Subprime und Kredit-Blase: Das Damokles-Schwert Kanadas

Canada High Resolution Spend Concept

Das es in Kanada Probleme mit der privaten Verschuldung gibt, hatte ich bereits in einem anderen Artikel 2012 berichtet. Zu diesem Zeitpunkt war die Staatsverschuldung noch beinahe vorbildlich. Leider haben der seinerzeit sehr hohe Ölpreis und der damit einhergehende Geldsegen sich nicht positiv ausgewirkt, es wurde offensichtlich das Gegenteil erreicht. Der nunmehr kollabierte Ölpreis wird tiefe Spuren hinterlassen, abgesehen von jenen die es bereits gibt. Werfen wir einen Blick auf die Zahlen und die drohenden Gefahren.


Durch meine Auswanderung nach Kanada kann ich mir mittlerweile ein sehr gutes Bild machen, wie die Dinge hier gehandhabt werden. Nahezu alles zu finanzieren und auf Kredit zu kaufen, ist hier das normalste der Welt. Seit dem Artikel aus 2012, hat sich das Verhältnis vom verfügbaren Einkommen zur Verschuldung noch einmal deutlich verschärft. Ende 2014 lag das Ratio bei über 163 Prozent. Aktuell dürfte es bei etwa 167 Prozent liegen. Hier dazu ein Chart:

cred_income_2014Quelle: Globe and Mail

Um hier noch einigen Verwirrungen vorzubeugen, der Kollaps der Ölpreise stürzt nicht ganz Kanada ins Chaos. Der Einfluss ist jedoch größer als es der folgende Chart darstellt.

Quelle: http://www.investorsfriend.com/

Quelle: http://www.investorsfriend.com/

Der gesamte Rohstoffsektor stellt 8,77 % des Bruttoinlandsproduktes dar. Alleine im Zeitraum von Oktober 2014 bis Oktober 2015 wurde ein Minus von -7.9 Prozent verzeichnet und mit dem Crash des Ölpreises, ging es da erst richtig los. Die Effekte zwischen den Bereichen also die Wechselwirkungen, lassen wir in diesem Artikel unkommentiert.

An dieser Stelle möchte ich einen weiteren Chart einfügen, der wirklich beängstigend ist. Man hat nicht nur nichts gelernt aus dem Platzen der Kreditblase der USA, es scheint man möchte noch die Sahnehaube oben aufsetzen. Kredite der Haushalte zum verfügbaren Einkommen Kanada und USA:

kreditratio_can_usQuelle: http://www.equedia.com

Dieser Chart zeigt die Entwicklung bis zum 2. Quartal 2012 und es ist leider nicht besser geworden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Anstieg an Hypothekendarlehen von so genannten „Alternative Lenders“. In meinen Augen sind das nichts weiter als Kredithaie, die es hier in jeder Mall gibt und welche meist horrende Zinsen für ihre „Dienstleistung“ verlangen. Die Financial Post beziffert den Anteil solcher Hypotheken auf mittlerweile 2,2 Prozent. Das mag auf den ersten Blick nicht viel klingen, aber zum einen ist das ein Zuwachs von 25 Prozent und außerdem würde niemand der es sich leisten könnte und bei Verstand ist, eine Immobilie über einen „Kredithai“ finanzieren. Besonders im Zuge der „nahe-Nullzinsen“ entwickelt der Markt von „High yield Finanzierungen“ eine gewaltige Eigendynamik, allerdings ist man dort nur noch ein Haarbreit von Junk entfernt.

Durch unzählige Gespräche mit Menschen hier, habe ich ein wesentlich besseres Verständnis für die Situation erlangt. In unserem Bereich beschränkt sich die Immobilien-Blase noch überwiegend auf hochwertigere Immobilien, daher ist es noch überschaubar. Anders sieht das aus in den Metropolen, wo es bereits eskaliert ist. Die Menschen machen sich keine Sorgen hier, so unglaublich das auch klingen mag. Es ist völlig normal einfach alles auf „Pump“ zu kaufen, völlig unabhängig vom Einkommen, man gibt einfach immer mehr aus als man verdient.

