Alice im Wunderland: Das Förderlabyrinth der Frau Schwarzer

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Den meisten Menschen ist Alice Schwarzer eher ein Begriff, wenn es um die Emanzipation in Deutschland geht. In mehreren Artikeln zeigten wir bereits erhebliche Diskrepanzen bei der Förderung mit Steuergeldern auf. Es geht insgesamt um Millionenbeträge und derer möglicherweise zweifelhaften Verwendung. In den Ministerien gab man sich sehr zugeknöpft, ging es um den FMT und Frau Schwarzer. Wir mussten in einem Fall einen Anwalt einschalten und in einem anderen Auskunft nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) verlangen. Ein langwieriger Kampf um Informationen.


Seit etwa einem Jahr sind wir dabei, uns durch den Dschungel der Bürokratie zu arbeiten, um an die notwendigen Unterlagen und Dokumente zu gelangen. Nun haben wir zum Projekt „FMT-Visuell“ den Abschlussbericht erhalten, nachdem wir die Auskunft über das Informationsfreiheitsgesetz verlangten. Nach einer weiteren Erinnerung, dass die Frist zur Bearbeitung abläuft, wurden uns Unterlagen zur Verfügung gestellt. Leider fehlte ein elementarer Bestandteil – die Schlüssel zur Verwendung der Gelder. Der Pressesprecher des BMBF – Dr. Moritz Ballensiefen – sicherte uns in einem Telefonat zu, diese schnellstmöglich beizubringen.

Der Abschlussbericht für das Projekt „FMT-Visuell“, welches zu 100% durch den Bund mit 413.611 ,- Euro gefördert wurde, deckt sich nach meinen Beobachtungen und Recherchen jedoch nicht mit der Realität. Hierzu im Verlauf des Artikels mehr.

Interessant war, im Bericht stolperte ich über ein weiteres vom Bund gefördertes Projekt – mit dem Namen „FMT-Virtuell“, nicht zu verwechseln mit „FMT-Visuell“. Natürlich habe ich in diesem Zusammenhang direkt das BMFSFJ – das ist ein anderes Ministerium (dem jetzt Frau Schröder vorsitzt) – angefragt und um Details gebeten. In diesem Zusammenhang stellte ich direkt die Nachfrage nach weiteren Förderprojekten, welche im Zusammenhang mit dem FrauenMediaTurm stehen. Es ist ein wahrer Förderdschungel als Landes- und Bundesmitteln.

Wir hatten bereits in vorangegangenen Artikeln den Verdacht geäußert, dass Bettina Flitner möglicherweise in nicht unerheblichem Maß von den Fördergeldern partizipiert hatte. In diesem Zusammenhang wiesen wir auf die Ergebnisse aus Netzrecherchen hin, die nahelegten, dass Bettina Flitner und Alice Schwarzer zu diesem Zeitpunkt Lebensgefährten waren. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Fördermittel tatsächlich wie im Verwendungsnachweis bescheinigt wirtschaftlich und sparsam verwendet wurden. Dazu aus dem Verwendungsnachweis:

Unterschrieben von Frau Schwarzer persönlich. Kommen wir nun zu einigen Passagen des Berichts, welche Bettina Flitner und die Firma Laif bei welcher Bettina Flitner unter den Fotografen gelistet ist, betreffen.

Lassen wir das, bis die weiteren Dokumente vorhanden sind, zunächst im Raum stehen.

Hier nun noch einmal die Projektvorgaben:

Dann aus dem Prüfbericht:

Seinerzeit, drei Jahre nach Abschluss des Projektes laut Vorgaben, hieß es noch auf der Webseite vom FMT:

An dieser Stelle erhalten Sie zukünftig Zugang zu unserer Bilddatenbank sowie genauere Informationen über Recherchemöglichkeiten und Nutzungstarife.

Jetzt, nachdem wir den Bundesrechnungshof eingeschaltet haben und nicht mehr locker gelassen haben, steht auf der Webseite zu lesen:

Am 8. März 2013 wird das visuelle Archiv online gehen. Neben den aktuellen und historischen Texten sind dann Tausende von Fotos (wie hier das von Hedwig Dohm) und Dokumenten online recherchierbar. Bilder prägen unser Bewusstsein und die Welt. Der FMT trägt dem mit diesem Pionierprojekt Rechnung.[1]

In einer Presseerklärung aus 2008 des BMBF zu Frauen die Forschen hieß es:

Fazit: Es tauchen immer neue Fördergelder auf, die in den Frauenmediaturm geflossen sind. Angeblich sollte bereits 2009 das Onlinearchiv stehen. Der Prüfbericht bescheinigt, dass alles seine Ordnung hat und niemand ist es gewesen.
In die ganze Angelegenheit scheint jetzt doch noch einmal ordentlich Schwung zu kommen, ob da nun Assistenten sitzen und am Scanner schwitzen, lässt sich nicht feststellen, eines ist jedoch sicher; die Erklärung, es ginge um Bildrechte, der folge ich nicht so wirklich. Angeblich war das Projekt ja – laut Prüfbericht – abgeschlossen und die Welt um eine einmalige Datenbank reicher.
Spannend wird es noch einmal, wenn die Schlüssel zu den einzelnen Positionen kommen. Wo, warum und wie viel Geld verwendet wurde. Auch wenn jetzt noch ein Archiv kommt, bleiben etliche Fragen offen und wir bleiben am Ball. 

