinierende Vorgang gut beobachten.

 

Die Blätter der Mahonie ähneln denen der ebenfalls giftigen Stechpalme. Allerdings lassen sich beide Pflanzen anhand von Blüten und Früchten gut unterscheiden. Die Mahonie blüht gelb, die Stechpalme weiß, die Früchte der Mahonie sind blau, die der Stechpalme rot. Von der verwandten Berberitze unterscheidet sich die Mahonie durch ihre Blüten in aufrecht stehenden Rispen, ihre dornenlosen Zweige und ihre blauen Beeren.

 

Benannt ist die Mahonie übrigens  nach dem Verfasser des ersten amerikanischen Gartenbuchs, Bernard M`Mahon. Der Pflanzenexperte und Freund Thomas Jeffersons pflanzte das Sauerdorngewächs nach seiner Entdeckung auf einer Exkursion in den Wilden Westen im Jahr 1806 als erster in seinen botanischen Garten. Weil M`Mahon daraus die ersten Ableger zog und an Gärtnereien vertrieb, wurde er zum Namensgeber der Gattung. Um das Jahr 1825 fand die Mahonie den Weg nach Europa. In Deutschland finden sich 1841 erste Hinweise in den Aufzeichnungen einer Gärtnerei in Norddeutschland. Zunächst teuer und in herrschaftlichen Gärten zu finden, trat die auch als Fliederberberitze bekannte Pflanze um 1900 ihren Siegeszug in Bauerngärten und Friedhöfe an.

Dort ist sie auch heute noch zu finden, besuchen Sie sie doch mal. Die Pflanze des Monats erscheint immer als exklusive Vorab-Veröffentlichung auf IKnews. Mehr Wissenswertes über Essbare Pflanzen, Heilkräuter und Spannendes aus der Natur gibt es auf www.wildkrautgarten.de. © Mandy Bantle

Fröhliches Wildkräutern!

Der Wildkrautgarten

 

Mahoniengelee

Mahonien-Beeren entsaften. Das geht mit dem Dampfentsafter oder man kocht die Früchte mit ein wenig Wasser auf und streicht den Brei anschließend durch ein Sieb. Pro Liter Saft mit 1kg Gelierzucker 1:1 aufkochen, kurz sprudelnd kochen lassen und nach erfolgreicher Gelierprobe in kochend ausgespülte Gläser füllen. Verfeinern lässt sich das Ganze mit Apfelsaft, einem Schuss Calvados oder ein paar Stängeln Minze.


4 Responses to Die Mahonie – Mit Pflanzenpower gegen Schuppenflechte

  1. Marcel Anke sagt:

    Danke für die Vorstellung dieser Pflanze. Hab sie schon oft gesehen und mich immer mal wieder gefragt, ob sie verwendbar ist.

  2. Foerster003 sagt:

    Schön, daß der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl in dem Artikel Erwähnung findet.

    Sein letzter Medienauftritt war in der Sendung „Leute“ bei SWR1.

    Sendungsbeschreibung:
    „Die Stoffe der Natur

    […]

    Er studierte Botanik und promovierte in Ethnologie. Er hätte eine große Karriere als Wissenschaftler machen können, aber er stieg aus: Wolf-Dieter Storl wollte ein anderes Leben führen. Er bereiste die Welt, lebte bei Indianern, in verschiedenen asiatischen Ländern und zwei Jahre in Indien. Er erforschte die heilenden Kräfte der Natur und versuchte, in Einklang mit dieser Natur zu leben. Inzwischen bewirtschaftet er einen einsamen Bergbauernhof im Allgäu und schreibt Bestseller. Sein jüngstes Buch ist Lebensprogramm und heißt „Der Selbstversorger„.

    http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=12073502/3ez50d/index.html

  3. Foerster003 sagt:

    Nach der Abgabe meines Kommentars gestern hier stellte ich fest, daß der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl eine gut gepflegte Homepage besitzt. Seine Filmhinweise stammen von Auftritten in den Hauptstrom-Medien. Ich habe mir alle seine Filmhinweise angesehen.

    http://www.storl.de/

    Dabei bin ich auf einen interessanten Sachverhalt gestoßen, der nichts mit Kräutern zu tun hat. Sein letzter Fernsehauftritt war letzten Freitag in der Talkshow „3nach9“ von Radio Bremen. Die Medienprofis hatten ihn natürlich untergebuttert. Aber der Part, wo er dran war, der hatte es trotzdem in sich.

    Das Thema wechselte sehr bald auf die USA, weil Herr Storl dort 25 Jahre gelebt hatte. Der ARD-Tagesthemen-Moderator Thomas Roth, die Pop-Sängerin Sarah Connor und der Schauspieler Armin Rohde äußerten ihre persönlichen Eindrücke über die Zustände in den USA. Daraus ergab sich ein überraschendes Sit­ten­bild der USA von heute.

    http://www.ardmediathek.de/radio-bremen-tv/3nach9/wolf-dieter-storl-ethnobotaniker?documentId=17908516

  4. Foerster003 sagt:

    In drei Minuten erklärt der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl in den Nebenstrom-Medien, welche große Bedeutung der Apfel für uns hat und für unsere Ahnen hatte.

    http://www.youtube.com/watch?v=MEppBdHAO50

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