Ähnlich wie in den USA, ist es in Kanada durchaus gängig Kredite mit sehr kurzen Laufzeiten zu wählen oder aber flexiblen Zinssätzen. Genau diese Vorgehensweise war es aber, die in den USA die Blase zum Platzen gebracht hat. Steigen die Zinsen – und ich rechne in Kürze sogar mit einer wahren Zinsrally – wird ein flexibles Darlehn sehr schnell zur Falle. Die gleiche Auswirkung hat es auch bei kurz laufenden Krediten, wenn eine Anschlussfinanzierung ansteht. Hier beispielsweise die Angebote der RBC:

rbc_mortgageratesQuelle: RBC.com

Lassen wir die „Special Offers“ einmal außen vor, wird recht schnell deutlich wie stark die Gefälle sind. Jemand der glaubt alles wäre in bester Ordnung könnte sehr schnell in eine „Honey-trap“ geraten.

Bereits Mitte 2015 reagierte man in Kanada auf den bis dahin stark gesunkenen Ölpreis, Arbeitsgenehmigungen wurden nicht verlängert und Zehntausende mussten das Land verlassen. Dazu schrieben die Stuttgarter Nachrichten:

Einwanderung: Kanada demonstriert Härte

Die Wirtschaft in Kanada läuft nicht mehr rund. Zehntausende Gastarbeiter sollen das Land verlassen. Kanadier sollen bei der Jobwahl den Vorzug haben.
[…]
„Es ist unsere Politik, dass Kanadier den ersten Zugriff auf kanadische Jobs haben sollten“, erklärte Arbeitsminister Pierre Poilievre diese Woche in Ottawa. Die Betroffenen hätten gewusst, dass ihre Zeit in Kanada befristet sei, sagte der Politiker und warnte sie davor, illegal im Land zu bleiben.

Im Ausland wird das Einwanderungssystem Kanadas oft als vorbildlich eingestuft, und tatsächlich tut das Land viel, um hoch qualifizierte Zuwanderer zu gewinnen und zu integrieren. Dabei wird allerdings oft übersehen, dass in Kanada auch viele gering qualifizierte Gastarbeiter leben, ohne einen dauerhaften Aufenthaltsstatus zu haben.
[…]
Laut Berechnungen von Hilfsorganisationen wie „Migrante Alberta“ sind bis zu 70 000 Menschen von dem Exodus betroffen. Manche hoffen auf einen kurzfristigen Aufschub, andere haben Kanada bereits verlassen, oder ihre unfreiwillige Ausreise steht bevor. „Der Traum vom Leben in Kanada ist geplatzt“, sagte Migrante-Sprecher Marco Luciano dem Sender CBC.[1]

Persönlich begrüße ich die Vorgehensweise der kanadischen Regierung, für Heuchelei und falsch verstandene Solidarität ist die Bevölkerung zu klein. Genau aus diesem Grund habe ich mich auch für eine unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung entschieden und bin den langen und steinigen Weg gegangen. Es gibt ihn, den sicheren Weg.

Hier ist zu beachten, es geht nicht nur um mehr als 70.000 Schicksale, es geht auch um die Wechselwirkungen in der heimischen Wirtschaft. Sehen wir uns die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes an, wurde wie es scheint 2013 der vorläufige Peak erreicht. Ich glaube kaum dass 2015 besser abschneiden wird.

gdpQuelle: http://www.tradingeconomics.com

Für eine Nation mit 35 Millionen Einwohnern, ist das insgesamt schon beachtlich, allerdings darf man nicht leichtsinnig werden. Es scheint als hätten die Kanadier den Pfad der Tugend verlassen und sind auf das Kreditkarussell aufgesprungen. In einem gesonderten Artikel werde ich detaillierter auf das Öl mit besonderem Fokus auf Kanada eingehen, das würde hier allerdings den Rahmen sprengen. Durch milliardenschwere Investitionen in den Ölsektor, hat sich Kanada möglicherweise einen gewaltigen Bärendienst erwiesen. Das wird man bald sehen. Die Staatsverschuldung ist mittlerweile auf 86.51 Prozent des BIP angeschwollen und vermutlich wird sich das noch ausweiten.

