Index-Absturz in China: Manipulation von Außen?

Quelle: Zerohedge.com

Eigentlich gehört China nicht unbedingt zu den offensten und transparentesten Märkten. Über viele Jahre war es für Ausländer kaum möglich dort zu investieren oder tätig zu werden. Das schützte weitgehend vor Eingriffen oder Manipulationen aus dem Ausland, schränkte aber auch ungemein ein. China hat sich Stück für Stück nach Außen geöffnet, wie wir am aktuellen Beispiel zeigen wollen, hat das aber möglicherweise nicht nur Vorteile. Abgesehen von skrupellosen Finanzinstituten, wurden so auch die Tore für Interventionen ganz anderer Art geöffnet. Der mysteriöse Absturz der Börse in Shanghai könnte damit zu tun haben. Gründe hierfür gebe es genügend, doch bleiben wir zunächst bei den Fakten.


Hier ein Chart vom 9. Dezember:

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Innerhalb eines Tages hatte der Shanghai Stock Exchange Composite Index (SSE Composite Index) den größten Verlust seit 5 Jahren eingefahren. Immerhin gut 5 Prozent rauschte der Kursindex ab. Zuvor war er im Monate davor um etwa 20 Prozent nahezu ungebremst gestiegen. Mit den Fundamentaldaten hatte das wenig zu tun und die Geldpolitik in China war sehr viel zurückhaltender als in Europa oder den USA.

sse_novQuelle: Bloomberg

Eigentlich löst ein solcher Absturz in der Regel eine gewisse Panik aus und flacht daher auch eher langsam ab. Bei diesem Absturz war es allerdings bereits am nächsten Tag als wäre nie etwas gewesen. Da werden Erinnerungen wach, als im Juni 2013 der chinesische Interbankenmarkt wie von Geisterhand kollabierte. Hier der Chart von damals:

Quelle: Zerohedge

Auch in diesem Fall war der Spuk sozusagen „overnight“ wieder vorbei, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht rationell zu erklären ist. Beim Interbankenmarkt geht es darum, zu welchen Zinssätzen sich Banken untereinander Liquidität zur Verfügung stellen. Wenn dort eine derartige Vertrauenskrise herrschen würde, ließe sich das nicht über Nacht beseitigen, da können Sie sicher sein.

Was also war hier geschehen? Die Vermutung liegt nahe, dass massiv von Außen in den Markt eingegriffen wurde und diese „Krise“ provoziert. Damals war der Whistle Blower Edward Snowden gerade in Hong Kong, vielleicht erinnern Sie sich? Ein Zusammenhang ist nicht beweisbar, aber eigenartig war dieser Zufall bestimmt.

Früher war der Aktienhandel völlig anders organisiert als heute. Auf dem Parkett wurde gebrüllt, gefuchtelt und bis nahe an den Herzinfarkt gehandelt. Das gehört der Vergangenheit an. Heute übernehmen Algorithmen und Hochleistungscomputer diese Aufgabe und im Hochfrequenzhandel wechseln binnen Millisekunden Milliarden den Besitzer. Das öffnet der Manipulation Tür und Tor, wie ein prominentes Beispiel der vergangenen Tage zeigt. Es geht um den Absturz der Aktie von Apple. Die Wirtschaftswoche veröffentliche dazu einen Artikel unter dem Titel:

Hochfrequenzhandel: Unkalkulierbares Risiko für Anleger
Ein Aktienkurs sackt innerhalb einer Minute um fünf Prozent ab. Ohne nennenswerte Unternehmensnachrichten. Kurz darauf springt er fast wieder auf das Ausgangsniveau. So geschehen am 1. Dezember um 15.50 Uhr unserer Zeit. Nicht bei irgendeiner Aktie, sondern bei Apple, mit rund 680 Milliarden Dollar Marktwert das teuerste börsennotierte Unternehmen der Welt.
[…]
Allein aus Kursbewegungen ziehen sie Gewinn. Bei Apple wurden am 1. Dezember zwischen 15.30 und 16.00 Uhr rund 96.000 Aktienpakete gehandelt, 4,5-mal so viele wie am Handelstag zuvor. Ein Viertel der Trades dieser halben Stunde entfiel auf die eine Flash-Crash-Minute. Auffällig!