[1] http://www.frauenmediaturm.de/recherche/bilddatenbank/


15 Responses to Alice im Wunderland: Das Förderlabyrinth der Frau Schwarzer

  1. Jens Blecker sagt:

    Die Spiegeldateien aus den Webarchiven werden zwar noch angezeigt, leider kann man diese aber nicht mehr abrufen. Bei Gesprächen mit den Ministerien hatte ich darauf hingewiesen, dass man dort nachsehen könnte. Nun….leider nicht mehr 😉

  2. LFO sagt:

    Auch wenn ich die eigentliche Aufgabe der Frau Schwarzer nie wirklich verstanden habe- schön festgebissen, Jens… Weiter so.
    Möge die Dame Albträume bekommen!

    Gruß und Danke für deine Arbeit

  3. tugrisu sagt:

    In der Online Datenbank sind Literaturangaben zu folgenden Dokumentarten zu finden:

    rund 14.000 Büchern
    923 Zeitschriften-Titeln (davon 51 historisch)
    18.000 ausgewählten Aufsätzen in Sammelwerken
    3.774 ausgewählten Aufsätzen in Zeitschriften
    6.245 Artikeln in der Zeitschrift EMMA
    ca. 500 unveröffentlichten Hochschulschriften

    Das war Mai 2006…

  4. Jens Blecker sagt:

    Je tiefer ich Einblick bekomme, umso mehr wirkt es nach einem Förder-Pingpong. Mal Das BMBF, dann das BMFSFJ, dann wieder BMBF, zwischendurch noch Länder ….. das ist echt nicht zu glauben. Mit dem Geld hätte ich ein ganzes Museum der Frauengeschichte aufgebaut.

  5. Jens Blecker sagt:

    Immerhin haben die es schon hinbekommen die Emma von 30 Jahren zu digitalisieren. Naja wenn schon ein neuer Scanner von den Fördermitteln angeschafft wurde…..Steht so zumindest im Bericht.

    http://www.emma.de/service/emma-lesesaal/

  6. Jens Blecker sagt:

    Eigenartig, trotz mehrerer Anfragen im FMT bekam ich nicht eine Antwort oder Rückruf. Auf dem Cover der Emma 4 (301) Herbst 2011 steht:

    Alice Schwarzer: Mein Leben
    „Der Motor meines ganzen Handelns ist Gerechtigkeit.“

    Alice müsste doch förmlich danach gieren mich mit den benötigten Unterlagen zudecken zu dürfen? Oder meint Sie eine „andere Gerechtigkeit?“ Fragen über Fragen 😀

  7. Evey sagt:

    Nun ja, vielleicht findet sie es einfach nur gerecht, dass Männer nicht immer bescheid wissen, wofür Frauen wessen Geld auch immer ausgeben;)

    Übrings, klasse, dass ihr da am Ball bleibt. Ich verstehe den ganzen Quatsch auch nicht.

  8. […] http://www.iknews.de/2013/01/18/alice-im-wunderland-das-foerderlabyrinth-der-frau-schwarzer/ Bewerten:Sharen mit:TwitterFacebookE-MailPinterestGoogle +1DiggLinkedInDruckenStumbleUponTumblrRedditGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. […]

  9. Jens Blecker sagt:

    Na da wird doch einiges klarer :

    Interview: Haben Sie eigentlich so ein richtiges Frauen-Netzwerk? Treffen Sie sich regelmäßig mit Elke Heidenreich, Sandra Maischberger oder Claudia Roth und Co, um sich zu besprechen und auszutauschen?

    Schwarzer: Ich habe in den vergangenen 25 Jahren zweimal Netzwerke aufgebaut. Das erste war ein Politikerinnen-Netzwerk, als die Regierung noch in Bonn saß. Da waren die Ministerinnen und Spitzenpolitikerinnen aller Parteien drin und haben zusammen so manches ausgekocht.

    http://blog.interview.de/Smalltalk-Alice-Schwarzer

  10. jamal sagt:

    Vorrausgesetzt, dass dir so etwas wichtig ist…

    Du bist in die Liste der Vorbilder aufgenommen.

    Für mich bist du ein wirklicher Journalist, was für mich gleichbedeutend mit einem Lehrer (im ürsprünglichem Sinn) ist.

    Du bist Denker und Macher mit einer humanistischen Grundeinstellung.

    Unglaublich wie mit Geldern umsich geworfen wird, in einer Zeit, wo jede Stunde Kinder verhungern.

    Zeig denen wo der Hammer hängt.

  11. Jens Blecker sagt:

    hi und danke,

    bei all der Kloppe die man zum Teil von Aussen kommt, tun nette Worte immer gut 😉
    Vielen Dank dafür.

  12. Gedoense sagt:

    Da ist jamal nicht alleine. Danke Jens! Bitte höre nicht auf.

  13. Pulp sagt:

    vielleicht hättest du deine Frau die Anfrage machen lassen sollen. Mir scheint Frau Schwarzer hasst nichts mehr als Männer! Dir als ein Dreibein wird das Teil bestimmt nicht antworten!

  14. cubi2011 sagt:

    Wirklich klasse was du machst. Respekt.

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