Peak Dept: Chinas stille Kriegserklärung an den Westen

yuan

Während der normale Bürger China noch im Reich der Quitsche-Entchen sieht, schrillen bei Analysten bereits die Alarmglocken. Die Dampflok der Weltwirtschaft ist in vollen Zügen beim Paradigmenwechsel, weg von der Exportnation – hin zu einem florierenden Binnenmarkt. Die Fortschritte der letzten 10 Jahre sind beachtlich und dürfen durchaus beunruhigen, die Unabhängigkeit vom Export wächst unaufhörlich.


Natürlich ist China noch meilenweit davon entfernt die strukturellen Probleme gelöst zu haben, aber die Exportabhängigkeit wird zunehmend geringer. Noch vor wenigen Jahren war alles unter 12% – 14% Wachstum eine Katastrophe für alle Beteiligten. Einen Bereich beackert Peking besonders stark, als Lehre aus dem Jahr 2007, die Nahrungssicherheit.

Es ist ein Spagat, den die Regierung absolvieren muss, um die Landwirtschaft aufrecht zu erhalten. Alles was irgendwie kann, strebt in die wachsenden Megastädte. Man möchte Anteil haben, an dem Wirtschaftsaufschwung und dem Konsum. Gestern veröffentlichte die Staatsnahe Nachrichtenseite China.org einen Artikel zur Nahrungssicherheit. Darin heißt es:

China und die Nahrungssicherheit
Für ein Land wie China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern ist die Nahrungssicherheit von allerhöchster Bedeutung. Die Bevölkerung satt zu kriegen hat für chinesische Politiker von jeher Priorität. Doch durch die neue Urbanisierungswelle, bei der immer mehr Bauern ihre Scholle verlassen und in die wachsenden Megastädte ziehen, wird die Erreichung der Nahrungssicherheit eine schwierige Aufgabe.
[…]
China hat im letzten Jahr eine Rekordernte von 602 Millionen Tonnen Getreide eingefahren. Das war eine Steigerung von 2,1 Prozent gegenüber 2012 – damit ist die chinesische Getreideproduktion in den letzten 10 Jahren jedes Jahr kontinuierlich gestiegen. Bei etwa 90 Prozent dieses Getreides handelt es sich um Reis, Weizen und Mais. China muss dabei nicht viel Getreide importieren, denn es deckt etwa 97 Prozent seines Bedarfs selbst.
[…]
Da wären zum Beispiel die fehlenden Arbeiter auf dem Land. Angelockt von besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen in den Städten haben viele der 260 Millionen Arbeiter auf dem Land ihre Jobs verlassen und sind in die Städte gezogen. Als Resultat dieser Entwicklung liegen riesige Ackerflächen einfach brach, weil es nicht mehr genug Arbeiter gibt, um sie zu bebauen.

Dieser Trend wird sich nur schwer umkehren lassen, da vor allem viele Jugendliche ihre ländliche Heimat verlassen und in den großen Städten nach Chancen suchen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass nur noch 7,7 Prozent der neuen Generation dazu bereit sind, die Felder ihrer Väter zu bestellen.[1]

Nun, das kann man sicherlich niemandem verübeln. Vielleicht werden dann bald die vietnamesischen Gastarbeiter aufgestockt, so absurd wie das auch klingt.

Heute macht ein kleiner Dreizeiler bei Reuters auf sich aufmerksam. Es geht um das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik. Für 2014 wird 7,5 % angepeilt, was für chinesische Verhältnisse schon einer Rezession gleicht. Im zweiten Absatz kommt aber die eigentliche Information, dort heißt es:

China peilt 2014 Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent an
Die Inflation soll 2014 rund 3,5 Prozent betragen. Das Haushaltsdefizit dürfte bei 2,1 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liegen. Li will die exportabhängige Wirtschaft reformieren und vor allem den Konsum stärken.[2]

Werfen wir nun einen Blick auf die Entwicklung der US Treasury Bonds:

Quelle: Washington Post

Quelle: Washington Post

Nun auf die Entwicklung seit Oktober 2013 in Zahlen:

Department of the Treasury

Department of the Treasury

Man kann eindeutig feststellen, dass der Peak Dept überschritten ist. China will nicht länger die Bank für die USA spielen. Auf Jahressicht wurden die Staatsanleihen immerhin um 131 Milliarden Dollar reduziert. Momentan klingt eine Summe von 131.000 Millionen zwar nicht mehr so viel, aber realistisch ist das mehr als die Hälfte eines BIP von Griechenland.

Ein weiterer interessanter Punkt ist die starke Erhöhung des Militärbudgets um immerhin 12 %. Dieses liegt dann bei 808 Milliarden, allerdings Yuan, was umgerechnet 95,7 Milliarden Euro entspricht. Das verschiessen die USA an einem guten Tag in Afghanistan. Dadurch sollte sich die Menschheit also nicht im Weltfrieden bedroht sehen.

Fazit: Es dürfte keine Dekade mehr dauern, bis China vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur wird. Wenn das geschafft ist, wird es neue Kriege geben, um Rohstoffe. Die zeit von China als verlängerte Werkbank des Westens sieht seinem Ende entgegen und wenn dem nicht bald Rechnung getragen wird, gibt es ein sehr schmerzhaftes Erwachen. Extrem wichtig ist es die chinesische Blase im Auge zu behalten, diese schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Menschen.

Carpe diem

[1] http://german.china.org.cn/business/txt/2014-03/04/content_31668146.htm
[2] http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEEA2400L20140305


5 Responses to Peak Dept: Chinas stille Kriegserklärung an den Westen

  1. Frank H. sagt:

    Ein komplett in sich geschlossener Wirtschaftskreislauf: Eine Panikfaktor mehr auf dem US Barometer. Für die Bänskters ein Alptraum.

  2. Tester sagt:

    Du kannst die Kosten fürs Militär nicht 1:1 vergleichen, man muss auch die Herstellkosten und Löhne in die Rechnung einbeziehen. Dann sieht es doch um einiges anders aus.

    Ansonsten wundern mich die positiven Töne, bis vor kurzem war da nur eine riesige Blase, die kurz vor dem Platzen war 😉

  3. Ice-Dealer sagt:

    ?? oktober 2013 sind die beträge doch höher als oktober 2012? die relative verschuldung und schuldzahlung kann doch auch andere ursachen haben(z.b. aufkauf der zentralbank und geringere zinsrate)

    Importeur ist doch etwas schönes für den deutschen, jemand, der unsere sachen kauft ist besser als jemand der sie produziert

    der Krieg um Ressourcen wird doch heute schon geführt?

  4. Jens Blecker sagt:

    Nunja China ist Exporteur auf Nasse, das einzige was da noch steigt sind die Forderungen, also ähnlich wie bei uns mit den Targetsalden. Am Ende ist das dann nicht unbedingt befriedigend 😉

  5. personanongrataincognito sagt:

    WOW!

    Die Chinesen haben jetzt plötzlich einen Binnemarkt von dick über 1,5 Milliarde Einwohnern? Echt? Wie kommt das denn?

    Mann, da bin ich aber überrascht!

    Können sie sich jetzt, nachdem sie unsere Technologien geklaut haben, etwa erlauben, mit „unseren“ seltenen Erden, „unseren“ Lebensstandard künftig leisten? Haben sie es womöglich heimlich geplant, um uns zu besetzen? Für uns nichts neues…

    Ich schlage vor, wir währen die chinesische Bevölkerungswachstumswelle ab mit unserer Geheimwaffe – Wester(n)Welle gegen den CH Bevölkerungswachstum! Wir haben doch freie Ressourcen in Ministerrang AD!

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