Vom „vereinten Europa“ und „gesund aussehendem Haar, das glänzt“…

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Beim Kampf um die Köpfe der Menschen können sich scheinbar einfache Wortschöpfungen als durchaus irreführende Begriffe erweisen. Doch Vorsicht, hier besteht Verwechselungsgefahr! Wer nicht aufpasst, kann leicht Dinge sehen, die so nicht existieren. Es folgt eine detaillierte Erläuterung.


Es wird wohl kaum einen Europäer geben der noch nicht in einem Supermarkt eingekauft hat. Nach Untersuchungen der Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“ gibt es in der Folge auch kaum einen Einwohner Europas der noch niemals durch geschickte Wortschöpfungen in die Irre geführt wurde. Denn, so stellt „foodwatch“ fest, gezielte Irreführung gehört heute einfach zum täglichen Geschäft.

Ein paar Beispiele gefällig? Da wäre z.B. das Haarshampoo, das zu „gesund aussehendem Haar, das glänzt“ führen soll. Technisch sorgt also dieses Shampoo dafür, dass Ihr Haar mittels Silikonen und anderen Schmierstoffen schön glänzt und in der Folge „gesund“ aussieht, es aber deshalb noch lange nicht sein muss. Daraus folgt: Gesund aussehendes Haar, das glänzt ≠ gesundes Haar.

Ähnlich verhält es sich mit dem Joghurt der verspricht einen „Blähbauch“ zu verhindern. Zwar kennt in der Medizin niemand die Diagnose „Blähbauch“, womit dieser im medizinischen Sinne auch nicht verhindert werden kann. Aber „Blähbauch“ klingt derweil viel edler als „Blähungen“. Die sind zwar in der Medizin bekannt und jeder hat sie irgendwann einmal, aber diesen Begriff möchte wohl niemand auf seinem Joghurtbecher wiederfinden. Zudem der Hersteller in diesem Fall eine echte therapeutische Wirkung versprechen würde, was falsch und folglich unerlaubt wäre. Daraus folgt: Blähbauch ≠ Blähungen.

Und drittens ist da noch die 87,139g Tafel „Alpenmilch“ Schokolade. Einerseits wurde diese früher als 100g Tafel verkauft, doch seit der Aufhebung der deutschen Fertigverpackungsverordnung durch die EU Verordnung 2007/45/EG darf eine Tafel Schokolade nun in jedem beliebigen Gewicht, selbstverständlich zum gleichen Preis wie früher 100g, angeboten werden. Andererseits enthält die Schokolade aber auch nur einen sehr geringen Anteil an aus Polen stammender Milch, die folglich noch niemals das Matterhorn gesehen hat – „die Alpen“ sind dann plötzlich auch ein dehnbarer Begriff. Daraus folgt: Alpenmilch ≠Milch aus den Alpen.

All diese Produkte kennen wir und haben sie wahrscheinlich schon gekauft. Dabei ist uns häufig nicht bewusst geworden, dass vieles nicht so ist wie es auf den ersten Blick scheint – und genau das ist das Ziel entsprechender Wortschöpfungen.

Beim Kampf und den Kopf des Konsumenten versucht man mit ausgeklügelter Werbesprache diesen so zu beeinflussen, dass die Zielgruppe möglichst wortlos und ohne nachzudenken konsumiert.

Ein ähnliches Prinzip lässt sich bei der politischen Terminologie rund um das Thema „Europa“ erkennen. Dort scheinen viele Begriffe auf den ersten Blick völlig zweifelsfrei für etwas zu stehen, was sie letztlich gar nicht sind und nicht sein können.

Ein paar Beispiele gefällig? „Vereintes Europa“, die „Europäische Union“ und der „Euro“ sind derartige Wortschöpfungen. Im täglichen Umgang entsteht uns schnell der Eindruck es gäbe eigentlich kaum Unterschiede und die Begrifflichkeiten ließen sich auch als Synonyme verwenden – das ist zwar durch politische Werbesprache so beabsichtigt, aber in der Realität leider nicht der Fall.

So steht der Begriff „Europa“ für einen Erdteil, der sich über das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse erstreckt und sich im Westen von Portugal über das Nordkap im Norden und Sizilien im Süden begrenzt. Wer also von einem „vereinten Europa“ spricht, der spricht im eigentlichen Sinne des Wortes von dem was Europa schon seit der letzten Eiszeit ist – einer weitgehend zusammenhängenden Landmasse. Das entgegen allen Behauptungen z.B. die Britischen Inseln zu „Europa“ gehören, ist völlig unzweifelhaft. Die Briten müssten samt ihrer Insel geografisch z.B. in die Karibik umziehen um in diesem Sinne nicht mehr zu Europa zu gehören – was klimatisch vielleicht für manchen Briten vielleicht wünschenswert, aber technisch schwer umsetzbar sein dürfte. Nur im Osten ist die geografische Grenze Europas etwas schwerer zu bestimmen. Aber irgendwo zwischen Ural und Bosporus ist dann ebenfalls unzweifelhaft Schluss mit Europa. Klingt komisch, ist aber so!

