2013 – Ein essayistischer (und nicht ganz unsatirischer) Rückblick

Jahresrückblick

Und schon wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Die Medien sind zurzeit voll mit Jahresrückblicken. Dem kritischen Bürger wird dadurch wieder einmal in komprimierter Weise vor Augen geführt, mit welch dreisten Falschmeldungen bzw. falschen Darstellungen die massenmediale Landschaft übersät ist und wird. An dieser Stelle sollen auch propagandistisch aufgebaute Trugbilder zurechtgerückt werden, die die vermeintliche Medienrealität mit Unwahrheiten verseuchen.

 

Beginnen wir den Jahresrückblick kulinarisch. Erstaunlich, wie kurzsichtig die Menschen doch manchmal sein können. Da wird potenziell BSE-verseuchtes Rindfleisch durch die Delikatesse Pferdefleisch ersetzt und alle regen sich auf. Mein Metzger um die Ecke ist absoluter Experte auf dem Gebiet, und er bestätigte mir den vorhandenen und unwiderlegbaren Qualitätsunterschied. Er erzählte mir zudem, dass er sich aufgrund der Thematisierung in den Medien, eines gestiegenen Interesses bei Pferdeklopsen erfreut. Man muss zudem doch auch mal die positiven Effekte des Marktmechanismus erkennen. Es ist wie bei dem Prozess der so genannten „kreativen Zerstörung“, der aus der Volkswirtschaft bekannt ist: Alte Produkte werden durch innovative verdrängt, die Wirtschaftsstrukturen verbessern sich, und es findet eine Neuordnung statt, die einer Frischzellen-Kur gleicht. So funktioniert nun einmal freie Marktwirtschaft, und sie nützt der Gesellschaft. Wenn wir Schimmel statt blödem Rindvieh essen, profitieren wir doch nur davon. Und außerdem: Bestimmt wird der investigative Journalismus bald aufdecken, mit welchen niederträchtigen Mitteln die skrupellose Rindfleisch-Lobby die Pferde-Metzger bekämpft. Großzügige Parteispenden, ein unübersehbar enormer manipulativer Einfluss auf die Medien usw. usf. Die ganze Bandbreite wird ausgeschöpft. Der Skandal ist für das kommende Jahr geradezu vorprogrammiert.

oguz_ikn_h2Zu den geopolitischen Themen: Endlich hat sich die Weltgemeinschaft aufgerafft und unsere Welt sicherer gemacht. Der Atomkonflikt mit dem Iran, der wie ein Damoklesschwert über unserem Planeten hing, ist beigelegt. Schön zu sehen, dass so schnell aus Feinden so gute Freunde werden können, die bis vor kurzem seit Dekaden nicht mehr miteinander gesprochen hatten. Ein historischer Hoffnungsschimmer für die Menschlichkeit in der Politik und ein Vorbild für kommende Generationen. Irans Präsident hat amerikanische Ölkonzerne eingeladen, im Land zu investieren. Sie verstehen sich sogar mittlerweile so gut, dass sie nicht nur miteinander reden, sondern auch zusammen etwas unternehmen wollen.

Präsident Assad… oder berichteten einige Medien nicht davon, dass es die Rebellen gewesen seien, die Chemiewaffen in Syrien eingesetzt hätten…? Ist ja auch egal, welche Quelle nun stimmt… Hauptsache ist doch, dass die Chemiewaffen jetzt irgendwann, irgendwie, irgendwo vernichtet werden. Und übrigens auch Afrika kann wieder hoffnungslos in die Zukunft blicken. Denn gegen den Extremismus auf dem Kontinent hat sich todsicheres Rezept bewährt: L’armée hollandaise.

