Schätze der Natur XXVIII : Hirtentäschel

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Das Hitrtentäschel ist ein Kreuzblütengewächs (Brassicaceae). Es ist weit verbreitet, liebt nährstoffreiche Standorte und kommt vor allem dort häufig vor, wo vor kurzem die geschlossene Vegetationsdecke durch äußere Einflüsse gestört oder gar zerstört wurde und nun Neuland besiedelt werden kann: auf ßckern, in Gartenbeeten, auf Brach- und ßdland, an Wegrändern, auf Weideflächen. Damit ist das Hirtentäschel ein klassisches ß?Unkrautß?, wie man früher solche Pionierpflanzen gerne betitelte. Heute spricht man dagegen meist von ß?kulturbegleitenden Wildpflanzenß? oder schlichter von ß?Begleitpflanzenß?.


Das Hirtentäschel wächst als ein- oder zweijährige, krautige Pflanze. Das Wurzelsystem ist tief entwickelt (bis 90 cm) und durch eine verdickte Hauptwurzel gekennzeichnet. Die Pflanze bildet zunächst eine grundständige Blattrosette aus welcher sich dann ein sich meist aus den Blattachseln heraus verzweigender, bis zu 60cm hoher, aufrechter Trieb mit den Blüten entwickelt. Das Aussehen der Blätter des Hirtentäschel kann stark variieren: einzig die länglich-lanzettliche Grundform ist allen gemeinsam. Die Blätter der grundständigen Blattrosette sind gestielt während die wechselständig stehenden Stengelblätter nicht gestielt sind und mit ihrem pfeilförmigen Blattgrund den Stengel umfassen. Ausgehend von der länglich-lanzettlichen Grundform können die Blätter der Blattrosette sehr unterschiedlich aussehen: vom fast glattrandigen, nur leicht gebuchteten Blatt bis hin zu tief eingeschnitten, fiederartig aufgeteilten Blättern sind alle ßbergänge und Varianten möglich. Die eindeutige Bestimmung des Hirtentäschel ausschließlich anhand der Blätter bedarf also einiger botanischer Erfahrung. Wesentlich leichter ist es Pflanzen mit einem Blütenstand zu erkennen, da dieser sehr charakteristisch gestaltet ist: die einzelnen Blüten werden nur ca. 4mm groß. Die vier im kreuz stehenden Blütenblättchen ß? das Hirtentäschel ist ein Kreuzblütler ß? sind rein weiß, durch die vier darunter stehenden grünen und behaarten Kelchblätter entsteht jedoch ein grünlich-weißer Gesamteindruck. Die einzelnen Blütchen stehen an Stielen in einem traubigen Blütenstand. Dieser wächst, während die Blüten an ihm von unten nach oben auf- und später verblühen, ständig weiter und kann so eine Höhe von 60 cm erreichen. Oft kann man gleichzeitig alle Entwicklungsstadien an einem Trieb sehen: ungeöffnete Blütenknospen an der Spitze, gefolgt von aufgeblühten und dann verblühten Blüten und schließlich die sehr charakteristischen Früchte: ca 6-8 mm lange, herzförmig – dreieckige Schoten.

Das Hirtentäschel enthält reichlich Vitamin C (bis zu 177mg/100g Frischpflanze) sowie Kalium und Calcium. Ferner enthält es Saponine, geringe Mengen Flavonoide, organische Säuren und Senfglycoside. Letztere sind besonders für den charakteristischen, würzigen Kressegeschmack verantwortlich.

Volksmedizinisch wird das Hirtentäschel zur Stillung von Blutungen bei oberflächlichen Wunden, Monatsblutungen und Nasenbluten verwendet. In der Homöopathie wird es ebenfalls zur Behandlung von Blutungen sowie bei Nieren- und Gallenkrankheiten verordnet.

Da das Hirtentäschel mit der grundständigen Blattrosette überwintert hat es ganzjährig Saison! Gesammelt werden:

Blätter
Sowohl die Blätter der Blattrosette als auch die des Stieles. Blätter können ganzjährig gesammelt werden, die Hauptsaison ist jedoch das Frühjahr bevor die Pflanzen zu blühen beginnen. In dieser Zeit steht sowohl mengenmäßig als auch von der Qualität her das beste Blattgut zur Verfügung. Die Blätter schmecken würzig, ähnlich einer Kresse. Mit zunehmendem Alter (Blütezeit) werden die Blätter schärfer. Verwendung: im Wildkräutersalat, als Zutat im Wildgemüse, als Suppeneinlage und Gewürz (ältere Blätter).

Blüten und Samen
Sowohl die kleinen Blüten als auch die Schoten sind essbar. Beide schmecken pfeffrig-würzig. Aufgrund ihres aparten Aussehens finden die Blütenstände des Hirtentäschel immer häufiger in der Floristik Verwendung. Der dekorative Aspekt ist auch bei der Verwendung in der Küche der vorherrschende: die grünen, noch nicht getrockneten Schoten und die kleinen Blüten eignen sich hervorragend als essbare Dekoration von pikanten Speisen.

Wurzel
Die Wurzel des Hirtentäschel kann getrocknet als Gewürz verwendet werden (Ersatz von Ingwer). Zu diesem Zweck sollte sie im zeitigen Frühjahr vor der Blüte geerntet werden.

Viel Freude in Natur und Küche!

Markus Strauß

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Fotograf: Markus Hagenlocher

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