Bei zwei von drei dieser Trades wurden exakt 100 Apple-Aktien gehandelt. Solche Blöcke sind typisch für automatische Handelssysteme.[1]

Kommen wir nun zurück auf den SSE Composite Index. Wurde hier möglicherweise der Markt absichtlich getrieben, um dann im geeigneten Moment den Teppich unter den Füßen weg zu ziehen? Es gibt einiges was dafür spricht. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und sollen in diesem Artikel auch nicht erörtert werden, einzig die Korrelationen zu anderen Ereignissen dieser Art sollen etwas beleuchtet werden. Was zumindest offensichtlich wird, „Don’t play against the marketmakers“.

Die großen Finanzinstitute und Hedgefonds verfügen über Unmengen an Liquidität. Wenn diese dazu benutzt wird um die Märkte zu manipulieren, gibt es nichts was sich dem in den Weg stellt. Einzig die Politik könnte dort intervenieren, aber diese Hoffnung wird sich kaum erfüllen. Wie in dem Handelsblatt-Artikel beschrieben, würde bereits eine Mindesthaltedauer von Sekundenbruchteilen genügen um diesem perversen Treiben ein Ende zu setzen. Dort traut sich die Politik aber nicht ran, zu mächtig und auch großzügig sind die Finanzinstitute. Des weiteren hält man sich natürlich auch selbst die Tür offen, um beispielsweise in China den Stöpsel zu ziehen, wenn man es für nötig hält.

Es ist allerdings absurd wenn beispielsweise einzelne Marktteilnehmer eine komplette Währung vor die Wand fahren können, wie Seinerzeit George Soros. Er spekulierte gegen das Britische Pfund, von diesem Absturz hat es sich nie wieder erholt. Seit dem ist er bekannt als „The Man Who Broke the Bank of England„.

Solange Finanzinstitute und Hedgefonds in der Lage sind solche Transaktionen ungestraft zu unternehmen, werden sie auch die Politik wie Schweine in der Manage vor sich hertreiben und Staaten in den Ruin treiben. Erst wenn es ernsthafte Konsequenzen nach sich zieht, wird sich dort etwas ändern. Nun vielleicht geschieht ja doch irgendwann ein Wunder, erwarten würde ich das allerdings nicht.

Carpe diem

[1] http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/hochfrequenzhandel-unkalkulierbares-risiko-fuer-anleger/11077514.html


5 Responses to Index-Absturz in China: Manipulation von Außen?

  1. strom23 sagt:

    Die HFT Möglichkeiten bzw. mit Hilfe dieser von außen einzugreifen sind einfach unbegrenzt und aus diesem Grund rede ich seit einigen Jahren nicht mehr über einen Crash.
    Auch wenn dann immer mit Orderbüchern und srenger Kontrolle argumentiert wird. Computer gestütztes Trading, damit ist aus meiner Sicht alles möglich. Vor allem aber das rechtzeitige einstellen des Handels vor dem Crash ;)…

    Bei solchen merkwürdigen Ereignissen und die haben wir ja in anderen Assets des öfteren gesehen (aktuel z.b rubel).Müßte aus der Auswertung ganz klar hervorgehen woher der massive short Überhang kommt. Darüber erfährt man aber selten bis nie etwas.Fazit für mich, der Handel ist „out of control“. Leider werden die Sparer in Zukunft aber wieder gezwungen werden ihr sauer verdientes in diesen Markt zu schaufeln.

  2. Jens Blecker sagt:

    Nun dann sollten die Sparer vielleicht schlauer sein und die Knete einfach auf den Kopf hauen 😀 Was man verlebt hat, nimmt einem niemand mehr weg.

  3. strom23 sagt:

    Saufen anstatt Niedrigzins ;)…

  4. Irmonen sagt:

    die „Knete“ auf den Kopf hauen – jawoll das ist richtig, bzw. damit rechtzeitig was sinnvolles anstellen und nur eine ausreichende Notreserve übrig behalten.

    Ein Geld das eine Farce ist kann nie und nimmer längerfristig die materielle Zukunft sichern und schon gar nicht „Rente und Altersvorsorge“ wie ja immer noch von Politik empfohlen wird. Wer das noch nicht durchschaut hat ist dumm und selber schuld. Naja hier auf IKN dürfte alle Leser schlauer sein – ?!

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