Griechenland: Zwei Tage am seidenen Faden

Great Depression - economic crisis

Während sich der Großteil Europas auf das Fest für den Jahreswechsel vorbereitet, dürften in Griechenland einige eifrig die Luft anhalten. Das Land steht vor einer Klippe und das medial relativ unbeobachtet. Die beiden vergangenen Versuche einen neuen Parlamentspräsidenten zu wählen sind erwartungsgemäß gescheitert. Morgen ist die letzte Chance einen großen Showdown zu verhindern und damit den möglichen Niedergang der Mittelmeernation. Der Kandidat von Antonis Samaras muss 180 Stimmen auf sich vereinigen, aus dem eigenen Lager stehen aber nur 155 zur Verfügung.


Mit Stavros Dimas hätte Griechenland dann wieder einen ehemaligen Banker an der Spitze, er arbeitete für die Weltbank und als Anwalt an der Wallstreet. Das sorgt natürlich nicht unbedingt für Vertrauen, sind doch genau das Organe die Griechenland in den vergangenen Jahren die Luft abgedrückt haben.

Gerüchten nach sind bereits einige Versuche im Lager der Opposition gelaufen um dort die nötigen Stimmen für erhebliche Geldbeträge zu kaufen. Korruption ist in Griechenland bekanntlich keine Seltenheit, wobei auch kleineren Splitterparteien eine Regierungsbeteiligung angeboten worden sein soll. Das könnte in der Tat die fehlenden 25 Stimmen bringen, da diese befürchten müssten bei einer Neuwahl komplett aus dem Parlament zu fliegen.

Verkürzt könnte man also sagen, die Griechen haben die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Entweder man wählt einen „Kumpel“ der Wallstreet zum Präsidenten, oder man riskiert eine Neuwahl. Dann könnte es die linke Syriza an die Macht schaffen und die Drohung aus dem Euro auszutreten wahr machen. Damit dürfte für die Helenen dann ein Teufelsritt beginnen, der enorme Kraftanstrengungen erfordern würde. Überlebensfähig wären sie nur, wenn damit ein Staatsbankrott und eine Zwangsverstaatlichung der zuvor abgepressten Unternehmen und Ressourcen einhergehen würde.

Neben all den Gefahren, bietet es also auch eine Chance. Diese ist allerdings als relativ gering anzusehen, vermutlich würde dann Griechenland als nächster Schurkenstaat auf der Liste landen. Ich wünsche den Griechen den Mut und die Stärke die kommenden Aufgaben im besten Sinne für das Land zu bewältigen und damit den Ausverkauf zu verhindern. Wie auch immer es kommt, dort sollte man sich gehörig – vor allem Mental – vorbereiten. Wenn Syriza gewinnt und aus dem Euro austritt, werden die Strippenzieher der Nation den Teppich unter den Füßen wegziehen. Das Risiko Nachahmer in Italien, Spanien oder Frankreich zu finden, wird man kaum eingehen.

Carpe diem


13 Responses to Griechenland: Zwei Tage am seidenen Faden

  1. Babs sagt:

    Hi Jens,
    reagiert haben die schon schau hier http://www.handelsblatt.com/politik/international/angst-vor-neuer-euro-krise-juncker-warnt-die-griechen/11114694.html nur seither wird denke ich alles hinter verschlossenen Türen gesprochen.

    Das hier von einem „falschen Wahlergebnis“ gesprochen wird, wird wohl nichts mit der massiven Wahlfälschung zu tun haben, die ja EU-weit ständig durchgezogen wird. Dann müssten sie sich ja selbst rügen.

  2. Jens Blecker sagt:

    Es könnte allerdings auch System haben. Griechenland ist schon lange als Austrittskandidat gehandelt und in Italien, Holland, Frankreich wachsen auch die eurokritischen Parteien. Damit könnte man auch prima ein Exempel statuieren.

  3. Herbert Ludwig sagt:

    Ein kleiner Schreibfehler im Text: Es geht um die Wahl des Staats- nicht Parlamentspräsidenten!

    Aufwärts kann es mit Griechenland nur nach einem Austritt aus dem Euro gehen. Man kann gespannt sein, wie das die Eurobankster im Falle einer Neuwahl verhindern werden. Denn das darf für die ja keinesfalls eintreten. Euro und Eurokrise werden auf dem Weg zum EU-Bundesstaat gebraucht -koste es, was es wolle. Vgl.:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/06/16/die-geplante-euro-krise-als-schritt-in-den-eu-zentralstaat/

  4. Irmonen sagt:

    wird sicher genug Schmiergeld fließen, bzw. Stimmen eingekauft werden.
    Da steigt der Preis wenn Not am Mann ist…
    ich glaube es wird in letzter Minute wieder mal alles nach Gusto der Mächtigen laufen….alles schon xxxmal dagewesen.

  5. Vernunftbegabte sagt:

    Ich habe einmal eine ganz ehrlich gemeinte Frage: Findet ihr die ganzen Diskussionen zu dieser Thematik im Allgemeinen in einem Nullsummensystem nicht absolut unsinnig? Unendliches Wachstum ist nicht möglich.

    Ich schon. Mir ist es absolut unverständlich wie man bis heuer verstehen kann, dass das gesamte Finanzsystem nicht nur ein absolutes Nullsummensystem ist (gilt auch für das Wirtschaftssystem), sondern nur auf Glauben aufgebaut ist?

