Das schräge Selbstbild der Geschäftsbanken

geldregen

Viele Menschen haben ein völlig falsches Selbstverständnis, wenn es um Banken geht. Es scheint eine Art Dogma zu sein, was diese Dienstleister in den Köpfen vieler Menschen zu einer Institution emporhebt. Was aber sind Banken wirklich und wie sollte man persönlich damit umgehen? Solange die Menschen nicht begreifen, dass es sich um einen Dienstleister handelt, werden die Banken weiter ihre Machtposition ausleben und die Kunden wie Bittsteller behandeln.


Zunächst müssen wir natürlich zwischen den wichtigsten Formen unterscheiden, es gibt die Zentralbanken und dann die Geschäftsbanken. Um zweitere dreht es sich in diesem Artikel.

Geschäftsbanken haben ein Privileg, was eigentlich unglaublich ist. Mit einem marginalen Einsatz von Sicherheiten – genannt Mindestreserve – können diese Kredite mittels Buchungseintrag im wahrsten Sinne des Wortes aus der Luft erschaffen. Von diesem Privileg haben die Banken heftig Gebrauch gemacht, was zu guter Letzt auch in der Finanz- und Bankenkrise gegipfelt ist. Dort wurden die Verluste sozialisiert, während die Jahrzehnte vorher die Gewinne realisiert wurden. Betrachtet man mit welch geringem Einsatz massive Gewinne zu erzielen waren, kann einem schon ganz schwindlig werden.

Dieser Artikel soll aber nicht den Prozess der Geldschöpfung beleuchten, sondern mit dem Mythos der „Institution“ aufräumen. Das ist dringend nötig, denn die Banken erheben sich fast in einen gottähnlichen Status. Ohne die Kunden sind es nur leere Hüllen und die heutigen Möglichkeiten können diesen Turm zu Babel einstürzen lassen.

Man möchte gar nicht daran denken, wie viele Existenzen von Banken bereits vernichtet wurden. Manchmal reichte schon ein gestörtes Verhältnis zu einem Sachbearbeiter. Kreditlinien wurden gekürzt, notwendige Darlehn nicht erteilt oder auch bei Engpässen mal ein Kredit fällig gestellt. Wer schon mal darauf angewiesen war, wird diese Situation bestimmt kennen. Mit einem rasenden Herz sitzt man wie ein Bettler auf dem Gang und wartet darauf von Ihresgnaden irgendwann in das Büro gebeten zu werden. Der Blick gesenkt und dem Hoffen auf Verständnis und Milde.

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Die Banken verdienen damit ein Vermögen, Geld zu verleihen was sie nicht einmal besitzen. Nach heutigem Stand würde eine Mindestreserve von 3000 Euro reichen um per Buchungseintrag einen Kredit in Höhe von 300.000 Euro aus dem Nichts zu erschaffen. Das einem da der „Gottvergleich“ kommt ist also durchaus nachvollziehbar. Wer sonst noch kann aus dem Nichts etwas derart gewaltiges erschaffen?

Für diese 3000 Euro an Eigenleistung der Bank, dürfen Sie dann die Hose wann immer es der Bank in den Kram passt bis zu den Knöcheln herunter lassen. Ist das nicht absurd?

Kommen wir zurück zu dem Verhältnis zwischen Bank und Kunde. Es ist mittlerweile immer schwieriger, dass eigene Geld in Bar vom Konto abzuheben. Hier ein aktuelles Beispiel aus der Schweiz:

Wenn Banken ihre Kunden verdächtigen
Das Geld rücken sie nicht raus: Banken weigern sich zunehmend, ihren Kunden am Schalter viel Bargeld auszuzahlen. Denn diese könnten Steuern hinterziehen oder Geld waschen.[1]

Viel ist hier eine „Verhältnisfrage“, da mir Fälle bekannt sind, wo bereits 20.000 Franken als Auszahlung verweigert wurden und nach dem „Verwendungszweck“ gefragt wurde. Das ist nun kein Kleingeld, aber ein Vermögen ist es auch nicht. Der wichtigste Punkt jedoch ist, es ist das Geld der Kunden. Im Prinzip wurde es der Bank zur Verwahrung anvertraut, die Bank hat keinerlei Anspruch auf dieses Geld.

