Frankreich: Atom-Nation vor neuem Amok?

Als „stiller Beobachter“ der geopolitischen Entwicklungen kann man sich des Gedankens nicht erwehren, das die „Grande Nation“ im Augenblick auf Krieg gebürstet wird. Anders zumindest lassen sich Drohungen von Macron gegen Syrien kaum deuten. Eine Nation im im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Chaos zu versinken droht, ist auf jeden Fall ein potentieller Auslöser. Am bedenklichsten ist die Tatsache, dass man offenbar die dreiseitige „Lügenbibel der Kriegsgründe“ zu nutzen scheint. Die aktuellen Erklärungen, lösen unweigerlich ein Deja-Vu aus.

Frankreich als ehemalige Großmacht, hat seine Bedeutung weltpolitisch nahezu komplett verloren. Man ist zwar irgendwie noch mit dabei, aber wirklich zu sagen hat man nichts mehr. Mit seiner staatlich gelenkten Volkswirtschaft, verpasste es den Anschluss an die Wirtschaftsentwicklung nahezu vollständig. Aber nun zurück zu den aktuellen Entwicklungen.

Macron zieht eine rote Linie, im Bezug auf den Einsatz von Giftgas in Syrien. Da werden Erinnerungen wach, nicht wahr? Wen interessiert im Nachhinein schon noch ob die Informationen, deretwegen ein Land in Schutt und Asche gebombt wurde, der Wahrheit entsprachen? Zumindest solange wie es sich irgendwo im mittleren- oder nahen Osten abspielt. Dazu eine Meldung von Heute:

Macron droht Syrien für Fall von Giftgaseinsatz mit Angriff
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Syrien mit einem Angriff gedroht, sollte der Führung des Landes der Einsatz von Chemiewaffen gegen die Bevölkerung nachgewiesen werden.[1]

Liest man hier „zwischen“ den Zeilen, geht es nicht nur um einen noch „kommenden“ Einsatz, sondern auch ein „nachträgliches Nachweisen“. Wie oft hier schon der größte Unsinn an den Haaren herbeigezogen wurde – egal ob im Irak, Libyen oder sonst wo -, braucht kaum noch erneut erörtert zu werden. Da es aber ein wichtiger Aspekt ist, hier noch eine Meldung die sehr frisch ist:

Now Mattis Admits There Was No Evidence Assad Used Poison Gas on His People
08.02.18
[…]the striking statement by Secretary of Defense James Mattis that the U.S. has “no evidence” that the Syrian government used the banned nerve agent Sarin against its own people.[2]

(Sinngemäße Übersetzung Jens Blecker)
Mattis gibt zu, dass es keinen Beweis gab, dass Assad Giftgas gegen seine Bevölkerung eingesetzt hat
…das erstaunliche Eingeständnis vom Verteidigungsminister James Mattis, das die USA keinen Beweis dafür haben, dass Assad das verbotene Nervengas Sarin gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt habe.

Wie auch ich seinerzeit in einem Artikel schrieb, wird im Newsweekartikel darauf eingegangen, dass es kaum einen schlechteren Zeitpunkt für einen potentiellen Einsatz von Giftgas hätte geben können. Mein Artikel hatte noch einige weitere Punkte aufgelistet, aber bereits was dort bei Newsweek steht, ist offenkundig ausreichend um die Meldungen damals kaum ernst nehmen zu können.

Selbst als damals Collin Powell vor Kameras zugab dass die Massenvernichtungswaffen im Irak eine Lüge der Dienste war, holte das niemanden hinter dem Ofen vor und das obwohl die zivilen Opfer gewaltig waren.

Niemand sollte also denken das etwaige Soziopathen sich vor neuen Lügen und Massakern scheuen, selbst wenn das die ganze Welt in einen Krieg stürzen würde. Was Syrien angeht, besteht diese Gefahr meiner Ansicht nach in jedem Fall. Doch blicken wir erneut zurück nach Frankreich und drehen ein Wenig an der Uhr – zurück nach 2011.