    Der Wohlstand einer Volkswirtschaft kann nur über die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen erreicht und gehalten werden, wobei der Produktionsfaktor Wissen besonders wichtig ist, weil dieser die Grundlage für die positive Entwicklung einer Wirtschaft und somit einer Gesellschaft im All-gemeinen bildet (wird seit mehreren Dekaden vorsätzlich durch freundliche Unterstützung des Stimmvolks und der Lobbyisten zerstört) und der Produktionsfaktor Arbeit sonst nichts wert ist. Leider glaubt die Mehrheit der Menschen an die Möglichkeit des leistungslosen Wohlstandes (= spätrömische Dekadenz) sowie an die Konservierung von Wohlstand (u. a. Edelmetallgläubige und merkt nicht, dass dies die Zementierung von Sklaverei und Ausbeutung zum Vorteil der selbsternannten Elite bedeutet. All jene, die das Wirtschafts- und Finanzsystem wirklich verstanden haben wissen, warum es zu einem Werte- und Sittenverfall innerhalb einer Gesellschaft sowie zu Kriegen im Allgemeinen zwangsläufig kommen muss, weil primär die Gier der Menschen gefördert und gefordert wird (Grundvoraussetzung für ein Überleben in einem solchen System).

    Aber immernoch glauben sehr viele an diese religiösen Unsinn mit dem externen Retter und begreifen nicht, dass eine Rettung nur von innen heraus in Verbindung mit den täglichen Entscheiden (nur im positiven Sinn) jedes Individuums erfolgen kann. Geht es um das treudoofe Folgen sind alle Völker auf dieser Erde gleich und machen für ihre eigene Unfähigkeit immer Dritte verantwortlich. Und solche Lebewesen nennen sich Krönung der Schöpfung! Möchte gar nicht wissen, was eine Nicht-Krönung ist.

  6. Irmonen sagt:

    @ Jens
    leider ist der link nicht erreichbar….

    @Vernuftbegabte

    Trägheit und Unwissenheit führen zu Nicht- bis Fehlentscheidungen.

    Wir treffen da wo es möglich und lebensfreundlich wäre, nicht mal im Kleinen als Konsumenten, eine regelmäßige und gute Auswahl. Was will man da im Großen erwarten…

  7. Babs sagt:

    @Vernunftbegabte
    die Welt ist seit 200 Jahren (seit da massiv) Gehirnwäschemäßig auf Poker spielen getrimmt. Das zeigt, dass sie nicht All-wissend ist ansonsten wären die weltweiten Ausbildungskader schon lange bei Wizzard oder Rage angekommen.

    Das die Mehrheit an einen leistungslosen Wohlstand glaubt, wage ich aber stark zu bezweifeln. Da würde ich eher das Gegenteil annehmen sowie auch den Willen, mit zu verändern. Diese Menschheit steckt eher in einer Schockstarre, aus der sie nur durch All-umfassendes Wissen wieder herauskommt. Nur das würde auch Klarheit und Wahrheit voraussetzen. Das ist aber All-gemein Mangelware.

  8. Frank H. sagt:

    Günther Lachmann bei WON:

    Das Leiden der Griechen verwandelt sich in Wut

    Kann sich das griechische Parlament am Montag wieder nicht auf einen Staatspräsidenten einigen, drohen Neuwahl und Ausstieg aus dem Euro. Genau das wollen patriotische und linke Aktivisten.

    Als Leonidas Chrysanthopoulos die Tür der kleinen Wohnung im Athener Regierungsviertel aufschließt, öffnet er gleichsam das Tor zu einer längst vergangenen Epoche. Sie erzählt von den Helden des griechischen Unabhängigkeitskrieges der Jahre 1821 bis 1829, als die Griechen sich vom Joch des Osmanischen Reiches befreiten. Zeichnungen auf vergilbtem Untergrund zeigen stolze, schnurrbärtige Krieger mit Krummdolch im Gürtel und selbstbewusst-schöne Frauen. Auf der Anrichte steht eine Öl-Lampe, in der Ecke zeugt eine Marien-Ikone von orthodoxer Religiosität. Wäre da nicht der Laptop auf dem kleinen Tisch am Fenster, könnte dieser Raum ebenso gut der Fantasie eines Bühnenbildners entsprungen sein.

    weiterlesen unter http://www.welt.de/politik/ausland/article135808460/Das-Leiden-der-Griechen-verwandelt-sich-in-Wut.html

  9. Babs sagt:

    Die erneute Wahl ist gescheitert. In Griechenland stehen nun Neuwahlen an.

  10. strom23 sagt:

    Bitte sich nicht in Crash Phantasien ergeben. Da passiert gerade fast gar nichts nur in Athen wackelt die Börse. 10Jährige Staatsanl. +8,25% also der ganz große Punk geht da nicht ab.

  11. Babs sagt:

    Ob Soros jetzt Wetten auf Athen abschließt oder hält er sich zurück für den Fall dass er die Zentralbank der Ukraine übernehmn soll?

  12. Hm sagt:

    Nun denn, schon kommen die üblichen Verdächtigen mit Drohungen gen Griechenland.

    Ökonom Hüther: Griechenland droht gewaltige Verarmung bei Euro-Austritt

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 30.12.14 01:55 Uhr

    Der Austritt aus dem Euro wäre für Griechenland ein sehr gefährliche Angelegenheit, während die EU einen solchen Austritt verkraften würde. Daher sollen sich die Griechen dreimal überlegen, wen sie wählen, meint der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft.

    Erst dachte ich, Griechenland sei das trojanische Pferd der US-Bankenelite um die Eurozone nachhaltig zu schädigen. Nun kommt mir so in den Sinn die EU ist das trojanische Pferd der BRD-Wirtschafts- Bankenelite. Andererseits ist beides das selbe, wenn man die BRD als Vasallenstaat der USA sieht.

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