Vergleichen wir es mal mit einem Parkhaus. Sie fahren in die Stadt zum Einkaufen und stellen Ihr Fahrzeug im Parkhaus ab, da Sie dieses als sicherer empfinden. Wenn Sie nun das Parkhaus verlassen wollen, müssen Sie zunächst nachweisen, dass dieses Auto nicht gestohlen oder mit Schwarzgeld finanziert wurde. Würden Sie sich das gefallen lassen? Vermutlich schütteln Sie eben mit dem Kopf, genau das aber machen die Banken mit Ihrem Geld.

Sie haben dieses Geld auf irgendeine Weise verdient und „parken“ es bei der Bank weil Sie es als sicherer empfinden oder auch um damit einige Zinsen zu erwirtschaften. (Aktuelles Zinsumfeld aussen vor) Damit sind Sie Gläubiger der Bank, was sich im Rahmen der Gesetzesänderungen noch als brutaler Bumerang erweisen wird. Genau dieser Umstand sollte Ihnen auch das nötige Selbstvertrauen geben, wenn Sie mit der Bank in Verhandlungen treten. Ich bin eigentlich sehr früh dahinter gekommen und habe daher auch immer auf Augenhöhe mit den Banken verhandelt, was sich als äußerst hilfreich erweist. Die Kunden müssen aufhören als Bittsteller vor den Banken zu kuschen, ohne die Kunden gibt es keine Bank.

Heute lassen sich sehr viele Projekte auch über Crowdfunding finanzieren, private Geldgeber vergeben gegen Zinsen Kredite. Natürlich muss man sich dort die Plattform und Modalitäten genau ansehen, aber es ist eine Alternative zu den klassischen Banken. Wenn man bei Geschäftsbanken Geld leiht, sollte man aber wie erwähnt als Kunde und nicht als Bettler auftreten. Das ist nicht nur besser für die Konditionen, es ist auch besser für das eigene Selbstwertgefühl.

Carpe diem

[1] http://bazonline.ch/wirtschaft/geld/Wenn-Banken-ihre-Kunden-verdaechtigen/story/16138781


11 Responses to Das schräge Selbstbild der Geschäftsbanken

  1. dontango sagt:

    Als Konsequenz heben wir jetzt alle unser Geld ab und das Problem ist augenblicklich gelöst… 😉

  2. Vernunftbegabte sagt:

    Mich erstaunt allerdings sehr, dass den allermeisten bis heuer nicht wirklich bewusst ist, dass all jene, die ein Guthaben bei der Bank haben als Gläubiger auftreten und all diejenigen, die eine Verbindlichkeit gegenüber der Bank haben in die Rolle des Schuldners fallen. Für diese Erkenntnisse braucht es kein Studium. Dies lernt man bereits im ersten Ausbildungsjahr im Fach Rechnungswesen im Rahmen einer kaufmännischen Berufsausbildung in der Berufsschule. In meinem Fall war es das Schuljahr 2000/2001. Dementsprechend kann niemand sagen von nichts gewusst zu haben. Allerdings verwundert die massive Unwissenheit bei dieser degenerierten Gesellschaft nicht wirklich und es grenzt für mich schon wieder an ein Wunder, dass das System noch immer derartig gut läuft.

    In Bezug auf die zurückgehende Bereitschaft der Auszahlung von Giralgeld ist der § 14 Absatz 1 BBankG anzuführen. Hiernach ist eben nur Bargeld ein gesetzliches Zahlungsmittel. Bei der Auszahlung von Giralgeld findet letztendlich nur ein Tausch von Giralgeld in das gesetzliches Zahlungsmittel statt. Unter Einbeziehung des Verhältnisses von Bargeld zu Giralgeld ist es kein Wunder, dass die Banken einer Auszahlung ablehnend gegenüberstehen und das Bargeld am liebsten abschaffen würden/möchten. Des Weiteren hat man als Kunde zwar einen Auszahlungsanspruch, jedoch keinen Rechtsanspruch auf eine Auszahlung. Es gibt wie den meisten hier auf diesem Blog bekannt sein wird ja noch nicht einmal einen Rechtsanspruch auf Leistungen aus dem Einlagensicherungsfond.

