Österreich: Hypo Alpe Adria als Fibermesser?

sturm krise wolken

Schwarze Gewitterwolken hängen über der beschaulichen Alpenrepublik. Mit vollen Händen schüttete man Kredite in die Balkanstaaten hinein, diese aufstrebenden Märkte wollte man sich nicht entgehen lassen. Das strukturelle und andere Probleme auftreten könnten, daran wollte niemand denken, global und international war die Devise. Jetzt steht die Bank vor der Abwicklung und Kärnten vor der Pleite.


Über die Hypo Alpe Adria ließe sich ein Krimi drehen. Besonders als die Bayern LB das ganz große Rad drehte und Mehrheitseigner der Bank wurde. Mittlerweile ist die Hypo verstaatlicht und die Spekulationsverluste sozialisiert. Mindestens 17,8 Milliarden Euro an faulen Krediten sollen in den modrigen Gewölben der Bank schlummern, für eine Nation wie Österreich mit einem nominalen BIP von ~ 300 Milliarden Euro ist das schon eine gewaltige Hausnummer.

Im Zuge der Rettung hatte Österreich schon 4,8 Milliarden Euro an Kapital und Garantien in den Tiefen dieser Finanzschlucht versenkt. Bis Ende März soll nun entschieden werden, ob man die Bank in die Insolvenz schickt, oder eben mittels einer Bad Bank einen toten Körper eine Weile an der Herz-Lungenmaschine erhält.

Die Hypo Alpe Adria ist allerdings nur die Speerspitze einer ganzen Reihe von Problembanken. Auch bei der Erste Group ist man vom Sonnenschein noch Meilenweit entfernt. Zur Alpe Adria heißt es bei der Wiwo:

Der letzte Tanz:Österreich stolpert in die Krise
[…]
Die Ukraine-Krise könnte für die geschwächten österreichischen Banken böse Folgen haben. Ohnehin schlittert die Alpenrepublik immer tiefer in eine wirtschaftliche und politische Krise. Die Eliten ducken sich dabei weg.
[…]
Und dieses Monster weiß die Politik nicht zu bändigen. Heerscharen von Beratern, allen voran die Unternehmensberatung Oliver Wyman, haben für teuer Geld Szenarien für eine Abwicklung entwickelt.
[…]
Das Rating des Landes und seiner Banken würde sich dramatisch verschlechtern. Eine Insolvenz wiederum erschüttert den Finanz- und Wirtschaftsstandort Österreich in seinen Grundfesten – mit unabsehbaren Folgen.[1]

Das Engagement in den Balkan und Osteuropa könnte sich für Österreich als Sargnagel herausstellen. Das einst so solide Land steht am Abgrund, da auch dort der Blutrausch der Wallstreet praktiziert wurde. Das weltweite Bankensystem sieht sich ähnlichen Schwierigkeiten ausgesetzt, fehlt nur eine Initialzündung um das Kartenhaus zum Einsturz und die Ersparnisse der Bürger zum Platzen zu bringen.

Carpe diem

[1] http://www.wiwo.de/unternehmen/banken/der-letzte-tanz-oesterreich-stolpert-in-die-krise/9560998.html


16 Responses to Österreich: Hypo Alpe Adria als Fibermesser?

  1. Keee sagt:

    Leider traurig das ganze Schauspiel. Noch trauriger dass viele Österreicher immer noch mit der rosaroten Brille das Ganze betrachten. „Uns geht es ja noch gut“, so der Tenor der über den Alpen erklingt. Die Schraube, welche von Wallstreet und elitären Kräften angelegt wurde zieht sich immer fester an und auch wenn Leute mich und andere Menschen, die dies erkannt haben und auch offen darüber sprechen, noch belächeln, bald wird es nur noch wenig zu lachen geben. Dabei gibt es soviel Information über das bestehende, menschenverachtende System. Sei es die Wissensmanufaktur, diese Seite oder Franz Hörmann. Doch viele halten dem Glauben an eine bewusste und friedliche Lösung fest und so geht die Arbeit weiter. „consillio, non impetu“ („Mit Überlegung, nicht mit Gewalt“)

  2. Frank H. sagt:

    Ich zitiere mal den verstorbenen österreichischen Künstler FALCO:

    „Ich bewundere Jörg Haider für seine klaren Worte. Aber er ist in dem falschen Umfeld tätig.“

    Haider war Landeshauptmann in Kärnten. Haider hat diesen Mist für Dritte eingefädelt. Haider hat das letztendlich mit seinem Leben bezahlt. Sein Wagen war nicht präpariert. Aber seine Getränke waren es möglicherweise.

