Geldflut: EZB plant den Ausstieg

Wie ich schon in meinem Artikel „Gefahr einer Zinsrally ist real“ im Februar schrieb, sehe ich eine Zinsrally am Horizont aufsteigen. Diese würde weitreichende Folgen für das gesamte Kreditwesen nach sich ziehen und auch einen erhblichen Einfluss auf die ausgearteten Staatsverschuldungen haben. Aktuelle Meldungen zur Europäischen Zentralbank legen nahe, dass es noch in diesem Jahr losgehen könnte. Natürlich verbirgt man sich wie immer hinter Worthülsen, die Nachricht jedoch ist relativ einfach zu verstehen.

Zunächst muss man festhalten, die EZB verwässert den Markt nicht nur mit Krediten im Nullzinsbereich, auch die massiven Aufkaufprogramme ausfallgefährdeter Anleihen stellen eigentlich ein Novum und No-go dar.

Die EZB ist per-se nur ein Erfüllungsgehilfe und die Bürgen hinter all den Maßnahmen ist in letzter Instanz der Steuerzahler. Bereits die bisher in den Katakomben angehäuften toxischen Papiere reichen um die Bilanz der EZB zu pulverisieren und die Haftungskette ordentlich in Schwung zu bringen, daher hielt man vermutlich auch so lange an diesem Wahnsinn fest.

Natürlich gibt es eigentlich keine Steigerung zu „Pleite“, allerdings gestaltet sich das im Falle der EZB doch etwas aufwendiger. Mit jedem Ausfall eines Anteilseigners – hier die nationalen Notenbanken, verteilt sich die Last nach einem Schlüssel auf die Verbliebenen. Je höher also die Last, umso höher die Wahrhscheinlichkeit einer verheerenden Kausalkette – für alle Beteiligten.

In einer Reutersmeldung heißt es zur EZB:

Inflation nähert sich dem Ziel von EZB-Chef Draghi
Die Inflation in der Euro-Zone ist auf dem Vormarsch und bereits nahe der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB).
[…]
Die Währungshüter planen noch bis mindestens Dezember, Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat aufzukaufen, um damit die Wirtschaft anzuschieben und für einen nachhaltigen Preisauftrieb zu sorgen. An den Finanzmärkten wird darüber spekuliert, dass sie ab Januar 2018 damit beginnen werden, diese Summe abzuschmelzen und 2018 eine Abkehr von der Nullzinspolitik einzuleiten.[1]

Zunächst muss man dem Laien natürlich klarmachen, Inflation bedeutet Entwertung seiner Kaufkraft. Er muss also mehr Arbeiten um den gleichen Lebensstandard zu erhalten oder seinen Lebensstil den gestiegenen Ausgaben anpassen. Inflation ist keine Naturgewalt, sie wird von Notenbanken als Erfüllungsgehilfen der Regierungen künstlich und mutwillig erzeugt. Um die Ausgabenwut der Regierungen zu finanzieren, werden die Steuerzahler bis zur Ohnmacht geschröpft. Das war schon immer so und wird sich vermutlich auch nie ändern.

Die Verlautbarung der EZB liest sich wie eine Offenbarung. Einzig eine Abkehr der FED von der straffung der Geldpolitk, könnte den Ausbruch der Zinsrally in meinen Augen noch verhindern. Das allerdings wäre ein fatales Zeichen für die Märkte und daher rechne ich eher nicht damit.

Carpe diem

[1] http://de.reuters.com/article/eurozone-preise-idDEKCN18D0Y8


8 Responses to Geldflut: EZB plant den Ausstieg

  1. Irmonen sagt:

    @Jens
    Mit jedem Ausfall eines Anteilseigners – hier die nationalen Notenbanken, verteilt sich die Last nach einem Schlüssel auf die Verbliebenen….

    Verstehe ich das richtig? eine nationale Notenbank geht Pleite, ist dann das daran hängende Land auch pleite? Womit muss dieses erst mal haften? oder ist es wie bei der Reise nach Jerusalem, der letzte bleibt dann auf ALLEN SCHULDEN hocken?

    Ich vermute schon lange, erst muss noch die Deutschland Wahl in trockene Tücher ehe die bitteren Pillen verteilt werden…

  2. Jens Blecker sagt:

    Im Prinzip passt der Vergleich mit der Reise nach Jerusalem. 😉

    https://www.ecb.europa.eu/ecb/orga/capital/html/index.de.html

  3. Jens Blecker sagt:

    Erst feiert die Börse Trump, der sich seit Amtsantritt wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt und nun das?

    Dow Jones stürzt ab Die Chaos-Tage im Weißen Haus erreichen die Börse

    https://www.welt.de/wirtschaft/article164684534/Die-Chaos-Tage-im-Weissen-Haus-erreichen-die-Boerse.html

  4. Frank H. sagt:

    Man wird Donald Trump und den Patrioten all die Sünden der Märkte prima in die Schuhe schieben können. Nach Trumps Absetzung droht die Errichtung des Polizeistaates. In Frankreich aht man schon mal vorgesorgt! Die Eliten wissen, dass das Volk – außer in DE – so ganz dann doch nicht mehr mitspielt.
    Dazu MAssenentlassungen bei Ford und der Verkauf von Opel sind sehr wichtige Signale an den Märkten, dass der Konsum auf EZB Pump zu Ende ist.

  5. Irmonen sagt:

    @ link von Jens 16.5. um 00:06

    von Deutschland in die EZB eingezahlter Betrag:
    ?lese ich das richtig: (17,9973% Anteil)
    1 948 208 997,34Euro, das sind im Wortlaut nicht ganz 2 Milliarden Euro(1,9Milliarden)? das ist doch nicht viel? oder soll das ca 1,9 Billionen heißen?

  6. Frank H. sagt:

    @Irmonen

    Deutschlands Steuerzahler haften mit insgesamt 1,9 Billionen Euro Stammkapital bei der EZB für faule Kreditpapiere.

    Während die Deutsche Bank ihren Dreck an die Commerzbank Tochter verkauft hatte und Schäuble die „NSU Schranze“ dann die CoBa als „Müll Bank“ gerne im Auftrag seiner Bankenherren verstaatlichen liess.

    Wir sind arm und die sind reich.

  7. Jean Paul sagt:

    In den USA braut es sich weiter zusammen! Der Kollaps von Soft Data reißt weitere Hütchen mit um. Die Richmond FED Filiale ist zusammengebrochen!

    http://www.zerohedge.com/news/2017-05-23/soft-data-collapse-continues-richmond-fed-crashes?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+zerohedge%2Ffeed+%28zero+hedge+-+on+a+long+enough+timeline%2C+the+survival+rate+for+everyone+drops+to+zero%29

    Trumps Schicksalstage sind auch unsere Schicksalszeit!

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