Russland: Für Iran bestimmte S-300 Luftabwehrsysteme existieren nicht mehr

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Es gibt wenig, vor dem sich – besonders die USA – mehr fürchten als vor den legendären S-300 Systemen der Russen. Mit den Luftabwehrsystemen würde ein Angriff nach üblicher Fasson der USA nahezu ausgeschlossen werden. Bereits 2009 gab es erhebliche Spannungen zwischen den USA und Russland wegen der damals anstehenden Lieferungen, Obama drohte mit einem sofortigen Angriff, sollten die Verträge nicht auf Eis gelegt werden. Seinerzeit willigte Russland ein. Nun sollen die Systeme verschrottet und verwertet sein.


Russia Today meldet, dass die 2007 geschlossenen Verträge über die Lieferung von S-300 Luftabwehrsystemen zwischen Moskau und Iran nun endgültig vom Tisch seien. Vladislav Menshikov, der CEO des Herstellers Almaz-Antei, gab gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti an, „Die für den Iran bestimmten Geräte existieren nicht mehr. Wir haben sie komplett zerlegt, die noch nutzbaren Teile wurden in anderen Systemen verbaut.“ Er fügte noch hinzu, dass diese Information absolut glaubwürdig sei.

Wie Menshikov sagt, würde jedes System individuell für Kunden gebaut werden und deshalb die Demontage notwendig war. Man kann nicht einfach ein System an einen anderen Kunden verkaufen. „Die Liste der Ausrüstung, die Anforderungen und die Software ist unterschiedlich für jeden Kunden“, gibt Menshikov zu verstehen.

Moskau und Teheran hatten Ende 2007 einen Vertrag über 800 Millionen Euro über den Verkauf von S-300 Systemen abgeschlossen. Drei Jahre später beschloss Russland jedoch, die Systeme nicht an den Iran zu liefern. Diese Entscheidung war den neuen Sanktionen des UN-Sicherheitsrates wegen des „Atomprogramms“ des Iran geschuldet, welche es verboten, moderne Waffen an den Iran zu verkaufen.

Moskau gab an, dass der Vertrag über die Lieferung der S-300 Systeme durch Almaz-Antei unter diese Sanktionen fiel. Teheran reagierte mit einer 4 Milliardenklage gegen den Waffenexporteur Rosoboronexport beim Internationalen Schiedsgericht in Genf.

Nach Medienberichten im Juni bot Russland dem Iran an, die vertraglich vereinbarten S-300 Systeme gegen die noch leistungsfähigeren Antney-2500 Luftabwehrsysteme zu ersetzen, Teheran dementierte jedoch diese Berichte.

Diese Woche gab der iranische Botschafter in Moskau an, man würde flexibel sein, was das S-300 Problem anginge, nannte aber keine weiteren Details.

Fazit: Einige S-300 Systeme sind von der Lagerliste verschwunden, ob diese wirklich verschrottet wurden, ist eine wichtige Frage. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Russland Waffen an Syrien liefern soll, da ist einiges an Platz für Spekulationen. Wenn Syrien tatsächlich im Besitz der Systeme ist, sind die Karten neu gemischt.

Carpe diem

Quelle: http://rt.com/news/iran-russia-s300-dismantle-160/
Bildquelle: Wiki – Vitaly V. Kuzmin


2 Responses to Russland: Für Iran bestimmte S-300 Luftabwehrsysteme existieren nicht mehr

  1. Agincourt sagt:

    Ich hatte gestern schon etwas ausführlicher zum S-300 geschrieben.

    Sie überschätzen, vielleicht auch wegen der z.T. sehr enthusiastischen Schilderungen der „Wunderwaffe“ S-300 auf russischen Netzseiten – die häufig leider notorisch chauvinistischen Russen sind da eben auch nicht objektiv, weil sie stets zu zuweilen maßlosen Übertreibungen der Leistungsfähigkeit eigenen „Errungenschaften“ neigen – die Leistungsfähigkeit dieses im Grunde genommen – nach dem Entwurfs-/Truupeneinführungsdatum – (sehr) alten Systems, das mittlerweile wie gesagt in Rußland selbst durch das weiter entwickelte S-400 abgelöst wurde.

    S 300 wird niemals die USA und deren Partner/Vasallen/Aufseher an einem Angriff gegen Syrien oder den Iran hindern oder diesen, wenn er ausgeführt werden sollte, vereiteln – die Dislozierung des Systems bedeutete eben nur, daß – im Verhältnis zu früheren Überfällen dieser Art – größere Verluste unter den Angreifern sehr wahrscheinlich sind.