Fazit: Die Gefahren für eine Bankenkrise haben in Kanada deutlich zugenommen seit meinem letzten Artikel dazu. Der Subprimemarkt stellt eine ernstzunehmende Gefahr da und könnte viele Menschen hier ins Unglück stürzen. Im Vergleich zu den USA, China oder Europa ist es noch überschaubar, allerdings dürfte es den kanadischen Durchschnittsbürger völlig unerwartet treffen. Dieser Umstand könnte dann allerdings auch positives bewirken, eine Abkehr von der festgefahren Art und Weise. Hin zu neuen Möglichkeiten. Nach wie vor habe ich – meiner Meinung nach – die richtige Entscheidung getroffen. Kanada steckt voller ungeahnter Möglichkeiten, viele davon liegen einfach nur brach. Entfaltet sich das Potential dieser Nation einmal richtig, könnte es das neue „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ werden. Ich behalte die Entwicklung im Auge und halte Sie auf dem Laufenden.

Carpe diem

[1] http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.einwanderung-kanada-demonstriert-haerte.6eea7cad-e45e-42eb-adb3-378d9afb4466.html


5 Responses to Subprime und Kredit-Blase: Das Damokles-Schwert Kanadas

  1. Frank H. sagt:

    Freut mich zu lesen, dass Du meine Initiative auch Canada zu beleuchten ergriffen hast. Canada ist eng verwoben mit den USA über NAFTA. Das gilt auch für Mexiko. NAFTA war der Vorläufer zu TTIP, Ceta und Co.

    NAFTA: North American Free Trade Agreement. Seither wurden tausende von arbeitsplätzen in Canada und Mexiko vernichtet. Di euS Konzerne bedienen sich hemmungslos. Ob der neue kanadische Staatschef es besre macht? Ein Neoliberaler im Schafspelz sage ich voraus. Eine billige Kopie von Obama. auch Kanadier sind letztlich Schlafschafe. Gut das Jens nun dort aufgeschlagen ist! Er wird der Herde Gottes auch dort neu weiden?

  2. Frank H. sagt:

    Einige Infos zu NAFTA udn warum mitgegangen auch mitgefangen ist:
    NAFTA grob erklärt https://de.wikipedia.org/wiki/Nordamerikanisches_Freihandelsabkommen

    NAFTA Fluch oder Segen für wen? http://www.deutschlandfunk.de/nafta-freihandelsabkommen-oder-blaupause-des-neoliberalen.1170.de.html?dram:article_id=299940

    NAFTA Eigendarstellung http://www.naftanow.org/

    20 Jahre danach, Kleinbauern und Jobs verschwinden, Big Oil, Big Pharma, Big Agro, Big Money Companies bestimmen fortan die Politik.

    TTIP, CETA, TTP, NAFTA, alles Lügen zu Gunsten der Globalisten oder besser nennen wir sie bei ihrem vollen Namen: Sozialistische-Faschisten: http://www.tagesspiegel.de/politik/wirtschaftsbeziehungen-20-jahre-nafta-das-netz-des-geldes/11082792.html

    In Frankreich bekam Monsanto richtig was auf die Fresse berichtet Engdahl jüngst, daraufhin bekommt Frankreich Terroristen und Flugzeugabstürze ins Haus! Ist das ein Zufall? In Frankreich wurde nachgewiesen, das Roundup absolut karzinom beim menschen ist, genomzerstörend auf Pflanzen wirkt und die Böden ruiniert.
    Leider kopieren die Chinesen Teile davon – Stichwort Tier- udn Pflanzengenetik.

    Das Thema Canada ist also tief und komplex in der Wirtschaft verankert. Wenn also nun weltweit die finanzielle Hütte wackelt, dann bedeutet es auch Gefahr für Monsanto und Synergenta.

