Libyen: Destabilisiert und alleine gelassen

Outsider

Immer wieder schickt sich der Westen an, vermeintliche Diktaturen zu befreien. Was zurück bleibt ist meist, Verzweiflung, Chaos und totale Destabilisierung. So auch in Libyen, dort bittet man nun um die UN um Beistand zur Beseitigung der „Terroristen“. Das einst wohlhabende und stabile Land steht vor den Trümmern die der Westen und die NATO hinterlassen haben. Mission accomplished.


Damals dürfte Gaddafi nicht schlecht gestaunt haben nachdem sein ehemaliger „Kumpel“ Sarkozy einer der ersten war, wo es um die Bombardierung von Libyen ging. Vorher feierte man noch kräftig zusammen und selbst Sarkozys Wahlkampf soll durch Gadaffi finanziert worden sein. Geht man so mit „Freunden“ um?

Nun, er hätte nicht – nach dem Sturz von Mubarak und dem Einfrieren der Konten – auf die Idee kommen sollen sein Geld aus Frankreich heim zu holen. Für französische Großbanken und vermutlich auch Frankreich selbst, wäre das der Todesstoß zu der Zeit gewesen. Vor diesem Hintergrund ist es also auch nicht verwunderlich, dass Frankreich damals die ersten Bomber schickte, obwohl es dafür weder von der NATO noch der UN ein Mandat gab. Einzig eine Flugverbotszone sollte erstellt werden.

Natürlich ist das nur eine der Facetten, die bei diesem völkerrechtswidrigem Überfall des Westens eine Rolle spielte, auch das Great-Man-Made-River-Projekt (Unter Lybien, Ägypten, Sudan und Dschad liegt das größte fossile Trinkwasserreservoir der Welt) und der libysche Staatsfond spielten eine gewichtige Rolle. Der LIA (Libyscher Staatsfonds der IWF und Weltbank in Afrika das Wasser abgegraben hat) finanzierte in Afrika Projekte, ohne die Staaten dabei auszubeuten. Zu jener Zeit hatte er ein Volumen von 40 Milliarden Dollar und sollte weiter ausgebaut werden.

Es gibt einige Parallelen zu vielen anderen Eskalationen. Auch Gaddafi bot damals Neuwahlen an, in wirklichkeit ging es jedoch nie darum „mehr Demokratie“ zu schaffen. Im Vergleich mit der EU oder den USA, hatte Libyen schon damals mehr Demokratie. Das ständigen wiederholen Gaddafi sein ein Diktator erfüllte aber seinen Zweck und so schaute die Welt weg als der Westen die nächsten Kriegsverbrechen beging.

Hier einige Zeilen aus der Zeit:

Erst bombardieren, dann wegschauen
Misrata wurde zu einem Symbol für den Aufstand gegen Gaddafi. Heute ist es eine Stadt, in der die Schlepper Millionen mit dem Menschenhandel verdienen können, ohne dass sie dabei gestört würden. Mit einem Schuss Zynismus kann man sagen: Die Nato hat den Gangstern den Weg freigeschossen, damit sie ihr Geschäft betreiben können. Und sie tat dies im Namen der Menschenrechte!
[…]
Der Staat ist nahe dran, ein failed state zu werden – ein Somalia an der Mittelmeerküste.

Das ist ein Ergebnis des westlichen Zynismus, der im Gewand der Moral daherkommt. Die Nato intervenierte in Libyen unter dem Label der Schutzverantwortung – der Responsibility to Protect (R2P). Demnach darf die internationale Gemeinschaft nicht mehr tatenlos zuschauen, wenn in irgendeinem Land der Welt massiv Menschenrechte verletzt werden. Dann ist sie zum Handeln geradezu gezwungen. Als der Aufstand gegen Gaddafi im Februar 2011 losbrach und dieser hart zurückschlug, da bemühte man das R2P-Prinzip. Die Nato bombte.[1]

Würde man diesem Prinzip folgen, die NATO müsste die Wall-Street in Schutt und Asche bomben. Nun, kommen wir zurück zum Hilferuf aus Libyen. Dort sind nun Warlords, Clans und Gangster am Zug. Täglich wird der Revierkampf geführt, auf Kosten der Bevölkerung. Haben Sie mal wieder etwas gehört, davon wie viele Zivilisten täglich bei ihrem Überlebenskampf ums Leben kommen? Natürlich nicht, die Mission ist beendet. Damals fror man die Konten von Gaddafi und Libyen ein, ließ sich von den Rebellen einen Blankoscheck unterschreiben und buchte jede Cruise-Missile direkt von den Konten ab. Ein Geniestreich, nicht wahr?

