Kreditzinsen: Chinas gefährlicher Paradigmenwechsel

yuan

Während die Märkte sich über die Aufhebung der Mindestzinsen freuen, stellt es doch einen Strategiewechsel mit ordentlichen Gefahren dar. Seit Beginn der Krise war die Peoples Bank of China (PBoC) einem relativ straffen Kurs gefolgt und hielt die Leitzinsen auf einem hohen Niveau. Dieser Schritt sollte eine weitere Expansion der Spekulationsblase im Immobilienbereich entgegenwirken. Unter anderem diesem Umstand geschuldet, entstand ein gewaltiger Schattenbankenmarkt. Noch immer hat China eine Mindestreserve von 20%, was zumindest den Kredithebel etwas begrenzt. Die Freigabe der Zinsentscheidung ist ein mögliches Mittel, um den unkontrollierbaren Schattenbankenmarkt zu reduzieren, allerdings birgt es auch einige Gefahren.


Durch die Mindestreserve von 20% ist der Faktor für Hebelung der Geldmenge via Kredit auf 5 beschränkt. Sprich eine Sichteinlage von 1000 Yuan kann maximal auf 5000 Yuan gehebelt werden. In den USA – bei einer Mindestreserve von 10% – ist der Faktor immerhin schon bei 10. Europa schlägt hier mit einem Faktor von 100 dem Fass den Boden aus. 1000,- Euro können also bei maximaler Nutzung des Hebels auf 100.000 Euro Kredit gebracht werden. Nun jedoch zurück zu China.

Es gibt unzählige Beispiele für die Entstehung einer gewaltigen Blase. Das wohl prominenteste Beispiel möchte ich hier aufzeigen.

Chinas Häusermarkt: Hongkongs Milliardenhügel schürt Angst vor Immobilien-Preisblase
China erlebt einen Bauboom wie nie zuvor. Die Häuserpreise erreichen ungeahnte Höhen. In der britischen Ex-Kolonie wechselte ein 174 mal 174 Meter großes Areal für 1,3 Mrd. Dollar den Besitzer. Analysten fragen besorgt: Wie lange kann das gut gehen?[1]

Um es zu verdeutlichen, 1,3 Milliarden US-Dollar sind 1300 Millionen US-Dollar bzw. ~ 1000 Millionen Euro. Dieser Preis wurde gezahlt für ein Grundstück von etwas mehr als 3 ha, sprich ungefähr 30.000 m².

Ab heute hat sich die chinesische Strategie grundlegend gewechselt, was unterschiedliche Ursachen haben könnte. Bei China.org heißt es dazu:

Die Kehrtwende der Zentralbank markiere einen großen Schritt in Richtung marktwirtschaftliche Reformen und weise den zukünftigen Reformpfad, sagte Yu Yongding, Ökonom an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.

Dort steht auch zu lesen, dass die Kreditzinsen für privates Wohneigentum genau wie die Einlagenzinsen von der Reform nicht betroffen wären. An dieser Stelle wird es nun interessant.

In einigen Artikeln bin ich darauf eingegangen, welche Strategie ich bei den Chinesen vermute und warum man vermutlich derart lange – trotz massiver „Prügel“ seitens der USA – gute Mine zum bösen Spiel machte. Der Binnenmarkt ist zu schwach und die Infrastruktur in sehr geringem Masse ausgebaut. All diese Probleme hat die Regierung mit Hochdruck angegangen und gewaltige Fortschritte gemacht. Noch ist China zwar weit entfernt von einem funktionierenden Binnenmarkt, jedoch bricht die Auslandsnachfrage und damit der Export immer weiter zusammen. Das ist für China mit enormen Risiken verbunden, denn das einzige, wovor man sich dort fürchtet, ist die eigene Bevölkerung. Nicht das erste Mal würde die Staatsführung von hungrigen und wütenden Bauern gestürzt.

