Mt. Gox – Offline: Erste Bitcoin-Pleite?

Bitcoins isolated on white

Im Augenblick ist das einzige was sich den Kunden von Mt. Gox bietet leider eine weiße Webseite und jede Menge Gerüchte. Ein geleaktes Dokument stellt die Behauptung auf, es wären über 744.000 BTC von der Plattform entwendet worden, das wären etwa 6% aller bisher „produzierten“ Coins. Einige Umstände geben zumindest Anlass zu großer Sorge.


Da der Bitcoinkurs durch Mt. Gox zwischenzeitlich erhebliche Kapriolen hingelegt hat, ist es mit einer Bezifferung des Schadens nicht ganz so einfach, aber nach dem damaligen Stand geht es immerhin um etwa 350 Millionen Dollar.

Die International Business Times schreibt:

Preis vom Bitcoin bricht nach 350 Millionen Dollar Diebstahl um 20% ein
Die Welt der Cryptowährung fällt in eine Krise nachdem bekannt wurde das eine der bekanntesten Bitcoinbörsen – Mt Gox – um 744.000 Bitcoins in einem Zeitraum von zwei Jahren bestohlen wurde. Damit stünde die Börse vor der Insolvenz.
[…]
Ein internes Dokument von Mt. Gox, geleakt durch den Unternehmer Ryan Selkis, sagt aus dass die Börse Opfer eines unentdeckten Cyberangriffs über mehrere Jahre war.
[…]
Das Dokument legt nahe, das Mt Gox jeden Augenblick Bankrott gehen könnte. Die gestohlenen Bitcoins repräsentieren 6% der in Umlauf befindlichen 12,4 Millionen Bitcoins.[1]

Bei MT. Gox auf der Webseite gibt es nur eine kurze Meldung, dort heißt es:

Liebe Kunden von Mt. Gox,

Im Lichte der jüngsten Nachrichten und den möglichen Auswirkungen auf die Arbeit von Mt. Gox und den Markt wurde die Entscheidung getroffen im Augenblick alle Transaktionen auszusetzen um die Webseite und Nutzer zu schützen. Wir werden Situation genauestens überprüfen und dementsprechend handeln.[2]

Bei einem deutschen Bitcoin-Handelsplatz heißt es zu dem Vorfall:

Dieser Shutdown krönt allerdings eine Kette von vorhergegangenen Ereignisse, die den Verdacht, Gox sei insolvent, befeuern: Vergangenen Donnerstag hat Mt. Gox sein Büro verlassen und ist in ein anderes gezogen, das Gerüchten zufolge nur virtuell existiert. Vor einigen Tagen ist der Geschäftsführer Mark Karpeless von seinem Sitz in der Bitcoin Foundation zurückgetreten; kurz darauf hat Mt. Gox sämtliche tweets gelöscht.
[…]
Das vielleicht erschreckendste an dem Dokument, falls es denn echt ist, ist die Gegenüberstellung von Einlagen und Schulden: Mt. Gox habe gut 32 Mio. US-Dollar und 2.000 Bitcoin, schulde den Kunden aber 55 Mio US-Dollar und 744.408 Bitcoin. Das ergibt eine Differenz von weit mehr als 100 Millionen Dollar. Beinah zu viel, um glaubwürdig zu sein.[3]

Fazit: Hier geht es um das einzige Asset, welches dem Bitcoin inne wohnt, Vertrauen. Es ist bereits Absurd gewesen, in welchen Dimensionen der Bitcoin gehandelt wurde, teilweise über 1000 $. Die meisten nachgesagten Eigenschaften treffen auf den Bitcoin auch nicht zu, so anonym wie behauptet wird ist er nicht. Dazu haben wir jedoch bereits in anderen Artikeln Stellung bezogen.
Mit dem Wallet was dem FBI in die Hände fiel, der zweite große Showdown bei der Cryptowährung. Mit der Beschlagnahme verfügte das FBI über das größte Wallet der Szene. Mehr als 180.000 Bitcoins sollen so an die Bundesbehörde gefallen sein, durch die Beschlagnahme im Zusammenhang mit der Schließung des Portals Seidenstraße.

Für den Bitcoin beginnt zumindest eine Zitterpartie. Wird das Vertrauen nachhaltig zerstört, ist der Bitcoin und sein Gedanke nachhaltig zerstört.

