Der wundersame Homo Sapiens

Boy with thoughtful expression with maze background

Der Mensch ist schon eine sehr eigenartige Spezies, das steht außer Frage. Heute morgen nachdem die Kinder geweckt waren, rief meine Frau bestürzt „Weißt Du wer gestorben ist“? Da ich die Nachrichten noch nicht geöffnet hatte war meine Antwort kurz und bündig „noch nicht!“ Mit einer Betroffenheit – die suggeriert es würde sich um einen Familienangehörigen handeln – entgegnete man mir: „Roger Cicero !“ Selbst nach scharfem Überlegen, konnte ich damit nichts anfangen, allerdings fügte meine Frau direkt an, „er ist nur 45 geworden.“


Es wirkte als müsse ich den Mann kennen, also rief ich zunächst meine üblichen Webseiten auf. Obwohl mir direkt eine Nahaufnahme von Roger Cicero ins Gesicht sprang, konnte ich keine Erinnerungen zu dem Mann herstellen.

Kommen wir nun zum Hintergrund für diesen Artikel. Keine 5 Minuten nachdem meine Frau mir mitteilte das Cicero gestorben ist, dudelte seine Musik in einer Endlosschleife mit saftigen Klängen aus dem Bose-System.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde die Musik sogar gut. Was allerdings erstaunlich ist, nie zuvor habe ich bei uns einen Song von Ihm gehört. Gut, nie ist ein großes Wort. Ich will nicht ausschließen, dass er irgendwann mal im Radio mit durchgespielt wurde. Es dürfte aber klar sein, worauf ich hinaus möchte.

Menschen sind perfekte Verdrängungskünstler und scheinen sich nur zu einem Zweck vebinden zu können. Einem Leidenskollectiv.
Ist es nicht heuchlerisch par excellence, wie die Menschen sich verhalten? Warum sonst wohl werden Filme, Musik oder Schriftstücke aus den Katakomben gepopelt – wo es einen Radlader braucht um den Staub darauf zur Seite zu fahren – wann immer eine Person von öffentlichem Interesse stirbt?

Je nach ursprünglichem Bekanntheitsgrad dauert das kollektive Leid dann einige Tage, bevor man zum „Business as usual“ zurückkehrt. Danach ist alles wie vorher, als wäre derjenige nicht seinem Schöpfer gegenübergetreten.

Der Mensch merkt eh immer erst was er hatte, wenn es ihm auf irgendeine Weise verloren gegangen ist. Ja, der wundersame Homo Sapiens. Selbstverständlich wünsche ich Cicero das er in Frieden ruhen möge.

Carpe diem


4 Responses to Der wundersame Homo Sapiens

  1. Jens Blecker sagt:

    In diesem Zusammenhang könnte man sich auch fragen wo die ganzen Charlies sind, etc etc.

  2. Luxic sagt:

    Hab’s gerade beim Friseur im Radio gehört, dass Roger Cicero gestorben ist. Ja, die Musik von ihm ist gut, bin aber kein Fan. Schlimmer fand ich die unerträgliche Duftwolke im Friseursalon. Als ich den Laden betrat (ich war der einzige Kunde zu der Zeit), vernahm ich aus dem Aufenthaltsraum der Angestellten ein permanentes Husten und Niesen von schätzungsweise drei bis vier Personen, ähm Menschen. Soviel zum Thema Leidenskollektiv. In meinem Kopfkino dachte ich an Klebstoff schnüffelnde Strassenkinder. Oh weh, was ist nur aus uns geworden.

  3. EuroTanic sagt:

    Schon erstaunlich, dass der Mensch sterben muss.
    Im Ernst, was sich heutzutage „Nachrichten“ nennt ist ein Witz. Vielleicht sind Nachrichten generell unnötig?

  4. strom23 sagt:

    „Der Mensch kommt von alleine auf nichts.Er muß überall hingeführt werden“

    Das hat Bernays super erkannt und jedes A..loch nutzt diesen Umstand. Am meisten natürlich die Meinungs und Gebrauchsgüterindustrie.

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