Die Lockerung der Zinsen für eben diese Bereiche fördert die Nachfrage und den Ausbau des Binnenmarktes, was das im Einzelnen bedeuten könnte, braucht man kaum im Detail erläutern. China stellt immerhin fast 20% der Weltbevölkerung und der Großteil davon lebt in bitterer Armut. Die Auswirkungen auf den Weltmarkt – sollte diese Bevölkerung beim Konsum tatsächlich auf den Geschmack kommen – wären unkalkulierbar. Hier geht es nicht mehr um Geld, es geht schlichtweg um Ressourcen.

Das globale Schuldgeldsystem kann sich natürlich darüber freuen, wenn in China auch das große „Pumpen“ beginnt, es würde die Exponentiale und die finale Kernschmelze um einige Jahre verschieben können. Was aber wäre die Konsequenz für den Wohlstand und Konsum in der Welt, sollte China sich vom Exporteur zum Importeur wandeln und vom Gläubiger zum Schuldner? Würden sich die Industrienationen tatsächlich die Butter und die Wurst vom Brot nehmen lassen oder wäre eine der möglichen Konsequenzen Krieg?

In den vergangenen 6 Monaten konnte sich der BALTIC DRY INDEX (BDIY) etwas erholen, während der HARPEX weiterhin nicht aus der Kabine kommt. Schüttgüter auf Standartrouten werden verschifft, die Fertigprodukte jedoch nicht. Wird hier auf Halde gelagert oder hat man einfach die Kapazitäten im Bereich der Schüttgüter reduziert? Hat sich die Nachfrage stark verringert? Es gibt viele Möglichkeiten, allerdings ist man gut beraten, die Entwicklung im Auge zu behalten. Ungefährlich ist das Treiben auf jeden Fall nicht.

Carpe diem

[1] http://www.ftd.de/finanzen/immobilien/:chinas-haeusermarkt-hongkongs-milliardenhuegel-schuert-angst-vor-immobilien-preisblase/50150394.html
[2] http://german.china.org.cn/business/txt/2013-07/21/content_29483748.htm


2 Responses to Kreditzinsen: Chinas gefährlicher Paradigmenwechsel

  1. Janu sagt:

    Leider geht die Peoples Bank of China – zusammen mit der EZB – nun voll auf Zocker-Kurs!
    „ZENTRALBANKEN BRINGEN WAFFEN DER MASSENVERNICHTUNG IN STELLUNG“
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/07/19/zentralbanken-bringen-waffen-der-massenvernichtung-in-stellung/ .

  2. Foerster003 sagt:

    Euro News meldete am 05.03.2013: „China senkt Wachstumsziel und setzt auf Konsum

    Filmbeschreibung:
    „Chinas Staatsführung will im laufenden Jahr massiv investieren, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Die Krise in anderen Staaten betrifft auch den Exportriesen China. Wuchs die Wirtschaft dort vergangenes Jahr noch um 7,8 Prozent, peilt die Regierung in Peking nun einen leicht geringeren Anstieg an.

    Auf der Jahrestagung des Volkskongress sagte der scheidende Ministerpräsident Wen Jiabao: „Das diesjährige Wachstumsziel liegt bei 7,5 Prozent, es ist notwendig und angemessen, und wir müssen hart arbeiten, um es zu erreichen.“

    Die wegen der Krise in Europa und den USA schwächelnden Ausfuhren machen die Exportwirtschaft abhängig von Investitionen.

    Die Regierung setzt wegen der vergleichsweise schwachen Exporte nun verstärkt auf den heimischen Konsum, in ihm sieht Wen Jiabao großes Potential.

    Die Neuverschuldung steigt wegen der Investitionen um umgerechnet rund 50 Milliarden Euro auf mehr als 147 Milliarden Euro. Die Inflation soll bei 3,5 Prozent liegen.“

    http://www.youtube.com/watch?v=kKWpb2xGkK4&feature=youtube_gdata

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