Carpe diem

[1] http://www.ibtimes.co.uk/bitcoin-prices-plunge-mt-gox-goes-offline-raising-insolvency-concerns-1437766
[2] https://www.mtgox.com/
[3] https://blog.bitcoin.de/mt-gox-stellt-handel-ein-moegliche-insolvenz

Zum Thema:
http://www.ibtimes.co.uk/mt-gox-claims-two-year-hack-are-not-credible-slightest-1437897
http://two-bit-idiot.tumblr.com/post/77745633839/bitcoins-apocalyptic-moment-mt-gox-may-have-lost


12 Responses to Mt. Gox – Offline: Erste Bitcoin-Pleite?

  1. Jens Blecker sagt:

    Eben gefunden:

    US-Justiz schickt Vorladung an Mt. Gox
    Vorladung von der US-Staatsanwaltschaft

    Wie ein Sachkenner in der Nacht zum Mittwoch verriet, schickten amerikanische Bundesstaatsanwälte noch im Februar eine Vorladung an Mt. Gox mit der Aufforderung, bestimmte Unterlagen als rechtlich relevante Dokumente zu verwahren.

    http://www.wsj.de/article/SB10001424052702303426304579404112680831356.html

  2. Tester sagt:

    Laut Gerüchten ist das ganze die Folge einer Erpressung durch US-Schattenbehörden.

    Der Programmierfehler, der angeblich schuld war, wäre mit ein paar Zeilen Code korrigiert gewesen – andere Börsen haben es ja auch problemlos geschafft. Daran lag es jedenfalls nicht.

    Aber auf alle Fälle ist es unerfreulich, Bitcoin hat fast die Hälfte an Wert verloren. Ich habe meinen noch bei mir offline (bin bei einem geblieben), mal sehen ob es wieder mal besser wird.

    Das Vertrauen in Bitcoin wird dadurch meines Erachtens nicht kleiner, nur gegenüber den online-Börsen als solchen. Leute mit ein wenig Ahnung haben ihre coins sowieso immer offline, bis auf Kleinstbeträge auf dem Smartphone o.ä.

  3. Tester sagt:

    Achja: anonym war das ganze noch nie, wer das wollte, war von vornherein falsch unterwegs. Anonym ist höchstens der angezeigte Name, aber verfolgen lässt sich alles. Allein schon anmelden muss man sich in der Regel mit Ausweiskopie und Adressnachweis.

  4. zeitzeuge sagt:

    Ein Bitcoin als solches kann ja nicht verloren gehen, der ist ja extra so angelegt, dass er das nicht kann, solange sein Besitzer den Schlüssel dafür hat.

    Was hier verschwunden ist, sind die Einlagen, welche die Tauschbarkeit in reale Währung deken sollten.

    Aber das Timing ist interessant. Da will jemand das Verteauen in Bitcoins nachhaltig erschüttern.

    Die Preisgestaltung der Bitcoins ist eine ganz andere Sache und völlig ireal, genau so, wie bei Gold.
    Sobald der Preis einer Währung (Gold, Bitcoins, Waht ever) höher liegt, als die Herstellungskosten, ist die Währung der Spekulation frei gegeben und wird auch missbraucht.
    Ein Preis für eine Währungseinheit ist deshalb ein völlig falscher Ansatz, welcher der Bereicherung weniger und der Abzocke vieler dient.

    Wieso definiert man eine Währung nicht über die Leistung? Zum Beispiel. die Gesamtgeldmenge des Systems entspricht immer und zu jeder Zeit dem Brutosozialprodukt der Teilnehmer an dieser Währung.

    Spekulation, Betrug, Täuschung wären Vergangenheit, man könnte kein Geld aus dem Nichts generieren, einzelne könnten sich nicht auf kosten weniger bereichern, das Geld würde sich nicht mehr aus sich selber Wertsteigern (was der Hauptfehler des Systems ist)

  5. chris123 sagt:

    Irgendwie erinnert das auch an 9/11 wo Bürger dazu aufgefordert oder Hotels etc. mit Kameras dazu gezwungen wurden sämtliche Bilder und Videos an die Behörden raus zu rücken. Später waren sie dann weg, durften aus Gründen der „Nationalen Sicherheit“ nicht mehr gesehen werden. Vermutlich ist es mit diesen „rechtlich relevanten Dokumenten“ auch so, die müssen verschwinden dass am Ende keine Beweise mehr existieren.

  6. Tester sagt:

    Fairerweise muss man auch hinzufügen, dass MtGox eigentlich nie eine Bitcoin-Börse war, sondern Spielartikel (Magic-Karten etc., der Name kommt eigentlich von der Abkürzung) verkauft hat, so auch Bitcoin, damals als es noch Spielzeug war.