    Das System allein genügt nicht, um (in Syrien oder dem Iran) „Karten neu zu mischen“.
    Das täten allenfalls strategische Atomraketen, vgl. Nordkorea, da hier das Risiko eines Krieges in der Tat auch nach der Matrix der Militärs, geschweige denn dem (Un-)Verständnis der regelmäßig völlig inkompetenten und feigen Politiker, tatsächlich unkalkulierbar wird.

    Da die USA wie die „NATO“ sozusagen reziprok zu den Russen von der Psychose besessen sind, als unverwundbarer Leviathan möglichst gar keine Verluste zu erleiden bzw.sich selbst als der gottgewollte Herrscher der Welt sehen und auch die Medien immer auf der Jagd nach Sensationen oder Schock-Themen sind, werden eben regelmäßig Lieferungen bestimmter Waffen an sog.(nach USA-Lesart) Schurkenstaaten z.T. maßlos dramatisiert – nicht zuletzt auch, weil hier Kriegsgründe erfunden werden können..

    Im Grunde genommen ist das aber eher dem kranken Ego eines weltgeschichtlichen Parvenus und dem (eigennützigen, vgl. der berüchtigte „Missile Gap“, der in Kubricks Dr. Strangelove so schön persifliert wurde) Einfluß des militärisch-industriellen Komplexes und der Militärs selbst geschuldet denn einer Bedrohung, die ein unkalkulierbares Kriegsrisiko bedeutete..

    Die „Sorgen“ der USA-Militärs sollten eher dem im syrischen Arsenal befindlichen Seezielflugkörper „Onyx“/“Yakhont“ (SS-N-26 „Strobile“) gelten, der für einen i.w. seegestützten Angreifer eine tatsächlich gefährliche und unberechenbare Waffe darstellt.

    Zumal „Strobile“ im Falle eines erfolgreichen Treffers eben nicht „nur“ ein relativ leicht zu ersetzendes Flugzeug vernichtet, sondern ggf. gleich ein ganzes Schiff.

    Und einen Schiffsverlust – und sei es „nur“ ein Zerstörer – „verdauen“ auch die USA nicht einmal so eben ohne Bauchschmerzen.

    Hierzu eine interessate Meldung einer halb-offiziellen, pakistanischen Netzseite:

    http://www.defence.pk/forums/middle-east-africa/255749-syria-nuclear-attack.html

  2. st.germain sagt:

    Hallo Agincourt
    danke für dein interessanten sachlichen Ausführungen bzgl. der überbewerteten s-300 Systeme.
    Ich denke das dies etwas entstanden ist zur Zeit als die Patriot Diskussion hier aufkam, da wurde nämlich in alter ost/west Manier der Vergleich angestellt welches System nun das bessere sei.
    Geht man wirklich von diesen nicht ganz vergleichbaren Flugabwehrsystemen aus, ist jedoch das S-300 was den „Wirkungsgrad“ angeht das eindeutig bessere System, jedoch bezieht sich das nur auf die angegebenen Leistungsdaten, von denen ich im militärischen Bereich nicht viel halte.

    Die Nato/USA halten gerne den Schleier des Geheimnisses über ihren Waffensystemen, wozu ebenso das Patriot System gehört.
    Außerdem beziehen sich diese Informationen meist auf die Feuerleitanlage und Radartechnik, jedoch gibt es meines Wissens auch für Patriot Systeme verschiedene „Raketentypen“ die unterschiedlich flexibel und wirksam sind und ständig weiterentwickelt werden.

    Ein Bundeswehrverantwortlicher sagte mal, „Sie werden doch nicht glauben das Deutschland Waffensysteme zum Schutz eines Bündnispartners einsetzt, die objektiv nicht zwecktauglich sind“
    Da denke ich doch das hier im Leistungsspektrum noch etwas Spielraum nach oben ist.
    Was das S300 angeht, würde ich jedoch ebenso nicht das alter als Leistungswert heranziehen, da sich diese Systeme ebenfalls als zuverlässig und gefechtserprobt darstellen, sie sind unglaublich mobil, unabhängig von Wettereinflüssen und eher einfach zu bedienen. Deshalb weiterhin gefragt und geschätzt, auch außerhalb Russlands.
    Ich vergleiche das gerne mit dem Marder Schützenpanzer der BW, dieser ist auch schon fast 40 Jahre alt, aber immer noch annähernd Stand der Technik.

    Fakt ist, Syrien und der Iran können auf weit mehr als nur S 300 Systeme zurückgreifen, hab da mal eine offizielle Erhebung des Bundesheers verlinkt, zwar von 2010 aber bezeichnend für die Einschätzung diese Länder nicht zu unterschätzen.

    http://www.bmlv.gv.at/truppendienst/milint/td_milint-laenderinfo.php

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