Nach der Verabschiedung der UN-Resolution 1973 folgte ein absolutes Novum und man könnte sogar einen Bruch des Völkerrechts vorbringen. Obwohl der damalige libysche Außenminister Mussa Kussa erklärte, sein Land werde der UN-Resolution Folge leisten, flog Frankreich – ohne ein NATO-Mandat – direkt erste Bombenangriffe gegen Libyen. Dafür gab es aus meiner Sicht manigfaltige Gründe. Unter Anderem: Das Great-Man-Made-River-Projekt (Unter Lybien, Ägypten, Sudan und Dschad liegt das größte fossile Trinkwasserreservoir der Welt). Am bedeutensten jedoch denke ich war für Frankreich – dessen Präsident Sarkozy kurz zuvor noch ein dicker Kumpel von Gaddafi war und sich seinen Wahlkampf hat von ihm finanzieren lassen – die enormen Geldmengen die in Frankreich geparkt waren und vor ihrem Abzug standen. (Gaddafi hat am Beispiel von Mubarak gesehen wie unverlässlich die Kumpels sind und wollte dem Vorbauen.) Das hätte binnen Minutenfrist die französischen Banken kollabieren lassen.

Die Konten sind nach wie vor eingefroren nicht nur in Frankreich. Dazu aus einem aktuellen Artikel in der Welt:

Verschwundenes Geld: Wer schöpft die Zinsen von Gaddafis Milliarden ab?
Als Libyens Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 gestürzt und im Oktober desselben Jahres getötet wurde, tauchte die Frage nach seinen Reichtümern auf. Laut einigen Schätzungen sollen es bis zu 200 Milliarden Dollar gewesen sein.

Entsprechend einer UN-Resolution wurde sein Vermögen eingefroren – es soll dem libyschen Volk zugute kommen, wenn sich das vom Bürgerkrieg erschütterte Land wieder stabilisiert hat.
[…]
Die UN-Sanktionen bezogen sich auf Gelder des Gaddafi-Regimes, inklusive rund 67 Milliarden Dollar der LIA, die überwiegend bei Banken und Vermögensverwaltern in Europa und Nordamerika angelegt waren.[3]

Irreführender Weise wird in dem Artikel von „Gaddafis Geld“ gesprochen, was aber aufgrund der heutigen journalistischen Qualität kein Wunder ist. Wie sollte der Autor auch sachlich von Milliarden sprechen, die besser eingefroren bleiben sollten. Vor diesem Hintergrund ist es auch kein Wunder, dass man Libyen sich selbst und dem Chaos überlassen hat, anderfalls würden die alten Probleme sehr schnell wieder aktuell werden. Das steht aber auf einem anderen Blatt. Damit wollte ich aufzeigen, wie eifrig Frankreich werden kann, sollte es eigene Interessen in einem Konflikt haben, siehe z.B. auch Mali.

Mit der Äußerung Macrons wurde in meinen Augen die Lunte gezündet und damit die Frage „ob“ auf „wann“ gewandelt. Das es in diesem Konflikt um mehr als Frankreich und Syrien geht, sollte jedem klar sein. Hier sprechen wir in letzter Instanz über Frankreich mit der NATO auf der einen Seite und Syrien, Iran, Russland sowie möglicherweise China – dessen Interessen in dem Gebiet massiv beroht werden – auf der anderen Seite.

Ich sprach in einem vorangehenden Artikel über einen Trigger, der möglicherweise die Märkte in den Abgrund stürzen könnte. Auch wenn im Augenblick alle Welt nach Korea blickt, sollte man Syrien keinesfalls aus den Augen verlieren.

Carpe diem

[1] https://de.reuters.com/article/syrien-frankreich-macron-idDEKCN1FY0L1
[2] http://www.newsweek.com/now-mattis-admits-there-was-no-evidence-assad-using-poison-gas-his-people-801542 Thanks Babs für den Link
[3] https://www.welt.de/politik/ausland/article173487966/Verschwundenes-Geld-Wer-schoepft-die-Zinsen-von-Gaddafis-Milliarden-ab.html


11 Responses to Frankreich: Atom-Nation vor neuem Amok?

  1. Jens Blecker sagt:

    Zitat: „Am 17. März 2011 wurde durch die UN-Resolution 1973 ein Militärschlag, jedoch unter Beachtung des allgemeinen Waffenembargos und ohne Einsatz von Besatzungstruppen, legitimiert.“ Zitat Ende.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Milit%C3%A4reinsatz_in_Libyen_2011#Ablauf_der_milit%C3%A4rischen_Intervention

    Zitat Anfang: Sie fordert an erster Stelle einen sofortigen Waffenstillstand und ein vollständiges Ende der Gewaltanwendungen und aller Angriffe gegen Zivilisten.