Diese Überlegungen bringen uns nun zur „Europäische Union“. Diese ist faktisch auch nur eine Wortschöpfung und existiert im geografischen Sinne so wenig wie der Blähbauch im medizinischen. Seit einem „Rebranding“ im Jahr 1993 wurde aus der „Europäischen Gemeinschaft“ die „Europäische Union“ (die EU folgte damit offenbar dem Beispiel eines Schokoriegels, denn schon 1991 wurde aus „Raider“ bekanntermaßen „Twix“). Heute ist die „Europäische Union“ eine Gemeinschaft von verschiedenen Staaten die sich größtenteils auf den Erdteil Europas konzentrieren. Größtenteils deshalb, weil es in Europa Staaten gibt die zwar geografisch zum „vereinten Europa“ gehören, aber politisch nicht zur Europäischen Union. Die Schweiz mit ihrer echten „Alpenmilch“ wäre hierzu ein Beispiel. Klingt komisch, ist aber so!

Als nächstes gibt es dann noch den „Euro“ als eine gemeinsame Währung von 17 Staaten innerhalb der „Europäischen Union“. Der seit Ausbruch der Währungskrise häufig benutzte Slogan „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ ist dabei auch nur eine Werbebotschaft. Denn, so zeigen die vorhergehenden Ausführungen, ein Scheitern „Europas“ ist zumindest im geografischen Sinne schlicht unmöglich ist. Beim Euro wird es folglich noch komplizierter. Denn hier gibt es Staaten die einerseits dem „vereinten Europa“ und gleichzeitig der „Europäischen Union“ angehören, aber nicht Mitglied im „Euro“ sind. Andere Staaten hingegen sind sowohl im „vereinten Europa“, der „Europäischen Union“ und im „Euro“ beheimatet. Und zu guter Letzt (und eigentlich nur zur totalen Verwirrung des Lesers) gibt es dann noch einige, wenige Staaten die zwar unzweideutig Teil des „vereinten Europas“ sind, aber weder der „Europäischen Union“ noch dem „Euro“ angehören.

Abschließend und nach genauer Betrachtung darf also festgehalten werden, dass „Europa“, „Europäische Union“ und „Euro“ sicherlich nicht dasselbe, ja nicht einmal ähnlich sind. Auch hier sollen durch passende Begrifflichkeiten gezielt Assoziationen geweckt. Daraus folgt: „Vereintes Europa“ ≠ „Europäische Union“ ≠ „Euro“.

Gerade beim Thema „Europa“ gibt es zwar bestimmte Beziehungen zwischen den einzelnen Begriffen, doch sollten weder die Bürger noch Politiker oder durch diese bezahlte Werbeschaffende den Fehler machen und diese Wortschöpfungen absichtlich oder unabsichtlich zu verwechseln.

The German Perspective

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16 Responses to Vom „vereinten Europa“ und „gesund aussehendem Haar, das glänzt“…

  1. Erwin Lindemann sagt:

    Um es noch verwirrender zu machen: Es gibt Staaten, die zwar Mitglied der EU sind, aber nicht einmal in der Nähe von Europa liegen. Beispielsweise die französischen Überseegebiete oder einige Inseln (nicht alle!) der Niederländischen Antillen.

  2. _franky_ sagt:

    Ja, gut das da? mal angesprochen wird!
    Ich bin ja heil-froh, dass es in unserer
    Modernen Gesellschaft endlich Sachen gibt wie:
    Zahnpasta mit der man den Zahnschmelz ‚draufputzen‘ kann
    Bratfett, das die Fleischporen schließt
    Shampoo, das von Frizz befreit
    Creme mit Body Urea ( wessen pippi blos?)
    Naja, ansonsten Wachbleiben bis die Wolken wieder lila sind.

  3. WsdV-Blog sagt:

    Wo wir gerade bei Assoziationen sind. Wofür steht das sich andauernd verändernde EU Logo? Erst waren es die Sterne, jetzt sind zwei Balken(Klammern) oben und unten hinzugekommen. Sieht für mich in etwa aus, wie ein „Auge“.

  4. SanJa sagt:

    Hahaha,

    so gesehen, ist dann aber jeder Kreis mit ein paar Stricheln auch ein „Auge“, wenn ich mich so in meinem Zimmer umsehe, muss ich leider feststellen, hier sieht ziemlich viel aus nach einem „Auge“. Sogar mein Traumfänger, die Lautsprecher ohne Verkleidung, die Muster im Teppich….. Noch schlimmer ich hab ein surrealistisches Gemälde, natürlich selbst gemalt noch vor 10 Jahren, damals wusste ich nichts von Illus/Augen, mit nur einem Auge, man könnte meinen das „linke“. Bin ich jetzt pöse?