  3. chRis1988 sagt:

    ach wir armen Kärntner, was machen wir denn nur alles mit? Ob es wirklich so schlimm kommen wird für Kärnten mag ich zu bezweifeln. Aber time will tell 😉

  4. tom sagt:

    … in Anbetracht, dass heute völlig, einem einzelnen, verstorbenen (verunfallten oder geunfallten ?) Politiker die Schuld an dem HYPO AlPE ADRIA – Desaster gegeben wird, frage ich mich schon, WARUM sich den unsere große Koalition (ÖVP/SPÖ) sooo vehement GEGEN einen Untersuchungsausschuss, welcher von sämtlichen Opositionsparteien gefordert wird, stellt …

    … keine blöde Frage, oder ?

  5. Frank H. sagt:

    Ganz einfach, weil die Ösi Bundesregierung natürlich mit darinnen hing.
    Und das Bundesland Bayern / Bundesregierung DE hat ebenfalls NULL Interesse auf Wahrheiten. -.o
    Die „winzige“ Opposition kann also weiterhin gefahrlos ggü. der Asutria / Germania Seilschaften fordern. -.o

  6. Frank H. sagt:

    Soweit ich gelesen hatte, war der Haider Jörg im Vorstand / Aufsichtsrat der Bank.

  7. Frank H. sagt:

    Haidre verfügte laut seine Biografie wohl auch über gute Kontakte nach Istambul und Ankara. Na klingelt’s?! Schwarze Konten nicht ganz auszuschliessen.

  8. Frank H. sagt:

    NSU Skandale und geheime Geldwäsche. So manche Staatsbank Eruropas dürfte genauso wie Privatbanken im politischen Geschäft sein….

  9. tom sagt:

    ja-ne Frank, ist mir schon klar, dass die Drecksbande da fett mit „drinnen“ hängt …

    … aber den „schwarzen Peter“ hauptsächlich einem einzelnen (und noch dazu ziemlich toten) Menschen zuzuschieben, finde ich mal, gelinde gesagt, erbärmlich …

  10. pedrobergerac sagt:

    F ie bermesser

  11. Tranfunzel sagt:

    Wie hoch ist denn die Temperatur schon? Gefühlt oder real?

  12. lauser007 sagt:

    Genau so ist es! Natürlich im Auftrag……

    Der Verkauf an die Bayern war ein Superdeal von Haider.
    Kärnten war bei der Haftung danach an 5. Stelle und nie belangbar.
    Der Raiffeisen-Mafia hätte es wegen einiger Beteiligungen aber an die 5 Mrd. gekostet.

    “Goldman Sax” von Ö hat darauf ihren Pröll-Bubi beauftragt zu verstaatlichen.
    Wenige Tage später krank, raus aus der Politik und wieder am Trog von Raiffeisen.

    Alles danach wissen wir ja. Alleine mit 700.000 Mio. haben sich inzwischen “Experten”
    über Beratungen bereichert.

    Alle Beteiligten wissen es. Die Presse wurde nach kurzen Meldungen gleich an die Kantare genommen. Einige der größten Pressehäuser gehören dem Raiffeisen-Goldman-Freimaurer-Imperium. ÖVP, SPÖ und Grüne sind unterwandert und abhängige Erfüllungsgehilfen.

    Der Michl begreift langsam wie er verarscht wird… ist noch genügend Zeit?
    Wann werden kritische Presseleute endlich aufstehen und die globalen Spielchen nicht mehr mitmachen?
    Was die Welt braucht ist politische Unabhängigkeit von Presse und Justiz, dann hätte der Spuk ein Ende….

  13. michaelbunny sagt:

    Die Hypo Alpe Adria ist wahrlich ein Krimi.