Heute bei Reuters:

Libyen bittet UN um Hilfe im „Krieg gegen Terroristen“
Die libysche Übergangsregierung hat die Vereinten Nationen in einem dramatischen Appell um Unterstützung im Kampf gegen Aufständische in dem nordafrikanischen Land gebeten.

„Terroristische Gruppen“ hätten mehreren Städten den Krieg erklärt, befand die Regierung am Mittwoch. Die internationale Gemeinschaft und insbesondere die UN sollten dabei helfen, diesen „Terrorismus“ zu bekämpfen.[2]

Die Söldner des Westens machen es sich nun gemütlich in Libyen. Wir schauen weg und überlassen das Land sich selbst. Solange das Öl dort bleibt wo es ist schert es niemanden. Geht doch mal was schief, hilft die US-Marine gerne aus. Ist das nicht alles Zynismus in Reinkultur?

Carpe diem

[1] http://blog.zeit.de/ladurnerulrich/2013/10/15/erst-bombardieren-dann-wegschauen/
[2] http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEEA2J01F20140320


13 Responses to Libyen: Destabilisiert und alleine gelassen

  1. qubix sagt:

    War da nicht auch noch was in Richtung Gold-Dinar zur Stützung der Währung?

  2. chris123 sagt:

    Wieder ein sehr gutes Beispiel für eine Soft-Waffe gegen das göbbel’sche Medienimperium bei dem unsere notorischen Kritikern aber in der Praxis immer Ladehemmungen bekommen.

    Damals wurden Leute welche das NAZI Regime kritisierten an die vorderste Front geschickt. Heute muss man das nicht fürchten und dennoch Ladehemmungen auf der ganzen Linie. Und genau diese notorischen Kritiker meinen über unsere Grosseltern herziehen zu können mit Sprüchen in der Art „wie konntet Ihr das nur zulassen!“

    IHR LASST ES HIER BEI UNS GERADE ZU OBWOHL MAN EUCH NICHT AN DIE VORDERSTE FRONT ALS KANONENFUTTER VERHEITZT!
    UND TROTZDEM SEIT IHR SO FEIGE. DAS SYSTEM MUSS NUR AUF EURE FEIGHEIT ZÄHLEN. DAS IST ALSO SCHLIMMER ALS UNSERE GROSSELTERN DIE DAZU ECHT NOCH EIN ARGUMENT HATTEN.

  3. chris123 sagt:

    Ach, für die welche es nicht kapiert haben. Ihr müsst nicht mit Euren Soft-Waffe auf Euren Nachbarn zielen, Ihr müsst auf den

    VON EUCH FINANZIERTEN

    göbbel’schen Machtapparat zielen. DAS sind die TÄTER an der Heimatfront die dafür hauptverantwortlich sind dass es soweit kommen konnte. Und IHR habt sie finanziert, IHR finanziert sie eifrig weiter. Macht Euch damit mitschuldig an deren Verbrechen! Ach, ihr habt Angst diesem Goliath entgegen zu treten? Nun, das hatten unsere Grosseltern auch und deswegen haben sie „versagt“. Ihr wollt wieder wie sie versagen? Anscheinend ja! Wo sind die ganzen mit der grossen Klappe welche sagten, dass ihnen das nicht passieren würde, wo sind die ganzen Anwälte welche jetzt gefragt wären das alte System der Rechtsstaatlichkeit im Widerstand zu schützen. Wo sind die Leute die mobilisieren könnten, wo die Fachleute die widersprechen könnten?

    Plötzlich sind sie alle weg …

  4. Germania sagt:

    Eigentlich ist es gut zu wissen was in der Welt passiert. In Libyen, Egypt und der Ukranie hat man ja gesehen wie gross das Gewaltpotential ist. Heutzutage sterben in den Farbenrevolutionen Menschen ob geziehlt durch bezahlte Scharfschuetzen oder durch Unfaelle. Es wird kaum berichtet vom Massaker gegen Unschuldige durch Terroristen in Kunming, China.

    Ist aber nicht wichtiger, zu Hause, bei meinem Nachbarn und meiner Familie sicherzustellen, dass solche Ereignisse in meinem persoenlich ein Umfeld unmoeglich sind?

    Wir schauen in die weite Welt und wie Hobbygerichte urteilen wir ueber Gut und Boese. Zu Hause aber beenden wir die Realitaet vollkommen aus, weil das bequem ist und nichts kostet.

    Nur sollte man bedenken, dass diese Scharfschuetzen und Soeldner gemordet haben auf europaeischen Boden, 10 Autostunden weit weg. Woher die die Kriegswaffen haben interessiert auch niemand.