    Allerdings sind diese ganzen Überlegungen ohnehin alle hinfällig, wenn man berücksichtigt, dass es sich beim Finanzsystem wie beim Wirtschaftssystem auch nur um ein absolutes Nullsummensystem handelt, das nur auf Glauben aufgebaut ist und von diesem auch getragen wird. Aber dies wird die sehr große Mehrheit der Menschen wohl nie verstehen, weil es bequemer ist Dritte die Schuld in die Schuhe zu schieben und es so bequem ist unmündig zu sein. Dementsprechend verwundert es nicht, wenn die religiösen-, politischen- und ökonomischen Ideologien die Anhänger nicht ausgehen werden. Dies ist wieder ein ganz anderes Kapitel.

  3. tom sagt:

    @ dontango

    Nun gut, meine Bank kann maximal 5 Tage mit dem Rest meines „Schmerzengeldes“, weil Lohn nenn ich das mal nicht, „spielen“.

    Am Zahltag (in der Regel 1. d. Monats) wird von mir seit Jahren alles bis auf meine Abbuchungsaufträge (die bis max. 5. jeden Monats abgebucht werden) abgehoben. – So nehme ich meiner Bank ein bisschen Verantwortung ab. 😉

  4. Voltaire sagt:

    Was – neben anderem – meiner Meiunung nach unbedingt bei einer Verhandlung zu einem Bankkreditvertrag für einen Hausbau reingehört:

    1 Nominalzins möglichst niedrig (Achtung: effektiver Jahreszins im Falle vorweggenommener Zinszahlung beachten). Nominalzins ggf. über die Laufzeit, z. B. + 2 % variabel in Anlehnung des Basiszinssates (aktuell: -0,83 %) nach BGB vereinbaren. D. h. Zins für Baugeld würde derzeitig 2 % – 0,83 % = 1,17 % betragen.

    2 Disagio –> jedoch nur wenn damit ein Steuervorteil gegeben ist!

    3 Aussetzung der Tilgungsraten für Zeitraum x im Falle unvorhergesehener Ereignisse

    4 Sondertilgung

    5 Ablösung Bankkredit im Falle günstigerer Wettbewerbsangebote (bzw. Opt. zur Nachverhandlung)

    6 keine Abtretung des Kredits an Dritte vorbehaltlich der Zustimmung des Kreditnehmers (Vertragsklausel im Vertrag aufnehmen)!

    7 Grundschuldbestellung: Mindestreserve der Bank zzgl. 5 % Risikozuschlag. Es kann schließlich nicht angehen, dass die Bank das ganze Haus im Falle von Zahlungsausfall bzw. Bankrott des Kreditnehmers bekommt. Die Bank hat ja mehr oder weniger nur durch eine Bilanzverlängerung den „Kredit“ erzeugt!!!

  5. Argonautiker sagt:

    Vielen Dank Herr Blecker,

    man kann es nicht oft genug erklären, wie das mit dem Gelderzeugen bei einigen Banken so geht. Wenn Gelderzeugen denn überhaupt der richtige Ausdruck ist, und fälschen nicht der treffendere wäre.

    Würde man sich diesem Thema, seitens unserer normalen Medien, mal für einen Monat lang, täglich annehmen, so wie man irgendwelchen Mist tagtäglich rauf und runter betet, und es den Menschen anstatt dessen mal bergauf und bergab, in ebenso verständlicher Sprache erklären würde, wie Sie es hier getan haben, ich glaube dann würde das sogar was bei den Deutschen ändern.

    Ich würde mal schätzen 95% wissen immer noch nicht, daß unser Geld nicht mehr Wertegedeckt ist, und daß gewisse Banken aus ihren 3000 eingezahlten, mal eben 300.000 machen können, ist noch Wenigeren bekannt.

    Man hätte Geld nie erlauben dürfen, Geld zu erzeugen. Denn Geld ist Gut in Bewegung, aber dadurch das man Gut bewegt, vermehrt es sich eigentlich nicht.

    Nun treibt dieser Wahnsinn im regelrechten Sinne des Wortes „Blüten“.

