Die zerstörerische Kraft des Überflusses

Stress, Burnout, Depression, keywords, Tafel

Wir leben in einer Zeit, wo es in unseren Breitengraden fast alles im Überfluss gibt. Jede Woche ein neues Fest, ein neuer Rummel, es wird gefeiert als würde es kein Morgen geben. Leider führt all dieser Überfluss dazu, dass die Wertigkeit nicht mehr gegeben ist. Freuten sich die Menschen früher auf die einzelnen Festlichkeiten, ist jetzt mancher bereits über den nächsten Event genervt. Die Problematik mit dem Überfluss begrenzt sich allerdings nicht nur darauf.

Fast alles ist heute zur Massenware geworden, sogar die „Freunde via Facebook“ oder anderen sozialen Netzwerken. Dabei spielt es kaum noch eine Rolle, ob man den Menschen auch wirklich kennt, denn selbst die Nachbarn trifft man nur noch selten im realen Leben.

Die Beispiele für die zerstörerische Kraft des Überflusses sind mannigfaltig und eigentlich kennt sie auch jeder. Wie sich das jedoch auf die Psyche und natürlich den Körper auswirkt, das blendet man doch lieber aus. Wer kennt es nicht, sich auf Dinge zu freuen die selten oder rar sind? Gab es früher beispielsweise einen leckeren Lachs zum Frühstück wenn man Geburtstag hatte, war es ein besonderer Augenblick. Neben der Vorfreude, war auch der Genuss ein echtes Erlebnis. Liegt der Lachs allerdings jeden Tag auf dem Tisch, wird es einfach zu einem non Event. Dabei spielt es auch keine Rolle ob man ihn nun jeden Tag isst, alleine die Möglichkeit macht es uninteressant.

Active nerve cellsDie Nebenwirkungen vom Überfluss sind darum auch Unzufriedenheit und zum Teil sogar Stress. Natürlich fordert das Belohnungssystem des Hirns immer einen Nachschlag und je größer der Überfluss ist, umso schwieriger kann diese „Gier“ befriedigt werden. Das führt sehr schnell zur kognitiven Dissonanz und so in einen Kreislauf der die Unzufriedenheit potenziert. Wie so häufig habe ich auch an dieser Stelle ein Zitat parat, dass sehr gut passt wie ich finde:

„Wer nicht glücklich ist mit dem was er hat, wird auch nicht glücklich sein mit dem was er gerne hätte.“

Die meisten Menschen sind auch kaum noch in der Lage mit all den Entwicklungen Schritt zu halten, was zu weiteren Problemen führt. Durch die mediale Dauerberieselung fehlt jede Zeit um Eindrücke zu verarbeiten und somit zu verwertbaren Informationen zu strukturieren. Aus diesem Grund ist es auch nicht erstaunlich, dass die meisten Menschen bereits morgen vergessen haben, was heute an Informationen auf sie eingeprasselt ist. Genau diesen Umstand machen sich auch gerne die Medien und die Politik zu nutzen, die Masse an Informationen – ein Großteil davon ist überflüssig – nimmt stetig zu.

Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel sind die E-Petitionen. Bereits nach der Einführung hatte ich mahnende Worte dafür gefunden. Ich hatte vermutet, dass es eine Schwemme geben würde und danach eigentlich kaum noch ein Erfolg zu erzielen ist. Früher musste man sich noch hinsetzen, etwas selbst ausfüllen, eine Marke draufkleben und zum Briefkasten wandeln. Das alles hat einen mit der Petition verbunden. Jetzt, wo täglich unzählige Petitionen eingereicht werden, nimmt man sich kaum noch die Zeit den Text zu lesen und wenn es nur wenige Zeilen sind. Durch die „Einfachheit“ und die Masse wird auch nur in den seltensten Fällen tatsächlich eine emotionale oder gedankliche Bindung aufgebaut, so dass man sich dort auf dem Laufenden hält. Das wiederum macht es der Politik relativ einfach, die Aktionen in einem Meer des Vergessens verschwimmen zu lassen.

Der Überfluss im täglichen Leben ist ein zerstörerischer Begleiter und man täte gut daran ihm nicht zu viel Platz einzuräumen. Bei vielen Dingen sollte man sich fragen ob man es wirklich braucht, sich die Veranstaltungen genau aussuchen und diese mit echten Freunden oder Familie besuchen. Ganz wichtig ist es die Dinge auch wirklich wahrzunehmen und zu genießen, denn das werden die Dinge sein, auf die man später einmal zurückblicken wird. So wie sich das heute entwickelt, werden Menschen später auf dem Sterbebett die Facebook-Chronik durchblättern, anstatt die schönsten Erinnerungen im Geiste noch einmal zu erleben.

Ohne eine Wertigkeit – die im Überfluss einfach nicht gegeben ist – kann auch nichts von Wert entstehen. Glück und Zufriedenheit entstammen aus den tiefen unserer Seele und nicht „Amazon“, „Ebay“ oder „Facebook“. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche im Leben und lernen Sie wieder glücklich und zufrieden zu sein. Kaufen Sie sich zum Beispiel eine Fernsehzeitung und versuchen Sie sich Sendungen heraus zu suchen, die Sie wirklich interessieren und nicht 400 Programme zu zappen um dann das am wenigsten Langweile zum totschlagen Ihrer Zeit zu nutzen. Nehmen Sie sich mal wieder ein gutes Buch zur Hand oder genießen Sie  auch einfach mal eine Stunde der totalen Ruhe. Ihr Geist und Ihre Seele werden es Ihnen Danken.