    Zu den Landeshaftungen. Österreich hatte eine lange Tradition und bis auf Kärnten sind die Landeshaftungen abgebaut im großen Stil. Ob das alles wieder so stimmt, weiß keiner so genau. Gehen wir mal davon aus, dass die Haftungssummen zumindest im Großen weg sind. Die Hebelung bis zum 12fachen vom Landesbudget Kärnten im Peak ist gewagt. Wobei bis 2002 war die Sache noch im Rahmen. Das waren so 2Mrd. Ab dann ist nicht mehr ganz klar was passiert ist…

    Es häufen sich in ganz Österreich sei es der Swap in Linz, die Zockerei in Salzburg, Empfehlungen vom Rechnungshof moderne Finanzinstrumente einzusetzen und damit die Finanzierungskosten zu senken … seit 2002 die Vorkommnisse. BAWAG Skandal (Wolfgang Flöttl als bekannteste Figur) – BAWAG Ungereimtheiten beim Swap in Linz, Salzburg mit der Deutschen Bank …

    Es gab ja 2008 sogar eine ‚Rettung Osten‘. Das ist mittlerweile in Vergessenheit geraten, das war für .at spannender. Ansonsten hängt bei uns die Volksbanken AG und die RBI genauso. Die RBI ist etwas geübter. Die Raiffeisenbank selbst betreibt ja schon seit Jahrzehnten ein Ost Geschäft … Die haben früher auch massiv müssen abschreiben. Am Peak ware das gesamte Bankensystem bei uns mit dem bis zu 3fachen vom BIP im Risiko. Wenn in Summe drauf schaut – sind die groben Risken gedämpft.

    Ändert nichts daran, dass unklar ist
    a) Hat die Bayrische Hypo vor dem zurückgeben noch Schulden abgeladen oder Risken nicht übernommen
    b) Wie weit hängt die Raiffeisenbank mit drinnen… das ist irgendetwas im Busch. Es haben zwar andere Banken auch Beteiligungen im Umfeld Hypo … nicht nur die anderen Hypothekenbanken. Für ein Hypothekenbank ist die Finanzierung von ‚Realitäten‘ nicht so ungewöhnlich. Angeblich war die Hypo Alpe Adria eher spät dran und versucht noch später als die Erste auf den Zug aufzuspringen … was wirklich dahintersteht weiß keiner so genau. Das Gehörte ist nicht wirklich ganz konsistent. Die Finanzaufsicht wollte schon Mitte letzte Dekade mal strenger prüfen und wurde zurückgepfiffen respektive abgeblockt.

    Braucht keiner glauben die Ratings einer Ersten Allgemeinen oder RBI so berauschend wären. Ein wenig besser wurden sie.

    Österreich ist weit davon entfernt, Europäischen Nachbarn unter die Arme zu greifen… respektive zu können.

  14. michaelbunny sagt:

    Die Beraterhonorare sind erstaunlich… Die Berater/Gutachter haften, das darf man nicht vergessen. Es sind auch Gutachter dabei. Zumindest hoffe ich, dass das mit ein Grund ist. Ansonsten wäre die Höhe wohl ungewöhnlich oder zumindest schamlos gewöhnlich.

  15. michaelbunny sagt:

    Klar. War der Landeshauptmann und die Bank ist die ‚Hypo Kärnten‘. Alpen Adria ist eine Region…

    Das Problem ist einfach – in einem globalisierten Finanzsystem auf Nationalökonomie Ebene eine Haftung zu begründen ist Unsinn. Da ist keine Symmetrie im Spiel, die ist außen vor.

    Die Hypo Alpe Adria hat ja mündelsichere Anleihen ausgegeben… deswegen würde es relativ hurtig den gesamten Hypo Sektor treffen. Im Prinzip haben sie bei uns in .at die RBI und Erste AG als börsennotiere Sondergesellschaften die Banken und Sparkassenverbunde. Raiffeisen und Sparkasse kommen ursprünglich aus der Tradition von Genossenschaft für Landwirte. Wie heißt es so schönen. Währungen kommen und gehen – die Sparkasse und Raiffeisen gibt es schon länger als 100 Jahre …

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