    Als zweites spricht sie sich für eine Intensivierung der Anstrengungen aus, eine Lösung zu finden, die „den legitimen Forderungen des libyschen Volkes Rechnung trägt“ und weist auf die Entscheidung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen hin, seinen Sondergesandten für Libyen, Abdul Ilah al-Chatib, nach Libyen zu entsenden. Des Weiteren wird auf die Entscheidung des Sicherheitsrates der Afrikanischen Union hingewiesen, eine Vermittlergruppe nach Libyen zu entsenden, die dort einen Dialog voranbringen soll, der zu einer friedlichen und dauerhaften Lösung führen solle……Zitat Ende

    https://de.wikipedia.org/wiki/Resolution_1973_des_UN-Sicherheitsrates

    Was für ein Bullshit. Es war ein ABSOLUTES NOVUM, dass die Resulotion 1973 zur legitemierung von Kriegshandlungen herangezogen wurde – und zwar an den Haaren!!!!

    Frankreich schuf trotz fehlendem NATO-Mandat VOLLENDETE TATSACHEN und zwang damit die Alliierten das abzunicken.

  2. Elia sagt:

    Die UNO ist faktisch tot.
    Macron ist der Präsident von was auch immer-aber nicht von Frankreich-denn die Interessen von Frankreich vertritt der Mann nicht.
    24.Juli 1914-Börsencrash.

  3. Irmonen sagt:

    Frankreich schuf trotz fehlendem NATO-Mandat VOLLENDETE TATSACHEN und zwang damit die Alliierten das abzunicken.

    Zwang??? naja – eher eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Unsere Politiker habe in all den Jahren nicht einmal im Parlament im großen Stil gegen die Völkermorde und Landzerstörungen protestiert und sich am direkten oder/und indirekten mitmachen geweigert. Das Gewissen all der Sesself…r ist wohl für immer beim Einzug in die „geweihten Hallen“ daraussen glebieben.

    Damit haben wir Deutschen wieder schwere Schuld auf uns geladen. gibt es sowas wie Karma, „was man sät erntet man“ und das ist hochwahrscheinlich (auch wenn die Mühlen langsam malen sollten) dann wird Old Germany ebenfalls mitsamt seiner Bevökerung schweres durchmachen.

    Krieg das klingt so nebulös, man ist es von den Comuterspielen ja gewöhnt, doch es ist das Grauen selbst. Man lese Kriegstagebücher und Schriften von Betroffenen…..

  4. Elia sagt:

    Manchmal habe ich zumindest bei dem ex General Mattis und ex CEO Tillerson das Gefühl-das alles „kotzt“ die an-die würden gern den ganzen Wahnsinn am besten heute noch beenden-die Truppen abziehen,Deals machen und dann in Montana angeln gehen.Nur die Macht dazu haben diese Leute nicht-selbst wenn dies so wäre.

  5. Babs sagt:

    Was die beiden ankotzt wird wohl eher der Umstand sein, das sie noch keinen neuen Krieg anfangen konnten. Folgedessen will man von D. und der EU nun schriftl. Garantien was die Allmacht der NATO betrifft.

    Diese [b]schriftlichen[/b] Garantien gab man RU aber damals nicht, was die Osterweiterung der NATO betrifft. Das Flintenuschi nun ein weiteres NATO-Hauptquartier in D. genehmigt ist eine Frechheit sondergleichen.

  6. Jens Blecker sagt:

    Sollte man in dem Kontext durchaus im Auge behalten:

    USA verlegen zweiten Zerstörer mit Tomahawk-Raketen ins Schwarze Meer

    https://de.sputniknews.com/politik/20180218319588536-zerstoerer-carney-us-navy-nato/

  7. Elia sagt:

    Dann wollen wir mal hoffen,das der Kommandeur kein Fanatiker ist-und weiss,was aus den Jungs geworden ist die auch nur Befehle befolgt haben-damals bei den Atombombentests in New Mexiko.

  8. Elia sagt:

    Syrien 2018-dreieinhalb Schachgroßmeister gegen einen hochgerüsteten,aber jetzt planlosen Westen-und dessen Proxys.Israel entscheidet nun ob es WK gibt-sind sie die nützlichen Idioten und gehen mit „all in“-oder steigen sie aus dem Spiel aus.Die Türken haben nicht ihre Armee nur wegen der Enklave Afrin mobilisiert-da kommt noch was anderes.Sieht nicht gut aus für die Zivilisten mittendrin.

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