Dieses Jahr sind auch einige verstimmende Dinge passiert, was bedauerlicherweise nicht ausbleibt. Für alle freiheitsliebenden Hoteliers, Apotheker und Spielautomatenfirmen war das Jahr bitter. Kommt nach dem Regierungswechsel etwa ihr Mindestlohn in Gefahr? Die FDP ist in der kommenden Legislaturperiode zwar nicht vertreten, aber der blau-gelbe Phoenix hat nun vier Jahre Zeit, um wieder aus der Asche aufzuerstehen und ihre Epoche der Renaissance einzuleiten.

Schade auch, dass Verhältnis zu unseren amerikanischen Freunden gelitten hat. Der Geheimnisverräter Edward Snowden hat für den so genannten NSA-„Skandal“ gesorgt. Der Aufschrei in der Öffentlichkeit zeigt doch in Wirklichkeit nur, wer was zu verbergen hat und wer nicht. Absolut unfair, dass die Amerikaner in den Medien gescholten werden, da man doch wissen müsste, dass alle Geheimdienste sich gegenseitig auszuspionieren. Aber nur die USA werden kritisiert. Der reinste Anti-Amerikanismus. Die Mischung aus Anti-Amerikanismus und Naivität geht auch mir gewaltig auf den Senkel, Herr Friedrich. Dass wir ihnen den Marshall-Plan und damit den Wohlstand im Lande zu verdanken haben, daran denkt natürlich niemand. Sie tun das nur, um uns zu schützen und werden dafür beschimpft. Wie wäre es mit ein bisschen Dankbarkeit dafür?

Und in dem Zusammenhang zeigt sich wieder einmal, wie amateurhaft die Massenmedien recherchieren. Es waren größtenteils gar nicht staatliche Institutionen wie behauptet. Über 70 Prozent des Sicherheitsapparates in den USA sind outgesourct. Da haben wir wieder ein Beispiel dafür, wie Desinformationen verbreitet werden. Der britische Geheimdienst GCHQ hat das Ziel definiert, dass die Erkenntnisse der Datensammlung das Ökonomische Wohlergehen nutzen solle. Die guten Absichten der angelsächsischen Geheimdienste werden einfach mal ignoriert. Da liegt der wahre Skandal!

Um König Fußball nicht zu vergessen: In Katar sollen Arbeitersklaven arbeiten? Das wäre ja empörend. Doch konnte uns Kaiser Franz glücklicherweise beruhigen. Er hat seine REFA-Stoppuhr eingepackt und die Arbeiterquartiere bis in die letzte Ecke höchstpersönlich inspiziert. Von wegen Sklaven. Keinen einzigen hat er gesehen! Die sensationslustigen Medien lassen doch nichts unversucht, um mit reißerischen Lügen aus eigenen Profitinteressen die Leute aufzuwiegeln. Und die ganzen NGOs vor Ort sind nichts anderes als gezielt eingesetzte Agents provocateurs, die von den raffgierigen und nimmersatten Faulpelzen in der Wüste bezahlt werden.

Zurück zur Innenpolitik, zu Ursula von der Leyen. Wieso sollte man eine approbierte Ärztin, die zudem einen Master of Public Health inne hat, auch für das Gesundheitsministerium in Betracht ziehen? Und die neidischen Nörgler, die kritisieren, dass sie noch nicht mal in der Bundeswehr gedient hätte, sollten sich erst einmal anschauen, welche Ministerien diese Frau schon geleitet hat. Soziales, Frauen, Familie, Senioren und Jugend, Arbeit…Hat sie alles ohne irgendwelche Fähigkeitslücken bravourös gemeistert. Danke Frau von der Leyen, dass wir bei Ihnen in sicheren Händen sind und nun keinerlei Invasion mehr zu befürchten haben. Dass sie zu unseren Truppen steht, hat sie bewiesen. Sie ist nach schon längst zum Frühstücken nach Afghanistan geflogen, um unsere Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. Kunduz, 12:30 Uhr: Die Frisur sitzt – bei Bombenwetter.

