Der Tod von Hackerlegende Tron: Freie Fahrt für die Überwachung?

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Tron, der mit bürgerlichem Namen Boris F. hieß, war einer der besten Hacker der Welt. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht befriedigend geklärt, Widersprüche wurden seitens der Ermittlungsbehörden einfach ignoriert. Vor seinem Tod stand er kurz vor der Fertigstellung einer Verschlüsselungstechnologie, die PRISM und Co. vor schier unlösbare Aufgaben gestellt hätte. Motive gab es genug. Eine kleine Spurensuche.


Eben erst wurde das neue abhörsichere Telefon für Kanzlerin Merkel und Abgeordnete vorgestellt. Die Firma Secusmart hat hierfür eigens eine Hardwareverschlüsselung entwickelt – in der Politik geht eben Sicherheit vor.

Prototyp Cryptophon - Wiki

Prototyp Cryptophon – Wiki

Tron, der sich diesen Namen wegen seines Kampfes gegen das Böse gegeben hatte, wollte dieses Recht für alle. Mit seinem – im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelten – Cryptophon war er fast am Ziel. Eine Horrorvorstellung für alle Geheimdienste. Die Weiterentwicklung zum „Cryptron“ – um damit auch den Datenverkehr wirksam zu verschlüsseln – konnte wegen seines frühen Todes nicht fertiggestellt werden. Zum Cryptophon heißt es bei Wikipedia:

Cryptophon ist der von Tron selbst gewählte Name für ein von ihm als Prototyp entwickeltes ISDN-Telefon mit integrierter Verschlüsselung. Es entstand im Wintersemester 1997/1998 im Rahmen seiner Diplomarbeit mit dem Titel „Realisierung einer Verschlüsselungstechnik für Daten im ISDN B-Kanal“. Hauptaugenmerke der Entwicklung waren ein günstiger Preis und die einfache Nachbaubarkeit für Hobbybastler. Das Telefon verschlüsselt Gespräche mit dem symmetrischen Kryptoalgorithmus IDEA. Da dieser Algorithmus patentgeschützt ist, wurde die Verschlüsselung auf einem austauschbaren Modul vorgenommen. So wäre es möglich gewesen, später ein anderes (nicht patentiertes) Verfahren zu wählen.[1]

Ein günstiger Preis und die einfache Nachbaubarkeit für Hobbybastler sind für die Schnüffelbedürfnisse der Geheimdienste natürlich ein Dorn im Auge gewesen, es hätte sich in Windeseile verbreiten können. Trons Diplomarbeit und Baupläne können noch heute vom Server des CCC heruntergeladen werden.

Ehemalige Mitstreiter und Freunde von Tron haben mittlerweile marktfähige Versionen produziert und – wie es heißt – brummt das Geschäft. Auch wenn man sich über die Personalien bedeckt hält, ist bei Insidern durchaus bekannt, wer hinter der Firma „Gesellschaft für Sichere Mobile Kommunikation mbH (GSMK)“ steckt.

Die Träume von Tron sind Vergangenheit und die weltweite Kommunikation ein offenes Buch für die Dienste. Wer es sich leisten kann, darf noch ein wenig Privatsphäre genießen, die Masse hingegen ist nackig bis auf die Knochen. Hier noch ein kurzer Videobeitrag zu Boris F:



Carpe Diem

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Tron_%28Hacker%29

Webseite zu Tron : http://www.tronland.de


11 Responses to Der Tod von Hackerlegende Tron: Freie Fahrt für die Überwachung?

  1. Divide et impera sagt:

    Auf der selben Art und Weise verstarb auch die Jugendrichterin Kirsten Heisig, ebenfalls in Berlin.

  2. Jens Blecker sagt:

    Und dann wäre da noch Hagbard Celine, aka Karl Koch auch ein begnadeter Hacker.

    Karl Koch war ein überzeugter Anarchist, der seine Hacks auf Grund seiner Einstellung machte: „Wissen muss für jeden Menschen gleich zugänglich sein!“
    […]
    Am 1. Juni 1989 wurde Kochs Leiche in einem Wald bei Ohof im Landkreis Gifhorn aufgefunden, nachdem er bereits eine Woche vermisst worden war.[5] Als Todesursache wurde offiziell Selbstverbrennung angegeben. Als Ursachen für den angenommenen Selbstmord werden Kochs lange emotionale Vereinnahmung durch die „Jagd auf Illuminaten“ und sein dauerhafter Drogenkonsum angenommen, die ihn Ende der 1980er Jahre immer weiter in psychische Probleme getrieben und auch Klinikaufenthalte zur Folge gehabt hatten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Koch_%28Hacker%29

  3. lotus sagt:

    Er ist auch eine Romanfigur bei Offenbarung 23 🙂

  4. Foerster003 sagt:

    Eine Berliner Spezialität der gekühlte »Selbstmörder«. Gerhard Wisnewski schrieb am 29.07.2010 dazu:


    […]
    Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren wegen möglichen Fremdverschuldens im Fall F. denn auch ein. Und dabei störte es auch gar nicht, dass F.s Suizid als einer der seltsamsten Selbstmorde aller Zeiten in die Kriminalgeschichte eingehen dürfte. Denn als man Boris F. (genau wie angeblich Heisig) fünf Tage nach seinem Verschwinden erhängt an einem Baum vorfand, hatte er immer noch die von seiner Mutter gekochte Spaghetti-Mahlzeit im Magen. Da er sie nicht verdaut hatte, konnte das nur heißen, dass er kurz nach dieser Mahlzeit gestorben war. Wie schaffte er es dann aber, fünf Tage an einem Baum zu hängen, ohne dabei zu verwesen? »Ein Hängen der Leiche über einen Zeitraum von drei, vier oder gar fünf Tagen schlossen die Gerichtsmediziner in einer Stellungnahme vom 7.4.2000 daher ›praktisch aus‹« (Telepolis).

