Wie der Onlinehandel dem Mittelstand Alimente abpresst

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Der Wandel im Handel ist eine gefährliche Entwicklung für die Vielfalt und den einfachen Mittelstand. Bequemlichkeit und die „Just in Time-Mentalität“ bedrohen zusehends den Handel. Wie weit sich das Spiel noch treiben lässt, ist sehr schwer zu sagen, allerdings nimmt der Druck mehr und mehr zu. Die Konsumenten beschweren sich zwar, dass mittlerweile eine Innenstadt der anderen bis auf’s I-Tüpfelchen gleicht, bestellen allerdings schon im nächsten Moment mit einem Klick bei Amazon. Damit treffen die Verbraucher eine – auf Sicht gesehen – folgenschwere Entscheidung.


Im Augenblick trifft es die Essen-Lieferdienste besonders hart. Die zentralisierten Portale, bei denen Bestellungen eingesammelt und einfach an die Bringdienste weitergeleitet werden, kassieren einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Die Platzhirsche haben die „Vermittlungsprovision“ auf sage und schreibe 14% der Bestellsumme erhöht, was bei dem ohnehin hart umkämpften Markt bei einigen für ordentlich Bauchschmerzen sorgt.

Befragte Lieferdienste gaben anonym an, nicht auf die Vermittlung verzichten zu können, da bereits jede zweite Bestellung über Portale wie Pizza.de oder Lieferando übermittelt wird. Stellt sich die Frage nach den Konsequenzen. Aus ökonomischer Sicht ist es recht einfach zu bewerten: Man wird zunächst versuchen, die Kosten noch weiter zu drücken. Wie kann das gelingen? Mitarbeiter werden noch schlechter als ohnehin schon bezahlt und dann bleibt natürlich noch die Qualität der Ware. Wer sich da noch über Analog-Käse oder Gammelfleisch wundert, dem ist nicht zu helfen. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem sich der Betreiber die „Sinnfrage“ stellen muss und dann stehen Übernahmen oder Schließungen auf dem Plan. Ja, die leckere Pizza von Luiggi oder der Döner vom Ali sind dann Geschichte.

Das betrifft allerdings nicht nur die Lieferdienste, auch der Handel leidet enorm unter dem Internet. Zum Teil gehen Konsumenten in den Fachhandel und lassen sich beraten, gekauft wird danach zum besseren Preis, selbstverständlich online. Tauchen dann Probleme auf, soll der Fachhandel es richten, dafür ist er ja schließlich da. Ersatzteile und ein Kundendienst lassen sich jedoch nicht mit Liebe finanzieren, dafür benötigt es eine ordentliche Portion Euros. Genau diese jedoch will der Käufer ja sparen und kauft so bei einem Dienstleister ein, der außer einer Logistik wenig Aufwand betreibt.

Diese Trendwende zeigt bereits einige Wirkung, viele Fachbetriebe bilden beispielsweise nicht mehr aus. Nachdem die Investition in die Ausbildung nämlich Früchte tragen würden, wandert ein nicht unerheblicher Teil der neuen Fachkräfte zur besser zahlenden Industrie ab. Die Anzahl der Fachgeschäfte ist weiterhin rückläufig und irgendwann werden auch die letzten von der Bildfläche verschwinden. Noch gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl von kaufkräftigen Rentnern, die gerne bereit sind, einige Euro mehr für eine nette Beratung und die Dienstleistung an sich zu bezahlen, einige wollen mit dem „Teufelszeug“ Internet auch einfach nichts zu tun haben.

Was wäre ein vernünftiges Verhalten der Verbraucher? Zunächst bewusst kaufen, um den örtlichen Handel zu stützen. Portale wie Pizza.de, Lieferheld oder auch Lieferando braucht kein Mensch. Wer sich im Vorfeld Gedanken macht, auf was er Appetit hat, kann die Portale umgehen und einfach bei seiner Lieblingspizzaria oder dem Dönerladen bestellen. Die Zentralisierung macht leider nicht nur alles einfacher, es sorgt in letzter Instanz für eine Uniformierung, da nur noch Ketten diesen Preiskrieg am Ende überleben werden. Dort kauft man zu völlig anderen Konditionen ein und lässt sich eben auch nicht durch Portale erpressen, wie in der Wirtschaftswoche zu lesen ist:

