Massenvergewaltigung: Täter entschuldigen sich

image of a hand, that manipulates the mind of another person, isolated and toned

Wenn man die Definition per se nimmt, könnte man die Überschrift als Irreführend betrachten. In Köln wurden jedoch die Nötigungen und ähnliches auch mit dem Begriff Massenvergewaltigung versehen. Nimmt man jedoch den wichtigsten Passus, kommt die Überschrift der Beschreibung des Vorfalls sehr nahe. Schwere Nötigung ist es in jedem Fall, warum wird hier nicht gegen vor gegangen?

Was jedem Menschen mit einem letzten Funken Verstand sofort klar ist, Unternehmen haben nichts zu verschenken. Wenn es etwas „kostenlos“ gibt, ist das meistens mit erheblichen Haken und Ösen verbunden. So auch bei der „Charmoffensive“ von Microsoft im letzten Jahr. Das Kostenlose „Update“ auf Windows 10.

Zunächst versuchte der Konzern die Nutzer durch eine verstreichende Frist in das „Angebot“ zu buchsieren. Alle Medien stimmten in das fröhliche Lied mit ein und machten noch ein Schleifchen um das „Geschenk“.

Manchmal jedoch haben Menschen offensichtlich so etwas wie einen 5. Sinn und die Anzahl der Wechselwilligen, blieb mehr als weit hinter den Erwartungen zurück. Ob die Nutzer tatsächlich verstanden haben was hinter der Offensive steckt, oder nur intuitiv abgelehnt haben ist zunächst nicht von Bedeutung.

In Redmont wollte man sich offensichtlich mit so viel „Selbstbestimmung“ der Nutzer nicht zufrieden geben und half deswegen ein wenig nach. Dazu aus einem aktuellen Heise Artikel:

Microsoft räumt Übereifer beim Windows-10-Upgrade ein
Mancher Anwender von Windows 7 oder 8 ist nicht ganz freiwillig auf die aktuelle Version umgestiegen. Auf dem Höhepunkt der Drängelkampagne, die die Durchsetzung des Gratis-Upgrades vorantreiben sollte, hat der Softwarekonzern im Frühjahr 2016 zu extremen Mitteln gegriffen.

Microsoft behandelte den Umstieg im Effekt wie ein kritisches Update, sodass er Nutzern trotz Ablehnung immer wieder angedient wurde. Das Hinweisfenster des zwangsweise aktiven hauseigenen Upgrade-Hilfs-Tools „GWX“ änderte schließlich sogar sein Verhalten dergestalt, dass es sogar einen Klick auf das Schließfeld des Hinweisfensters (X in der rechten oberen Ecke) als Zustimmung zum Upgrade auffasste. Diesen Trick erklärte Microsoft im Support-Artikel KB3095675 als angeblich durch Kundenwünsche ausgelöstes Entgegenkommen.
[…]
Man habe jedoch letztlich stets nur das Wohl der Anwender im Blick gehabt: „Wir möchten, dass Anwender der Sicherheit zuliebe Windows 10 einsetzen. Wir waren bemüht, nicht allzu aggressiv eine Aktualisierung zu betreiben.[1]

Wer wirklich glaubt, dass Microsoft derart aggressiv bei einem „Geschenk“ vorging weil man um die Sicherheit der Nutzer besorgt war, glaubt auch das Zitronenfalter; Zitronen falten.

Kommen wir nun zurück zur Überschrift und warum ich diese Formulierung als durchaus angebracht empfinde.

Bei Wikipedia heißt es zu Vergewaltigung:

Vergewaltigungen bedeuten eine massive Verletzung der Selbstbestimmung des Opfers und haben oft gravierende psychische Folgen.[2]

Die gravierenden psychischen Folgen sind deswegen noch nicht imminent, da der Großteil der Nutzer noch nicht begriffen hat was man sich dort für einen Trojaner ins Bett geholt hat. Zumindest ist schwere Nötigung und arglistige Täuschung eine Formulierung die mir auf Anhieb dazu durch den Kopf schießt.

In den vergangenen Jahren hatte ich bereits einige Artikel zu Longhorn(Windows), TCPA und dem Fritzchip gemacht. Darin hatte ich auf die enormen Gefahren für die informelle Selbstbestimmung, die Überwachung durch Redmont und die Auslagerung in die Cloud gewarnt.

