Commerzbank: Das schwarze Loch für Steuergelder

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Die Commerzbank ist ein Fass ohne Boden, so könnte man die Entwicklung deuten. Nachdem man sich mit der Übernahme der Eurohyp und der Dresdner Bank in ein monetäres schwarzes Loch verwandelte, musste im Mai 2009 der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) ran. Mit 10 Milliarden Euro wurde eine Beteiligung von 25% an der Commerzbank erworben, weit mehr als der gesamte Marktwert seinerzeit. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 4,5 Milliarden Euro, rein rechnerisch also bereits jetzt fast ein Totalverlust.


Als die Aktie im April kurz davor war, zu einem „Pennystock“ zu werden, engagierte man Houdini für einen Hütchenspielertrick. Insgesamt 10 Aktien wurden zu einer zusammengelegt und der Preis stieg so kurzfristig von 1,044 Euro auf etwas über 10 Euro. Wie nachhaltig die Entwicklung war, zeigen aktuelle Meldungen, wonach die Neuemission mit 50% Abschlag auf den Ausgabepreis gehandelt werden, nicht weniger als ein Desaster. Die Kapitalerhöhung ist de facto auch eine Entwertung der Staatsmittel und damit der Steuergelder.

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Bei der Staatsbeteiligung wurde seinerzeit ein Zinssatz von 9 % vereinbart, was auch ein recht einträgliches Geschäft gewesen wäre. Leider jedoch war die Commerzbank bis 2012 nicht in der Lage, die Zinscoupons einzulösen und so floss nach Mitteilung der Pressestelle der SoFFin 2012 eine Einmalzahlung in Höhe von 1,03 Milliarden Euro. Das war Teil eines bis heute nicht eingelösten Deals. Würde man – wie in unserem Geldsystem üblich – mit der Zins- und Zinseszinsberechnung vorgehen, die Bank wäre einfach pleite.

Die angekündigte Reduktion der Staatsbeteiligung im Augenblick ist allerdings nicht wirklich eine Reduzierung. Die eingesammelten Mittel werden kurze Zeit später wieder in Aktien umgewandelt, nur einen Wermutstropfen gibt es. Die Sperrminorität wird aufgegeben und damit der Einfluss, um die Steuermittel bestmöglich abzusichern. Bei der SoFFin heißt es dazu:

Die Platzierung der Aktien aus dem Bestand des SoFFin resultiert kurzfristig in einer Verringerung des Anteils des SoFFin an der Commerzbank AG auf rund 10%. Nach Abschluss der Kapitalmaßnahmen der Commerzbank AG und der Ausübung der Bezugsrechte des SoFFin durch die Einbringung eines Teils seiner Stillen Einlage (rund 625 Mio. Euro) wird der Anteil des SoFFin an der Commerzbank AG bei rund 17% liegen.

Die bisherige Sperrminorität von 25% diente der Absicherung der Stillen Einlage und wird mit deren vollständiger Rückführung aufgegeben (vgl. Pressemitteilung vom 14. Mai 2013). „Mit dieser marktschonenden Gestaltung der im Ergebnis vollständigen Rückzahlung der Stillen Einlage wird ein weiterer Meilenstein des Ausstiegs der Bundesrepublik Deutschland aus der Commerzbank erreicht“, so Dr. Christopher Pleister, Vorsitzender des Leitungsausschusses der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung.[1]

Welcher Meilenstein hier gemeint ist, das müsste man Dr. Christopher Pleister sehr wahrscheinlich selber fragen, in der Commerzbank jedoch dürften die Sektkorken knallen. Auch im März diesen Jahres wurde – wie so ziemlich jedes Jahr seit der Finanzspritze – die komplette Rückzahlung angekündigt, die Realität hat außer Kapitalerhöhungen und einer Sozialisierung der Verluste nichts gebracht. Bei einem Anteil von 17% an 5,4 Milliarden liegt der Verlust bei 90 % – berücksichtigt man die entgangenen Zinsen, sieht es noch schlimmer aus.

Wie man an dieser Stelle einen Zweckoptimismus à la Dr. Christopher Pleister an den Tag legen kann, bleibt doch eher unverständlich. Leider haben die Menschen jede Relation zu Zahlen verloren, Milliarden sind kein Maß mehr. Wie viel Schweiß den Steuerzahlern für 10.000 Millionen Euro den Rücken herunter laufen wird, auch das bleibt im Verborgenen. Zumindest wird die Commerzbank dann in der Zukunft wieder vernünftige Boni an die Manager ausschütten können und zocken bis zur nächsten Rettung?

Carpe diem

[1] http://www.fmsa.de/de/presse/pressemitteilungen/2013/20130515_pressemitteilung_fmsa.html


2 Responses to Commerzbank: Das schwarze Loch für Steuergelder

  1. strom23 sagt:

    Mich wundert das die Aktionäre diesem reverse split zugestimmt haben. Es war doch abzusehen das der Kurs nochmal taumelt. Wenn ich vorher 1,04 wert pro Aktie habe. Dann hat sich der Aktienwert der alten Papiere nochmal um 1/3 nach unten geschraubt.

    Auch wenn die EK Decke jetzt etwas dicker ist so spült auch ein höheres EK nicht die faulen assets aus der coba Bilanz. Das diese Aktiensplits nichts anderes sind als „altes Haus neu angstrichen“ Aktionen sieht man am Beispiel unicredit. nix gute performance nix günstig gutes investment.

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