    Mit Assoziationen ist es wohl wie mit Regenbögen, unter bestimmten Voraussetzungen kann man sie erkennen oder auch nicht. Will sagen, wer vlt. irgendwann mal zu viel über die Illus gesehen hat, assoziert ganz gerne alles mit einem Auge?

    Generell stellt man fest, irgendwie sind Assoziationen recht gefährlich, verfälschen sie doch den Inhalt und gleichen in manchen Fällen schon arg den Illusionen.

  5. AE-35 sagt:

    @Sanja

    Er meint das hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_Europ%C3%A4ischen_Union
    (siehe rechts oben)

    😉

    Gruß
    AE-35

  6. The Soulforged sagt:

    Das sind versch. Logos für versch. Institutionen. Wie Jens schon schrieb: EU ≠ Europa ≠ Euro ≠ …

    Das allsehende europäische Auge ist das Logo vom „Europäischen Rat“ (mit van Rompuy als Galleonsfigur)
    EU-Logo + Viertel Rad im Hintergrund => EU-Parlament (Schulz als Präsident)
    EU-Logo + auffächernde Linien im Hintergrund => EU-Kommission (Barroso als Haupttäter)

  7. SanJa sagt:

    😀

    einfach nur geschmackslos, kalt und billig. Das Logo natürlich.

  8. Evey sagt:

    Ja genau. Und die Lila Kuh, die mal verboten wurde habe ich vor kurzem erst wieder gesehen. Warscheinlich wegen der lila Wolken..hähä.
    Es gibt ja auch alle par Monate Waschpulver, was noch sauberer wäscht als das Waschpulver vom letzten mal, das sauberer gewaschen hat als das Waschpulver vom letzten mal, das sauberer gewaschen hat als das Waschpulver vom….Das könnte man ewig so weiter führen.
    Naja, Werbetexter haben heute auch nicht mehr leicht. Da muss man sich eben auch mal Märchen ausdenken. Politik ist auch nur noch eine Ware.

  9. Evey sagt:

    Sehr guter Aktikel! Noch so ein Unwort zu Thema Europa: Aniteuropäer. Wenn es die gibt, dann gibt es auch Proeuropäer, Antiasiat, Proasiat, Antisüdamerikaner, Prosüdamrikaner, Antiantarktiker, Proantarktiker…
    Und den Europäer gibt es den noch, oder ist der verboten?
    Vollkommen bekloppt geworden unsere Welt, oder Prowelt?

  10. AE-35 sagt:

    @SanJa

    „geschmackslos, kalt und billig“

    Dann müssen die ja mal was „richtig“ gemacht haben. ^^

    Mensch SanJa, Du weißt doch, nur Geiz ist heutzutage noch geil!

    😀

    AE-35

  11. SanJa sagt:

    „Antieuropäer“, geografisch betrachtet dann alle die nicht in Europa leben, wau die (fast) ganze Welt gegen Europa?!

    Wenn man aber in Pro- und Anti- denkt, dann kann es ja nur Promensch und Antimensch geben, aber ursprünglich war der Mensch. Ist der Unterschied die Klassifizierung oder der Schwachsinn? und was ist dann Promensch? der pro Mensch agiert, dass kann ja durchaus anti sein, z.b. Goldman Sachs ist sowohl pro für wenige als auch anti für viele!? Wie kann es dann aber Anti geben???
    Verwirrend!

    Fazit: Pro und Anti ist Probanane und Antikirsch.

    aber korrekterweise schließt ja Proeuropa nicht unbedingt Antieuropa aus? Den Proeuropa wurde ja durch Antieuropa geschaffen. oder so ähnlich nicht wahr?

  12. EuroTanic sagt:

    Ich habe einer Freundin erklärt, das man Surimi aus Fischabfällen herstellt. Surimi ist ihr Lieblingsgericht. Sie wollte es nicht wissen, ich soll sowas nie wieder erzählen, und kaufte gleich noch ein Paket.

  13. Evey sagt:

    Absolut richtig!

  14. Evey sagt:

    Ja ein ganz typisches Verbraucherbeispiel. Wenn´s schmeckt ist es egal aus was das Zeug gemacht wird. Ich verstehe nicht, das es noch soviel Menschen gibt, denen es völlig Wurst ist, was für ein Mist sie in sich reinstopfen. Das sind dann meist die, die „schon wieder krank“ sind, oder allergisch auf dies und das reagieren. Aber das Auto bekommt nur das beste Öl, damit der Motor gesund und leistungsstark ist. Was für ein Irrsinn.

  15. shiron sagt:

    Dabei wäre es so einfach
    „Iss und trinke nichts, wofür Werbung gemacht wird“ Dr. Max Otto Bruker

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