    Schönen Gruß

  6. EuroTanic sagt:

    ich habe jetzt 3 jahre freiwillig kein kto mehr. und es geht.

  7. … wer lesen kann ist klar im Vorteil – steht doch auf den Euroscheinen auch nicht drauf, dass sie irgendwas gewähren – ist keine Banknote – ist von keiner Staatsbank herausgegeben – besitzt nur ein © Zeichen. Der obligatorische Satz, „Wer Banknoten nachmacht oder nachgemachte …“ ist auch nicht mehr drauf.

    Es ist nur noch ein ortsübliches Zahlungsmittel ohne Wertgarantie, so wie die Jetons eines Spielkasinos oder die Muscheln in der Südsee.
    Wer klug ist, tauscht so schnell wie möglich dieses „Spielgeld“ in feste Werte um, so lange das noch geht.

  8. Herbsky sagt:

    Hallo, EuroTanic,

    würde gerne mehr erfahren über deine Alternativen bzgl.
    Bankkonten-Ersatz zwecks praktischer Umsetzung.
    Besten Dank.

  9. Herbert Ludwig sagt:

    Sehr guter Artikel.
    Man muss auch mal die Frage stellen: Warum leiht der Staat über Banken dem Staat Geld?
    Dazu siehe:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/07/02/staatsanleihen-oder-warum-leiht-der-staat-uber-banken-dem-staat-geld/

  10. Tranfunzel sagt:

    @ Herbert Ludwig auch ganz lesenswerter Artikel auf Fassadenkratzer.
    Das Problem ist, dass ich und wohl alle, die diesen oder andere Blogs lesen, die ganze „Schein“ Geldtheorie bekannt ist.
    „das“ Geld heißt ja auch nicht umsonst „Fiatgeld“. Das hat nix mit der italienischen Automarke zu tun, sondern G-TT sprach „es werde Licht“ (fiat lux) und die Banker sprachen „es werde Geld“ (fiat money). Somit sind also Banker „göttlich“.
    „das“ Geld wird eben über Kreditvergabe der Geschäftsbanken ex nihilo (aus dem nichts) eben erst „erschaffen“.
    Das Gemeine an diesem System ist, das die Geldmenge systembedingt immer größer werden muss. Das bedeutet, das der Kaufkraftverlust des „Geldes“ vorprogrammiert ist.
    Ein Beispiel: Nixon hat 1971 die letzte Teilgoldeckung abgeschafft. Damals galt die fixe Regel das 1 Oz. Feingold 35 USD zu kosten habe. Was „kostet“ eine Oz heute? Aktuell 1.167,87 USD (http://www.gold.de/goldkurs-goldpreis.html )
    Ist jetzt das Gold „teurer“ geworden, oder der präziser USD „wertloser“?

    Ich bin kein uneingeschränkter Verfechter einer goldgedeckten Währung, weil auch diese Systeme so ihre Tücken haben. Man kann ja mal das hier lesen. http://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_M%C3%BCnzunion
    Dieses System ,quasi auch als Eurovorläufer, ist dann gescheitert und es hat sich aufgelöst.

    „Was“ ist „Geld“ wert? Momentan ist das Verhältnis USD/Euro nur noch 1:1,08.

    Ein Haus im ehemaligen „Wert“ von 500.000 Euro ist jetzt „wieviel billiger“?

    Als Begründung für den schwachen Euro Außenwert, wird der massive Kapitalabfluss ausgerechnet in den USD Raum genannt. Fein, dann können Hedgefonds (nicht nur amerikanische!) billig auf „Einkaufstour“ gehen.

    Wer mag kann sich dieses hier mal über die Troika anschauen. Lief tatsächlich auf Arte..
    https://www.youtube.com/watch?v=xYUqpijQI04

  11. Pappnase sagt:

    @ Herr Altenborg,
    „…
    Es ist nur noch ein ortsübliches Zahlungsmittel ohne Wertgarantie, so wie die Jetons eines Spielkasinos …“

    Spinnt man den Faden etwas weiter.
    Die rechtliche Basis für die Bargeldlosigkeit ist ja damit gelegt.
    Die alte DM kann man aber weiter eintauschen, sind ja Banknoten.

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