    Iran, Irak, Afgahnistan, Egypt, Lybia das war noch Fern-sehen weit weg. Aber jetzt sind 1000 sende Kriegsgeraete aus der Ukranine auf dem Markt in Europa mit offenen Grenzen.

    Was wird wohl passieren mit diesen neuen Macht aus Erwachsenen mit Maschinengewehren?

    Da wuerde ich ansetzen und die Grenzen der BRD schliessen, bevor sie auf jemanden scharf schiessen.

  5. Politicus sagt:

    „Ist das nicht alles Zynismus in Reinkultur?“
    Ja ist es! und wir sind alle Schuldig! die Strafe wird kommen wenn das machtpendel in die andere Rcihtung schwingt.

    @ Chris 123

    meine volle Zustimmung!

  6. Turbuss sagt:

    @Chris 123

    „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!!!“

    Irgend wann muss aus Gemaule und Geposte endlich mal aktiver Widerstand werden, also Ärsche hoch und raus auf die Straßen, bevor diese voll mit Nationalgarde oder sonst was sind. Die Friedensbewegung scheint auch tot zu sein, also los lasst uns aufstehn und einen neuen friedlichen Widerstand formieren bevor es zu spät ist!

    Tobias Schlotter, Freudenstadt

  7. chris123 sagt:

    Ich befürchte, mehr als Maul-Helden wir man nicht finden!

  8. Politicus sagt:

    @ turbuss

    nicht persönlich nehmen, mit friedlichen Widerstand, solange die Armee nicht hinter dem Volk steht, lässt sich nichts bewirken.

    Das ist blauäugig gedacht!

    @ Chris 123

    dem BRD-Insassen genügt in der Regel der Status des Maulhelden.

    Abgesehen von den guten Ansätzen. Wir bekommen es doch gar nicht hin uns regional zu Organisieren. Ich glaube ich hatte hier mal eine E-Mail von mir hinterlegt, da hat sich keiner gemeldet.

  9. Turbuss sagt:

    Na dann sage ich leise …scheiße ! Was mich am meisten ärgert, ist dass einen schon alleine das Aussprechen der Wahrheit einsam macht! Es macht mich traurig, aber die volle Wahrheit scheint zu sein, dass wir keine Chance haben, denn wenn wir der dekadenten Elite zu nahe kommen, dann werden die mal schnell einen Krieg vom Zaun brechen bevor wir Frieden buchstabieren können…Gute Nacht Menschheit!

  10. Turbuss sagt:

    @ Politicus

    Tobischlotter@web.de und…

    Blauäugig vielleicht, aber der einzige Weg ohne eine weitere Gewaltspirale anzukurbeln, die wieder nur der Elite in die Karten spielt!

  11. … wie wäre es denn, wenn wir es wie in Indien machen – dort hat man mit Passivität eine Weltmacht in die Knie gezwungen – Gandhi hat es vorgemacht.

    Entzieht den „Eliten“ ihr Lebenselexier – sie leben von unserem Konsum, der spült Gewinn in ihre Taschen – Konsumverweigerung bzw. den Konsum bis auf das notwendige Minimum reduzieren, dann kipt das von ganz alleine.

    Das setzt aber den Übergang zur teilweisen Selbstversorgung voraus.

  12. Konjunktion sagt:

    Deutungshoheit

    Dank der Deutungshoheit des westlichen Systems zu dem die NATO gehört, wird heute aus den Terroristen der al-CIAda (Afghanistan, Mali), der gute Rebell oder die Opposition (Libyen, Syrien).
    Dank der Deutungshoheit wird aus illegalen Angriffskriegen (Kosovo, Libyen), eine Friedensmission.
    Dank der Deutungshoheit wird aus der Gefahr eines Konflikts durch die Osterweiterung der NATO (Bedrohung und Einkreisung Russlands), eine Stärkung der Demokratie.
    Dank der Deutungshoheit wird die Bombardierung von unschuldigen Menschen, eine friedensstiftende Maßnahme.
    Dank der Deutungshoheit werden aus völkerrechtswidrigen Drohnen-Angriffen mit Tausenden an unschuldigen Opfern, der legale Kampf gegen den Terror.
    Dank der Deutungshoheit wird eine weltweit ungesetzliche Totalüberwachung der Menschen, ein Schutz vor möglichen Terroranschlägen.
    usw. usf.

    mehr hier: http://konjunktion.info/2014/03/nato-angriffsbuendnis-und-interessensvertretung-der-westlichen-eliten-2/

    VG

  13. […] ***Libyen: Destabilisiert und alleine gelassen*** […]

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