    Erste Reaktion von Kanadas neuer Regierung:

    „Regierung fordert Milliarden USD an Entschädigung von Obama für seine Entscheidung die Einstellung von Northstream Pipeline zu den Olschieferlagerstätten in Kanada umzusetzen“. Wetten das Kanadas staatsbank irgendwo in dne Büchern oder Subbanken geparkt eine Bürgschaft für die Ölsandlagerstätten der Kreditgebenden Banken an die Ölindustrie hat!?!?!?
    ACHTUNG: dahinter stecken die Koch Brüder, die damit dann leben können! Verluste werden sozialisisert.

    Shell stoppt Ölsandprojekt: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/oelsand-abbau-in-kanada-shell-stoppt-milliarden-projekt/12508658.html

    Das dreckige Geschäft der EU mit Ölsand mit Kanada: http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/angst-vor-milliardenklagen-eu-erlaubt-kanadische-oelsand-importe-kopie-1.html

    US Oligarchen gehen Einkaufen, die Koch Brüder und das gestohlene Land in Kanadas unendlichen Weiten: http://www.welt.de/wirtschaft/article137642856/Dieser-Mann-will-sich-den-US-Praesidenten-kaufen.html

    Diskriminierung der Ureinwohner in Kanada, sie müssen weg aus der Region für die US Öl-Konzerne:
    https://www.greenpeace.de/teersand-kanada

    Ja auf Jens Blecker kommt viel Arbeit hinzu….

  3. Irmonen sagt:

    Aus dem aktuellen Greenpeace Heftchen:
    Shell auf dem Rückzug – wenige Wochen nachdem der Konzern verkündet hatte, nicht länger in der Arktis nach Öl bohren zu wollen, stoppt Shell nun auch die Teersandprojekte in der kanadischen Provinz Alberta. Grund für den Rückzug sind die niedrigen Ölpreise und die fehlende Infrastruktur – aber auch weltweite Proteste gegen den umweltzerstörenden Teersandabbau….

    Teil 2 berichtet auch, kurz, über die Ölsandausbeutung und für mich überraschend die „chinesische Invasion“ der Oligarchen und Reichen nach Westkanada, im Raum Vancouver. Im Interview mit einem chinesischen Geschäftsmann ist dieser am philosophieren, wie man die „vielen Schätze Kanadas“ erst noch so richtig für den asiatischen Markt gewinnbringend nutzen – ausbeuten könnte…….
    für die „Weißen Eingeborenen“ wird es da schon mal schwierig in ihrer Kleidergröße Kleidung erstehen zu können…..man stellt sich eben ganz auf die – nicht-integrierte Zuwanderung ein.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2624418/17.000-Kilometer-Kanada-%25281%2529?setTime=2588.114#/beitrag/video/2624418/17.000-Kilometer-Kanada-(1)

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2624418/17.000-Kilometer-Kanada-%25281%2529?setTime=2588.114#/beitrag/video/2624442/17000-Kilometer-Kanada-(2)

    aber wir! schaffen das ja, sagt Mutti….

  4. Frank H. sagt:

    Baltic Dry Index am Absaufen. Megatonnen an Schüttgütern (Alle losen Rohstoffe und auch Futter- und Lebensmittel) über’s weite Meer immer weniger auf Fahrt.
    http://investmenttools.com/futures/bdi_baltic_dry_index.htm

    Harpex auf dem Boden, Containerfrachtmargen (Halb- und Fertigerzeugnisse) zur See ebenfalls im Keller. (auf 10 Jahreschart bitte klicken)
    http://www.harperpetersen.com/harpex/harpexRH.do?timePeriod=Years10&&dataType=Harpex&floatLeft=None&floatRight=None

    Sind wir mitten in der globalen Megarezession angelangt?! Hat in China dank New-Yorker Zentralbänksters der Ballon sich zum Platzen gebracht?

    In den USA fallen die Konsumindexe in sich zusammen. Obdachlose, Arbeistlose und Perspektivlose Bürgeranteile liegen jetzt bereits bei fast 100 Mio. Menschen.
    Siehe http://www.shadowstats.com/

    Ich würe mal sagen, ja, es wird ab 2016 so richtig ungemütlich, auch für Europas Mitte.

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