Wie Alexander der Große steht sie zu den Truppen und ist ein Teil von ihnen. Unsere VDL… was übrigens keine Abkürzung von „von der Leyen“ ist, sondern bedeutet es „Volldrauf Los!“. Da haben sich die Wortakrobaten der PR-Agentur, die von der Bundeswehr engagiert haben, wirklich was Eingängiges einfallen lassen – Chapeau! Wenn VDL sich nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ die Panzerfaust schnappt und schreiend auf die Taliban-Front zustürmt, werden sich die Kameraden ihren Augen nicht trauen, wenn sie sehen, dass sie unter dem Gewicht der ca. 13 kg schweren Waffe nicht zusammenbricht. Sie werden sich die kommenden Jahre noch wundern, was das kleine VDLchen noch so alles schultern kann.

Eine weitere beeindruckende Politiker-Persönlichkeit dieses Jahres war zweifelsohne Peer Steinbrück. Er hat während des Wahlkampfes immer wieder beteuert, dass es mit ihm keine Ampel, kein Linksbündnis und keine große Koalition geben werde. Ein Mann, ein Wort. Das ist es, was er, der Peer verkörpert. Wie versprochen, spielt er keine Rolle bei der neuen Großen Koalition. Er wolle nicht mehr der Steigbügelhalter von Angela Merkel sein. Weil er zu seinem Wort gestanden hat, wird als Steigbügelhalter jetzt auch einer seiner Parteikollegen herhalten müssen.

Mit der „GroKo“, dem Wort des Jahres, sei hier auch schon ein Schnitt gemacht. Ein Jahr ist zu lang, als dass in einem solch kurzem Beitrag alle Themen gebührend berücksichtigt werden könnten. A propos GroKo… Zum Schluss dieser kleinen Rückschau noch mein persönliches Wort des Jahres: http://de.wikipedia.org/wiki/Chapulling

Ich wünsche der ganzen IKNews-Community schöne Feiertage!


4 Responses to 2013 – Ein essayistischer (und nicht ganz unsatirischer) Rückblick

  1. Herbert Ludwig sagt:

    Sehr schön des Autors persönliches Wort des Jahres.
    Passend dazu mein persönlicher Mann des Jahres:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/07/27/duran-adam-der-mann-der-einfach-dasteht/

  2. Asgard sagt:

    Ist schon interessant wie schnell das Insider Boston Bombenattentat aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet – ich meine wir sind hier nicht auf einer Mainstream Plattform –
    Aber anscheinend interessiert das kein Schwein mehr und noch weniger den Weihnachtsmann 😉

  3. Zartbitter sagt:

    „Dass wir ihnen den Marshall-Plan und damit den Wohlstand im Lande zu verdanken haben, daran denkt natürlich niemand.“

    Ist das eigentlich Satire? Hhmm, kann ich ja gleich zur Süddeutschen Online Ausgabe gehen.

  4. O. Calli sagt:

    Was wer als Satire wahrnimmt oder interpretiert, ist naturgemäß vom Einzelnen abhängig.

    Bei dem oben zitierten Satz mit dem Marshall-Plan, ging es mir zumindest darum, dass die geforderte Dankbarkeit gegenüber den Amerikanern – vor allem vom konservativen Lager – noch immer angebracht wird. Als die Talkshows rund um den NSA-Skandal liefen, wurden oft solche Argumente verwendet, um Kritikern einer flächendeckenden Überwachung durch US-Geheimdienste Gegenargumente hervorzubringen. Der „Witz“ an der Sache liegt meines Erachtens darin, dass etwas, das schon vor über 60 Jahren geschehen ist, immer noch für ein „aktuelles“ Argument herhalten muss. Das lenkt nur ab, was wohl auch beabsichtigt ist…

    Dass der Marshall-Plan auch nicht ganz uneigennützig war (in Bezug auf die geschäftsmäßige Kreditvergabe amerikanischer Banken, Erschließung neuer Absatzmärkte etc.) ist dabei nochmal eine ganz andere Geschichte.

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