    Und damit sind wir auch schon wieder bei Kirsten Heisig, denn auch dass sie fünf Tage in unmittelbarer Nähe einer Wohnsiedlung unentdeckt in der sommerlichen Bruthitze gehangen haben soll, ist praktisch ausgeschlossen. Nicht aufgrund ihres Verwesungszustandes, den die Staatsanwaltschaft geheim hält, sondern weil die Leiche dabei sehr viel früher aufgefallen wäre. Daher sind auch andere Fundumstände vorstellbar, für die es Anhaltspunkte gibt, die hier bereits beschrieben wurden.

    Bei F. kam man zu dem Schluss, dass er zwar am 17. Oktober 1998 starb, bis kurz vor Auffinden jedoch gekühlt worden sein musste.

    […]

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gerhard-wisnewski/skandal-selbstmorde-in-berlin-wer-soll-dich-killen-teil-5-.html

  5. Nver2Much sagt:

    Herr Möllemann war wahrscheinlich genauso wie Ikarus zu nahe an der Sonne. Deshalb öffneten sich seine „Flügel“ nicht mahr.

    Herr Haider kommt in einem Phaeton in einer fast geraden Stelle ums Leben weil es dort ja so gerade ist.

    JFK sitzt in einem Cabrio und wird von einem einzigen Schützen mehrfach getroffen.

    Das ist alles sehr merkwürdig und genau das soll es auch sein.

    Brrr wir haben ja solch eine Angst…

    Muppetzshow.

  6. Polygon sagt:

    Also das ist doch wohl klar das der ermordet wurde.

  7. illumis sagt:

    Ach die 23 (Die Schwarzschatten , Jarson hatte schon mit ihnen zu Kämpfen) .
    Durch die Interesse an Karl Koch bin ich damals in die Truther Zenne gelangt.
    Ja und Terminator ist auch möglich ,die sind soweit mit der Technick !
    Tron wusste gar icht das es ihn gibt , ich kannte nur den Film ?

  8. chris321 sagt:

    Die neue STASI nimmt interessante Dimensionen an. Es könnte sehr gut sein, dass die Amerikaner „ihre Freunde“ hinters Licht geführt haben. Das offizielle Hintertürchen in den Cisco Systemen war nur die halbe Wahrheit die man den Partnern erzählt hat, das Scheunentor haben sie verschwiegen und für sich selbst reserviert. Die derzeitigen Irritationen und das grossartige Geklapper der Systemmedien, das seltsame Schweigen von Behörden wie dem BSI macht so Sinn.

    Es gibt aber noch eine andere historische Variante wie z.B. schon beim Ionosphäreninstitut in Rheinhausen oder beim Echelon oder jetzt bei den Africom Drohnenskandal. Historisch stellen nämlich die Amerikaner die Spionageausrüstung und das Know How. Wir benutzen es also und erfüllen dafür bestimmte Aufträge für die USA. Wir spionieren z.B. die Franzosen für die USA aus. Umgekehrt machen die USA mit anderen das gleiche Spielchen und die spionieren uns dann aus. Bei den Drohnenkriegen arbeiten wir ja auch von Stuttgart aus mit den Amerikanern zusammen und helfen so mit, dass Angriffskriege von deutschen Boden geführt werden. Das wäre natürlich total illegal, aber die Hochzeitsgesellschaft bombadiert ja ein Amerikaner über Joystick. Wir Deutsche helfen den Amis „nur“ personell und von den Ressourcen die wir dafür stellen. Wenn wir also die Amerikaner damit beauftragen unsere eigenen Bürger auszuspionieren, dann sind wir quasi aus dieser Illegalität raus (waren ja die Amerikaner). Dieses Oursourcing des Illegalen kann man immer weiter ausbauen und das endet dann in solch monströsen STASI-Installationen wie Bluffdale. Wenn das wahr ist, wären wir die Auftraggeber unserer eigenen Spionage.

    Hoffen wir, dass die Chinesen bei ihren technischen Untersuchungen was heraus bekommen und dass noch mehr Insider Infos rüberwachsen lassen was hier bei uns wirklich bzgl. den gegenseitigen Deals gespielt wird. Bin gespannt was passiert, wenn auffliegen würde, dass die Deutschen Dienste über US-Outsourcing selbst hochgradig verstrickt sind und damit Verräter am eigenen Volk. Das wäre dann eine ganz neue Qualität von STASI.

  9. chris321 sagt:

    Irgendwie wird es jetzt spannend. Letztendlich wird China und Russland wohl die Cisco Firewalls rausschmeissen und eigene bauen und installieren. Jetzt fragt man sich: Und was ist dann bei denen drin? Nun, sehen wir es mal in der Logik des Kalten Krieges. Wenn etwas drin wäre, dann wäre das Geschrei der Amerikaner über die ganze Welt zu hören. Das heisst: Wir haben jetzt wieder Ost- und Westblock und damit wird es spannend weil jede Seite die Customerchips des anderen in Scheibchen unter das Elektronenmikroskop legt und schaut was der andere so alles treibt. Also ist der Trick mit dem Chip im Chip zumindest in den sicherheitskritischen Elementen nicht mehr so einfach möglich. Interessant ist auch, dass dieser Kalte Sicherheitskrieg vermutlich die Blockbildung in der Art verstärkt, dass es bald das Ende des weltweiten Monopols von Cisco sein dürfte.

    Frage an die Wirtschafts- und Börsenfachleuten hier. Kann man bei Cisco schon Reaktionen erkennen? Man sagt ja dass Börsen etc. Entwicklungen meist vorweg nehmen.

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