Was der Dönermann meint, zeigen große Pizza-Ketten wie Joey’s. Der Hamburger Franchiser hat bundesweit mehr als 200 Filialen. Die Größe zahlt sich aus: „Joey’s zahlt nur ein Viertel der üblichen Provision“, berichtet der Chef eines großen Online-Vermittlers, der anonym bleiben will.[1]

Carpe diem

[1] http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/online-vermittler-pizza-de-und-lieferheld-aergern-bringdienste-seite-all/8673742-all.html


6 Responses to Wie der Onlinehandel dem Mittelstand Alimente abpresst

  1. Habnix sagt:

    Pizza über das Internet ?

    Wir kaufen aus dem Tiefkühl beim ALDI oder Kaufland oder bestellen bei der Pizzaria über Telf.:

  2. KPAX sagt:

    Holt euch doch die Adressen bei den Portalen und bestellt danach direkt bei den Restaurants.
    Fachhandel hat mich persönl. schon des öfteren enttäuscht.
    Was ich brauche ist nicht vorrätig,geht auch gar nicht anders,dann oftmals schlechte Beratung.
    Ja ich gebe es zu,ich will alles möglichst schnell und preiswert.

  3. bimbes sagt:

    Statt Pizza beim Lieferservice oder Supermarkt zu kaufen,
    besser bei einem g’scheiten Italiener persönlich abholen
    (Steinofen, vernünftige Zutaten…) oder selbermachen.
    Wenn die letzten beiden Möglichkeiten zu umständlich sind,
    komplett auf Pizza verzichten, weil Junkfood.
    Weniger ist mehr!

  4. NeueZukunft sagt:

    Seh ich genauso.
    Die Verkäufer sind meist Unqualifiziert und ohne jede Lust. Die Preise stellenweise unverschämt hoch (Wenn man mal die EK-Preise kennt)
    Und die Auswahl (gerade im „HiFi“-Bereich) auf den Mainstream-Schrott begrenzt.
    Ganz nebenbei wandern die Arbeitsplätze, die im „Fach“-Handel wegfallen in die Logistik.
    Und die Rückgabe defekter oder falsch bestellter Ware ist definitiv unkomplizierter als im Fachhandel. Alles einpacken und ab zur Post.
    Im Laden musste Dir noch blöde Kommentare und ausflüchte anhören, warum weshalb und sowieso der Umtausch nicht möglich ist. Und wenns Dumm läuft bekommste noch die Gutschrift in Form eines Gutscheins, was Dir auch nichts nützt.
    Und dann kann man noch den Fachhandel fragen, wer denn Vor die Hunde ging: Der Fachhandel oder Quelle, Neckermann & Co. Die ehemals größten Versandhäuser, auch für Technik…

  5. fuggerinessen sagt:

    Ich weiss auf die Artikelnummer genau, was ich möchte, und welchen Preis ich zu zahlen habe. Das Internet macht es möglich.

    Bisher mache ich mir immer die Mühe, ein Angebot aus dem Fachhandel einzuholen. Nur mit welcher Begründung sollte ich für eine simple Bestellung einen Preisunterschied von 40 € bezahlen?

    Ich lehne eine Verantwortung für den Profit des Einzelhandels ab.
    Gute Preise + guter Service = Zufriedener Kunde

  6. Ironman sagt:

    Die Konsumtempel der Großstätte werden unter gehen. Weil ,erstens es keine Parkplätze gibt, zweitens man kein Bock aufs schleppen hat und drittens die meisten Leute sowieso kein Geld für Konsum haben. Essen, Benzin, Heizung und der Monatshungerlohn a la Zeitarbeit ist weg. Verreckt das Auto oder ist eine Inspektion fällig steht man schon gewaltig in den Miesen. Heute labern sie uns in n-tv das Ohr ab über Handy und Tablets sowas kann ich mir garnicht leisten. Das ist für mich genauso teuer und unerreichbar wie eine Rolex Uhr für paar Tausend T€uros und es ist doch egal ob ich mir das im Laden oder im Onlinehandel nicht leisten kann!

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