    Was daraus gewachsen ist, war logischerweise irgendwann nicht mehr zu stemmen, wenn man in die entsprechende Infrastruktur nicht investiert.

  7. defjourn sagt:

    Natürlich ist es anonym, was Sie mit den Bitcoins kaufen. Generieren Sie sich nach ihrem Einzahlungskonto noch ein paar Adressen und spielen Überweisungsroulett.
    Es gibt auch schon Service, die so etwas anbieten, falls das mit den vielen Adressen zu umständlich ist.
    Oder kaufen Sie Bitcoins einfach offline per Bargeld von Hand zu Hand….also anonymer geht es dann wirklich nicht mehr.

  8. Urantia sagt:

    Man wollte nicht auf die Kritiker hören, denn diese wurden als Fortschrittsverweigerer beschimpft. Wenn dier Gier nach schnellem Geld den Verstand benebelt und einen Rausch erzeugt, werden unangenehme Tatsachen gerne ausgeblendet und vergessen. Bitcoin ist keine Währung und zudem auch nicht sicher, wie man nun an diesem Vorfall erkennen kann. Mt. Gox ist der Anfang vom Ende. Was ist wenn noch weitere Börsen ebenfalls dem Abgrund nahe sind und der Zusammenbruch droht? Bitcoin hat schon jetzt einen massiven Vertrauensverlust erlitten, und wenn es so weiter geht, ist das der Tod des Bitcoin, es sei denn die Gier der Teilnehmer erzeugt einen neuen Rausch. Zwar steht der Kurs bei bitcoin.de im Moment noch bei 400 Euro pro Bitcoin, aber auch das kann sich schnell ändern.

    Bitcoin erfüllt alle Merkmale wie man es von einem Schneeballsystem kennt. Das System wurde 2009 gestartet, aber fast zwei Jahre lang verheimlicht, man hat Bitcoin erst bekannt gemacht, als es nicht mehr möglich war mit einem handelsüblichen PC mehrere hundert Bitcoins am Tag zu schürfen. So wurden die Entwickler und die Insider leistungslos Multimillionäre. Wer nicht davon wusste konnte es nicht finden und die Entwickler haben es auch nicht angekündigt, wie man es beim Start einer Währung erwartet. Eigentlich kennt man soetwas nur von einem Ponzi-Schema, das eigentlich wertlose Dinge teuer macht.

    Sehr oft wird behauptet, dass Bitcoin genauso selten und einmalig wie Gold ist, weil es nur 21 Millionen Stück gibt. Dieses Argument ist aber nicht haltbar, denn es können unzählige Bitcoin-Kopien wie Bitcoin2, Bitcoin3, etc. erschaffen werden und so die Geldmenge sehr wohl ausgeweitet werden. Das einzige was den Bitcoin besonders macht, ist die PR, mehr nicht. Damit ist klar, Bitcoin kann sowohl inflationär als auch deflationär werden, wobei letzteres als Grund zum Spekulieren betrachtet wird. Eine verhundertfachung des Preises in nur wenigen Monaten ist der beste Beweis, dass wir es mit einer Spekulationsblase zu tun haben, weil jeder auf das schnelle Geld in Form von Kursgewinnen hofft. Die Kursentwicklung errinnert an die Tulpenblase, als alle dem Spekulationswahn verfallen sind. Die Blase platze damals.

    Ein weiteres Problem ist die ungerechte Verteilung der Bitcoins. 50% aller Bitcoins liegen auf nur 1000 Konten. Es ist denkbar, dass eine Person mehrere Konten bzw. Adressen besitzt. Das Vermögen ist beim Bitcoin genauso ungerecht verteilt, wie beim klassichen Geldsystem. Sieht so der Messias aus, der uns von den Banken “erlösen” soll?

    Jeder soll selbst entscheiden, aber ich lasse die Finger vom Bitcoin und anderen “Kryptos”. Es gibt elegantere Wege das Geld zu verbrennen.

  9. Tester sagt:

    Bitte kein falsches Sietzen hier, das nervt.

    Nochmal, anonym ist es kein Bisschen, jede Transaktion bleibt in der blockchain und alle Adressen kann man zuordnen, wenn es drauf ankommt. auch wenn man jedes mal eine neue benutzt, auch wenn man über Umwege geht.

  10. Tester sagt:

    Ich sage es hier ganz kurz: wenn man von etwas keinerlei Ahnung hat, sollte man lieber schweigen.

  11. Tester sagt:

    Hier die für mich glaubwürdigste Theorie(!) zum Thema:

    http://www.reddit.com/r/Bitcoin/comments/1yj32p/gox_conspiracy_theory_42/

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