Wegen des massiven Widerstandes der Nerds und Nutzer damals, wurden die Begriffe einfach neu belegt. Zu schmutzig waren die alten für die „schöne neue Welt“.

Aus TCPA wurde Clean-IT
Aus Longhorn wurde Windows 10
Aus dem Fritz-Chip wurde das Trusted Platform Module (TPM)

Das muss man neidlos anerkennen, den Wortakrobaten gehen niemals die Ideen aus. Im Artikel „Clean IT: PC und Mobile Devices als Trojanische Pferde“ bin ich etwas detaillierter darauf eingegangen, für alle die es interessiert.

Nun was ist die Quintessenz? Reicht es hin wenn ein Konzern der sich wenn schon möglicherweise nicht der Vergewaltigung (per Definition), dann wenigstens der Nötigung und arglistigen Täuschung schuldig gemacht hat, sich entschuldigt? In meinen Augen gehört das vor Gericht und Windows 10 in den Mülleimer.

Es gibt Alternativen und jeder Nutzer sollte sich die Frage stellen ob er im Austausch für einen kostenlosen bunten Trojaner tatsächlich den Spion im Bett haben möchte?

Noch hat jeder Nutzer die Möglichkeit zur informellen Selbstbestimmung, auch wenn es möglicherweise am Anfang noch etwas ruckelt. Wenn sich die wahren Hinter- und Abgründe öffnen die hinter dem Geschenk stehen, dürften Sie sich selber auf die Schulter klopfen diesen Aufwand auf sich genommen zu haben.

Carpe diem

[1] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Microsoft-raeumt-Uebereifer-beim-Windows-10-Upgrade-ein-3582028.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung


61 Responses to Massenvergewaltigung: Täter entschuldigen sich

  1. Frank H. sagt:

    Pferdefuß: Notebooks und Linux OS. Nach wie vor eine Wissenschaft für sich! Grafikkartentreiber von ATI udn NVIDIA: auch hier aufpassen, es gibt den mittlerweile recht guten Universaltreiber mit 3D Grafikeffekten, einen Treiberverschnitt aus Originaltreiber und freien Linuxteilen und den echten Spezialtreiber des Herstellers (ohne Gewähr das das immer zusammengeht mit dem Rest). Meistens tut es schon der Universaltreiber am Besten. Gerade ältere Rechner sollte man nur mit dem Universalkartentreiber nutzen, da nach wie vor die sogenannten Closed Source Treiber nur rudimentär Linuxprogrammversionen voll unterstützen.

    Insgesamt ist Linux Mint ein äußerst bequem zu bedienendes genügsames stabiles Betriebssystem auf der Basis von Ubuntu OS (inkl. angepasstem hohen gut laufendem Gnome Desktopanteil / alternativ eine KDE Desktopumgebung, jedoch ohne die besser laufenden Gnome Anteile) samt tausenden von guten Anwendungen.

    Nachteil: nicht immer ist eine Anwendung die Neuste! Das ist aber nicht so schlimm, da die Entwickler von Linux Mint immer Wert auf sicheres Funktionieren statt Experimente legen. Man muss auch unter Linux nicht immer das Neuste haben, wenn bewährtes funktioniert finde ich.

  2. Mike123 sagt:

    @Frank H.
    Danke für den Tipp

  3. Frank H. sagt:

    ACHTUNG, ACHTUNG – Angriff auf alle Linux Systeme mit „NATO“ Ransomware erstmalig erfolgreich. Im Krieg der Ukraine gegen die Rebellen wurde der Schädling erfolgreich eingesetzt. Als er entdeckt wurde staunte die zivile Fachwelt nicht schlecht. Der gesamte Rechner wird lahmgelegt! Die unterentwickelten Unix Virenscanner helfen nicht weiter. Wer also Linux und Windows auf 1 Festplatte hat, hat absolut null Chancen auf ein Comeback, außer Formatierung der gesamten Festplatte.

    https://www.heise.de/security/meldung/Linux-Variante-des-Erpressungs-Trojaners-KillDisk-soll-Schluessel-vergessen-3590024.html

    http://www.welivesecurity.com/2017/01/05/killdisk-now-targeting-linux-demands-250k-ransom-cant-decrypt/

    Ich bitte die Leser sich DRINGENDST unter Windows NUR Virenscanner mit Cloud-Ramsomwareschutz zu kaufen. Diese sind aber recht teuer. Cloud? Nein da wird nix geklaut – nur bestimmte Dateien für den Notfall hinterlegt!