Einen entspannten dritten Advent und ein schönes Wochenende.

Carpe diem


6 Responses to Die zerstörerische Kraft des Überflusses

  1. Götz_v_B sagt:

    Vieles davon erinnert mich an die Zeit im pösen Unrechtsstaat (zum Glück haben wir jetzt eine rechtsstaatliche Demokratie) Die Freude am Lachs war auf vieles übertragbar, da es keinen Überfluss und Schwemme an sinnlosen oft unbrauchbaren Dingen gab. Es kam auch noch dazu, an vielen Dingen konnte man sich sehr lange freuen, da sie nicht zwei Tage nach der Garantie „zufällig“ kaputt gingen.
    Gefeiert wurde früher mehr als heute und es war immer schön, es gab in der Richtung keine Gewöhnung oder Abstumpfung, vielleicht lag es auch daran, das die Gespräche sich nicht um Zukunftsangst, Arbeitslosigkeit und ähnliche 89 erkämpfte Errungenschaften drehten. Das wirklich Ersatunliche ist, die Leute kannten sich sich und es gab Freunde, obwohl es kein Gesichtsbuch gab.
    Burnout kommt vom Überfluss an Infos, gar nicht so verkehrt, wenn man drüber nachdenkt. Sinnlose, überflüssige und negative Infos können allerhand zerstören. Die Streuung der selben und das damit oft verbundene Teile und Herrsche Prinzip, wird von unseren Volkszertretern perfekt beherrscht. Mehr bringen sie aber auch wirklich nicht, diese auf fremde Kosten existierenden „Lebensformen“.
    Das Zitat oben sollte man mal den vielen Hamsterradrennern an die Stirn nageln.

    Ich bin nicht bei Ama, nicht bei Fb, in der Bucht auch eher selten, bin ich jetzt unnormal oder pervers!?

    Jens Dir auch auch ein schönes WE und einen ruhigen 3. Advent
    Viele Grüße

  2. Infoliner sagt:

    Gut beschrieben! Jetzt fühle ich mich verstanden in meiner Kritik an der neuen Nachrichtenumleitung auf NNE, die mir die Möglichkeit nimmt, die Informationen direkt nach Ihrer Herkunft zu wählen. Der Umweg über die Seite jedes mal, mit den ganzen „Abstracts“, ist mir zu groß. Sind Dir die Nummern (Zugriffszahlen) das wirklich wert?
    Sieh das bitte nicht als Mißachtung Deiner Arbeit, im Gegenteil, wenn es mir nicht am Herzen läge, hätte ich geschwiegen.

  3. Jens Blecker sagt:

    Der Umstand hat dazu geführt, dass Floppy sich nun noch einmal den Originalfeeder von NNE vorgenommen hat und da einige Probleme gefixt hat, so dass der wieder bei mir eingebaut ist und da steht die Quelle 😉

  4. joachim sagt:

    Wahre Wort Jens, dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen. Januar 2012 habe ich einen Artikel verfasst, der deine Zeilen noch ein wenig ergänzt:

    Verlorene Menschheit: eine desolate Gesellschaft gefangen in sich selbst

    http://www.buergerstimme.com/Design2/2012-01/verlorene-menschheit-eine-desolate-gesellschaft-gefangen-in-sich-selbst/

    Der Mensch achtet nicht mehr auf das Wesentlich, lebt oberflächlich, lässt sich ablenken und manipulieren. Die Folge? Depression, zunehmende Armut, fehlendes Familienbewusstsein!

  5. Oha – toller Fix. 😉

    Nachdem ich das NNE-Script temporär erlaubte, darf ich jetzt im Originalfeeder die Homepage des Artikels erfahren.

    Dafür zeigt die Übersicht von NNE darüber gar nichts an.

    Na immerhin….

    Zum Thema :
    Guter Artikel.
    Wer nicht freiwillig Genügsamkeit übt und sich damit auch der hilfreichen Missachtung der Konsumsklaven aussetzt, wird es, wenn die Umstände Knappheit erzwingen werden, deutlich schwerer haben.

    Aber das ist ja nix Neues.

    Ich wollte nur nicht nur meckern…

    Schönes Wochenende 🙂

  6. michaelbunny sagt:

    Es sind zwar die Jungs jenseits der Atlantik die wirklich jede Idee in 100 mal variiert und tausende male anders verpackt als quieckends Ferkel durch Dorf treiben. Der Rest von der Menschheit ist gar nicht so anders … aber der Exzess ist grausam in allen Bereichen.

    Erinnert mich so an die Aufnahmen aus Q-Kontinuum. Eine Wild West Stadt alle sitzen schweigend herum – Alles was zu tun ist ist getan und all das zu sagen war ist gesagt.

    Da ist schon was dran.

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