    Empfehlen kann ich bisher nur die osteuropäische Software KASPERSKY oder BITDEFENDER. Nur diese Beiden können osteuropäische Schadsoftware sauber erkennen, weil sie kyrillisch und chinesisch beherrschen.

    I’ll do my very best 4 you. greets.

  4. Mike123 sagt:

    mission completed

    Ich habe auf dem neuen Notebook erfolgreich Linux Mint parallel zu Win 10 installiert. Der Gesamtaufwand (ohne Wartezeiten) lag unter einer Stunde. Alles läuft bisher ohne Probleme. 🙂

    Ehrlich gesagt, hatte ich gedacht, dass sich Win 10 deutlich zickiger anstellet, wenn neben ihm ein weiteres Betriebssystem installiert werden soll.

    Falls jemand Interesse hat, folgende Anleitung war recht hilfreich:
    http://www.pcwelt.de/ratgeber/So-klappt-der-Multiboot-mit-Windows-Linux-Doppel-OS-
    9666313.html

  5. Frank H. sagt:

    Leider ist Mike123 ein Fehler beim Kopieren der Internetadresse unterlaufen den ich gerne für ihn als kleinen Gefallen korrigieren möchte
    http://www.pcwelt.de/ratgeber/So-klappt-der-Multiboot-mit-Windows-Linux-Doppel-OS-9666313.html

  6. Frank H. sagt:

    Erst Windows XP / 7 / 8 / 10 installieren, dann ein Linux OS dazu tun. NICHT umgekehrt, da Windows sonst Linux aus dem Bootmanager heraus platt walzt. Windows mag keinen Bruder neben sich haben, Linux aber schon. Linux setzt seinen Bootloader GRUB einfach vorne dran udn schiebt Windows in Reihe 2. Das hat seinerzeit die Unix Community dem Redmonder Festplattenschrottler so abgerungen.^^

  7. Frank H. sagt:

    Noch einen Hinweis: Linux kann NTFS Festpaltten lesen und beschreiben, Windows aber Unix nicht mal lesen. ABER seit Windows 10 hat man die OS Energieverwaltung der Festplatten so manipuliert, dass Linux die HD als gesperrte HD nur erkennt und man dann alt aussieht. Pure Schikane. Lässt sich aber nur bedingt und mit Handarbeit ändern. Anfänger sollten es nicht angehen. Da die Energieverwaltung von Windows dann spinnt. Bei FAT32 Festplatten gibt es wohl keine Probleme. Bin aber nicht sicher.

  8. Frank H. sagt:

    Positiv: bei externen NTFS Festplatten sieht es besser aus, die kann Linux voll lesen und beschreiben. Hab eine NTFS HD an meiner FritzBox laufen, das macht Laune. Linux greift über SAMBA bzw. NAS (NAS muss nachinstalliert werden, nicht verträglich mit SAMBA) direkt auf die HD zu, sofern man der FB das erlaubt hat. Menüeinstellung in der FB Heimnetz aufrufen und dann NAS Laufwerk wählen. Das NAS aktivieren und gut ist.

  9. Habnix sagt:

    Facebook kann die verschlüsselten Inhalte auf WhatsApp mitlesen
    von Markus Reuter am 13. Januar 2017, 12:47 in Überwachung / 129 Kommentare

    Die Kommunikation mit WhatsApp ist nicht sicher. Das Unternehmen selbst und Ermittlungsbehörden können die Nachrichten der Nutzer mitlesen. Die Lücke besteht mindestens seit April 2016.

    Quelle: https://netzpolitik.org/2017/backdoor-facebook-kann-die-verschluesselten-inhalte-auf-whatsapp-mitlesen/

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    Wie kommt das denn? 😉 😀

  10. Habnix sagt:

    WhatsApp ist fast die selbe Software, die, die NSA benutzt.

    Noch Fragen Hauser?

    Nein Kienzle!

  11. Habnix sagt:

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    “Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein.”

    Karl Marx

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    Die erste Freiheit der Medien besteht darin, kein Gewerbe zu sein.

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